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Das Milton-Modell: Hypnotische Sprachmuster Teil 1

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Wie Du durch kunstvolle Unbestimmtheit einer vagen Sprache den Zugang zum Unterbewusstsein öffnest.


Als ich 2015 das erste Mal mit dem Modell des NLP in Berührung gekommen bin, gab es ein Modell welches sehr technisch und trocken erschien. Dies was damals das Milton-Modell, zu dem ich über mehrere Wochen allmählich einen Zugang finden konnte. Dies führte mich vor allem in meinen späteren Jahren dazu, mir Gedanken zu machen wie ich Dir das Milton-Modell auf eine angenehme und spielerische Art und Weise in meinen NLP-Workshops vermitteln kann. Denn die Anwendung des Milton-Modells kann im Alltag von großen Nutzen für Dich sein. Während es in meinen NLP-Workshops vor allem darum geht, dass Du mit der Veränderung Deiner Bewusstseinszustände experimentierst, geht es heute um einen weiten Rundumschlag zum Milton-Modell. Am Ende des Artikels kannst Du selbst für Dich entscheiden, ob Du Dich auch mit der Intensivierung und Utitilisierung von Tranceprozessen durch das Milton-Modell in meinen NLP-Workshops auseinandersetzen willst.


Das Milton-Modell: Ein Hypnose oder NLP-Format? Ein Blick zurück.


In den Seibzigern, als NLP in den USA in Kalifornien entstand, war der Begriff der "Hypnos" gesellschaftlich schwierig und außerhalb medizinischer Kontexte sogar verboten. Das ist der Grund, warum der alte Kern des NLP oft logisch und rational daherkommt. NLP-Formate wie beispielsweise das Six-Step-Reframing sind zwar hypnotische Prozesse, wurden aber damals anders benannt. Mittlerweile hat sich heute das Bild hierzu gewandelt. Während einer der Gründer des NLP namens John Grinder eher logisch-sequentiell arbeitete, nutzte der andere Gründer namens Richard Bandler fast ausschließlich Tranceprozesse. In meinen Workshops habe ich mich für die metaphorisch-hynpotische Richtung entschieden. Das heißt nicht, dass diese Richtung "besser" ist, sondern weil sie zu meiner Persönlichkeit besser passt. Ob Du es glaubst oder nicht, das Lernen von NLP darf Spaß machen. Und wie ließe sich dies besser vermitteln als durch Geschichten, Anekdoten und die Arbeit mit dem Unbewussten?


Trance als natürlicher Lebensbegleiter


Vergiss für einen kurzen Augenblick spektakuläre Bilder von Show-Hypnotiseuren auf YouTube, welche die Menschen zur Selbstdarstellung manipulieren. Für mich selbst ist Trance ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Normalerweise ist jeder Bewusstseinszustand eine Art von Trance, und es geht im Leben vor allem darum, den für den jeweiligen Kontext stimmigsten Trancezustand wählen zu können. Die Arbeit mit dem Unbewussten macht Deine Veränderungsprozesse in meinem NLP-Practitioner nicht nur einfacher und schneller, sondern auch langfristiger wirksam. In meinem NLP-Practitioner lernst Du, Deine Sprache so zu gestalten, dass das Unterbewusstsein die Inhalte sehr gut versteht.


Was ist das Milton-Modell?


Das Milton-Modell ist die Beschreibung der effektivsten hypnotischen Sprachmuster von Milton H. Erickson, dem wohl bedeutendsten Hypnotherapeuten der modernen Zeit. Während das Meta-Modell, von Virginia Satir einer Familientherapeutin modelliert, auf Konkretheit und Details zieht, ist das Milton-Modell das genau Gegenteil und kunstvoll vage in der Wortwahl. Du bleibst also bewusst unbestimmt, um den inneren Erlebensprozess des Gegenübers zu steuern. Man nennt diese Muster auch Prozessinstruktionen. Milton H. Erickson kommunizierte gleichzeitig mit der linken (logischen) und rechten (intuitiven) Gehirnhälfte, wobei der Fokus immer auf dem Kontakt zum Unterbewusstsein lag.


Die Vorannahmen von Milton H. Erickson


Milton H. Erickson sah das Unterbewusstsein nicht als dunklen Ort, sondern als einen Quell von Lebenskraft und Kreativität. Seine Arbeit basierte unter anderem auf den folgenden Grundsätzen:


  • Jeder Mensch hat alle Ressourcen in sich, die er für Veränderungen braucht

  • Der Mensch trifft immer die beste Wahl, die ihm im Moment zur Verfügung steht

  • Das Unbewusste ist eine mächtige Quelle von Kreativität und Lernen

  • Veränderung ist unvermeidlich und geschieht ständig

  • Es gibt keine Widerstände, nur mangelnde Flexibilität des Begleiters

  • Die Lösung liegt außerhalb des bewussten Denkens. Wer zu sehr grübelt, blockiert sich. Trance öffnet dabei den Weg

  • Paradoxe Interventionen können den Geist öffnen. Wenn ich zu Dir sagen würde: "Versuche nicht, Dich zu entspannen", dann löst das oft den Druck auf und lässt für Dich Entspannung zu


Pacing & Leading: Den Strom des Erlebens nutzen


Bevor wir nun zu den Sprachmustern des Milton-Modells kommen, müssen wir über ein wichtiges Fundament sprechen. Im Zen würde man sagen: "Begegne dem Schüler dort, wo er steht". Im Milton-Modell wird dies auch als Pacing bezeichnet. Bevor ein Zen-Meister eine neue Richtung weißt (auch: Leading), bestätigt er die aktuelle Realität des Schülers, wenn diese auf einer Stimmigkeit beruht. Hypnotische Sprache beginnt immer damit, das Offensichtliche zu spiegeln, um eine Brücke zum Unbewussten zu bauen. Bei einem Pacing der aktuellen Erfahrung Deines Gegenübers, beschreibst Du Dinge die Dein Gegenüber in diesem Moment unbestreitbar wahrnimmt. Ein Beispiel: "Und während Du die Worte dieser Textzeile liest (Pacing)... und den Klang Deiner inneren Stimme hörst (Pacing)... kannst Du beginnen, Dich zu fragen welche neue und positive Erkenntnis heute auf Dich wartet (Leading)".


Die Illusion der Wahl: Bind und Double Binds


Milton H. Erickson war berühmt dafür, dem Bewusstsein seiner Schüler und Patienten eine Wahl zu lassen, während das Unterbewusstsein bereits in die gewünschte Richtung gesteuert wurde. Dies ist fast schon wie ein Kōan, das den Verstand des Schülers beschäftigt, während die Intuition die Antwort findet. Man unterscheidet zwei primäre Formen:


  • Einfache Binds (Bindungen): Hier wird eine Handlung an eine Bedingung geknüpft, die ohnehin eintritt. Ein Beispiel: "Während Du Dich weiter entspannen kannst, wird Dein Unterbewusstsein eine Lösung für Dich finden". Dabei "bindet" die Entspannung die Lösungssuche

  • Double Binds (Doppelbindungen): Du gibst zwei Wahlmöglichkeiten vor, wobei beide zum eigentlichen Ziel führen. Der Verstand glaubt dabei zu wählen, während das eigentliche Ziel bereits feststeht. Ein Beispiel: "Möchtest Du bereits jetzt in eine leichte Trance gehen, oder lieber erst in einigen Sekunden während Du Dir überlegen kansnt, ob Du es Dir noch bequemer machen sollst?". Egal was von beiden Möglichkeiten gewählt wird, das Ergebnis ist ein Trancezustand


Die Tiefe der Ambiguität (Mehrdeutigkeit)


Bei einer Ambiguität handelt es sich um eine Mehrdeutigkeit. Es gibt verschiedene Wege, um den Verstand durch Mehrdeutigkeiten zu überlasten, damit die kritische Instanz herabzusetzen und das Unterbewusstsein mehr hervortreten zu lassen. Anbei drei Typen von Ambiguitäten:


Typ der Ambiguität

Erklärung

Beispiel

Phonologische Ambiguität

Wörter die gleich klingen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben.

„Es ist Zeit für Deinen neuen Weg... (Weg als Pfad oder ‚etwas ist weg‘).“

Syntaktische Ambiguität

Die grammatikalische Struktur lässt offen, worauf sich ein Wort bezieht.

„Das Besuchen von Verwandten kann anstrengend sein.“ (Besuchen wir sie oder sie uns?)

Bereichs-Ambiguität (Scope)

Es ist unklar, wie weit sich ein Adjektiv oder Verb im Satz auswirkt.

„Ich möchte, dass Du mit Deinen klugen Gedanken und Gefühlen arbeitest.“ (Sind nur die Gedanken klug oder auch die Gefühle?)


Utilisierung (Nutzbarmachung): Alles ist eine Ressource


Eine der wichtigsten Aspekte von Milton H. Ericksons Arbeit war die Utilisierung. Im Zen steht das Geräusch eines zerbrechenden Bambusstabs beispielsweise für den Moment des Erwachens. In der Hypnose nutzt Du jede Störung als einen Teil des Prozesses. Lass mich Dir an dieser Stelle zwei Beispiele geben:


  • Eingliederung von Außenreizen: Eine plötzlich zuknallende Tür oder das Husten eines Nachbarn wird nicht ignoriert, sondern eingebaut. Ein Beispiel: "Und die Geräusche die Du um Dich herum wahrnehmen kannst, helfen Dir dabei noch tiefer nach innen zu lauschen... weil jedes Geräusch Dich daran erinnert, wie sicher Du hier bei Dir bist"

  • Utilisierung von Widerstand: Wenn jemand sagt: "Ich kann mich nicht entspannen", dann nutz ein guter Hypnotiseur genau diese Information. Ein Beispiel: "Das ist normal, denn wenn Du diese Anspannung noch einen Moment ganz bewusst festhältst, kannst Du genau spüren, wenn Dein Körper selbst entscheidet von selbst Deine Muskeln zu lockern und einfach loszulassen"


Nachdem wir nun ein stabiles Fundament des Milton-Modells hergestellt haben, können wir im nächsten Artikel zum Milton-Modell die hypnotischen Sprachmuster thematisieren. Klicke einfach hier falls Du weiterlesen möchtest um zu erfahren, wie Du mit Hilfe Deines Unterbewusstseins ein selbstbestimmteres und glücklicheres Leben führen kannst. Ich wünsche Dir viel Spaß beim weiteren Lernen durch Dein heute erworbenes Wissen.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈



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