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Meisterhaftes Storytelling und unbewusste Veränderungen

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 11. Apr.
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Aug.

Eine Geschichte, die erklärt, wird verstanden. Eine Geschichte, die erleben lässt, wird zu einer Erfahrung.


Den heutigen Artikel verfasste ich mit einer japanischen Tasse und heißem Tautropfen. Du hast richtig gelesen, denn so heißt ein besonderer Grüntee aus Japan, den man Gyokuro nennt. Momente zuvor war ich noch im Zazen und versank tief in den Welten meines Unterbewusstseins, und dort erschien mir auf einmal eine goldweiße Blume, fast wie eine Rose mit tausend Blättern. Manche Menschen stellen sich das Unterbewusstsein als einen dunklen Ort vor. Es ist das Gegenteil davon: ein Ort voller Vielfalt, voller Symbole, metaphorischer Bilder und dichter Zustände. Als Lehrer des Zen möchte ich Dir heute einen tieferen Einblick in diese Welt geben und Dir zeigen, wie ich in meinen Trainings mit Geschichten und Bewusstseinszuständen arbeite.


Geschichten und Metaphern zur Persönlichkeitsentwicklung


Eine Geschichte ist eine Erzählung, die Dein Gegenüber dort abholt, wo es steht, und es zu einem bestimmten Ende führt. Im Internet ranken sich viele Mythen darum, was meisterhaftes Storytelling ausmacht. Während die einen von einer klaren Abfolge sprechen, wird oft auch das CAR-Modell mit seinen drei Elementen genannt:


  • Context, also die Orientierung

  • Adversity, also die emotionale Aktivierung

  • Resolution, also die Integration und die Bedeutung


Doch meisterhaftes Erzählen fühlt sich nicht danach an, dass jemand etwas berichtet. Es lässt im Zuhörer einen inneren Film entstehen. Weniger ein Senden von Informationen also, mehr ein gezieltes Wecken. Eine starke Geschichte hat fast immer einen emotionalen Wahrheitskern, denn es geht weniger darum, was geschehen ist, als darum, was es bedeutet hat. Wirklich meisterhafte Erzähler sprechen aus einer inneren Erfahrung heraus und nicht aus einer Konstruktion. Die dichtesten Geschichten erzeugen dabei Spannung durch Konflikte, durch innere Zweifel, Angst und Schuld ebenso wie durch äußere Hindernisse in Gestalt von Umständen oder anderen Menschen. Und schwach bleiben fast immer jene Geschichten, die erklären, während die starken etwas erleben lassen. Es macht eben einen Unterschied, ob Du sagst: „Ich hatte Angst", oder ob Du erzählst: „Meine Hände waren eiskalt und feucht, während der Raum enger wurde und sich jeder Blick wie ein Urteil anfühlte." Meisterhafte Erzähler sprechen zum Nervensystem des Zuhörers, nicht nur zu seinem Verstand. An bestimmten Stellen darf eine Erzählung dabei besonders genau sein, denn je klarer Du etwas für Dich selbst bestimmst, desto weniger hängst Du davon ab, wie andere es einordnen. Frag Dich einmal, was das Wort Heilung für Dich bedeutet:


  • Ein Zustand ohne innere und äußere Trigger?

  • die Fähigkeit, anders mit Triggern umzugehen?

  • oder Momente tiefer Annahme in denen eine Wunde mit Liebe gefüllt wird?


Im NLP gibt es dazu das Modell der Nested Loops, das Richard Bandler ursprünglich bei Robert Anton Wilson wahrgenommen hat. Große Geschichten beantworten selten alles sofort, sie öffnen Schleifen. Unter einer Schleife kannst Du eine Frage ohne Antwort verstehen, eine Andeutung, einen scheinbar unvollständigen Satz oder eine Bedeutung, die in der Luft hängen bleibt. Genau das bringt das Unbewusste dazu, von selbst nach Auflösung zu suchen. Deshalb kann die Arbeit mit Nested Loops besonders intensiv werden, wenn bestimmte Schleifen gar nicht mehr geschlossen werden. Ich spreche dann von unsymmetrischen Nested Loops. Während die symmetrische Form die Geschichten in umgekehrter Reihenfolge wieder schließt, so wie sie geöffnet wurden, bleibt bei der unsymmetrischen Form manches bewusst offen. In mehreren Experimenten habe ich für mich außerdem das chaotische Storytelling entdeckt und lieben gelernt. Du kannst es Dir als eine lineare Geschichte vorstellen, die unterwegs mehrere Nested-Loops-Konstrukte und Degressionen (auch: Vertiefungen in eine Geschichte hinein) nutzt, oder als eine Erzählung, die mehrere Geschichten spontan beginnt und erst am Ende die meisten davon wieder schließt. Mit bestimmten Pointern (auch: Zeigern) kannst Du zusätzlich von Geschichte zu Geschichte springen und daraus ein endlos geflochtenes Band weben.


Zum meisterhaften Erzählen gehört außerdem, dass der Zuhörer sich in der Geschichte selbst wiederfinden kann. Je allgemeingültiger das emotionale Muster ist, desto tiefer reicht die Wirkung, denn kraftvoll wird eine Geschichte erst dann, wenn sich im Zuhörer etwas verändert. Das kann seine Wahrnehmung betreffen, seine Identität oder seine Bedeutungswelt. Er gelangt von einem „wer ich war" zu einem „wer ich geworden bin", und diese Verwandlung am Ende ist das eigentliche, was bleibt. Meisterhafte Erzähler spielen dabei mit Tempo, langsamer bei den Gefühlen und schneller in der Handlung, ebenso mit Pausen und mit dem Wechsel von Verdichtung und Weite. Eine wirklich gute Geschichte wird nicht nur erzählt, sie wird geführt. Und wenn Deine Geschichten darüber hinaus mehrschichtig sind, dann bist Du auf dem besten Weg, ein meisterhafter Erzähler zu werden, denn eine starke Geschichte wirkt auf mehreren Ebenen zugleich:


  • an der Oberfläche als Handlung

  • in der Tiefe als Bedeutung

  • und unterbewusst durch die Suggestionen


Das war auch eine der Qualitäten von Milton H. Erickson. Eine Geschichte kann zugleich unterhalten, heilen und verändern, ohne dass der Zuhörer bemerkt, wie ihm geschieht. Manchmal liegt die größte Kraft dabei in dem, was nicht gesagt wird. In kleinen Lücken, in feinen Andeutungen, in Bedeutungsräumen. Der Zuhörer füllt sie mit seiner eigenen Erfahrung, und genau dadurch wird die Geschichte seine eigene. Am Ende erinnern sich die wenigsten Menschen an jede Szene, wohl aber an das Gefühl, mit dem sie zurückgeblieben sind. Ich finde es bei manchen Geschichten deshalb besonders stimmig, den Zuhörer zum Schluss zum Lachen zu bringen, denn Lachen ist eine wunderbare Medizin. Je nachdem, welchen Impuls Du setzen willst, hinterlässt eine meisterhafte Geschichte:


  • ein Ziehen im Bauch

  • ein stilles Verstehen

  • oder einen inneren Impuls zur Veränderung


Das war auch eine der Qualitäten von Milton H. Erickson. Eine Geschichte kann zugleich unterhalten, heilen und verändern, ohne dass der Zuhörer bemerkt, wie ihm geschieht. Meisterhaftes Storytelling ist damit selbst wie eine Trance. Du führst jemanden von einer vertrauten Wirklichkeit durch Spannung und Ungewissheit hin zu einer neuen inneren Ordnung, ohne dass er sagen könnte, wann genau sich etwas in ihm verschoben hat. In meinen Workshops und Trainings arbeite ich vor allem so, dass mein Zuhörer sich zuerst in einem entspannten Trancezustand befindet. Von dort aus beginne ich, bestimmte Themen zu berühren und metaphorische Geschichten an sie zu knüpfen, die in manchen Fällen die Gestalt therapeutischer Metaphern annehmen. Eine solche Metapher benennt ein Problem, baut eine Brücke zur Veränderung und legt dem Unterbewusstsein Lösungsmöglichkeiten hin. Und je mehr Submodalitäten dabei ins Spiel kommen, desto dichter wird sie.


Eine Metapher (auch: eine Übertragung) ist im Kern ein bildhafter Wechsel. Du nimmst einen Begriff aus seinem ursprünglichen Zusammenhang und setzt ihn in einen neuen, um eine abstrakte Idee greifbar und lebendig zu machen. Dabei wird kein Vergleich mit dem Wort „wie" gezogen, sondern beides wird unmittelbar gleichgesetzt. Statt zu sagen, das Leben sei oft schwierig und voller Hindernisse, könntest Du sagen: Das Leben ist eine Berg- und Talfahrt. Dein Gehirn muss dann das Bild von Berg und Tal sofort mit den Gefühlen von Gelingen und Scheitern verknüpfen, und diese Übersetzung geschieht blitzschnell und unbewusst. Eine ganze Geschichte kann auf dieselbe Weise als Metapher wirken, also als Gleichnis, um Lernprozesse zu tragen oder Lösungen anzubieten. Das macht sie emotional zugänglicher und hält die Aufmerksamkeit wach. Eine Metapher ist wie ein Fenster, durch das der Verstand eine Wahrheit erblickt, für die ihm die eigenen Worte fehlen.



Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein


Nach diesem längeren Blick auf Geschichten und Metaphern wenden wir uns nun dem Unterbewusstsein selbst zu. Schon Milton H. Erickson sagte sinngemäß, dass es ein Ort voller Ressourcen sei. Das deckt sich mit meiner Erfahrung, und zugleich ist es ein Ort, an dem verborgene Wunden liegen können, also Traumata. Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein besteht deshalb meist darin, unbewusste Ressourcen zu diesen Wunden zu führen und sie dort zur Heilung und Auflösung zu bringen. Doch wie bekommt ein Mensch, der ein belastendes Gefühl seit Langem mit sich trägt, einen tieferen Zugang zu sich selbst? Der Weg führt über das Gefühl selbst, beispielsweise über eine Affektbrücke. Sie ist ein Weg von einem Gefühl im Hier und Jetzt zurück zu jener Erfahrung, in der dieses Gefühl gelernt oder geprägt wurde. Statt über das Gefühl nachzudenken, geht es darum, tiefer in es hineinzugehen. Vereinfacht sieht der Ablauf so aus:


  1. Das Gefühl aktivieren. Wo im Körper fühle ich das? Es geht um ein tieferes Spüren und Verstärken, nicht um ein Vermeiden.

  2. Dranbleiben ohne Deutung. Statt zu analysieren, wird einfach wahrgenommen.

  3. Das Unterbewusstsein sucht selbst. Wie aus dem Nichts tauchen Bilder, Erinnerungen oder Szenen zum Gefühl auf.

  4. Der Ursprung wird sichtbar. Oft zeigt sich, dass das Gefühl aus der Kindheit oder aus einer prägenden Situation stammt.


Die Affektbrücke ist deshalb so wirkungsvoll, weil sie nicht über die Sprache geht, sondern über Körper, Emotion und unmittelbare Erfahrung. Damit umgeht sie den kritischen Filter des Bewusstseins. Dieser Filter sorgt meist dafür, dass ein Mensch das eigentliche Problem in sich gar nicht erkennt, und insofern kannst Du ihn als Schutzmechanismus verstehen. Häufig nutzen Menschen die unterschiedlichsten Gedanken, um sich selbst eine Geschichte darüber zu erzählen, was ihr Problem sei, während das eigentliche Thema im Hintergrund verdeckt bleibt und genau jene Gedanken hervorbringt. Die Gedanken geben also einen Hinweis auf das, was darunter liegt. Zur Auflösung kommt es aber erst, wenn sie still werden und ein bewusster Kontakt zum Thema selbst entsteht. Weil diese Arbeit bis in prägende und mitunter schmerzhafte Erfahrungen reicht, gilt hier dasselbe wie überall dort, wo es tief geht: Bei einer schweren Erfahrung ist eine gute Begleitung mehr wert als jede Technik im Alleingang.


Um auf der eigentlichen Problemebene eine Lösung zu finden, lassen sich symbolische Prozesse nutzen. Denn das Unbewusste denkt nicht in Logik, sondern in Bildern, Metaphern und Symbolen. Ein Problem ist deshalb selten nur ein Gedanke, sondern ein inneres Bild oder ein ganzes inneres System. Statt mit dem Problem selbst zu arbeiten, kannst Du also mit dem Symbol arbeiten, das es vertritt. Auf einmal ist Angst nicht mehr einfach Angst, sondern ein dunkler Raum, eine enge Kiste oder ein Tier. Und die eigentliche Bewegung entsteht dort, wo dieses Symbol bewusst verändert wird:


  1. Das Symbol entstehen lassen. Frag Dich: Wenn dieses Gefühl ein Bild wäre, wie sähe es aus?

  2. Die Beziehung zum Bild herstellen. Wie ist der Abstand, wie die Nähe, wie die Bewegung?

  3. Das Symbol verwandeln. Verändere Farbe, Form und Bewegung und reguliere die Größe.

  4. Den Prozess einordnen. Frag Dich: Was bedeutet diese Veränderung für mich, und was fühlt sich jetzt anders an?


Aus dem Modell des NLP weißt Du bereits, dass Dein Gehirn seine Erfahrungen unter anderem in Submodalitäten und emotionalen Markern ablegt. Mit dieser Symbolarbeit arbeitest Du also unmittelbar an der inneren Codierung, und wenn Du sie veränderst, verändert sich Dein Erleben von selbst mit. Die Verbindung aus einer Affektbrücke, die zum Ursprung führt, und einem symbolischen Prozess, der die Erfahrung verwandelt, ist damit ein kraftvolles Werkzeug der Arbeit mit dem Unterbewusstsein. Die Affektbrücke bringt Dich an den Ort, der symbolische Prozess verändert die Struktur. Oder in einem Bild gesprochen: Zuerst findest Du heraus, wo der Knoten entstanden ist, und dann veränderst Du, wie er gebunden ist.


Mit dem heutigen Artikel wollte ich einige Knoten in Dir lösen und einige neue entstehen lassen. Und so wichtig ein guter Prozess auch ist, entscheidend bleibt daneben immer die Kraft des eigenen Wunsches nach Heilung. Bestimmt sind Dir beim Lesen weitere Fragen gekommen. In meinen Trainings und Workshops gehe ich auf genau solche Fragen ausführlich ein, und wenn Du magst, setzt Du damit einen weiteren Schritt und trittst mit mir in Begegnung.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

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