Meisterhaftes Storytelling und unbewusste Veränderungen
- Florian Stotz

- vor 16 Stunden
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Stunden
Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein durch bewegende Geschichten und Metaphern.
Den heutigen Artikel verfasste ich mit einer japanischen Tasse und heißem Tautropfen. Richtig gelesen, einem heißen Tautropfen, denn so nennt sich ein spezieller Grüntee aus Japan, welcher als Gyokuro bezeichnet wird. Momente zuvor war ich noch im Zazen und versank tief in den Welten meines Unterbewusstseins. In einem Moment erschien auf einmal in meinem Geist eine goldweiße Blume, fast schon wie eine Rose mit tausenden Blättern. Einige Menschen mögen sich das Unterbewusstsein als einen dunklen Ort vorstellen, allerdings ist das Unterbewusstsein ein Ort voller bunter Vielfalt in Form von Symbolen, metaphorischen Visualisierungen und intensiven Zuständen. Als Lehrer des Zen möchte ich Dir heute einen tieferen Einblick in die Welt des Unterbewusstsein geben, und wie ich in meinen Trainings mit Geschichten und Bewusstseinszuständen arbeite.
Geschichten und Metaphern zur Persönlichkeitsentwicklung
Eine Geschichte ist eine Erzählung, welche Deinen Gegenüber dort abholt wo dieser steht und zu einem bestimmten Ende hinführt. Im Internet ranken sich viele Mythen darum, was ein meisterhaftes Storytelling ausmacht. Während die einen davon sprechen, dass eine klare Abfolge der Geschichte essentiell ist, wird auch das CAR-Modell mit drei entscheidenden Elemente oft erwähnt:
Context (auch: Orientierung)
Adversity (auch: emotionale Aktivierung)
Resolution (auch: Integration, Bedeutung)
Doch meisterhaftes Geschichtenerzählen fühlt sich nicht nur so an, dass jemand etwas erzählt, sondern einen inneren Film im Zuhörer entstehen lässt. Es ist weniger ein Senden von Informationen, sondern eher ein gezieltes Aktivieren im Zuhörer. Eine starke Geschichte hat meist einen emotionalen Wahrheitskern. Es geht weniger darum was passiert ist, sondern was es bedeutet hat. Wirklich meisterhafte Erzähler sprechen aus einer inneren Erfahrung, weniger aus Konstruktion. Zudem erzeugen die intensivsten Geschichten auch Spannung durch Konflikte wie innerliche Zweifel, Angst, Schuld und äußerliche Hindernisse durch Umstände oder andere Menschen. Die meisten Geschichten die eine schwache Wirkung haben sind oft erklärend, während Geschichten mit starker Wirkung etwas erleben lassen. Es macht einen Unterschied aus ob Du sagst: "Ich hatte Angst", oder Du erzählst: "Meine Hände waren eiskalt und schwitzig... während der Raum enger wurde und sich jeder Blick wie ein tödliches Urteil anfühlte". Wie Du bemerken kannst, sprechen meisterhafte Erzähler eher das Nervensystem des Zuhörers an, nicht nur den Verstand. Eine meisterhafte Erzählung kann auch an bestimmten Stellen besonders präzise erzählt sein, denn je klarer Du etwas für Dich definierst, desto weniger wirst Du abhängig davon, wie andere es einordnen. Beispielsweise könntest Du Dich fragen, was das Wort "Heilung" für Dich bedeutet:
Ein Zustand ohne innere und äußere Trigger?
Die Fähigkeit, anders mit Triggern umzugehen?
Oder Momente von tiefer Annahme und Erfüllung einer Wunde mit Liebe?
Im NLP gibt es das Modell der Nested Loops, welches ursprünglich Richard Bandler bei Robert Anton Wilson wahrgenommen hat. Vor allem große Geschichten können meist nicht alles sofort beantworten, sondern öffnen Schleifen. Unter den Schleifen kannst Du Fragen ohne direkte Antwort, Andeutungen und scheinbar unvollständige Sätze sowie Bedeutungen verstehen. Genau das erzeugt den Effekt, dass das Unbewusste automatisch nach Auflösung sucht. Deswegen kann die Anwendung der Nested Loops sehr intensiv sein, wenn bestimmte Loops (auch: Schleifen) gar nicht geschlossen werden. Ich spreche in diesem Fall von unsymmetrischen Nested Loops. Denn während symmetrische Nested Loops die Geschichten zuerst öffnen, und rückwirkend nacheinander wieder geschlossen werden wie sie geöffnet worden sind, werden bei unsymmetrischen Nested Loops gewisse Loops einfach offen gelassen. In mehreren Experimenten habe ich für mich das Format des chaotischen Storytellings entdeckt und lieben gelernt. Du kannst das chaotische Storytelling wie eine lineare Geschichte verstehen, die auf dem Weg mehrere Nested Loops Konstrukte und Degressionen (auch: Vertiefungen) nutzt, oder einer Erzählung die mehrere Geschichten spontan erzählt, und erst am Ende die meisten Geschichten wieder schließt. Mit bestimmten Pointern (auch: Zeigern) kannst Du zusätzlich von Geschichte zu Geschichte springen und damit ein unendlich geflochtenes Band weben.
Meisterhaftes Storytelling beinhaltet außerdem, dass sich der Zuhörer in der Geschichte selbst darin erkennen kann. Je universeller das emotionale Muster ist, desto tiefer kann die Wirkung sein. Denn schließlich ist eine Geschichte erst dann wirklich kraftvoll, wenn sich etwas im Zuhörer verändert. Dies kann die Wahrnehmung, Identität und Bedeutungswelt betreffen. Der Zuhörer gelangt von einem "wer ich war", hin zu einem "wer ich geworden bin". Damit ist die Transformation am Ende der Geschichte das eigentliche, was hängen bleibt. Doch meisterhafte Erzählen spielen vor allem auch mit Tempo (langsamer bei Gefühlen, schneller bei Handlung), Pausen sowie Verdichtung und Weite. Eine wirklich gute Geschichte wird nicht nur erzählt, sondern auch geführt. Wenn Deine Geschichten weiterhin eine Mehrschichtigkeit haben, dann bist Du bestens unterwegs ein meisterhafter Geschichtenerzähler zu sein. Denn eine starke Geschichte wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
Oberfläche als Handlung
Tiefe als Bedeutung
Unterbewusst durch Suggestionen
Dies ist auch einer der Qualitäten von Milton H. Erickson gewesen. Denn eine Geschichte kann gleichzeitig unterhalten, heilen und verändern, ohne dass der Zuhörer merkt wie. Manchmal ist es beim Storytelling auch wichtig zu erkennen, dass die größte Kraft auch oft in dem liegen kann, was nicht gesagt wird. Dies können kleine Lücken, subtile Andeutungen und Bedeutungsräume sien. Der Zuhörer füllt diese Lücken dann mit seiner eigenen Erfahrung, und genau dadurch wird die Geschichte für den Zuhörer persönlich. Am Ende einer jeden Geschichte erinnern sich die wenigsten Menschen an jede Szene, allerdings an das Gefühl am Ende. Ich finde es bei einigen Geschichten besonders stimmig, den Zuhörer am Ende der Geschichte zum Lachen zu bringen, denn Lachen ist eine wunderbare Medizin. Je nachdem welchen Impuls Du am Ende setzen willst, hinterlassen meisterhafte Geschichten beispielsweise
ein Ziehen im Bauch
ein stilles Verstehen
oder einen inneren Impuls zur Veränderung
Meisterhaftes Storytelling ist wie eine Trance, denn Du führst jemanden von einer bekannten Realität durch Spannung und Unsicherheit, hin zu einer neuen inneren Ordnung, ohne dass er merkt, wann genau sich etwas im Inneren verändert hat. In meinen Workshops und Trainings nutze ich vor allem die Strategie, dass mein Zuhörer zuerst in einem entspannten Trancezustand ist. Von hier aus beginne ich damit, bestimmte Themen zu erwähnen und an diese Themen metaphorische Geschichten zu knüpfen. Die metaphorischen Geschichten können in manchen Fälle wie therapeutische Metaphern sein. Diese therapeutischen Metaphern thematisieren ein Problem, einer Brücke hin zur Veränderung und Lösungsmöglichkeiten für das Unterbewusstsein. Je mehr Submodalitäten in diesen therapeutischen Metaphern genutzt werden, desto intensiver wird auch die therapeutische Metapher selbst.
Eine Metapher (auch: Übertragung) ist im Kern eine bildhafte Übertragung. Wenn Du eine Metapher verwendest, dann nimmst Du beispielsweise einen Begriff aus seinem ursprünglichen Zusammenhang und setzt ihn in einen neuen, um eine abstrakte Idee greifbarer oder lebendiger zu machen. Dabei wird kein direkter Vergleich mit dem Wort "wie" gezogen, sondern die Begriffe werden direkt gleichgesetzt. Anstatt zu sagen: "Das Leben ist oft schwierig und voller Hindernisse", könntest Du sagen: "Das Leben ist eine Berg- und Talfahrt". Dadurch muss Dein Gehirn des Bild des Berges und des Tals sofort mit den Gefühlen von Erfolg und Scheitern verknüpfen. Damit findet eine blitzschnelle und unbewusste Übersetzung statt. Eine Geschichte kann als ganze Metapher (auch: Gleichnis) fungieren, um Lernprozesse zu unterstützen oder Problemlösungen anzubieten. Sie machen damit Geschichten emotional zugänglicher und erhöhen die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Eine Metapher ist wie ein Fenster, durch das der Verstand eine Wahrheit erblickt, für die ihm die eigenen Worte fehlen.

Die Arbeit mit dem Unterbewusstsein
Nach einem längeren Abschnitt über die Thematisierung von Geschichten und Metaphern, werfen wir nun einen Blick in das Unterbewusstsein hinein. Bereits Milton H. Erickson sagte einmal sinngemäß, dass das Unterbewusstsein ein Ort voller Ressourcen ist. Nebst der Tatsache, dass dies meiner Erfahrung nach übereinstimmt, ist das Unterbewusstsein auch ein Ort an dem verborgene Wunden (auch: Traumata) existieren können. In Bezug auf die Arbeit mit dem Unterbewusstsein geht es meist darum, unbewusste Ressourcen in die verborgenen Wunden zu führen und damit zur Heilung und Auflösung zu bringen. Doch wie können Menschen, die seit einer langen Zeit ein negatives Gefühl in sich tragen, einen tieferen Zugang zu sich selbst bekommen? Der Weg führt über das Gefühl selbst und beispielsweise einer Affektbrücke. Die Affektbrücke ist ein Weg von einem Gefühl im Hier und Jetzt, zurück zu der Erfahrung, wo dieses Gefühl gelernt oder geprägt wurde. Anstatt über das Gefühl nachzudenken geht es dabei eher darum, tiefer in das Gefühl hineinzugehen. Ein vereinfachter Ablauf könnte wie folgt aussehen:
Das Gefühl aktivieren: "Wo im Körper fühle ich das?"
Es geht dabei vor allem um ein tieferes spüren und verstärken des Gefühls, und nicht um ein vermeiden
Das Dranbleiben ohne Interpretation
Anstelle eines analysieren wird einfach nur wahrgenommen
Das Unterbewusstsein sucht selbst
Aus dem Nichts können Bilder, Erinnerungen oder Szenen zum Gefühl auftauchen
Der Ursprung wird sichtbar
Oftmals wird erkannt, dass das Gefühl aud der Kindheit oder einer prägenden Situation stammt
Die Affektbrücke ist deshlab so wirkungsvoll, weil sie nicht über Sprache geht, sondern über Körper, Emotion und direkte Erfahrung. Dies umgeht den "kritischen Filter" im Bewusstsein. Der kritische Filter im Bewusstsein sorgt meist dafür, dass Menschen das eigentliche Problem in ihnen nicht erkennen. Damit kannst Du den kritischen Filter wie einen Schutzmechanismus verstehen. Oftmals nutzen Menschen die unterschiedlichsten Gedanken um sich selbst eine Geschichte zu erzählen, was das Problem ist, während das eigentliche Problem im Hintergrund verdeckt bleibt und daraus die Gedanken enstehen, welche dem Bewusstsein eine bestimmte Geschichte erzählen. Einerseits geben die Gedanken damit einen Hinweis auf das dahinterliegende Thema, jedoch kommt es zur Auflösung des Problems dann, wenn die Gedanken still werden und mit dem Thema in bewussten Kontakt getreten wird. Um auf der eigentlichen Problemebene dann eine Lösung zu finden, können symbolische Prozesse verwendet werden. Denn das Unbewusst denkt nicht in Logik, sondern in Bildern, Metaphern und Symbolen. Ein Problem ist daher oft nicht nur ein Gedanke, sondern ein inneres Bild oder System. Anstatt also mit dem Problem zu arbeiten, kann mit dem Symbol gearbeitet werden, welches es repräsentiert. Auf einmal ist Angst nicht einfach nur Angst, sondern wird zu einem dunklen Raum, einer engen Kiste oder einem Tier. Die eigentliche Magie passiert dort, wo das Symbole bewusst verändert wird. Vereinfacht kann dies wie folgt ermöglicht werden:
Das Symbol entstehen lassen
Frage Dich: "Wenn dieses Gefühl ein Bild wäre, wie würde es aussehen?"
Die Beziehung zum Bild herstellen
Wie ist der Abstand zum Bild? Wie ist die Nähe? Wie ist die Bewegung?
Transformation des Symbols
Verändere die Farbe, Form, Bewegung und reguliere die Größe des Bildes
Integration des Prozesses
Frage Dich: "Was bedeutet diese Veränderung für mich?", und "Was fühlt sich jetzt anders für mich an?"
Aus dem Modell des NLP weißt Du bereits, dass Dein Gehirn die Erfahrungen im Leben unter anderem in Submodalitäten und emotionalen Markern speichert. Mit der obigen Symbolarbeit arbeitest Du also direkt mit der inneren Codierung. Wenn Du diese verändert, verändert sich auch Dein Erleben automatisch. Die Kombination aus einer Affektbrücke, welche zum Ursprung führt, und einem daraufhin folgenden symbolischen Prozess, welcher die Erfahrung verändert, ist ein starkes Werkezug als Veränderungsprozess und Arbeit mit dem Unterbewusstsein. Während Affektbrücken Dich zum Ursprung führen, verändern symbolische Prozesse die innere Struktur. Oder metaphorisch gesprochen: Du findet zuerst heraus, wo der Knoten entstanden ist, und dann veränderst Du, wie er gebunden ist. Mit meinem heutigen Artikel wollte ich einige Knoten in Dir auflösen und neue Knoten in Dir entstehen lassen. Während dies eine wichtige Komponente in einem Verändungsprozess sein kann, ist auch die Intensität des Wunsches zur Heilung ein entscheidende Faktor der Veränderung. Bestimmt hast Du nach diesem Artikel noch viele weitere Fragen im Geist. In meinen Trainings und Workshops gehe ich auf solche Fragen präzise und ausführlich ein. Wenn Du also möchtest, kannst Du einen weiteren Schritt in Deinem Leben setzen und mit mir in Begegnung treten.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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