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Das Meta-Modell aus dem NLP - Teil 1

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 23. März
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Apr.

Trete in die kommunikative Meisterschaft ein mit dem Meta-Modell.


In meinen Trainings sage ich oftmals die Aussage: "Deine Sprache ist nicht die Welt selbst, sondern sie ist Dein Film davon". Bevor wir heute in das Meta-Modell aus dem NLP eintauchen, führe ich eine kurze Metapher ein. Stell Dir einmal vor Du sitzt in einem Kino. Auf der Leinwand läuft ein Film, auf dem Du Bilder siehst, Stimmen hörst und mit bestimmten Schauspielern mitfühlst. Irgendwo in Deinem Inneren weißt Du noch immer, dass der Film nicht die Realität selbst ist, und trotzdem gibt es Momente in denen Du Dich in diesem Film selbst verlierst. Auf eine ähnliche Art und Weise funktioniert unsere Sprache und die Worte die wir wählen. Was Du sagst und was Du über Dich selbst denkst ist nicht die Welt selbst, sondern eine Version Deiner inneren Landkarte. Meistens reagierst Du im Leben nicht auf die Welt selbst, sondern auf Deine Landkarte der Welt. Diese Landkarte der Welt bestimmt wie Du Deine Erfahrungen strukturierst, benennst und deutest. Das Meta-Modell ist ein Werkzeug, welches Dich von der Geschichte die Du Dir selbst erzählst, hin zur eigentlichen Erfahrung führt.


Die Ursprünge des Meta-Modells aus dem NLP


Das Meta-Modell wurde in den 1970er Jahren von Richard Bandler und John Grinder entwickelt. Beide waren anwesend in Therapiesitzungen und es stellte sich für beide die Frage: "Was genau machen diese außergewöhnlich guten Therapeuten sprachlich anders?". Dabei haben sie vor allem drei bekannte Therapeuten namens Fritz Perls, Virginia Satir und Milton H. Erickson modelliert. Während Erickson dabei eher unscharfe, öffnende Sprache nutzt (Siehe: Das Milton-Modell), arbeiteten Perls und Satir oft genau andersherum. Beide wurden extrem präzise, fragten nach und ließen nichts unklar im Therapiegespräch stehen. Genau daraus wurde das Meta-Modell aus dem NLP geboren.


Ein tieferer Blick in die Transformationsgrammatik führt unser Augenmerk auf John Grinder als Linguist. Er war stark beeinfluss von Naom Chomsky, welcher unter anderem auch Linguist gewesen ist. Chomsky zeigte damals, dass zwischen dem was wir denken (Tiefenstruktur) und dem, was wir sagen (Oberflächenstruktur) systematische Veränderungen passieren. Beispielsweise gehören zu diesen systematischen Veränderungen, dass


  • Elemente weggelassen werden

  • Elemente verallgemeinert werden

  • Elemente verzerrt werden


Genau daraus stammen die folgenden drei NLP-Prozesse:


  • Löschung

  • Generalisierung

  • Verzerrung


Das Meta-Modell ist dabei ein Werkzeug, um von der Oberflächenstruktur zurück zur Tiefenstruktur zu gelangen. Oder in der vorherigen Metapher ausgedrückt, gelangst Du vom Film wieder zurück zur eigentlichen Erfahrung.


Der Zweck und die Grundidee des Meta-Modells: Deine Sprache zurück an Erfahrung anbinden

 

Das Meta-Modell ist ein linguistisches Werkzeug zur Informationsgewinnung, welches dazu entwickelt wurde die Sprache einer Person wieder mit der Erfahrung zu verbinden, welche durch diese Sprache repräsentiert wird. Unsere Sprache ist nicht nur Erfahrung, sondern eine Repräsentation von Erfahrung, ähnlich wie eine Landkarte eine Repräsentation eines Gebiets ist. Als Menschen erleben wir letztlich oft nur unsere Landkarte, nicht das Gebiet an sich. Zu diesem Thema habe ich bereits hier einen Artikel für Deine Entwicklung veröffentlicht. Die Veränderung Deiner inneren Landkarte führt damit auch zur Veränderung Deiner subjektiven Erfahrung von der Welt selbst. Wir Menschen erstellen unsere Landkarten aus der Interaktion durch innere und äußere Erfahrungen. Da wir unsere Erfahrungen mit Sprache repräsentieren bzw. daraus Landkarten konstruieren, ist das Meta-Modell als Werkzeug hier besonders wertvoll. Im Kern kannst Du das Meta-Modell als eine Schnittstelle zwischen Sprache und Erfahrung verstehen.


Ein tieferer Blick in die drei universellen Modellierungsprozesse


Da wir als Menschen nicht direkt "auf die Welt" operieren, bauen wir also inner Landkarten bzw. Modelle die unser Verhalten steuern. Für Therapeuten ist es zum Beispiel entscheidend, das Modell von Klienten zu verstehen. Menschliches Verhalten, selbst wenn es bizarr oder reistent wirkt, ergibt Sinn im Kontext der Wahlmöglichkeiten die das Modell dieser Person erzeugt. Modelle sind nicht primär als gut oder schlecht, gesund oder krank, verrückt oder normal zu bewerten, sondern danach ob sie nützlich sind. Mit nützlich ist gemeint, dass das Leben erfolgreich bewältigt werden kann und kreative Reaktionen auf die Welt möglich sind. Einige Probleme von Menschen sind meist nicht falsche Entscheidungen, sondern zu wenige Wahlmöglichkeiten im Modell. Jeder Mensch trifft typsischerweise die bestmögliche Wahl, die ihr Modell zulässt. Die verarmten Modelle mit wenigen Optionen führen meist zu vielen inter- und intrapersonellen Konflikten. Nicht die Welt hat zu wenige Optionen, sondern das Modell der Person. Wir haben bereits gelernt, dass unsere Modell durch die drei universellen Prozesse von Generalisierung, Löschung und Verzerrung erzeugt werden. Diese Prozesse sind für unser Überleben und Lernen notwendig, können uns aber auch einschränken, wenn wir die subjektive Realität mit der Realität verwechseln.


Universeller Prozess 1: Generalisierung

Bei der Generalisierung löst sich ein Teil der Erfahrung von der Ursprungserfahrung und steht dann für eine ganze Kategorie. Ein Alltagsbeispiel: "Die Türklinke zu drehen öffnet Türen". Dies kann limitierend werden, wenn beispielsweise jemand beim Sex einmal "versagt" hat und daraufhin generalisiert: "Ich bin schlecht im Sex", oder wenn jemand aus selektiven Erfahrungen generalisiert: "Alle Männer sind unsensibel". Ob eine Generalisierung nützlich ist, hängt damit vom Kontext ab. Beispielsweise kann ein Mann Verhaltensweisen generalisieren, die unter Männern Respekt bringen, allerdings mit diesen Verhaltensweisen bei Frauen scheitert.


Viele Menschen machen den Fehler, dass sie glauben das richtige Verhalten zu benötigen. Die aktuelle Forschung zeigt stattdessen, dass Attraktivität eher entsteht, wenn Verhalten zum Kontext und dem Bedürfnis des Gegenübers passt. Basierend auf Studien zur Partnerwahl (siehe Buss, Eastwick & Finkel) wirken bei Frauen vor allem:


  1. Emotionale Präsenz und Empathie

    1. Frauen bewerten Männer im Schnitt stärker nach

      • emotionaler Intelligenz

      • Einfühlungsvermögen

      • Kommunikationsfähigkeit

    2. Diese Elemente signalisieren vor allem Sicherheit und Bindungsfähigkeit

  2. Verlässlichkeit und Stabilität

    1. Langfristig sind Männer attraktiver die

      • konsistent handeln

      • Verantwortung übernehmen

      • Orientierung und emotionalen Halt geben

    2. Wenn Du hältst was Du sagst, bist Du bereits auf einem guten Weg und wirkt viel stärker als jedes Statusgeprotze als Mann

  3. Selbstbewusste und ruhige Dominanz

    1. Unter Dominanz ist hier keine Aggressivität oder Druck zu verstehen, sondern

      • klare Führung

      • ruhige Entscheidungskraft

      • keine Bedürftigkeit

    2. Damit zeigt ein Mann vor allem Kompetenz ohne Zwang

  4. Authentizität statt Rolle

    1. Forschungen zur Selbstkongruenz zeigten vor allem, dass

      • Menschen attraktiver wirken, wenn das Verhalten stimmig ist

    2. Damit ist kein aufgesetzte "Alpha-Verhalten" gemeint, sondern echte Klarheit und Verletzlichkeit wenn es zum Kontext passt


Universeller Prozess 2: Löschung

Bei dem Prozess der Löschung achten wir selektiv auf Teile der Erfahrung und lassen andere Erfahrungen weg. Dies ermöglich uns beispielsweise einen Fokus, wie das Lesen trotz Umgebungslärm. Auch dies kann limitieren, wenn relevante Informationen ausgeblendet werden. Dies ist unter anderem der Fall, wenn Jugendliche nur sich als ungerecht behandelt fühlen, aber nicht ihren eigenen Anteil am Problem wahrnehmen. Manche Frauen scheinen umgekehrt vor lauter emotionaler Analysen von Männern simple und einfache Informationen völlig zu vergessen:


  1. Positive Resonanz (Wertschätzung)

    1. Männer reagieren oft sensibel auf

      • Anerkennung

      • Respekt

      • Bestätigung

    2. Diese Faktoren wirken meist stärker als komplexe emotionale Analysen

  2. Klarheit statt indirekter Kommunikation

    1. Meistens reagieren Männer viel besser auf

      • direkte Aussagen

      • klare Signale

    2. Anstatt Andeutungen zu machen hilft es hier klar und deutlich zu kommunizieren

  3. Verspieltheit und Leichtigkeit

    1. Aus der Attraktionsforschung zeigt sich, dass

      • Humor und positive Emotionen die Anziehung stark erhöhen

    2. Beispiele sind hierfür das Necken, Lachen und eine spielerische Energie. Diese Elemente senken vor allem Druck und öffnen Verbindung

  4. Körperliche und visuelle Signale

    1. Im Durchschnitt achten Männer stärker auf

      • visuelle Attraktivität

      • nonverbale Signale

    2. Zu den nonverbalen Signalen gehören unter anderem Blickkontakt, Lächeln und die Körpersprache


Universeller Prozess 3: Verzerrung

Die Verzerrung erlaubt kreative Umdeutungen wie Planung, Träume, Kunst und vieles mehr. Sie kann allerdings auch einschränken, wenn Kritik zum Beispiel zu "Ich bin nicht liebenswert" verzerrt wird, und damit Lernchancen verloren gehen. Ein häufiges Verzerrungsmuster ist übrigens, dass aus einem Prozess ein Ding gemacht wird, wie beispielsweise "Beziehung" statt "sich beziehen", wodurch etwas als "dort draußen" und unkontrollierbar erscheint. Eine Beziehung ist nicht statisches, sondern ein dynamisches Geschehen. Da diese drei universellen Prozesse in Sprachmustern sichtbar werden, kann man sie mit dem Meta-Modell dort herausfordern, wo sie das Verhalten eines Menschen einschränken statt Optionen zu erweitern.


Überlege Dir einmal, wie viele Informationen Du zu den Studien zur Partnerwahl wahrscheinlich wie von selbst mit dem Verständnis aus Deiner Welt ergänzt hast. Was bedeutet beispielsweise ruhige Entscheidungskraft und wie äußert sich diese? Was für einen Mann ein Zeichen von Anerkennung sein kann, ist für einen anderen Mann wiederum ein Zeichen von Selbstverständlichkeit. Mit dem Meta-Modell aus dem NLP kannst Du sowohl Deine innere Welt, als auch die Welt von anderen Menschen tiefer ergründen.


In Bezug auf die Studie zur Partnerwahl lässt sich festhalten, dass Dominanz gut im Wettbewerb aufgehoben ist, aber ohne Empathie für viele Frauen kalt und unsicher wirkt. Den "Alpha unter Männer" auch bei Frauen rauszulassen funktioniert meistens nicht. Anders herum funktioniert eine emotionale Sensibilität unter Männern meist weniger erfolgreich. In Männergruppen wird je nach Kultur zu viel Emotionalität oft als Unsicherheit interpretiert. Als Essenz aus beiden Fällen lässt sich extrahieren, dass nicht das Verhalten, sondern Kalibrierung entscheidend ist. Im Männerkontext geht es häufiger um Status, Klarheit und Wettbewerb, während es im Frauenkontext oft um Verbindung, Sicherheit und emotionale Tiefe geht. Ein attraktiver Mensch ist meistens jener, der zwischen beiden Welten wechseln kann. Hier findest Du übrigens einen Artikel von mir, wie Du durch die Erhöhung Deiner Flexibilität einfacher zwischen mehreren Welten wechseln kannst.


Die Anwendung des Meta-Modells in Deinem Alltag


Im nachfolgenden möchte ich Dir das Meta-Modell etwas greifbarer für Deinen Alltag machen. Achte dabei darauf, dass Du dabei nicht zum Fragemonster wirst, sondern das Meta-Modell im Gespräch mit Deinem Gegenüber abwechselnd zwischen Aussagen und Kommentaren Deinerseits anwendest. Die meisten Frauen beherrschen das Meta-Modell der Sprache übrigens hervorragend, wenn es darum geht herauszufinden wo ihr Partner war und was er dort gemacht hat.


Gewinne Informationen der Löschung zurück: Vom Nebel zur Klarheit

Manchmal ist unsere Sprache wie ein Nebel. Aussagen wie: "Ich habe Angst", "Das ist schwierig" oder "Niemand versteht mich" werden oft einfach hingenommen und nicht weiter hinterfragt. Mit dem Meta-Modell der Sprache machst Du etwas sehr Einfaches und Mächtiges: Du fragst nach. Beispielsweise könntest Du die Aussagen ergünden mit Fragen wie: "Wovor genau hast Du Angst?", "Was genau ist schiwerig?" oder "Wer genau versteht Dich nicht?". Nun kann für für Dein Gegenüber aus einem diffusen Gefühl eine konkretere Erfahrung werden. Und mit diesem mehr an Klarheit entsteht mehr Bewegung.


Grenzen der Generalisierung auflösen: Wenn ein "immer" zu bröckeln beginnt

Kennst Du innere Sätze wie: "Ich kann das nicht", "Ich muss das tun" oder "das klappt nie"? Dies sind meist keine Fakten sondern Grenzen in Deiner oder der Landkarte Deines Gegenübers. Mit dem Meta-Modell der Sprache ergeben sich herausfordernde Fragen wie beispielsweise: "Was hindert Dich daran das zu tun?", "Was würde passieren, wenn Du es trotzdem tun würdest?" oder "Wirklich nie?". Mit diesen Fragen kannst Du Risse in eine scheinbare Gewissheit der bisherigen Welt bringen. Und mit jedem kleinen Riss, kann durch diese Welterweiterung mehr Freiheit hereinströmen.


Verzerrungen klären: Wie Du den Film durchschaust

Bestimmt hast Du schon einmal Aussagen gehört wie: "Du machst mich wütend", "Alle denken schlecht über mich" oder "Das ist faslch". Mit dem Meta-Modell der Sprache kannst Du diese Verzerrungen auflösen indem Du nachfragst mit: "Wie genau mache ich Dich wütend?", "Woher weißt Du, was andere denken?", "Falsch für wen?". Und in diesen Momenten passiert oft etwas faszinierendes, weil meist die eigene Projektion in die eigene Wahrnehmung zurückfällt. Genau hier angekommen entsteht meist Verantwortung und damit Veränderung.


Der eigentliche Schlüssel des Meta-Modells ist es nicht zu raten bzw. sich etwas einzubilden, sondern zu fragen und zu ergründen. Das Meta-Modell ist auch ein Appell draußen beim Gegenüber zu sein oder Dich selbst zu hinterfragen. Und oft sind genau hier Lösungen verborgen, die man ohne das Meta-Modell wahrscheinlich nicht gefunden hätte. Beginne doch einfach Mal damit, dass Du die Haltung eines Menschen einnimmst, der wirklich andere Menschen verstehen will. Denn dann wird das Meta-Modell nicht mehr etwas, das Du anwendest, sondern etwas das Du selbst bist. In Zukunft werde ich einen vertiefenden Artikel zum Meta-Modell der Sprache veröffentlichen. Bis dahin wünsche ich Dir viel Spaß bei der Anwendung des Meta-Modells in Deinem Leben.


Bis zum nächsten Mal und Danke für Deine Zeit,

 

Dein Florian 🌈


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