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Eine Essenz von Heilung und Ayahuasca

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 11. Apr.
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Aug.

Worte berühren einen Menschen nur so tief, wie die innere Welt reicht, aus der sie kommen.


Als Lehrer habe ich in meinem Leben vor allem eine Wahrheit gelernt: Wenn die eigene innere Welt voller positiver Energie und Liebe ist, dann entstehen daraus Worte, die andere Menschen auf ihrer seelischen Ebene berühren. Und diese Ebene zu berühren heißt immer auch, tiefe seelische Wunden zu berühren. Solche Wunden heilen am besten, wenn sie zuerst einfach wahrgenommen und so belassen werden, wie sie sind. Die Annahme und das Loslassen einer Wunde stoßen einen Prozess an, bei dem es vor allem darauf ankommt, positive Energie und Liebe einfließen zu lassen. Genau deshalb sind bei Zeremonien mit Ayahuasca erfahrene Schamanen anwesend, denn allein mit Ayahuasca zu heilen bedarf aus ihrer Sicht einer fortgeschrittenen Seele. Und um mit dieser Pflanze in einen harmonischen Kontakt zu treten, braucht es Demut und Hingabe als Kernelemente einer tiefen Reise nach innen. Nicht ohne Grund nennen die Schamanen sie ihren Lehrmeister.


Was ist Heilung?


In unserer westlichen Kultur gibt es die verschiedensten Versuche, den Begriff der Heilung zu bestimmen. Aus schamanischer Sicht ist er einfach gefasst: Heilsam zu sein bedeutet, dass die inneren energetischen Ströme eines Menschen frei fließen. Jeder Schamane, der Erfahrung mit Ayahuasca gesammelt hat, weiß, dass sie auf der energetischen Ebene mit Leichtigkeit Blockaden lösen kann. Durch das Lösen dieser Blockaden findet der Fluss im Menschen wieder in seine Ordnung zurück. Für die meisten Menschen unserer Kultur klingen solche Worte fast wie Alchemie, und das ist kein Wunder. Ohne die Erfahrung selbst, in einem passenden kulturellen Rahmen und bei echten Heilern, bleibt am Ende nur die eigene Vorstellungskraft und das, was der Geist sich daraus baut.


Die Sichtweise eines Psychoanalytikers beschränkt sich meist auf die wiederkehrenden Gedanken und Verhaltensweisen eines Patienten, und mit kühler Logik wird das Problem analysiert. Aus meiner Sicht kann dieser Weg einen Menschen durchaus zum Erfolg führen. Zugleich besteht die Gefahr, sich mit der eigenen Analyse über den Patienten zu erheben und dabei die zwischenmenschliche Ebene des Vertrauens zu vernachlässigen. Die Ansätze von Psychoanalytikern und Schamanen wirken darum sehr verschieden, doch sie sprechen im Grunde nur unterschiedliche Ebenen des Menschen an. Die Psychoanalyse ist vor allem im Geist unterwegs. Die energetische Ebene dagegen ist jene, die in unmittelbarem Kontakt mit der Seele steht, und dort arbeiten die Schamanen. Wenn Du mehr über Ayahuasca erfahren möchtest, sind diese Dokumentation und dieses Video des bekannten Traumatherapeuten Gabor Maté empfehlenswert. Das Buch Ayahuasca von Christian Rätsch, einem Ethnologen und Ethnopharmakologen, gibt Dir einen noch tieferen Einblick in die Pflanze und in die Kultur der Schamanen Südamerikas.


Wer heilt, hat Recht


Heilen kann, wer tief in sich selbst ruht und zum Spiegel seines Gegenübers wird. Im Zen sagen wir dazu: Das Selbst zu studieren bedeutet, das Selbst zu vergessen, und das Selbst zu vergessen bedeutet, mit allem verbunden zu sein. Ein Großmeister oder Heiler befindet sich in einem Zustand innerer Harmonie, und diese Harmonie gleicht einem freien Fließen der inneren Energien und einer tiefen Stille. Vielleicht magst Du Dir auf YouTube einmal eine Lektion von Jinen-san hier ansehen. Wenn Du sein ganzes Wesen und seine Ausstrahlung wahrnimmst, wirst Du vor allem eine Stille darin erkennen. In diesem Video geht es darum, dass eine Wahrheit ihre Wahrheit in sich selbst trägt. In unserer westlichen Kultur begegnet man dem Begriff der Wahrheit oft mit Skepsis. Doch ist es nicht eine Wahrheit, wenn ein Mensch durch Meditation in sich einkehrt und dort eine seelische Wunde spüren kann? Das ist die Wahrheit eines gegenwärtigen Augenblicks, nämlich genau das, was gerade ist. Und was gerade ist, wird von vielen Menschen eher ausgeblendet als wahrgenommen, weil es schmerzhaft sein kann, etwas zu erkennen. Ist eine Wahrheit aber einmal erkannt, dann ist auch die Heilung dazu meist schon anwesend.


Und damit sind wir bei einer Bewegung, die ich immer wieder beobachte und die selten benannt wird: Auch das Heilen selbst kann zur Sucht werden. Da ist ein Mensch, der von Seminar zu Seminar zieht, von Methode zu Methode, von Zeremonie zu Zeremonie, und was ihn treibt, ist längst nicht mehr eine Wunde, sondern die Überzeugung, dass da noch irgendetwas sein muss, das er nicht gefunden hat. Von außen sieht das aus wie ein Weg. Von innen ist es eine Suche, die ihr eigenes Ende fürchtet.Denn wer glaubt, er müsse noch geheilt werden, obwohl in diesem Moment nichts fehlt, hat aus dem Glauben an seine Heilung genau das Hindernis gemacht, das ihn vom Heilsein trennt. Es ist dieselbe Bewegung wie beim Jagen im Außen, nur nach innen gewendet. Der Zen kennt diesen Punkt gut, und er ist unbequem: Es gibt nichts zu erreichen. Ein Spiegel wird nicht dadurch zum Spiegel, dass man ihn poliert, sondern er war es die ganze Zeit, und das Polieren ist nur die Sorgfalt dessen, der das weiß. Wer poliert, um endlich ein Spiegel zu werden, hört nie damit auf.


Deshalb gehört zu jeder ehrlichen Arbeit an sich selbst eine Frage, die sich niemand gern stellt: Arbeite ich gerade an etwas, oder halte ich mich damit nur davon ab, anzukommen? Manchmal ist das Heilsamste, was ein Mensch tun kann, nichts mehr zu tun.


Energetische Flüsse im Menschen und der feinstoffliche Körper


In einer meiner tiefsten Erfahrungen in stiller Einkehr konnte ich wahrnehmen, wie in mir selbst energetische Flüsse gegenwärtig sind. Dabei zeigte sich, dass Blockaden eher schwarz erscheinen und Flüsse eher farbig. Die Blockaden sind verdichtet, und die in ihnen eingeschlossene Energie kreist zentriert um sich selbst, während die Flüsse frei sind und durch das ganze energetische Feld strömen. Du kannst Dir eine energetische Blockade als verdichtete Emotion vorstellen, die zu einer seelischen Wunde gehört. In Worten könnte diese Wunde etwa so klingen: Das muss aber anders sein, es darf einfach nicht anders sein. Ein solcher Satz gibt mir den Hinweis auf eine Blockade in der Nähe des Herzens. Diese energetischen Flüsse finden meinem aktuellen Erfahrungsstand nach im feinstofflichen Körper statt.


Nach der Einnahme von Ayahuasca und unter dem Gesang eines Schamanen, den man Icaros nennt, lösen sich diese Blockaden. Die Auflösung geschieht dadurch, dass positive Energie und Liebe in sie einfließen, gespeist aus dem Strom der freien Flüsse. Der Schamane lenkt mit seinen Icaros vor allem die inneren Energieströme eines Menschen. Und selbst wenn eine Blockade hart wie ein Stein geworden ist, dringt er auf einer tieferen Ebene in sie ein, fast so, als flösse der Gesang zwischen ihren Molekülen hindurch. So löst sie sich nach und nach, und die zuvor abgekapselte Energie kommt wieder ins Fließen und verbindet sich vollständig mit den übrigen Strömen.



Der Raum des Geistes und Sprache


Jeder Lehrer, der die Dimension des Geistes einigermaßen durchdrungen hat, weiß, dass Gedanken eine ganz eigene Wirklichkeit bilden können. Für viele Menschen bestimmen genau diese Gedanken, was sie glauben und wie sie ihr Leben führen. Während einer tiefen Meditation kam mir einst die Frage, wie ich den Raum des Geistes eigentlich beschreiben würde, und mein Geist bildete daraufhin das Modell eines weiten, runden, endlosen Raumes. Das war der Moment, in dem ich erkannte, was der Geist ist und wie er arbeitet. Damit liegt das Modell des NLP meiner Erfahrung nach richtig, wenn es sagt, dass unsere Gedanken abbilden, was wir glauben, und dass unsere Glaubenssätze unsere Wirklichkeit formen.


Im Zen gibt es dazu ein wunderbares Bild: Tag ein, Tag aus den Spiegel vom Staub befreien. Du kannst den Spiegel als den Geist verstehen und den Staub als die Gedanken selbst. Ein stiller Geist besteht in der Abwesenheit von Gedanken, und dadurch wird eine tiefere Einkehr in sich selbst möglich. Möglich wird das durch die Praxis des Zazen (auch: des stillen Sitzens). Wenn Du einen tieferen Blick in das Modell des NLP geworfen hast, kennst Du außerdem den Satz, dass auch unsere Sprache unsere Wirklichkeit abbildet. Sprache ist nicht die Wirklichkeit selbst, sie ist ein Hinweis auf sie. Viele Menschen diskutieren über Worte, sezieren Begriffe, verlieren sich in Formulierungen und vergessen darüber das Eigentliche: die unmittelbare Erfahrung, in der Erkenntnis und Gefühl zusammenfallen. Stell Dir einmal vor, Du sitzt mit jemandem am Lagerfeuer. Diese Person erzählt Dir eine Geschichte, und die Worte sind wie Funken, die in die sternenklare Nacht steigen. Was Dich wirklich berührt, sind aber nicht die Funken. Es ist die Wärme, die dabei in Dir entsteht.


Wahre Erkenntnis beginnt dort, wo Du nicht mehr an den Worten festhältst. In der Begegnung geht es deshalb nicht nur darum, die Worte zu hören, sondern die Bedeutung dahinter zu spüren. Ein Zen-Meister würde Dir auf eine Frage oft gar nicht auf der Ebene Deiner Worte antworten, sondern auf der Ebene des Bewusstseinszustands, in dem Du Dich gerade befindest. In Hypnose und Trance sind Worte ohnehin nur Träger für innere Prozesse. Und in der persönlichen Entwicklung ist Verstehen nichts Intellektuelles, sondern etwas Erfahrbares. Worte sind ein Werkzeug, das aus den Gedanken entspringt, um eine Wahrheit über die Erfahrung zugänglich zu machen. Hast Du das Wesentliche erkannt, darf das Werkzeug fallen. Und dann beginnt eine Begegnung jenseits der Worte.


Die Kraft der sexuellen Energie


In meinem Leben bin ich vielen Menschen begegnet, die für ihre sexuelle Energie einen spannenden Ausdruck gefunden haben. Meiner Erfahrung nach können nur wenige diese Energie über mehrere Monate hinweg ganz bei sich behalten. Und das Spannende daran ist, dass sie einen, je länger man sie hält, auf innere Themen aufmerksam macht. Genau an diesem Punkt sehnen sich viele Menschen nach Sex, um sich endlich wieder entspannt zu fühlen. Kurz davor, ein inneres Thema in Balance zu bringen, weichen sie aus und suchen die Ablenkung. Dabei ist Sex meiner Erfahrung nach etwas Wunderbares und in einer stimmigen Begegnung nährend für die Seele. Und zugleich ist es eine besonders intensive Erfahrung, die eigene sexuelle Energie einmal in sich zu behalten und daraus inneres Wachstum entstehen zu lassen. Ein Sowohl-als-auch empfinde ich hier als die stimmigste Haltung, weil beides bedeutende Lebenserfahrungen sind.


Das Feuer, an dem Menschen bleiben


Zu Beginn dieses Artikels habe ich geschrieben, dass ich als Lehrer vor allem gelernt habe, wie wichtig eine innere Welt voller positiver Energie und Liebe ist. Aus dieser inneren Welt entstehen Worte, die andere Menschen auf ihrer seelischen Ebene berühren. Denn im Kontakt mit anderen kommt es meiner Erfahrung nach vor allem darauf an, innerlich eine Wärme zu tragen, bei der ein anderer sich wohlfühlt und gerne bleibt. Stell Dir das einmal wie ein Feuer vor. Bist Du innerlich zu schwach, bleibt niemand. Bist Du zu stark, wird es unangenehm. Brennst Du aber stabil, dann kommen die Menschen von selbst näher.


Dieser innere Reichtum ist mehr wert als alle Kommunikationstechniken, die es gibt. Denn wenn sich diese Energie einmal manifestiert hat, bekommen Gedanken, Gefühle, Verhalten und Worte ihren Anstrich daraus, wie ein Regenbogen an einem blauen Himmel mit weißen Wolken.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈


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