Der Belief Change Cycle und die Augenzugangshinweise
- Florian Stotz

- vor 6 Tagen
- 9 Min. Lesezeit
Gelange von den Augen direkt ins Herz des Glaubens: Eine Strategie zur Glaubenssatzveränderung.
In einigen Kulturen unserer Welt existiert der Glaube, dass manche Heiler die Gedanken anderer Menschen lesen könnten. In der Frühzeit des NLP waren die Entdecker Richard Bandler und John Grinder fasziniert von einer ihrer Beobachtungen. Diese Beobachtung beruht darauf, dass wenn Menschen denken, sie ihre Augen in ganz bestimmte Richtungen bewegen. Dies wird im Modell des NLP als Augenzugangshinweise (auch: AZH) bezeichnet. Nebst diesen Augenzugangshinweisen, die uns beispielsweise aufzeigen können in welchem Repräsentationssystem ein bestimmter Glaubenssatz einer der Person abgespeichert ist, geht es heute auch um den Belief Change Cycle nach Robert Dilts, mit dem Du tiefliegende Glaubenssätze verändern kannst.
Die Landkarten der Augen: Wie wir Menschen Informationen abrufen
Die Augenzugangshinweise verraten Dir letztendlich die Struktur des Denkens eines Menschen, also wie jemand denkt. Allerdings geben Dir die Augenzugangshinweise keine Information über den Inhalt, und damit was jemand denkt. Dies ist vergleichbar mit dem Blick auf den Prozessor eines Computers, weil Du zwar siehst, dass er arbeitet, aber nicht welches Dokument er gerade schreibt. Dennoch kannst Du nach etwas Kommunikation bei Deinem Gegenüber erkennen, was von seinen Worten wahrscheinlich konstruiert, und was von ihm tatsächlich erlebt worden ist. Dies gibt Dir einen Hinweis darauf, ob Dein Gegenüber die Wahrheit sagt, oder Dich eventuell belügt in Bezug auf eine Frage die Du gestellt hast. In der Regel folgen die meisten rechtshändigen Menschen einem festen Schema. Wenn Du Deinen Gegenüber einmal beobachtest, achte vor allem auf seine Blickrichtung (aus Deiner Sicht gespiegelt):
Visuell konstruiert (Vk): Der Blick geht nach oben rechts. Hier entstehen phantasierte innere Bilder
Visuell erinnert (Ve): Der Blick geht nach oben links. Dies ist ein Zugriff auf ein tatsächliches Erlebnis
Visuell defokussiert (Vd): Der Blick geht meist gerade aus. Dies ist ein weiterer Zugriff um innere Bilder zu konstruieren oder zu erinnern
Auditiv konstruiert (Ak): Der Blick geht zur Seite rechts. Hier werden Klänge und Geräusche erfunden
Auditiv erinnert (Ae): Der Blick gehr zur Seite links. Das Gehirn "hört" dabei eine gespeicherte Stimme oder Melodie
Kinästhetisch (K): Der Blick geht nach unten rechts. Dies ist der Zugriff auf Gefühle, Berührungen und Emotionen
Auditiver Innerer Dialog (AiD): Der Blick geht nach unten links. Dies ist der Ort für Selbstgespräche und Logik
Die AZH aus dem Modell des NLP sind ein interessantes Modell. Allerdings solltest Du beachten, dass Wissen erst dann wertvoll wird, wenn Du es mit Handlungsmustern verknüpfst und überprüfst, ob das Modell der AZH auch eins zu eins für Deinen Gegenüber gilt. Vielleicht benutzt Dein Gegenüber nämlich als linkshänder andere Augenzugangshinweise. Prüfe also zuvor, ob Du die Augenzugangshinweise Deines Gegenübers auch korrekt zugeordnet hast. Wenn Du dann beispielsweise siehst, dass Dein Gegenüber stark visuell verarbeitet, kannst Du visuelle Prädikate nutzen wie: "Ich sehe, was Du meinst". Gehen die Augen eher nach unten und die Stimme wird unsicher, braucht es vielleicht eine kurze kinästhetische Aufmunterung. Doch was passiert, wenn Du etwas tiefer gräbst? Wenn es nun nicht mehr nur um einen kurzen Gedanken geht, sondern um das Fundament des Seins, den Glaubenssätzen?
Der Belief Change Cycle: Die Jahreszeiten des Glaubens
In einem meiner Artikel habe ich einmal über das Swish-Pattern zur Auflösung von einfacheren Probleme geschrieben. Doch tiefe Überzeugungen, und damit Glaubenssätze, brauchen eher einen organischen Prozess. Dafür entwickelte Rober Dilts den Belief Change Cyle, welcher auf der Erkenntnis basiert, dass wir im Leben ständig unsere Glaubenssätze verändern. Für einige Menschen geschieht dies natürlich und ohne Kampf. Stell Dir diesen Zyklus einmal wie unsere vier Jahreszeiten vor. Ein neuer Glaube ist wie ein Samen im Frühling, er blüht im Sommer, verwelkt im Herbst wenn er ausgedient hat und wird im Winter losgelassen, um Platz für Neues zu machen. Im nachfolgenden findest Du diesen Zyklus als Format für Deine aktive Glaubenssatzveränderung.
Das Format: Den Glaubenswechsel durchschreiten
Um einen einschränkenden Glaubenssatz wie zum Beispiel: „Ich kann das nicht“, in eine kraftvolle Überzeugung zu verwandeln, nutzt Du im NLP meist eine räumliche Anordnung. Hierfür gebe ich Dir im nachfolgenden wichtige Informationen, welche Du als Zustände und Vorstellungen für den Belief Change Cycle benötigst:
Wollen zu glauben: Du stehst an einem Ort und denkst an die neue Überzeugung, die Du gerne hättest
Offen zu glauben: Hier wirst Du durchlässig. Oft hilft hier ein Mentor, eine Person oder sogar ein Naturphänomen welcher Dir hilft, das Neue für Dich als möglich zu halten
Gegenwärtiger Glaube: Hier liegen Deine aktuellen Überzeugungen, aber auch die Blockaden
Offen für Zweifel: Ein instabiler und wichtiger Ort, denn hier darf das Alte wackeln. Auch hier kann ein Mentor wie ein „Zweifels-Experte“ unterstützen
Museum der persönlichen Geschichte („Früher geglaubt“): Hier landen Deine alten Überzeugungen. Sie sind kein Müll, sondern Teil Deiner Geschichte, den Du mit Respekt betrachtest aber nicht mehr bewohnst
Urvertrauen: Das ist die „Meta-Position“. Dies ist ein Zustand jenseits des Verstandes, der den gesamten Prozess hält
Im nachfolgenden habe ich Dir ein Bild hinzugefügt, welches den Belief Change Cycle noch einmal verdeutlicht. Du kannst Dir auf dem Boden verschiedene Papiere auslegen, welche alle eine Station im Belief Change Cycle repräsentieren:

Die Anwendung des Format des Belief Change Cycle in 7 Schritten
Wenn Du dieses Format praktisch durchläufst, gehst Du wie folgt vor:
Start im Wollen zu glauben: Identifiziere den neuen Glaubenssatz und gehe mit diesem dann in den nächsten Raum „Offen zu glauben“
Verinnerlichung: Spüre die Offenheit in Deinem Inneren. Nutze nun gegebenenfalls die Perspektive Deines Mentors
Konfrontation: Gehe nun zur nächsten Station in den „Gegenwärtigen Glauben“. Tauchen dabei Widerstände auf? Falls ja, nimm sie mit in den Raum „Offen für Zweifel“
Ökologie-Check im Vertrauen: Trete jetzt aus dem Prozess heraus. Welchen positiven Zweck hatte der alte Glaube für Dich? Was vom Alten willst Du behalten, und was vom Neuen anpassen?
Archivierung: Bring nun das alte, limitierende Muster ins „Museum der persönlichen Geschichte“. Verabschiede Dich dabei dankbar von dem Alten
Stabilisierung: Kehre zurück in den „Gegenwärtigen Glauben", diesmal allerdings mit Deiner neuen Überzeugung. Spüre dies sowohl im Inneren als auch durch die bewusste Veränderung in Deiner Physiologie
Abschluss im Urvertrauen: Versichere Dir als letztes, dass dieser Prozess stimmig ist und sich wie von selbst in Dir weiterentwickeln darf
Die Kraft der Symbole
Bei der Anwendung des Blief Change Cycle ist es vor allem sehr kraftvoll, wenn Du für jeden dieser Zustände ein Symbol auftauchen lässt. Sprich Du stattest jede Position mit einem inneren assoziierten Bild aus. Beispielsweise kann die Position des Urvertrauens ein Herz vor Deinem geistigen Auge symbolisieren, welches mit Momenten in denen Du Liebe im Leben empfunden hast verbunden ist. Dein Unbewusstes liebt Metaphern. Eine Bekannte von mir sah beispielsweise Ihren neuen Glauben als ein kleines glückliches Mädchen, und ihren Zweifel als einen Wirbelsturm. Weiterhin kannst Du diese Symbole auch am Ende in einer Geschichte miteinander verbinden, wodurch sich Dein System ganz von selbst neu ordnet. Wie wäre es, wenn Du nach einem drei bis siebenfachen Durchgang des Belief Change Cycle damit beginnst? Die meisten Geschichten beginnen mit einem „Es war einmal...“.
Weitere Formate zur Veränderung von Glaubenssätzen und Zuständen
Bei meinem heutigen Experiment habe ich mich gefragt, was passiert wenn wir das Kalibrieren der Augen mit dem Zyklus der Veränderung von oben verbinden? Indem Du nämlich die Augenbewegungen nutzt, um die verschiedenen Phasen des Zyklus im Körper zu verankern und Blockaden auf einer weiteren Ebene zu lösen. Anbei ein NLP-Format, mit dem Du für Dich selbst einmal experimentieren darfst:
Den neuen Glaubenssatz fokussieren: Begib Dich in den Zustand des "Wollen zu glauben". Nutze dabei die visuell konstruierte Augenposition (oben rechts), um dir lebhaft auszumalen, wie Dein Leben mit dieser neuen Überzeugung aussieht
Destabilisierung durch EMDR-Technik (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Wenn Du im Feld des "Offen zu zweifeln" stehst und den alten einschränkenden Glaubenssatz spürst, benutzt Du schnelle horizontale Augenbewegungen. Diese desensibilisiert die emotionale Ladung (auch: Kinästhetik) des alten Musters
Reprogrammierung über Submodalitäten-Orte: Jede Überzeugung hat im Raum einen Ort. Wenn Du merkst, dass Dein Blick beim Satz "Ich kann nicht" nach unten wandert, führst Du Deine Augen bewusst in die Position für "Ich kann" (meist nach oben und visuell-fokussiert)
Die Arbeit mit Symbolen: Erschaffe für jede Station des Zyklus ein inneres Bild. Ein Beispiel: Der alte Glaubenssatz ist ein verdorrtes Blatt und der neue ein aufgehender Stern
Die Integration im Raum des Urvertrauen: Dies ist der Meta-Zustand. Hier blickst Du oft ins Leere (visuell defokussiert), um eine Verbindung zu einer höheren Ebene (auch: Spiritualität bzw. Identität) herzustellen, die stabil bleibt während sich Deine Überzeugungen wandeln
Im Alltag gibt es auch einen wirksamen Trick, wenn Du Dich aus einer negativen Stimmung befreien möchtest. Meist sind dabei Deine Augen unten rechts in den Gefühlen. Führe in dieser negativen Stimmung dann die nachfolgenden Schritte aus. Blicke zunächst nach oben und bewege Deine Augen schnell von links nach rechts, während Du laut „Hahahaha!“ sagst. Diese neurologische Musterunterbrechung (auch: Pattern Interrupt) löscht den negativen Zustand fast augenblicklich. Wenn Du danach assoziiert (auch: wie durch Deine eigenen Augen) an ein positives Erlebnis denkst, hast Du bereits den Grundstein für eine neue Routine gelegt.
Aus meinem eigenen Leben weiß ich um die Kraft von Glaubenssätzen, von denen Du wirklich felsenfest überzeugt bist. Sobald Du von einem Glaubenssatz felsenfest überzeugt bist, schwingt auch gleichzeitig ein tiefes Gefühl in Verbindung mit dem Glaubenssatz mit. Beispielsweise war ich vor kurzem mit einem guten Freund von mir zum Joggen im Wald. Dabei sind wir in den Bergen gewesen und ich entschied mich, dass wir für weitere 4 Kilometer konstant bergab liefen. Diese 4 Kilometer durften wir auch wieder hochlaufen, und das nach einer Grippe und wochenlanger Pause würden manche Menschen als Mindset Training bezeichnen. Während es im Wald den Berg wieder konstant steil bergauf ging, kam mir der Gedanke: "Ich kann mehr, als ich momentan glaube". Diesen Gedanken wiederholte ich bewusst in meinem Geist einige Male, vor allem wenn es so anstrengend wurde, dass die Beinmuskulatur verkrampfte. Am Ende schafften wir beide unser Lauftraining, und mein Unterbewusstsein machte mir einen unbewussten Glaubenssatz beim Sport bewusst zugänglich. Wenn ich diese Glaubenssatz laut ausspreche, fühle ich ein sehr intensives Gefühl von Veränderung, als würden in mir dabei tiefe Veränderungsprozesse geschehen. Damit will ich Dir vor allem mitteilen, dass Glaubenssätze die aus Dir selbst entstammen, die stärksten Glaubenssätze sind die Du haben kannst. Versuche doch einmal einen Glaubenssatz für Dich zu kultivieren, während Du eine Herausforderung erlebst, danach Erfolg hast und die Bedeutung des Glaubenssatzes auf Dein Leben zu verallgemeinern.
Selbst entstandene Glaubenssätze sind besonders stark, weil sie aus direkter Erfahrung entstehen und nicht aus Theorie, emotional aufgeladen sind, als eigene Wahrheit erlebt werden, was eine hohe Identifikation mit sich bringt, und oft mit einem körperlichen Zustand verankert sind. Das macht sie besonders stabil und schnell abrufbar. Andere Glaubenssätze die stark sind stammen meist aus der Kindheit durch die Eltern oder Lehrer, wiederholte Erfahrungen und soziale Prägungen. Wenn diese früh entstanden sind, unbewusst wirken und kaum hinterfragt werden, können diese wie Hindernisse im eigenen Leben sein. Allerdings kannst Du beispielsweise mit geeigneten hypnotischen Suggestionen aus dem Milton-Modell in Kombination mit der Generalisierung des Belief Change Cycle in Deinem Unterbewusstsein, dem Unterbewusstsein suggerieren, hinderliche Glaubenssätze stückchenweise für die nächsten Wochen wie von selbst zur Auflösung zu bringen, indem diese in Deinem Bewusstsein auftauchen und damit aufgelöst werden. Der entscheidende Unterschied ist weniger woher ein Glaubenssatz kommt, sondern wie er verankert wird. Ein Glaubenssatz wirkt dann stark, wenn
die Emotion hoch ist
die Erfahrung real und nicht nur gedacht ist
eine Wiederholung stattfindet
die Identität berührt wird ("Das bin ich")
Wenn in einer Situation alle vier Faktoren gleichzeitig aktiviert sind, dann fühlt sich dieser Glaubenssatz im eigenen Leben früher oder später besonders stark und kraftvoll an. Vor allem, wenn Du nicht einfach nur "positiv denkst", sondern wirklich überzeugt bist von dem was Du aussprichst oder bewusst denkst und einen realistischen Möglichkeitsraum schaffst, damit der Glaubenssatz expandieren (auch: generalisieren) kann. Wenn Du einen Moment schaffst, in dem alle Bedingungen für eine Veränderung gleichzeitig erfüllt sind, und in diesem Moment bewusst bestimmte Glaubenssätze kultivierst, dann hast Du einen weiteren Schlüssel zur Selbstmeisterung gefunden, der bewusst eingesetzt Deine alte Realität täglich sprengen wird. Beispielsweise könntest Du Dir dann noch in einem tiefen Trancezustand per Selbsthypnose suggerieren, dass dieser Glaubenssatz immer dann in Dein Bewusstsein auftaucht, wenn Du an Dir selbst zweifelst, negative Gefühle hast oder Du zögerst etwas zu tun was Du tun willst. Das ist meiner Meinung angewandtes hardcore NLP. Solltest Du auf Deinem Weg der Persönlichkeitsentwicklung einmal dort ankommen, dass bestimmte Themen und negative Zustände in Dir überwiegend verschwunden sind, wird Dein Unterbewusstsein wie von selbst dafür sorgen, dass positive Zustände in Dir mehr und verstärkt werden. Ich selbst war schon oft überrascht, wie stark die Kraft der Unterbewusstseins selbst ist.
Ich kann es Dir nur ans Herz legen, den Belief Change Cycle jeden Tag für die nächsten dreißig Tage beispielsweise am Abend vor dem schlafen, und am Morgen nach dem aufwachen zu praktizieren. Denn ähnlich wie ein Zen-Meister mit einem Kōan den dualistischen Verstand seiner Schüler durchbricht, nutzt der Belief Change Cycle eine natürliche Instabilität des Systems, um ohne Gewalt eine neue Ordnung bzw. eine neue Wahrheit für Dich zu schaffen. Erlaube mit eine Zen-Metapher: "Ein Stück Holz wird zu Asche, aber die Asche ist nicht die „bessere Zukunft“ des Holzes". Sowohl das Holz als auch die Asche ist in seinem jetzigen Moment bereits vollkommen. So ist auch jeder Schritt in Deinem Veränderungsprozess ein Teil Deiner Ganzheit. Ich wünsche Dir viel Freude beim Beobachten der Augen in Gesprächen und beim Neugestalten Deiner inneren Welt.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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