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Die starke Kraft des Refraimings im NLP

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 31. März
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Entwickle Dein Gehirn im Turbo zu einer automatischen Positivdenkmaschine.


An einem trüben Frühlingsmorgen entschied ich mich, spontan einen Podcast aufzunehmen, in dem ich die Strategie und die Installation einer automatischen Positivdenkmaschine durchgegangen bin. Diesen Begriff habe ich ursprünglich von einem meiner damaligen Lehrer Chris Mulzer aufgegriffen. Stell Dir eine Situation vor, in der Du einst schwere Gefühle erlebt hast. Vielleicht sollst Du erneut einen Vortrag halten, obwohl Du bei Deinem ersten Mal von Zuhörern hart kritisiert worden bist. Und nun stell Dir vor, wie Du in genau dieser Situation einen brillanten Vortrag hältst und Deine Zuhörer begeistert um mehr bitten. Das Gefühl, das dabei entsteht, wird Dich sehr wahrscheinlich dazu bringen, weitere Vorträge halten zu wollen, und mit dem Wort Vortrag verbindet sich in Deinem Gehirn allmählich etwas Gutes. Damit hat bereits ein Reframing stattgefunden, also eine Umdeutung. Auf einmal sagst Du zu anderen: Vorträge zu halten ist meine Leidenschaft. Doch was ist, wenn jemand so fest in einer schweren Haltung feststeckt, dass gar keine Korrektur mehr geschehen kann, weil er die entsprechenden Situationen von vornherein meidet? Genau darum geht es heute.


Wie eine automatische Positivdenkmaschine entsteht


In meinen zukünftigen NLP Practitionern lege ich Wert auf beides, auf das Verstehen und auf die Erfahrung. Denn es gibt Momente in der Vermittlung dieses Modells, in denen es sich nicht mehr erklären lässt, sondern sich im eigenen Erleben entfaltet. An einem der Tage geht es um die Installation einer Strategie, die ich die automatische Positivdenkmaschine nenne. Möglich wird das, weil ich Dich an den Tagen davor bereits mit guten Gefühlen vertraut gemacht habe.


Und diese Gefühle kannst Du auch allein in Dir wecken. Erzähl dafür zuerst eine Geschichte von einem Misserfolg aus Deinem Leben. Und dann erzähl dieselbe Geschichte noch einmal so, dass sie einen großen Erfolg darstellt. Vielleicht magst Du auch damit beginnen, Dir selbst und anderen täglich ein echtes Kompliment zu machen. Der Zugang zu guten Gefühlen ist schier unerschöpflich. Im Kern geht es bei dieser Strategie darum, Dich bei Deinen bisherigen Denkweisen im internen Dialog abzuholen, sie im Verlauf metaphorischer Geschichten mehrfach zu verändern, Dich dabei in eine andere Denkweise zu führen und diese am Ende mit guten Gefühlen zu verknüpfen. In einer meiner Abendtrancen wird das Ganze dann im Unterbewusstsein verankert, sodass die Maschine bei bestimmten Auslösern im Alltag wie von selbst zu laufen beginnt.


Stell Dir einmal vor, wir lebten in einer Welt, in der Menschen weniger an Beeinflussung dächten und stattdessen echtes Interesse aneinander entwickelten. Dann würde sich der Gedanke „Wenn nur alle so wären wie ich" verschieben zu: Bemerkenswert, wie viele interessante Menschen ich in meinem Leben kennenlernen kann. Denn NLP beginnt weniger mit dem Verändern als mit Deiner Wahrnehmung und Deiner Haltung gegenüber der Welt. Von dort aus darf dann die Reise beginnen, sofern Du noch nicht dort bist, wo Du sein willst.


Im Kern geht es dabei darum, Informationen von anderen Menschen zu bekommen. Nicht aus Annahmen und nicht aus Projektionen, sondern aus tatsächlicher Beobachtung. Und danach gilt es, diese Informationen von den eigenen Deutungen zu trennen. Diese Unterscheidung ist wie ein stilles Schärfen der eigenen Wahrnehmung, und sie ist die Grundlage für alles, was danach kommt. In meinen Workshops bezeichne ich das als Hardcore NLP.


Was ist die automatische Positivdenkmaschine?


Die automatische Positivdenkmaschine kannst Du Dir so vorstellen, als hielte Dir jemand pures Gold vor die Nase. Aus dem Wunsch heraus, es zu bekommen, würdest Du Dich in Bewegung setzen. Durch kleine Erfolge, bei denen Du tatsächlich etwas davon erhältst, und durch die Aussicht auf mehr, wenn Du in Bewegung bleibst, wächst Deine Bereitschaft weiter. Mit jedem Schritt entfaltet sie sich ein Stück mehr, bis Du am Ende angekommen bist. Dabei stellt sich meist eine gleichmäßige Bewegung ein, der Rhythmus fühlt sich mit jedem Schritt natürlicher an, und der Weg wird vertrauter. In einem Wort zusammengefasst heißt dieser ganze Vorgang: Lernen.


Mit dieser Strategie setze ich Dich also in Bewegung. Und sobald der Schneeball einen verschneiten Hang hinabrollt, formt sich daraus allmählich eine Lawine, die am Ende im Tal ankommt. Die vielschichtigeren Strategien im NLP, meist Formate genannt, bestehen letztlich aus wenigen Grundbausteinen, die manche Trainer die NLP-Atome nennen. Statt sie einzeln zu lernen, verwebe ich sie in meinen Practitionern unmittelbar zu einer Erfahrung. Dazu gehören das Ankern, die Submodalitäten, das Verändern innerer Bilder, die Trance, der Future Pace und die generativen Suggestionen. All das geschieht nicht nacheinander, sondern zugleich, wie Zahnräder, die ineinandergreifen.


Das menschliche Gehirn lernt schnell und will schnell lernen. Es passt sich an, findet Muster und automatisiert Abläufe. Was anfangs neu wirkt, wird nach kurzer Zeit vertraut. Und was vertraut ist, beginnt sich natürlich anzufühlen und sich als fester Bestandteil im eigenen Leben einzurichten.


Das Reframing als Kunst den Rahmen zu verschieben


Wenn sich in unserem Leben etwas verändert, dann ist es oft nicht das Ereignis selbst, sondern die Bedeutung, die wir ihm gegeben haben. Genau das meint Reframing: den Bezugsrahmen zu verändern. Es ist, als würdest Du dasselbe Bild betrachten, während das Licht der Sonne plötzlich aus einer anderen Richtung darauf fällt. Im Modell des NLP gibt es dafür mehrere Formen, und die drei wichtigsten stelle ich Dir jetzt vor.


Das Kontextreframing: Der Ort bestimmt den Wert

Manchmal entsteht in uns eine Bewertung ganz ohne Zusammenhang, etwa: Ich bin zu ruhig. Oder: Er ist zu dominant. Doch zu viel im Vergleich wozu? Und in welchem Rahmen? Die zentrale Frage beim Kontextreframing lautet deshalb: In welchem Zusammenhang hätte genau dieses Verhalten einen Wert? Angewendet wird es, wenn eine vergleichende Verallgemeinerung auftaucht, bei der der Zusammenhang getilgt ist. Es läuft in vier Schritten:


  • Erstens, den Typ erkennen. Liegt eine Aussage der Form „Ich bin zu X" oder „Er ist zu Y" vor, ohne dass ein Zusammenhang genannt wird?

  • Zweitens, die Leitfrage stellen. Frag: In welchem Zusammenhang hätte genau dieses Verhalten einen Wert?

  • Drittens, einen passenden Zusammenhang wählen. Stell sicher, dass er zur tatsächlichen Lebenswirklichkeit und zum Wertesystem des Menschen passt, um den es geht.

  • Viertens, den Reframe formulieren. Sprich die neue Sichtweise so aus, dass das Verhalten in diesem neuen Zusammenhang einen guten Wert hat.


Das Bedeutungsreframing: Die Bedeutung bestimmt des subjektive Erleben

In anderen Momenten ist es nicht der Zusammenhang, sondern die Deutung selbst, die unser Erleben prägt. Ein Beispiel wäre: Ich fühle mich unsicher, wenn das passiert. Hier besteht eine Verbindung zwischen einem Ereignis und einer inneren Reaktion. Und genau diese Verbindung lässt sich lösen und neu knüpfen. Auch dieses Format läuft in vier Schritten:


  • Erstens, den Typ erkennen. Liegt eine Aussage der Form „Ich fühle mich X, wenn Y geschieht" vor?

  • Zweitens, die Leitfragen stellen. Gibt es einen größeren oder anderen Rahmen, in dem dieses Verhalten einen guten Wert hätte? Welcher Aspekt derselben Situation könnte einen anderen Bedeutungsrahmen liefern, der Dir oder der betreffenden Person bisher verborgen geblieben ist? Und wie sonst ließe sich dieselbe Situation beschreiben?

  • Drittens, die passende Bedeutung wählen. Sie soll zur Lebenssituation und zum Wertesystem passen.

  • Viertens, den Reframe formulieren. Sprich die neue Deutung derselben Situation aus. Der Bezugsrahmen wird ausgetauscht, und genau das ist es, was das Wort Reframing bedeutet.


Das Six-Step-Reframing (Sechs-Schritte-Reframing): Ein Dialog mit dem inneren System

Manche Muster fühlen sich hartnäckig an. Typisch klingt das so: Ich möchte damit aufhören, aber irgendetwas hält mich fest. Das Six-Step-Reframing geht davon aus, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steht, selbst wenn das Verhalten selbst schädlich erscheint. Meiner Perspektive nach lassen sich seine Wurzeln bis zur Silva Mind Methode zurückverfolgen, denn auch dort wird mit inneren Beratern gesprochen. Der eigentliche Weg beginnt damit, das unerwünschte Muster bewusst wahrzunehmen:


  • Erstens, das Muster X bestimmen. Bestimme jenes Verhalten, das sich verändern soll. Etwa: Ich möchte mit X aufhören und kann es nicht. Oder: Ich möchte Y tun, und etwas hält mich zurück.

  • Zweitens, Kontakt zum zuständigen Anteil aufnehmen. Begib Dich in einen leicht entspannten Trancezustand und frag innerlich: Wird jener Anteil von mir, der mich zu X veranlasst, in meinem Bewusstsein mit mir sprechen? Achte dabei auf innere Antworten in Form von Gefühlen, Bildern, Geräuschen oder Tönen.

  • Drittens, Ja- und Nein-Signale festlegen. Bestimme, woran Du ein Ja und woran Du ein Nein erkennst. Meist antwortet dieser Anteil nonverbal. Ein Ja könnte sein, dass sich der linke Zeigefinger leicht bewegt, dass ein inneres Bild klarer wird, dass eine Lautstärke zunimmt oder ein Gefühl dichter wird. Ein Nein könnte die Gegenbewegung sein, also der rechte Zeigefinger, ein unschärferes Bild, eine leisere Lautstärke oder ein schwächer werdendes Gefühl.

  • Viertens, das Verhalten von seiner Absicht trennen. Die Annahme lautet, dass das Muster X nur ein Weg ist, eine gute Funktion für Dich zu erfüllen. Frag also den Anteil: Wärst Du bereit, mich wissen zu lassen, was Du mit dem Muster X für mich zu erreichen versuchst? Kommt ein Ja, bitte ihn, es Dir mitzuteilen. Kommt ein Nein, arbeite mit der Vorannahme einer guten Absicht weiter, etwa der, Dich zu schützen, und frag: Was wäre nötig, damit Du es mir mitteilst? Prüf danach zwei Dinge: Ist diese Absicht für Dich annehmbar? Und willst Du einen Anteil haben, der diese Funktion künftig ausübt?

  • Fünftens, Einverständnis für Alternativen einholen. Frag den Anteil: Wenn es Möglichkeiten gäbe, diese Funktion genauso gut oder besser zu erfüllen als mit X, hättest Du Interesse, sie auszuprobieren?

  • Sechstens, den kreativen Anteil einbeziehen. Stell in Dir einen Zugang zur Kreativität her, etwa indem Du Dich an kreative Momente erinnerst, einen entsprechenden Anker auslöst oder Dich fragst, ob Du Dir bewusst bist, einen kreativen Anteil zu haben. Der Anteil, der für X zuständig ist, teilt diesem kreativen Anteil nun seine gute Funktion mit. Der kreative Anteil entwickelt daraufhin neue Verhaltensmöglichkeiten, die mindestens so gut sind wie X und dasselbe leichter erreichen. Und der zuständige Anteil wählt drei davon aus und bestätigt jede einzelne mit einem Ja.

  • Siebtens, Verantwortung übernehmen und einrichten. Frag den Anteil, der für X zuständig war: Bist Du bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, diese drei neuen Möglichkeiten im entsprechenden Zusammenhang zu nutzen? Zusätzlich kannst Du ihn bitten, die sinnlichen Hinweise zu bestimmen, die die neuen Möglichkeiten künftig auslösen sollen, damit sie im Alltag von selbst verfügbar sind.

  • Achtens, der Ökologie-Check. Frag Dich: Hat irgendein Anteil in mir etwas gegen diese drei neuen Möglichkeiten einzuwenden? Kommt ein Ja, geh zurück zum zweiten Schritt, nimm erneut Kontakt auf und verhandle.


Zwei Hinweise für die Durchführung sind mir dabei wichtig. Vermeide jeden Machtkampf mit dem Anteil, der für X zuständig ist. Würdige stattdessen seine Leistung und sprich respektvoll mit ihm. Und nimm Dir Zeit dafür, den Kontakt sauber herzustellen, sodass Ja und Nein für Dich wirklich eindeutige Signale sind.


Was der Ökologie-Check leistet


Vermutlich hast Du Dich gefragt, was dieser Ökologie-Check eigentlich ist. Er ist eine Stimmigkeitsprüfung einer Veränderung, und er berücksichtigt, ob eine neue Lösung


  • zu Dir passt, also zu Deinen Werten, Deiner Identität und Deinem Umfeld

  • mit Deinen inneren Anteilen im Einklang steht

  • keine unerwünschten Nebenwirkungen hat

  • und über die Zeit tragfähig bleibt


Zum Schluss


In meinen NLP Practitionern gibt es kaum Raum für lange Diskussionen und keine endlosen Analysen. Es geht mir vor allem um das Lernen durch Erfahrung, und dieses Lernen ist unmittelbar, verschachtelt und vielschichtig. Ich spreche dabei mehrere Ebenen und Zugänge zugleich an. Dein Gehirn passt sich diesem Rhythmus an, und was anfangs dicht wirkt, wird schnell natürlich. Nach wenigen Tagen fühlt sich dieser Lernstil vertraut an. Nicht weil Du alles verstanden hättest, was ich tue, sondern weil sich etwas bereits in Dir eingerichtet hat.


Damit habe ich Dir eine Menge Wissen in die Hände gelegt, das Du für Dich durchdringen kannst. Beachte dabei, dass das Six-Step-Reframing in einer Hypnosesitzung besonders wirksam ist und dass es einige Übung braucht, bis es Dir sauber gelingt.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Üben.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈



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