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Was ist Hypnose und Aktive Imagination?

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 13. Sept. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Aug.

Wer seinem Unterbewusstsein nur Befehle gibt, hat noch nicht gefragt, was es ihm längst sagen will.

 

Das Modell des NLP enthält viele nützliche Werkzeuge für Deinen Weg. Ich lernte allerdings einmal einen Mann kennen, der sich damit beschäftigte und überzeugt davon war, er müsse sich nur jeden Tag vorstellen, wie er einst in einem Ferrari sitzt, damit dieses Ziel näher rückt. Auf meine Frage, ob er dafür auch etwas tue, sagte er nur: Mein Unterbewusstsein macht das schon. Es stimmt, dass wir in unserem Geist Gedanken formen und sie an das Unterbewusstsein übergeben können, und dass es sich an ihnen ausrichtet. Doch was ist, wenn diesem Unterbewusstsein ein Ferrari im Grunde zuwiderläuft, weil ihm längst etwas anderes wichtig ist? Was wäre, wenn der Ferrari, den jemand will, nur eine Prägung der Werbung ist und der Versuch, ein unbewusstes Thema auszugleichen, indem man sich Bewunderung dafür einhandelt? Heute geht es um die Kraft der Hypnose und der Aktiven Imagination als Quintessenz der seelischen Entwicklung.

 

Was ist Hypnose?

 

Das Wort Hypnose wurzelt im griechischen hypnos für Schlaf, und die Endung ose bezeichnet einen Zustand oder einen Vorgang. Geprägt wurde der Begriff im 19. Jahrhundert von James Braid, der beobachtete, dass Menschen in Trance mitunter wie Schlafende wirken. Später stellte er selbst klar, dass Hypnose kein Schlaf ist, sondern ein besonderer Bewusstseinszustand. Das Wort Trance wiederum wurzelt im lateinischen transire, also im Hinübergehen und Überschreiten, und wurde ursprünglich als Übergang zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein verstanden. Du kannst Trance als einen Zustand zwischen Wachsein und Schlaf auffassen, während Hypnose der Vorgang ist, mit dem ein solcher Zustand hervorgerufen wird. Sehr wahrscheinlich kennst Du eine dieser Erfahrungen:

 

  • in einen klaren Nachthimmel zu blicken und die funkelnden Sterne zu beobachten

  • an einem Lagerfeuer dem Knistern des glutroten Holzes zu lauschen

  • die Wärme und die Nähe eines lieben Menschen zu spüren

 

In all diesen Momenten hast Du Dich mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Trancezustand befunden, der sich deutlich von einem Einkauf im Supermarkt oder vom Fahrradfahren unterscheidet. Genau deshalb lassen sich über die Hypnose unterschiedliche Trancezustände erfahren. Hypnose ist also der Weg, Trance ist der Ort.

 

Funktioniert Hypnose auch für Dich?

 

In seinem Werk „Hypnosis" schreibt der Psychologe und Hypnoseforscher George Estabrooks, der von 1895 bis 1973 lebte, über die Möglichkeit, mit Hypnose die Persönlichkeit von Spionen zu spalten. Seine Idee war es, in ihnen multiple Persönlichkeiten zu erzeugen und daraus einen Super Spy zu formen, der sich aus zwei Teilen zusammensetzen sollte:

 

  • einem Alltags-Ich als gewöhnlicher Persönlichkeit, die nichts von der Spionagetätigkeit weiß

  • einem Agenten-Ich als hypnotisch programmierter zweiter Persönlichkeit, die durch ein Codewort aktiviert wird

 

Dieses Agenten-Ich sollte Informationen aufnehmen, speichern und weitergeben können, ohne dass das Alltags-Ich je davon erfährt. Selbst unter Verhör oder Folter hätte dieses keinen Zugriff darauf, und damit wäre der Spion sicher. Ähnliche Gedanken griff die CIA in einem Programm namens MKUltra auf, einem geheimen Forschungsvorhaben, das von 1953 bis 1973 lief und sich mit Gedankenkontrolle, Bewusstseinsveränderung und Verhörtechniken befasste. Nach dem Koreakrieg fürchteten die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion oder China beherrschten die Gehirnwäsche. Ziel war es daraufhin, Methoden zu entwickeln, um Menschen zu beeinflussen, zu steuern oder zu programmieren, sowohl für Verhöre als auch für die Spionage. Die Hypnose diente dabei vor allem der Erinnerungskontrolle und der Prägung von Verhalten.

 

Im Feld der Psychotherapie ist Milton H. Erickson, der von 1901 bis 1980 lebte, der große Pionier. Er verband die Hypnose mit der Psychotherapie und konnte damit vielen Menschen helfen. Mit siebzehn Jahren erkrankte Erickson schwer an Kinderlähmung. Die Lähmung war so umfassend, dass die Ärzte seiner Familie sagten, er werde die Nacht nicht überleben. Er konnte weder sprechen noch sich bewegen, nur seine Augen. In dieser Zeit begann er, innerlich Protokolle der Selbsthypnose zu entwickeln. Weil er nicht sprechen konnte, gab er sich in Gedanken kleine Befehle, etwa den kleinen Finger zu bewegen, und arbeitete dabei mit inneren Bildern und Suggestionen wie mit einem Skript, das allein in seinem Kopf bestand. Schritt für Schritt gewann er auf diesem Weg kleinste Bewegungen zurück.

 

Milton H. Erickson war zeitweise komplett gelähmt und musste vieles im Leben neu erlernen (z.B. Gehen durch Beobachtung seiner kleinen Geschwister). Diese Erfahrung prägte seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe: Er nahm kleinste Veränderungen in Mimik, Körperhaltung und Stimme wahr. Die intensive Erkrankung an Polio prägte seine Überzeugung, dass der Mensch durch innere Bilder, Suggestionen und Fokussierung selbst tiefste körperliche Prozesse beeinflussen kann. Dies war das Fundament, mit dem Milton H. Erickson heute einen dramatischen Einfluss auf die moderne Psychotherapie und Hypnose gelegt hat. Auch ich bediente mich der Selbsthypnose in einer schweren Krankheitszeit, und konnte kurze Zeit später wieder Alltagsaktvitäten aufnehmen.


Erickson war zeitweise vollständig gelähmt und musste vieles neu erlernen, das Gehen etwa dadurch, dass er seine kleinen Geschwister beobachtete. Diese Zeit prägte seine außergewöhnliche Beobachtungsgabe, denn er nahm fortan kleinste Veränderungen in Mimik, Haltung und Stimme wahr. Und sie prägte seine Überzeugung, dass ein Mensch durch innere Bilder, Suggestionen und Ausrichtung selbst tiefste körperliche Vorgänge beeinflussen kann. Auf diesem Fundament ruht sein Einfluss auf die moderne Psychotherapie und Hypnose bis heute. Auch ich habe mich in einer schweren Krankheitszeit der Selbsthypnose bedient und konnte kurz darauf meine Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen.


Wie stark Hypnose bei Dir wirkt, hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:

 

  1. Fokus. Die Aufmerksamkeit ist auf eine einzige Sache gebündelt.

  2. Vertrauen. Es besteht ein Gefühl von Sicherheit und die Bereitschaft, Kontrolle loszulassen.

  3. Erwartung. Es besteht die innere Überzeugung, dass gleich etwas geschieht, meist verbunden mit Vorfreude und Spannung.

  4. Offenheit. Es besteht die Bereitschaft, sich einzulassen und neue Erfahrungen zu machen.

  5. Mitwirkung. Es besteht der Wille, Anweisungen zu folgen und mitzuarbeiten.

  6. Rapport. Zwischen Dir und dem Hypnotiseur besteht eine Nähe, ein Gefühl, auf derselben Wellenlänge zu sein.

 

Sind mehrere dieser Elemente erfüllt, wirkt Hypnose deutlich stärker. Estabrooks vertrat darüber hinaus die Auffassung, dass bei der Erfüllung aller sechs sehr tiefgreifende Prägungen möglich würden und sich daraus ein Super Spy formen ließe, weil dann eine maximale Suggestibilität entstehe.

 

Unter Suggestibilität versteht man die Empfänglichkeit für Suggestionen, also wie stark ein Mensch auf Impulse, Anweisungen oder innere Bilder reagiert, die von außen gesetzt werden. Das Wort Suggestion stammt vom lateinischen suggestio für Eingabe. Etwas wird dabei so eingepflanzt, dass es sich später wie ein eigener Gedanke anfühlt. Eine Suggestion ist also ein sprachlicher oder nonverbaler Hinweis, der beim Empfänger eine Vorstellung, eine Empfindung oder eine Handlung auslöst, ohne dass er sie kritisch prüft. Es gibt viele Formen davon, die in diesem Artikel keinen Platz finden.

 

Überleg einmal selbst, in welchem Umfeld Du aufgewachsen bist und welche Glaubenssätze Du als Kind von dort übernommen hast. Auch das kannst Du als eine Form hypnotischer Prägung verstehen. Die Fernsehwerbung, die Dir weismachen will, wie wichtig das neue iPhone ist, ist Hypnose in Reinform. Die Propaganda von Politikern, die ihrer Bevölkerung etwas verkaufen will, wirkt nach demselben Muster. Und wie gut das funktioniert, zeigen die Kreuzzüge ebenso wie die Kriege dieser Welt. Kurz gesagt: Hypnose funktioniert auch bei Dir. Und in Form einer guten Selbsthypnose kannst Du Dich mit Deiner eigenen Stimme sogar selbst hypnotisieren, denn Dein Unterbewusstsein behandelt diese Stimme als Autorität und misst dem, was sie sagt, eine Wahrheit bei.

 

Ein kurzer Ausflug zur Aktiven Imagination

 

Im Jahr 1913 entwickelte Carl Gustav Jung, der von 1875 bis 1961 lebte und als Psychiater, Psychoanalytiker und Begründer der analytischen Psychologie wirkte, eine Vorgehensweise, die er die Konfrontation mit dem Unbewussten nannte. Er arbeitete dabei mit seinen eigenen inneren Bildern, Visionen und Dialogen und hielt diesen Weg im Roten Buch fest. Aus diesen Erfahrungen entstand nach und nach eine Methode, um bewusst mit dem Unbewussten in Kontakt zu treten, die man heute Aktive Imagination nennt. Die Aktive Imagination ist ein bewusster, schöpferischer Dialog mit jenen inneren Bildern, Symbolen und Archetypen, die aus Deinem Unbewussten aufsteigen. Sie ist kein passives Betrachten von Traumbildern, sondern ein tatsächliches Eintauchen in die Bilderwelt, in der Du mit den inneren Gestalten sprichst, mit ihnen in Beziehung trittst und so einen lebendigen Austausch entstehen lässt.

 

Dieser Weg ermöglicht es Dir, verborgene innere Anteile bewusst zu machen, insbesondere Schattenanteile und unterdrückte Emotionen, sie zu verstehen und zu integrieren. Durch die bewusste Begegnung mit dem Unbewussten wächst Dein Selbstverständnis, und Deine Seele findet Entlastung. Die Aktive Imagination bringt innere Konflikte in eine versöhnte Beziehung, und dadurch wird ein Zusammenwachsen der verschiedenen Teile in Dir möglich. In meinen Trainings und Workshops lasse ich neben dem Modell des NLP und der Hypnose auch die Aktive Imagination einfließen. Denn ich halte es für sinnvoll, dass Du Werkzeuge in die Hand bekommst, um mit Dir selbst näher in Verbindung zu treten. Meiner Erfahrung nach gibst Du Deinem Unterbewusstsein dann weniger Befehle und erkennst stattdessen seine Zeichen, um genau das in Dein Leben zu holen, was Dir von Herzen wichtig ist.

 

Mit dem heutigen Artikel konnte ich Dir ein erstes Verständnis von Hypnose und Aktiver Imagination mitgeben. Zu beidem gibt es selbstverständlich noch viel zu lernen und zu erproben. In künftigen Artikeln werde ich genauer darauf eingehen, wie Du mit ihrer Hilfe hinderliche Themen de-programmieren und daraufhin mehr Stimmigkeit in Dir wachsen lassen kannst.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

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