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Innere Wandlung leicht gemacht

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 2. Sept. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug.

Ein Modell taugt nicht danach, wie schlüssig es klingt, sondern danach, was ein Mensch damit tatsächlich verändern kann.


Als Zen-Schüler begegnet mir häufig ein Widerspruch, der auf den ersten Blick keiner sein dürfte. Die wichtigsten Einsichten meiner Jahre habe ich nicht dann gefunden, wenn ich mich mit Zen, Kommunikation, Yoga, Sufismus, Schamanismus oder Psychologie beschäftigt habe. Ich habe sie gefunden, wenn ich nichts davon tat und einfach im Zazen (auch: im stillen Sitzen) saß. Das ist keine Absage an das Lernen. Es ist eine Aussage über die Reihenfolge. Wissen sammelt Material und die Stille sortiert es. Wer nur sammelt, hat einen vollen Kopf und keine Richtung. Wer nur sitzt, hat Ruhe und nichts, woran sie sich bewähren könnte. Aus dieser Reihenfolge sind über die Jahre vier Modelle entstanden, mit denen ich heute arbeite. Ich stelle sie hier vor, und ich sage bei jedem auch dazu, wo seine Grenze liegt.


Warum der innere Widerstand kein Gegner ist


Vorher aber eine Beobachtung, die unter allen vier Modellen liegt und ohne die keines von ihnen zu verstehen ist. Viele Menschen wollen sich verändern, wissen genau, was zu tun wäre, und tun es trotzdem nicht. Es scheint da eine Instanz zu geben, die jede Veränderung im letzten Moment bremst. Ich nenne sie die kritische Instanz. Und der verbreitetste Irrtum im Umgang mit ihr ist der, sie für einen Feind zu halten. Sie ist keiner. Sie hält einen Menschen in alten Mustern fest, weil diese Muster ihn einmal geschützt haben, meistens vor Schmerz. Von außen sieht Widerstand gegen Veränderung aus wie Bequemlichkeit oder mangelnder Wille. Von innen ist es ein Wächter, der seinen Posten nicht verlässt, solange niemand ihm gesagt hat, dass die Gefahr vorbei ist. Zwei Dinge sehen hier gleich aus und sind im Kern entgegengesetzt: Trägheit will nichts, und ein Wächter will etwas sehr Bestimmtes. Deshalb arbeitet keines der folgenden Modelle gegen diese Instanz. Sie arbeiten alle um sie herum oder mit ihr.


Modell Nummer 1: Das ZENT-Modell


ZENT steht für Zen Embodied Nested Tales. Es verbindet Zen mit modernen Erzähltechniken und arbeitet über das unbewusste Lernen. Der Kern ist eine Erzählform, die Nested Loops heißt, also ineinander verschachtelten Schleifengeschichten. Eine Geschichte wird begonnen und nicht beendet, dann die nächste, und erst am Schluss werden sie in umgekehrter Reihenfolge geschlossen. Der bewusste Verstand kann eine solche Struktur nicht mitverfolgen, und genau darin liegt ihr Wert. Während er noch beim Erzählen bleibt, liegen die eigentlichen Impulse längst woanders. Sie brechen oft erst Tage oder Wochen später auf, so wie Samen, die im Winter unter der Erde liegen und im Frühjahr aufgehen, ohne dass jemand ihnen dabei zugesehen hätte. Inzwischen ist das Modell um eine Form gewachsen, die mir besonders am Herzen liegt. Belastende Erfahrungen werden dabei nicht frontal berührt, sondern im Schutz einer Geschichte bearbeitet. Während die Erzählung Dich trägt, wird innerlich genau das an Ressourcen verfügbar, was zur Verarbeitung gebraucht wird, und erst dann darf sich das Belastende lösen. Meiner Erfahrung nach entsteht so eine Entlastung, ohne dass ein Mensch das Schwere noch einmal durchleben muss.


Modell Nummer 2: Das ESR-Modell


ESR steht für Ego Sequenced Release. Unter dem Ego verstehe ich hier nicht die Selbstbezogenheit im Alltagssinn, sondern den Verstand als Ansammlung aller bisherigen Momente eines Lebens und der Identifikationen, die daraus entstanden sind. Innere Limitierungen zeigen sich als Gedanken, als alte Emotionen und als Verhaltensweisen, die wie Nebel über dem Selbst liegen. Der Nebel nimmt nichts weg, er verdeckt nur, und deshalb geht es hier nicht ums Beseitigen, sondern ums Sichtbarmachen. Entscheidend sind dabei drei Dinge: meine Wahrnehmung, Dein Bewusstseinszustand und der Moment, in dem ein Impuls gesetzt wird. Der richtige Satz zur falschen Zeit bewirkt nichts.


Zwei Erweiterungen sind eingeflossen. Die erste setzt an der Wahrnehmung selbst an. Statt innere Bilder bewusst zu verändern, wie es im klassischen NLP üblich ist, verschiebt sich die Position, aus der diese Bilder überhaupt entstehen, sodass sie sich von allein neu ordnen. Die zweite gilt den verborgenen  Glaubenssätzen, die unbemerkt durch ein Leben wirken. Ich höre sie aus dem heraus, was Du sagst, mache sie hörbar und weite den Blick darauf, bis ein Satz, der lange selbstverständlich schien, seine Selbstverständlichkeit verliert.



Modell Nummer 3: Das FAS-Modell


FAS steht für Fractal Analysing System. Damit erkenne ich hinderliche Muster und gehe zu ihrem Ursprung zurück. Ein Muster im Alltag ist selten dort entstanden, wo es sich zeigt. Es hat eine Geschichte, und diese Geschichte liegt fast immer unter der Schwelle des Nachdenkens. Deshalb arbeite ich hier mit indirekter Hypnose und geeigneten Trancezuständen, weil der Weg zum Ursprung über das bewusste Erinnern meist nicht gangbar ist. Am Ursprung angekommen, wird das unbewusste Thema ins Bewusstsein geholt, und schon die Bewusstwerdung selbst setzt einen Teil der Veränderung in Gang. Auf Wunsch geht diese Arbeit noch einen Schritt tiefer, in jene Themen, die sich durch bloßes Nachdenken nicht klären lassen. Über offene Fragen entsteht dabei eine Verbindung zwischen dem, was Du sagst, und dem, wie es sich tatsächlich anfühlt. Eine Erkenntnis, die auf diesem Weg entsteht, kommt nicht von außen, sondern reift in Dir. Und ein Thema wandelt sich erst dann, wenn es nicht nur verstanden, sondern auch gefühlt wurde.


Modell Nummer 4: Das ITA-Modell


ITA steht für Imaginative Traumaufstellung und öffnet den Zugang zu unbewussten Ressourcen und inneren Archetypen. Das Modell entstand aus den Ansätzen mehrerer Pioniere und aus eigener Praxis. Richard Schwartz brachte mit seinem Modell der inneren Anteile den Gedanken ein, dass kein Teil eines Menschen ein Feind ist. Robert Johnson zeigte, wie sich mit Trauminhalten und der aktiven Imagination arbeiten lässt. Carl Gustav Jung, der Begründer der analytischen Psychologie, beschrieb die Archetypen als überindividuelle Grundmuster der Seele. Und Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, sprach davon, dass eine Gestalt erst dann geschlossen werden kann, wenn die zugehörigen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen bewusst erlebt, ausgedrückt und integriert wurden. Eine Gestalt ist in seinem Sinn ein psychologisches Ganzes, eine wahrgenommene Einheit von Erfahrung. Was all diese Ansätze verbindet, ist eine gemeinsame Überzeugung: Was unvollständig geblieben ist, drängt darauf, vollständig zu werden.


Eingeflossen ist zuletzt eine Arbeit, die Dich wieder mit Deinem inneren Kompass verbindet. Viele Menschen orientieren sich beständig nach außen und verlieren dabei das Gespür dafür, was sie selbst wollen. Hier richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen, getragen von einem Selbstwertgefühl, das diesem Spüren erst den Nährboden gibt, und gestützt von einem inneren Anteil, der das Gespürte auch ins Leben bringt. Eine äußere Orientierung gerät immer wieder ins Wanken. Ein innerer Kompass trägt von innen.


Was Du davon heute schon anwenden kannst


Modelle sind Werkzeuge in fremder Hand, solange Du sie nur liest. Deshalb hier ein Zugang zu jedem der vier, den Du allein gehen kannst.


Nimm dem Wächter seinen Feindstatus. Denk an eine Veränderung, die Du seit Monaten vorhast und nicht angehst. Und frag den Widerstand, der sich dabei meldet, was er eigentlich Gutes für Dich will. Warte die Antwort ab, statt sie Dir auszudenken.


Hör Deinen eigenen Sätzen zu. Im NLP werden die inneren Sätze auch als interner Dialog bezeichnet. Achte einen Tag lang darauf, wo Du „ich bin halt so", „das kann ich nicht" oder „bei mir funktioniert das nicht" sagst. Schreib die Sätze auf, ohne sie zu bewerten. Ein Glaubenssatz, der schriftlich vor einem liegt, hat schon einen Teil seiner Selbstverständlichkeit verloren.


Such den Ursprung, nicht den Anlass. Wenn Dich etwas übermäßig trifft, frag nicht, was gerade passiert ist, sondern woher Du dieses Gefühl kennst. Und dann: Wann war das erste Mal?


Frag nach dem Unabgeschlossenen. Gibt es ein Gespräch, das nie geführt, ein Abschied, der nie genommen, ein Satz, der nie gesagt wurde? Schreib ihn auf, ohne ihn abzuschicken. Manche Gestalten schließen sich schon dadurch.


Über innere Wandlung zu lesen ist leicht, sie zu spüren ist etwas anderes. Und dort, wo ein Thema schwer wird oder alte Verletzungen berührt, ist Begleitung mehr wert als jede Übung im Selbstversuch.


Ein Modell lebt von seiner Anwendung


Je näher ein Modell an die Wirklichkeit heranreicht, desto genauer lassen sich damit wirkliche Probleme lösen. Im Modell des NLP stecken viele Elemente, die ein Leben bereichern können. Die Betonung liegt auf können, denn es nützt wenig, sie zu kennen und nicht anzuwenden. Genau darum geht es in meinem Workshop NLP Leben: um die wenigen Elemente, die tatsächlich etwas verändern, und darum, dass sie über hypnotische Erzähltechniken auch dann verfügbar sind, wenn Du sie am dringendsten brauchst und am wenigsten an sie denkst.


Diese vier Modelle sind kein abgeschlossenes System. Jedes von ihnen ist gewachsen, seit ich es zum ersten Mal beschrieben habe, und keines wird so bleiben, wie es hier steht. Seit ich die vier Modelle zum ersten Mal beschrieben habe, ist etwas dazugekommen, das sie nicht ersetzt, sondern trägt. Ich nenne es das MYTH-Modell. Es sagt nichts darüber, woran gearbeitet wird, sondern darüber, auf welchem Weg etwas ankommt. Denn dasselbe Wissen kann einen Menschen auf sehr verschiedene Tiefen erreichen und der Unterschied entscheidet darüber, ob es im Alltag verfügbar ist oder nur im Gespräch. Deshalb gebe ich dieselbe Sache viermal, in vier Formen nacheinander. Ich schreite dabei von der Information über die Geschichte und die Metapher bis zur Trance, und in meinen Workshops kannst Du Dir von diesem Weg selbst ein Bild machen, statt ihn mir zu glauben.


Was bleibt, ist die Einladung, es nicht zu glauben, sondern auszuprobieren, denn ein Modell beweist sich nicht auf dem Papier, sondern in einem veränderten Leben.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

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