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Das Milton-Modell: Hypnotische Sprachmuster Teil 2

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Nutze hypnotische Sprachmuster um mit Deinem Unterbewusstsein zu kommunizieren.


Im vorherigen Artikel zum Milton-Modell ging es mir darum, dass Du zuerst ein stabiles Fundament bekommst, mit dem Du einen einfacheren Zugang zum Milton-Modell gewinnen kannst. Dir einfach die hypnotischen Sprachmuster vor die Füße zu werfen und zu sagen: "Das ist das Milton-Modell!", greift in meiner Welt viel zu kurz, wenn es um die Vermittlung eines der wichtigsten Modelle aus dem NLP geht. In der heutigen Fortsetzung zum Milton-Modell lernst Du vor allem einige hypnotische Sprachmuster kennen, welche Du auch in Deiner Kommunikation einflechten kannst. Beispielsweise nutzen die meisten Politiker vor allem eine vage Sprache, welche letztendlich auch das Ergebnis durch die Anwendung es Milton-Modells ist.


Die Werkzeuge der hypnotischen Sprache


Damit Du Deine Sprache dem Bewusstseinsgrad Deines Gegenübers anpassen kannst, folgen nun verschiedene Modellierungsprozesse.


1. Kausale Modellierungsprozesse

Als Menschen versuchen wir ständig, die Welt durch Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu erklären. In der Hypnose nutzt Du beispielsweise das Pacing (auch: Angleichen) und Leading (auch: Führen):


  • Konjunktionen: Die einfachste Kopplung durch "und" oder "aber"

    • Beispiel: "Du kannst mich ansehen und ein Gefühl von Neugier verspüren"

  • Implizierte Konjunktionen: Wörter wie "während", "sobald" oder "da"

    • Beispiel: "Während Du über neue Lösungen nachdenken kannst, gibt es die Möglichkeit für Dich zu überlegen, ob Du tiefer in Trance gehen möchtest oder nicht"

  • Ursache-Wirkung: Vor allem Verben, die eine notwendige Verbindung behaupten wie "machen", "bewirken" und "weil"

    • Beispiel: "Wenn Du diese Muster verwendest, dann wirst Du ein besserer Hypnotiseur"


2. Den inneren Prozess begleiten

Um die inneren Prozesse zu begleiten gibt es verschiedene Möglichkeiten. Anbei liste ich Dir drei verschiedene Möglichkeiten auf:


  • Gedankenlesen: Du behauptest dabei, dass Du die Gefühle des anderen kennst

    • Beispiel: "Du fragst Dich bestimmt, was das für Dich bedeutet"

  • Komplexe Äquivalenz (Gleichwertigkeit): Zwei Erfahrungen werden synonym gesetzt

    • Beispiel: "Dein Entspanntsein bedeutet, dass Du Dich verändert hast"

  • Verlorener Performativ: Dies sind Weisheiten ohne den Urheber zu erwähnen

    • Beispiel: "Es ist gut, sich zu wundern, weil ..."


3. Modalverben & Quantifikatoren

Bei den Modalverben und Quantifikatoren nutzt Du die Art und Weise (Modalität) oder Verallgemeinerungen:


  • Möglichkeit/Notwendigkeit: Worte der Möglichkeit wie "kann", "darf" und weitere sowie Worte der Notwendigkeit wie "muss", "werde" und weitere

    • Beispiel: "Du kannst Dich wohlfühlen", oder "Du sollst Dich nicht wundern, dass ..."

  • Universalquantifikatoren: Hierzu zählen Wörter wie "immer", "nie", "jeder" und so weiter

    • Beispiel: "Du weißt über ein Problem immer mehr, als Du denkst"


4. Die Transderivationale Suche: Das Gehirn arbeitet für Dich

Wenn Du vage sprichst, dann muss der Zuhörer in seinem Inneren nach einer Bedeutung suchen. Diesen Prozess nennt man im Modell des NLP auch transderivationale Suche. Die „Oberflächenstruktur“ (auch: der Satz) ist so ungenau, dass das Unbewusste die „Tiefenstruktur“ (auch: die eigentliche Bedeutung) selbst mit den relevantesten Inhalten füllen muss. Einige Beispiele hierzu in Bezug auf hypnotische Sprachmuster sind die folgenden:


  • Fehlender Referenz-Index: „Menschen können lernen...“ (Welche Menschen? Das Unbewusste setzt „Ich“ ein).

  • Unspezifische Verben: „Du wirst es wissen, wenn du es herausgefunden hast“

  • Verletzung der Selektionsbeschränkung (Metaphern): „Die Sonne lacht“. Hierbei muss das Gehirn den logischen Fehler durch eine metaphorische Bedeutung ersetzen

  • Tilgung & Satzfragmente: Hierbei lässt Du bestimmte Dinge einfach weg: „Sich Zeit lassen... und weiter staunen...“


5. Untergeordnete Satzteile und Markierungen

Du kannst mit Hilfe von hypnotischen Sprachmustern auch Botschaften so verpacken, dass der bewusste Verstand sie kaum bemerkt, das Unbewusste sie aber direkt umsetzt. Einige Beispiele hierzu sind:


  • Eingebettete Befehle: „Es kann sein, dass Du Dir sagst: Mach die Augen zu!“. Hierbei bettest Du hypnotische Befehle (auch: Suggestionen) versteckt in Sätzen ein

  • Negative Befehle: Das Gehirn muss hierbei erst das Bild erzeugen, um es dann zu negieren: „Entspann Dich nicht mehr als notwendig“

  • Zitate: Beispielsweise erzählst Du von jemandem, der sagte: „Schließ einfach jetzt Deine Augen!“. Damit bezieht Dein Gegenüber diesen Befehl unbewusst auf sich selbst

  • Konversions-Postulate: Dies sind indirekte Fragen wie: „Wäre es Dir möglich, Deine Hand steigen zu lassen?“

  • Analoges Markieren: Dabei betonst Du bestimmte Wörter durch Deine Stimme oder Gestik, um sie direkt an das Unbewusste Deines Gegenübers zu adressieren


6. Erweiterte Präsuppositionen (Vorannahmen)

Präsuppositionen sind im Prinzip die „Schmugglerware“ in der Hypnose. Sie enthalten Informationen, die der Verstand als wahr akzeptieren muss, um den Satz überhaupt zu verstehen. Wenn Du die kritische Instanz Deines Gegenübers herabsetzen willst, kannst Du sogenannte Stacking Presuppositions (auch: verschachtelte Präsuppositionen) nutzen. Hierbei feuerst Du mehrere Präsuppositionen hintereinander ab, bis das Gehirn Deine vermittelten Informationen einfach als Wahrheiten annimmt. Einige Beispiele:


  1. Adjektive und Adverbien des Bewusstseins: Worte wie bereitwillig, glücklich und mühelos

    • Beispiel: „Ich frage mich, wie mühelos Du heute lernen wirst“ (Die Vorannahme ist, dass Du lernst, und die Frage ist nur wie mühelos)

  2. Zeitliche Abfolge (Ordinalzahlen): Worte wie zuerst, danach und bevor

    • Beispiel: „Möchtest Du die Augen schließen, bevor Du tief ausatmest?“ (Die Vorannahme: Beides wird passieren)

  3. Wörter des Erkennens: Worte wie bemerken, realisieren und feststellen

    • Beispiel: „Hast Du schon bemerkt, wie sich Dein Atem verändert hat?“ (Die Vorannahme: Er hat sich verändert)


7. Truismen: Die unbestreitbaren Wahrheiten

Truismen sind Aussagen über allgemeine menschliche Erfahrungen, denen niemand widersprechen kann. Sie erzeugen eine „Ja-Haltung“ (auch: Yes-Set) im Gegenüber und führen zu einer großeren Kooperationsbereitschaft mit Dir. Einige Beispiele:


  • Truismen über Empfindungen: „Jeder Mensch hat schon einmal ein tiefes Gefühl von Ruhe erlebt"

  • Truismen über Zeit: „Früher oder später verändert sich jeder Zustand“

  • Truismen über das Lernen: „Man kann lernen, ohne genau zu wissen wie man es gerade tut“


Ein praktisches Beispiel: Hypnose und der New Behavior Generator


Im Modell des NLP gibt es ein Format namens New Behavior Generator. Bei diesem Format geht es darum, neues Verhalten zu erzeugen, welches der jeweiligen Person dabei hilft ein stimmigeres Leben nach ihren Vorstellungen zu leben. Wie wenden wir dieses NLP-Format nun gleichzeitig mit Hilfe des Milton-Modells an? Zum Beispiel beim Erlernen eines neuen Verhaltens. Nachdem Du Dich per Selbsthypnose und den hypnotischen Sprachmustern in einen entspannten Zustand begegeben hast, wählst Du ein Vorbild aus Deinem Leben welches als Modell dient. Dies sollte jemand sein der in einer oder mehreren Situationen etwas souverän meistert, was Du noch meistern willst. Als nächstes nutzt Du den „Als Ob“-Rahmen, den Kinder oft ganz natürlich beim Spielen verwenden, und tust bereits in Deiner Vorstellung so, als könntest Du auf die selbe Art und Weise handeln wie Dein Rollenvorbild. Zum Schluss kannst Du die vage und einladende Sprache des Milton-Modells erneut nutzen, indem Du Deinem Unterbewusstein erlaubst die neuen Ressourcen in Deinem Leben auf geeignete Art und Weise umzusetzen und zu integrieren. Hierfür kannst Du auch eine posthypnotische Suggestion (auch: eine Suggestion die später aktiv wird) nutzen wie: "... und später, dann wenn ich in (den Kontext benennen) bin, kann ich mich an jene Verhaltensweisen meines Rollenvorbilds erinnern und wie von selbst bewusst, oder unbewusst, anwenden".


Ein abschließendes Fazit für Deinen Weg mit dem Milton-Modell


Wenn Du die hypnotischen Muster aus meinen zwei Artikeln zum Milton-Modell kombinierst, entsteht eine Kommunikation die sich wie ein fließender Bach um die Felsen des Widerstands herum bewegt. Letztendlich nutzen wir Menschen auch Metaphern, um Geschichten zu erzählen, die das logische Denken umgehen und direkt zum Unbewussten sprechen, ähnlich wie die Kōans der alten Zen-Meister. Denn auch im Milton-Modell steckt der Zen-Geist Das Unbewusste ist schließlich wie ein riesiger Ozean voller Schätze. Der bewusste Verstand ist nur das kleine Boot an der Oberfläche. Das Milton-Modell hilft dabei, den Anker zu lichten und sanft in die Tiefe zu gleiten.


In meinem NLP-Practitioner wirst Du spüren und erfahren können, wie diese und noch mehr hypnotische Sprachmuster ineinandergreifen. Damit lernst Du Deine Sprache wie ein Instrument zu spielen, mal präzise wie das Meta-Modell und mal einladend und weit wie das Milton-Modell. Ich freue mich bereits darauf, mit Dir gemeinsam diese Räume der Trance zu erkunden. Denn erinnere Dich daran, es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt nur die Erfahrung und die Flexibilität darauf zu antworten. Ich wünsche Dir viel Freude dabei, mit Deiner Sprache zu spielen und zu beobachten, wie sich die Türen zu neuen Möglichkeiten öffnen.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

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