Walt Disneys Kreativitätsstrategie: Vom Träumer zum Realisten
- Florian Stotz

- 5. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Der Wechsel zwischen Deinen Denkweisen verwandelt eine Visionen in eine greifbare Wirklichkeit.
Den Namen Walt Disney verbinden die meisten Menschen mit einem Reich voller Fantasie. Hinter den fliegenden Elefanten und den sprechenden Mäusen steckt allerdings eine glasklare Methode. Disney war eben nicht nur ein Träumer. Er war ein Meister darin, den Raum zwischen einer verrückten Idee und ihrer handfesten Umsetzung zu überbrücken. Im Modell des NLP heißt diese Vorgehensweise die Walt-Disney-Kreativitätsstrategie, und in dieser Form hat sie Robert Dilts beschrieben, nachdem er Disneys Arbeitsweise nachgebaut hatte. Heute zeige ich Dir, wie Du sie Dir aneignest und in Deinem Leben nutzt.
Warum die meisten Ideenrunden scheitern
Vielleicht kennst Du aus Deinem Arbeitsalltag jenes Bild: Es findet eine Runde zur Ideenfindung statt. Die eine Hälfte der Anwesenden schweigt frustriert, die andere macht halbherzige Vorschläge. Und wenn doch ein zarter Gedanke auftaucht, wird er von jemandem im Keim erstickt, weil er nicht zu Ende gedacht sei. Ein solcher Austausch ist so fruchtbar wie eine trockene Wüste. Das Problem dahinter ist immer dasselbe: Es sprechen mehrere Stimmen durcheinander. Es wird geplant, während andere noch träumen. Und eine Idee wird kritisiert, bevor sie überhaupt atmen konnte. Walt Disney trennte diese Zustände deshalb streng voneinander, für sich selbst und später auch in seinen Besprechungen. Und zwar nicht nur im Kopf, sondern räumlich.
Die drei Gesichter der Kreativität nach Walt Disney
Seine Methode gliedert sich in drei Phasen. Von Disney stammt der bekannte Satz, dass Du es auch tun kannst, wenn Du es träumen kannst. Er wusste allerdings genauso, dass ein Traum ohne Plan und ohne Handlung eine Illusion bleibt.
Der Träumer, also der Visionär. In seinem Bereich ist alles erlaubt. Es gibt kein Aber, kein Budget und keine Schwerkraft. Hier geht es allein um das Was, und der Blick liegt auf freiem Verknüpfen und reiner Fantasie. Stell Dir vor, Du planst ein Blogprojekt über eine Weltreise. Der Träumer sieht die spektakulärsten Orte und die begeisterten Leser, ohne einen Gedanken an Flugpreise zu verschwenden.
Der Realist, also der Macher. Er fragt nicht, ob etwas geht, sondern wie. Er nimmt den Traum und gießt ihn in ein Storyboard. Dabei zerlegt er die Vision in überschaubare Schritte, im NLP Chunking genannt, wobei ein Chunk ein Informationsblock ist, der groß oder klein sein kann. Er prüft die Mittel, stellt Zeitpläne auf und klärt Zuständigkeiten. Aus der Weltreise wird so eine Tabelle mit Übernachtungskosten und möglichen Förderern.
Der Kritiker, also der Qualitätsmanager. Zuletzt kommt er ins Spiel, und er ist alles andere als ein Spielverderber. Er ist eher ein Schutzengel. Er braucht Abstand zum Ganzen, um es überhaupt überblicken zu können, und sucht dabei nach Schwachstellen: Was, wenn die Ausrüstung ausfällt? Entscheidend ist, dass er nie den Träumer bewertet, sondern immer nur die Lücken im Plan des Realisten.
Der Prozess zur Installation der Walt-Disney-Kreativitätsstrategie
Für die meisten Menschen endet diese Strategie mit dem Wissen darüber, und das finde ich schade. Denn mit etwas Führung kannst Du sie Dir als tatsächliche Fähigkeit aneignen. Damit sie nicht nur verstanden, sondern Bestandteil Deines Lebens wird, nutzen wir einen Einrichtungsvorgang aus dem NLP. Es geht dabei vor allem darum, die drei Zustände sauber abrufen zu können.
Schritt 1: Das Setting vorbereiten
Schaff Dir zunächst eine neutrale Meta-Position in der Mitte des Raumes. Von dort aus markierst Du drei Orte für den Träumer, den Realisten und den Kritiker, zum Beispiel mit drei Blättern Papier. Achte darauf, den Kritiker etwa einen Meter weiter entfernt zu platzieren als die beiden anderen.
Schritt 2: Die Anker setzen
Träumer-Anker: Geh auf die erste Position und erinnere Dich an eine Zeit, in der Du völlig frei und mit Leichtigkeit fantasieren konntest. Nimm die Erinnerung durch Deine eigenen Augen wahr und spür den Zustand. Disney blickte dabei oft nach oben, eine Körperhaltung, die den Zugang zum inneren Entwerfen von Bildern erleichtert.
Realist-Anker: Geh auf die zweite Position und erinnere Dich an einen Moment, in dem Du einen Plan wirksam umgesetzt hast. Geh vollständig in diesen handelnden Zustand hinein.
Kritiker-Anker: Geh zuletzt auf die dritte Position, die weiter entfernt liegt. Erinnere Dich dort an eine Kritik, die Du selbst einmal gegeben hast und die ein Vorhaben tatsächlich verbessert hat.
Schritt 3: Der Zyklus zur Installation
Träumen: Beginne beim Träumer und sieh Dein Ziel als farbigen Film, den Du durch Deine eigenen Augen wahrnimmst.
Planen: Wechsel zum Realisten und werde Teil dieses Films, indem Du in dieser Rolle das Storyboard für die Umsetzung entwirfst.
Prüfen: Geh zum Kritiker und such nach möglichen Fehlern und unerwarteten Hürden. Und formuliere Deine Einwände dabei als Wie-Fragen. Also nicht: Das Budget reicht nicht. Sondern: Wie stelle ich sicher, dass das Budget reicht?
Optimieren: Kehr zum Träumer zurück und finde dort die Antworten auf die Fragen des Kritikers. Zwischendurch kannst Du jederzeit die Meta-Position in der Mitte nutzen, um den Kopf frei zu bekommen.
Schritt 4: Wiederholung
Geh diesen Zyklus mindestens dreimal durch, besser bis zu siebenmal, damit die Strategie sich in Deinem Unterbewusstsein einrichtet. Danach wiederholst Du ihn so oft, bis Dein Plan für alle drei Positionen stimmig ist. Ein kleiner Hinweis dazu: Denk am Ende eines Zyklus kurz an etwas völlig anderes, das Du liebst, bevor Du erneut durch die Positionen gehst. Das fördert das unbewusste Reifen Deiner Idee.
Der Als-ob-Rahmen als Brücke
Ein weiteres Werkzeug, um besonders den Träumer in Dir zu wecken, ist der "so tun, als ob"-Rahmen, im Modell des NLP auch als "Af-if Frame" bezeichnet. Er ist die bewusste Entscheidung, so zu tun, als gäbe es keine Hindernisse oder als läge die Lösung bereits vor. Denn sobald wir innerlich sagen, dass wir nicht wissen, wie das gehen soll, blockieren wir uns selbst. Fragen wir uns dagegen, wie die Lösung aussähe, wenn wir sie bereits kennten, umgehen wir den prüfenden Verstand.
Der Rahmen senkt also die Hemmschwelle des inneren Zensors. Und damit öffnet er den Zugang zu Ressourcen, die in Dir längst schlummern und nur von Zweifeln zugedeckt sind. Das ist das Paradoxe daran: Das Sotun setzt genau das frei, was ohnehin schon vorhanden ist. Angenommen, Du glaubst, Du seist nicht selbstsicher. Was wäre, wenn Du einmal so tust, als wärst Du es, und einfach handelst? Vielleicht stellst Du erstaunt fest, dass Du die Mittel dafür längst in Dir trägst. Der Gewinn ist damit klar:
Blockaden lösen. Du kommst aus dem Grübeln ins Handeln.
Perspektivwechsel. Du siehst die Welt mit den Augen eines Könners, bevor Du einer bist.
Kreativität auf Abruf. Du wartest nicht auf die Muse, sondern lädst sie ein.
Denn indem Du so tust, als hättest Du eine Fähigkeit bereits, beginnst Du, Dich entsprechend zu verhalten. Und dieses Verhalten wird mit der Zeit zu Wirklichkeit.
Nicht wer, sondern wann
Was uns Disneys Strategie im Kern lehrt, ist etwas Befreiendes. Wir müssen nicht einschränken, wer wir sind. Wir dürfen nur lernen, wann wir wer sind. Sei es der Träumer, der nach den Sternen greift. Der Realist, der die Leiter baut. Oder der Kritiker, der die Sprossen prüft.
Ich wünsche Dir viel Freude mit diesem Impuls für Dein nächstes Vorhaben.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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