NLP Metaprogramme: Ein Überblick um Deine inneren Filter zu verstehen
- Florian Stotz

- 6. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Wie die Metaprogramme Deine Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Kommunikation bestimmen.
Seit langer Zeit setze ich mich intensiv mit den Strukturen des menschlichen Bewusstseins auseinander. Mich faszinieren unter anderem auch jene Mechanismen, die hinter unseren täglichen Entscheidungen und Reaktionen als Menschen existieren. Im NLP gibt es ein Modell, welches diese Prozesse "auf Molekülgröße" betrachtet: die Metaprogramme. So individuell wie Dein Charakter ist, so individuell ist auch Deine Art Informationen zu verarbeiten. Im heutigen Artikel geht es darum, Dir einen Überblick über die Metaprogramme zu geben.
Was sind Metaprogramme eigentlich?
Die Metaprogramme sind nach dem Modell des NLP die kleinsten Einheiten unserer Verhaltensmuster. Du kannst Dir die Metaprogramme als interne Programme oder "Sorts" vorstellen. Die "Sorts" sind ein Begriff aus der Computersprache, welche darüber entscheiden, worauf Du Deine Aufmerksamkeit lenkst. In vielen NLP-Literaturen heißt es, dass unser Bewusstsein pro Zeiteinheit nur eine begrenzte Menge an Informationen verarbeiten kann. Dies sind bei einem ausgeruhten Menschen etwa 7±2 Chunks, denn als Menschen müssen wir Informationen zwangsläufig verzerren, löschen und generalisieren. Sobald Du als Mensch unter Stress gerätst, reduziert sich diese Aufnahmekapazität drastisch auf nur zwei oder sogar nur einen einzigen Chunk.
Metaprogramme sind also wie mentale Filter, welche diese Auswahl steuern. Damit bestimmten die Metaprogramme, welche Aspekte der Realität Du betrachtest und wie Du Kohärenz, also einen Zustand von Zusammenhang und Stimmigkeit, in Deinem Weltbild aufrechterhältst. Es ist wichtig für Dich zu verstehen, dass Metaprogramme nicht Deine feststehende Persönlichkeit beschreiben, sondern eher wie ein "Status-Report" Deiner aktuellen Strategie in einem spezifischen Kontext sind. Damit sind die Metaprogramm vor allem stark situationsabhängig. Richard Bandler bezeichnete die Metaprogramme als Bausteine Deiner Persönlichkeit, welche tief in Deinem Unterbewusstsein eingegraben sein sollen. Anbei findest Du eine kurze Auflistung aller Metaprogramme:
Gegenbeispielsortierer / Gleichbeispielsortierer
Worst Case Sorter / Best Case Sorter
Zufallssortierer / Sequentialsortierer
Überblicksortierer / Detailsortierer
Weg von / Hin zu
Problemvermeidung / Zielorientierung
Proaktiv / Reaktiv / Inaktiv
Notwendigkeit / Annehmlichkeit
Autoritätskriterien – Selbst und Andere
Ein Überblick über die wichtigsten Metaprogramm-Paare
Die Metaprogramme bilden meist ein Kontinuum, also eine fließende Abstufung zwischen zwei Extremen. Im nachfolgenden ist eine Betrachtung der Muster aufgezeigt, welche oftmals bestimmen wie Du wahrnimmst, Informationen verarbeitest und kommunizierst.
1. Gegenbeispielsortierter / Gleichbeispielsortierer
Der Gegenbeispielsortierer generiert zu allem und jedem das Gegenteil. Das klingt erst einmal skurril, ist aber im Alltag of das schönste Kino. Wenn Du einen Gegenbeispielsortierer zu etwas bewegen möchtest, musst Du paradoxerweise oft das Gegenteil von dem fordern, was Du eigentlich erreichen willst, denn er wird sofort das Gegenteil tun, was Deinem eigentlichen Wunsch entspricht. Der Gleichbeispielsortierer hingegen sucht instinktiv nach Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen. Beispielsweise ist der Gegenbeispielsortierer als Kritiker im Walt-Disney-Format von großem Wert, während es sich bei einer Kennenlernphase eines neuen Menschen in Deinem Leben lohnt, eher ein Gleichbeispielsortierer zu sein.
2. Worst Case Sortierer / Best Case Sortierer
Es ist oft spannend zu beobachten, wie Menschen nach Ereignissen suchen, die ihnen zeigen was schlimmstenfalls passieren kann. Ein Worst-Case-Sortierer fragt beispielsweise in einem Verkaufsgespräch sofort: "Was passiert, wenn der Strom ausfällt oder der Programmierer krank wird?". Wenn man ihm dann plastisch ausmalt, wie die Firma wegen einer falschen Entscheidung pleitegeht, dann taucht er meist vollkommen in dieses Szenario ein. Der Worst-Case-Sortierer braucht Sicherheit, dass das Schlimmste vermieden. Der Best-Case-Sortierer hingegen wird von den positiven Möglichkeiten und dem optimalen Verlauf angezogen. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich, wenn Du einmal für ein Ziel auflistest, was im schlimmsten Fall passieren kann und wie Du diese Szenarien bewältigen könntest, sowie dann mit Ausrichtung auf den besten Fall damit beginnst Dein Ziel in der Realität mit Handlung umzusetzen.
3. Zufallssortierer / Sequentialsortierer
Der Sequentialsortierer braucht einen exakten Ablaufplan. Ein Manager könnte beispielsweise eine feste Kaufstrategie beim Essen haben: Zuerst der Aperitif bei der Anreise, die Suppe in einem anderen Unternehmen, die Hauptspeise zur Projektvorstellung und zum Dessert die Entscheidung. Sobald Du von dieser Sequenz abweichst, verlierst Du den Sequentialsortierer. Der Zufallssortierer hingegen springt in einer Kreativsitzung von einer Strategie zur Rechnung, dann zum nächsten Kunden und wieder zurück zur Strategie. Er folgt keinem linearen Pfad, was für Außenstehende oft chaotisch wirkt.
4. Überblicksortierer / Detailsortierer
Stell Dir einmal einen Konzertbesuch vor. Der Überblicksortierer genießt dabei die Atmosphäre und das Gesamtkunstwerk. Der Detailsortierer hingegen achtet auf die Stimmung der Geigen oder die exakte Akustik in Reihe 12. Ein Mismatch (auch: Abweichung) hier, etwa wenn jemand Details möchte aber nur den Überblick bekommt, ist eine häufige Ursache für Kommunikationsstörungen. Ein Match (auch: Übereinstimmung) wäre, wenn jemand der Details will, auch dementsprechend Details bekommt.
5. Weg von / Hin zu
Manche Menschen kommunizieren ständig darüber, was sie nicht mehr haben wollen, beispielsweise: "Ich möchte nicht krank werden". Diese Weg-von-Sortierer bewegen sich im Geist weg von einem negativen Bild. Das hat Konsequenzen, denn wer sagt: "Pass auf, dass Du die Milch nicht verschüttest", sorgt dafür, dass das Gegenüber sich erst das Verschütten der Milch vorstellen muss. Stattdessen sprechen Hin-zu-Menschen von ihren Zielen und Visionen. Dies hat den Vorteil, dass Du von Anfang an ein positives Bild verfolgst, wie beispielsweise: "Gieße die Milch langsam und aufmerksam in das Glas hinein".
6. Problemvermeidung / Zielorientierung
Die sicherste Methode nicht zu lernen, ist die Problemvermeidung, denn dabei stellst Du Dir das Schlimmste vor, assoziierst Dich mit der Vorstellung und begibst Dich voll in das unangenehme Gefühl. Vielleicht sagst Du dann sogar zusätzlich: "Gott sei Dank habe ich das nicht gemacht". Zielorientierte Menschen hingegen dissoziieren sich von negativen Ereignissen der Vergangenheit, betrachten sie als Lernquelle und entwerfen leuchtende bunte Bilder der Zukunft, die eine automatische Anziehungskraft auf das Unbewusste ausüben.
7. Proaktiv / Reaktiv / Inaktiv
Ein proaktiver Mensch, oft als "Early Adopter" bezeichnet, nimmt sein Leben in die Hand, geht Risiken ein und probiert das Neueste aus, ohne nach dem schlimmsten Fall zu fragen. Er kauft seine Produkte früh, auch wenn sie teurer sind. Ein reaktiver Mensch wartet auf Impulse von außen, während zuletzt der inaktive Mensch im Stillstand verharrt.
8. Notwendigkeit / Möglichkeit/Annehmlichkeit
Unsere Gesellschaft hat sich mittlerweile zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, weil wir bereit sich für Annehmlichkeit (auch: Bequemlichkeit) zu zahlen. Seien es Fertiggerichte oder Bestellungen von Essen vor unsere Haustür. Die meisten Kunden schwanken zwischen Kosten- und Bequemlichkeitssortierung. Beim Verkaufen gilt, dass Du es Deinem Kunden so einfach wie möglich machen solltest. Denn wer Bequemlichkeit bietet, gewinnt oft gegen den reinen Preis. Ein Notwendigkeitssortierer hingegen tut Dinge meist erst dann, wenn er sie tun muss. Dabei reagiert er oft auch internen oder externen Zwang. Den Notwendigkeitssortier lässt es kalt sich durch Erleichterung und Luxus motivieren zu lässen, während der Annehmlichkeits- bzw. Möglichkeitssortierer hier erblüht.
9. Autoritätskriterien - Selbst und Andere
Angenommen ein Kunde kauft eine Stereoanlage, dann kannst Du Dich fragen ob er alleine entscheidet, und damit Selbst, oder Testberichte und die Meinung anderer Menschen braucht, und damit über Andere. Als Verkäufer wäre es fatal, jemanden unter Druck zu setzen der nach anderen Menschen sortiert, um eine Entscheidung sofort zu treffen. Dieser Mensch muss zuerst eine Rücksprache mit jemanden halten oder Daten vergleichen, um sich sicher zu fühlen.
Werte und Strategien: Eine Basis zur Veränderung
Neben den Metaprogrammen spielen auch Werte eine entscheidende Rolle in unserem Leben. Während Metaprogramme eher beschreiben, wie wir sortieren, sagen unsere Werte was in unserem Leben wichtig, und gut oder schlecht ist. Werte sind das, worauf Du Dich zubewegst oder was Du zu vermeiden suchst. Sie sind ebenfalls kontextabhängig, allerdings oft stabiler als Metaprogramme. Wichtig sollte für Dich die Erkenntnis sein, dass Menschen nicht ihr Verhalten sind, sondern ein Verhalten haben. Jeder Mensch tut immer das Beste, was er mit den ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen in einem Moment tun kann. Wenn Du also die Metaprogramme einer Person kennst, kannst Du ihre Präferenzen, Stärken und Abneigungen leichter vorhersagen. Es gibt hier also kein richtig oder falsch, nur unterschiedliche Arten der Weltbegegnungen. Das Wissen um diese Filter ermöglicht es Dir:
Verhaltensmuster der Spitzenklasse zu modellieren
Teambildung und Personalauswahl effektiver zu gestalten
Kommunikationsstörungen (Mismatches) aufzulösen
Möglicherweise hat Dich der heutige Artikel dahin motiviert, dass Du Dich und andere Menschen genauer wahrnimmst. Dabei könntest Du Dir die folgenden Fragen stellen:
Welchem Muster folgst Du selbst in Stresssituationen?
In welchen Momenten bist Du ein Detailsortierer oder ein Überblicksortierer?
Kannst Du flexibel "chunken", also die Ebenen wechseln?
Wahre Flexibilität beginnst meist Dort, wo Du Deine eigenen Muster erkennst und lernst, sie bewusst zu nutzen. In Zukunft werde ich zu allen Metaprogrammen aus diesem Artikel einen weiteren Artikel schreiben, um das Wissen um diese Metaprogramme weiter zu vertiefen. Bis dahin wünsche ich Dir viel Freude beim Entdecken von Deinen und anderer Menschen unbewusster Landkarten.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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