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Erlange die Meisterschaft über Deine Emotionen und Gefühle – Teil 8

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 9. Sept. 2025
  • 14 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug.

Eine Artikelserie als Reise aus dem emotionalen Gefängnis.


In einer meiner heutigen Meditationen konnte ich erneut erfahren, wie unterschiedlich die Welten des Körpers, des Astralkörpers (auch: Ort der Gefühle) und des Mentalkörpers (auch: Geist) sind. Ich habe mich daraufhin gefragt, wie viele der Menschen, die ich kennengelernt habe, ein Bewusstsein dafür besitzen, dass sie im Inneren auch in Abwesenheit von Gedanken, also von Bildern und Worten im Geist, aus sich heraus Emotionen hervorrufen können. Diese Emotionen lassen sich nicht nur bewusst hervorrufen, sondern durch bestimmte Komponenten auch verändern. Mit der Veränderung dieser Komponenten kannst Du Dich von einer Emotion zur nächsten entlanghangeln. Heute geht es um acht Komponenten, die die Basis für die Entstehung von Emotionen bilden.

 

Emotionen bestehen aus bestimmten Komponenten

 

Das Wetter ist ein Teil des Lebens und beeinflusst uns auf viele Weisen. Manche Menschen teilen es nur in „schön" oder „schlecht" ein, während andere weit mehr unterscheiden: stürmisch, mild, bedrohlich, schwül, heiß, kalt und heiter. Jede dieser Wetterlagen entsteht durch das gleichzeitige Zusammenwirken von Komponenten wie Luftfeuchtigkeit, Wind, Temperatur, Wolken, Luftdruck und Landschaft. Das Wetter wird also davon bestimmt, wie sich diese Komponenten zusammensetzen. Was das mit Deinen Emotionen zu tun hat?

 

Sehr viel, denn auch Deine Emotionen bestehen aus bestimmten Komponenten. Emotionen wie Angst oder Freude werden durch ein Zusammenspiel von Denkmustern bestimmt, die ich im Folgenden als Komponenten bezeichne. Tatsächlich lassen sich alle Emotionen auf eine bestimmte Menge solcher Komponenten zurückführen. An dieser Stelle möchte ich aus der Praxis des Zen und meiner Erfahrung mit dem Astralkörper erwähnen, dass es durch längere Meditationspraxis auch andere Wege gibt. In diesem Artikel geht es aber um die Denkmuster, die die Komponenten der Emotionen bilden.

 

Das Erkennen emotionaler Komponenten kannst Du mit dem Erlernen der Weinverkostung vergleichen. Innerhalb einer Weinsorte lassen sich verschiedene Geschmacksnoten unterscheiden, die zusammen das Aroma ausmachen. Mit dem Wissen um die einzelnen Aromen kannst Du mit etwas Erfahrung auf die Sorte schließen. Genauso kannst Du mit dem Wissen um die emotionalen Komponenten auf die jeweilige Emotion schließen. Und die Veränderung der wesentlichen Komponenten führt zur Veränderung der Emotion. Es gibt unter anderem folgende acht Komponenten:

 

  • Zeitrahmen

  • Modalität

  • Beteiligung

  • Intensität

  • Vergleich

  • Tempo

  • Kriterien

  • Chunkgröße

 

Emotionskomponente 1: Zeitrahmen

 

Mit dem Zeitrahmen sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeint. Fast jede Emotion bezieht sich auf eine dieser Dimensionen, für viele ist der Bezug sogar notwendig. Indem Du Deine Aufmerksamkeit auf einen anderen Zeitrahmen verschiebst, kannst Du eine emotionale Veränderung bewirken.


Nehmen wir die Sorge als Beispiel. Wenn Du Deine innere Vorstellung von Sorge beobachtest, wirst Du feststellen, dass sie immer mit etwas zu tun hat, das in der Zukunft geschehen könnte. Sorge entsteht also durch das Vorstellen einer unerwünschten Möglichkeit in der Zukunft. Wenn Du darüber nachdenkst, wirst Du kein Beispiel finden, in dem Du Dich über etwas gesorgt hast, das bereits geschehen ist oder gerade geschieht. Bei Sorge beziehst Du Dich zwangsläufig auf die Zukunft.


Stell Dir einmal etwas vor, das Dich besorgt macht. Während Du in dieser Emotion bist, richtest Du Deine Aufmerksamkeit bewusst auf die Gegenwart, also darauf, wo Du gerade bist und was um Dich herum geschieht. Selbst wenn Du Dich sorgst, ist die Gegenwart in der Regel in Ordnung. Eine Feststellung von Leslie Cameron-Bandler, einer der frühen Entwicklerinnen des NLP, war, dass Dein Geist eine friedliche Gegenwart braucht, um überhaupt die Freiheit zu haben, in die Zukunft abzuschweifen und dort Sorgen und Ängste zu erzeugen. In Situationen, in denen tatsächlich eine Bedrohung besteht, bleibt meist keine Zeit, sich mit Katastrophen der Zukunft (auch: Worst-Case-Szenarien) zu beschäftigen.


Zwei weitere Beispiele sind das Bedauern und die Langeweile. Bedauern bezieht sich auf die Vergangenheit, auf das, was hätte sein können oder was Du hättest tun können, aber nicht getan hast. Verschiebst Du den Fokus von der Vergangenheit in die Zukunft, hin zu dem, was noch sein oder was Du noch tun kannst, verwandelt sich das Bedauern in Hoffnung. Langeweile dagegen bezieht sich auf die Gegenwart, auf das, was gerade nicht geschieht. Sobald Du den Fokus von der Gegenwart auf etwas Bevorstehendes richtest, wandelt sich die Langeweile. Freust Du Dich auf ein nahes Ereignis und richtest den Fokus darauf, entsteht die Vorfreude.


Der Zeitrahmen, auf den sich eine Emotion bezieht, ist entscheidend für ihre Qualität und Wirkung. Wenn Du also eine Emotion erlebst, bei der der Zeitrahmen eine wesentliche Komponente ist, kannst Du sie verändern, indem Du Deinen Fokus bewusst auf eine andere Dimension der Zeit verschiebst.

 

Emotionskomponente 2: Modalität

 

Deine Überzeugungen darüber, wie notwendig, wie möglich, wie unmöglich oder wie wichtig etwas für Dich ist, beeinflussen Deine Emotionen, und umgekehrt gilt dasselbe. Die Bedeutung, die Du einem Ereignis gibst, prägt die emotionale Intensität mit. Der Glaube, dass etwas reibungslos verlaufen muss, wirkt völlig anders als der Glaube, dass es vielleicht reibungslos verläuft. Und es macht einen Unterschied, ob man glaubt, dass etwas nicht gelingen kann, oder ob man sich wünscht, dass es gelingt. Immer wenn Deine innere Erfahrung etwas als notwendig, möglich, unmöglich oder wünschenswert einstuft, bewegst Du Dich im Rahmen der Modalitäten.


Einfach übersetzt bedeutet Modalität eine Art und Weise. Sie ist eine innere Bewertungsschiene, auf der Du Deine Erfahrungen einordnest, und sie bestimmt, ob Dir etwas notwendig, möglich, unmöglich oder wünschenswert erscheint. Stell Dir vier Türen vor mit den Beschriftungen „muss", „kann", „kann nicht" und „wäre schön". Jedes Mal, wenn Du eine Situation erlebst, gehst Du automatisch durch eine dieser Türen, und die Tür, die Du wählst, bestimmt, welche Emotion im Raum dahinter auf Dich wartet. Diese Modalität zeigt sich auch in den Modaloperatoren, jenen Wörtern, die eine Notwendigkeit oder Möglichkeit ausdrücken. Im NLP unterscheidet man die Modaloperatoren der Notwendigkeit und die der Möglichkeit.

 

Manche Emotionen werden stärker durch Modalitäten geprägt als andere. Ein Beispiel ist die Verantwortung. In Deinem Leben gab es Situationen, in denen Du etwas tun musstest, obwohl Deine Fähigkeiten dafür begrenzt waren. In dem Moment, in dem Du die Herausforderung angenommen hast, wurde sie für Dich verpflichtend. Herausgefordert durch diese Notwendigkeit konntest Du so handeln, dass Du über Dich hinausgewachsen bist. Das Ergebnis entsprang der Verantwortung als Emotion.

 

Zu sagen, dass etwas getan werden muss, drückt die Modalität der Notwendigkeit aus. Die Haltung „Es ist meine Aufgabe" baut sie auf. Sobald Du akzeptierst, dass eine Aufgabe getan werden muss, hörst Du auf, darüber nachzudenken, ob Du sie tun kannst, und beginnst stattdessen zu überlegen, wie Du sie meisterst. Verantwortung bedeutet implizit „Ich muss", und Dein Denken richtet sich darauf aus, dieses Muss zu erfüllen. Ein dritter Aspekt ist die Frage, ob Du glaubst, tun zu können, was getan werden muss. Wenn ja, existiert auch eine Modalität der Möglichkeit. Wie Du diese Frage beantwortest, bestimmt maßgeblich Deinen Umgang mit Verantwortung:

 

  • Glaubst Du, dass Du etwas nicht kannst oder dass es für Dich unmöglich ist, wirst Du Dich wahrscheinlich unzulänglich oder verzweifelt fühlen und versuchen, Dich der Verantwortung zu entziehen.

  • Glaubst Du dagegen, dass Du es schaffen kannst, wirst Du Dich eher kompetent und kraftvoll fühlen und Verantwortung übernehmen.

 

Drei Kernaussagen von Verantwortung lauten wie folgt:

 

  • „Es muss getan werden", es gibt also Konsequenzen, wenn etwas getan oder nicht getan wird.

  • „Es ist meine Aufgabe", ich bin am besten dafür geeignet.

  • Und „Ich kann es tun", ich bin jetzt oder später in der Lage zu handeln.

 

Du kannst die Notwendigkeit dieser Komponenten selbst prüfen, indem Du etwas nimmst, wofür Du Dich verantwortlich fühlst, und dann eine der drei Aussagen innerlich verneinst. In jedem Fall verschwindet die Verantwortung und wird durch eine andere Emotion ersetzt. Sobald Du Dich verantwortlich fühlst, richtet sich Dein Denken automatisch darauf aus, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Mit diesem Wissen kannst Du die Modalität der Unmöglichkeit in eine der Möglichkeit verschieben.

 

Unsere Sprache ist ein Fenster in unsere Gedanken, Wahrnehmungen und Emotionen, und die Modaloperatoren sind ein besonders klares Fenster. Sie sind verbale Marker für unsere Überzeugungen über Notwendigkeit, Möglichkeit, Unmöglichkeit und Wünschbarkeit:

 

  • Wörter wie „müssen" oder „brauchen" drücken eine Notwendigkeit aus.

  • Wörter wie „können", „könnte" oder „vielleicht" eine Möglichkeit.

  • Wörter wie „kann nicht" oder „geht nicht" eine Unmöglichkeit.

  • Und Wörter wie „wollen", „sollen", „werde" oder „werde nicht" eine Wünschbarkeit oder Unwünschbarkeit, wobei besonders „werde" und „werde nicht" ein proaktives Handeln anzeigen.

 

Mach einmal die Erfahrung und nimm Dir etwas vor, das Du vor Dir herschiebst. Sehr wahrscheinlich denkst Du in so einem Fall: „Ich sollte mal wieder Sport machen." Was geschieht, wenn Du stattdessen sagst: „Ich werde morgen Sport machen"? Sehr wahrscheinlich fühlt sich das schon anders an, weil eine Verpflichtung darin mitschwingt. Viele Emotionen entstehen aus den Modalitäten, die wir in einem Moment verwenden.

 

Bestimmte Indikatorwörter lassen sich zugehörigen Emotionen zuordnen:

 

  • brauchen → verzweifelt, bedürftig

  • müssen → unter Druck, überfordert, besessen

  • sollen → verpflichtet

  • hätte sollen / hätte nicht sollen → schuldig, reuevoll

  • könnte →  hoffnungsvoll, optimistisch, vorsichtig, wachsam

  • kann →  fähig, kompetent, zuversichtlich, stark

  • vielleicht → verletzlich, unsicher, neugierig

  • hätte sein können →  enttäuscht

  • kann nicht →  hilflos, unzulänglich

  • geht nicht → verzweifelt, hoffnungslos, resigniert

  • wollen → motiviert, angezogen, begehrend, gierig

  • werden → entschlossen, geduldig, ehrgeizig

  • werde nicht → stur

 

Mit der Komponente der Modalität lassen sich gezielt Emotionen erzeugen. Am Beispiel der Verantwortung kannst Du sie in Dir oder anderen entstehen lassen, indem Du die drei Modalitäten bewusst aktivierst:

 

  1. „Es muss getan werden“: Um negative Konsequenzen zu vermeiden oder positive Konsequenzen zu erreichen.

  2. „Es ist meine Aufgabe“: Ich bin die geeignetste Person dafür.

  3. „Ich kann es tun“: Es ist möglich für mich.

 

Damit ein Mensch die Verantwortung aber nicht nur auferlegt bekommt, sondern sie wirklich fühlt, braucht es einen inneren Sinn, warum etwas getan werden soll. Ein Beispiel: Viele Jugendliche fühlen sich nicht verantwortlich, auf ihre jüngeren Geschwister aufzupassen. Verantwortlicher fühlen könnten sie sich, wenn sie den Sinn dahinter erkennen, nämlich den Eltern den Freiraum zu schaffen, Geld für die Familie zu verdienen.

 

Menschen, deren Verantwortungsgefühl auf diesen drei Elementen ruht, sind meist entschlossen und wirksam in der Umsetzung. Gibst Du jemandem einfach eine Aufgabe nach dem Motto „Das musst Du machen", riskierst Du ein „Ich will nicht" oder „Ich muss nicht" und erzeugst Widerstand statt Verantwortung. Und selbst wenn die Person die Aufgabe annimmt, kann ein fehlendes „Ich kann" dazu führen, dass sie sich zwar verantwortlich, aber unzulänglich fühlt. Erst mit dem dritten Schritt, dem „Ich kann", wird das Verantwortungsgefühl zu einer kraftvollen Einheit.

 

Emotionskomponente 3: Beteiligung

 

So wie Du etwas als möglich, unmöglich, notwendig oder wünschenswert empfinden kannst, kannst Du Dich in Bezug auf ein Ziel aktiv oder passiv beteiligt fühlen. Erst in dem Moment, in dem Du beschließt, etwas verändern zu wollen, erschaffst Du einen sogenannten Outcome. Dieser kann ein gewünschtes Ergebnis, eine Emotion, ein Verhalten oder eine äußere Veränderung sein. Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, fest davon überzeugt zu sein, diesen Outcome zu erreichen, und ihm mit vollem Einsatz näherzukommen.


Jeder Mensch kennt Situationen, in denen er sich aktiv an einem Ergebnis beteiligt gefühlt hat, und andere, in denen er nur passiv war. Wenn Du aktiv gestaltest, handelst Du wie ein fließender Fluss, und der verbundene Zustand wird auch Flow genannt. Bist Du dagegen passiv, scheinst Du festzustecken wie ein Schlüssel im Schloss, ausgeliefert den äußeren Umständen.


Stell Dir ein Ziel vor, bei dem Du ehrgeizig warst, etwa Deinen Garten fertigzustellen, beim Sport einen Rekord aufzustellen oder einen schönen Abend mit einem geliebten Menschen zu verbringen. Wenn Du diesen Ehrgeiz spürst, merkst Du, dass er Dich aktiv fühlen lässt. Ersetzt Du dieses Gefühl von Aktivität durch ein Abwarten, bis sich die Dinge von selbst fügen, verschwindet der Ehrgeiz. Für die meisten Menschen entsteht dann Hoffnung, denn das Ergebnis wird nicht mehr als etwas erlebt, auf das man sich zubewegt, sondern als etwas, das von außen geschieht. Umgekehrt kannst Du Hoffnung in Ehrgeiz verwandeln, indem Du das Abwarten durch Aktivität ersetzt. Zwei weitere Komponenten des Ehrgeizes sind...

 

  • ein zukünftiger Zeitrahmen, denn das Ziel liegt in der Zukunft.

  • und eine Modalität des: „Ich kann und ich werde“.

 

Passivität in Bezug auf ein Ziel fördert eine Haltung des Abwartens. Emotionen, die auf Passivität beruhen, sind Hoffnung, Apathie, Selbstzufriedenheit, Gelassenheit, Einsamkeit oder Ruhe. Einsamkeit entsteht zum Beispiel oft, wenn Du Dich nach Nähe sehnst, aber glaubst, nichts tun zu können, um sie zu erfahren. Aktivität dagegen weckt ein Gefühl von Zielgerichtetheit und Wirksamkeit und ermöglicht Emotionen wie Entschlossenheit, Ehrgeiz, Zuneigung, Neugier, aber auch Angst, Ekel oder Frustration. Jede von ihnen ist davon geprägt, dass es etwas zu tun gibt:

 

  • Entschlossenheit will etwas erreichen.

  • Ehrgeiz will ein bestimmtes Niveau.

  • Neugier will etwas herausfinden.

  • Frustration will etwas in eine gewünschte Richtung bringen.

 

Passivität entsteht meist, wenn kein konkreter Outcome im Geist existiert. Sobald Du aber einen definierst und Dir vorstellst, richtest Du Dich entweder aktiv oder passiv auf ihn aus und handelst wahrscheinlicher. Dein Outcome kann Dich auf etwas hin ausrichten, etwa eine Freundschaft zu vertiefen oder eine Fähigkeit zu erwerben, oder von etwas weg, etwa Kopfschmerzen loszuwerden oder eine anstrengende Person zu meiden.

 

Dabei spielen die Richtungen „hin zu" und „weg von" zusammen mit dem Grad Deiner Beteiligung eine entscheidende Rolle. „Hin zu" heißt, dass Du Dich aktiv auf ein Szenario zubewegst, etwa auf eine berufliche Beförderung. „Weg von" heißt, dass Du Dich aktiv von einem Szenario entfernst, etwa von einem unangenehmen Gespräch. Aus der Kombination entstehen unterschiedliche Emotionen:

 

  • Aktiv + Hin-zu → Frustration, Entschlossenheit, Ehrgeiz, Zuneigung, Freundlichkeit oder Faszination.

  • Passiv + Weg-von → Langeweile, Verärgerung, Einsamkeit oder Selbstmitleid.

  • Passiv + Hin-zu → Hoffnung oder Geduld.

 

Emotionskomponente 4: Intensität

 

Wenn Du über die Angst nachdenkst, erkennst Du, dass sie freie Entscheidungen einschränkt. Sie verengt die Auswahl dessen, was Du Dir zutraust. Was würde in Deinem Leben geschehen, wenn Du die Variable Angst herunterregelst? Oft erscheinen Ängste unlösbar, doch manchmal löst sich ihr Hauptknoten durch etwas so Einfaches wie eine bewusste Entscheidung, die Du aus tiefstem Herzen triffst: „Das will ich nicht mehr." Damit setzt Du einen unbewussten Prozess in Gang, der Veränderung erzeugt. Manchmal ist gerade das, was einem guttäte, auch das, was einen am wenigsten interessiert, und das liegt in manchen Fällen daran, dass es ein angstbesetztes Thema ist.

 

Die Angst kann eine hohe Intensität besitzen. Es gibt Menschen, die im Zustand der Angst die Intensität ihrer inneren Bilder noch steigern: mehr Bilder, mehr Details, kräftigere Farben und Geräusche. Bei manchen wird die innere Angst so stark, dass sie zu einem nervösen Auf- und Abgehen führt, was die Emotion körperlich weiter verstärkt. Viele Emotionen werden durch ihre Intensität bestimmt, wobei es weniger um eine absolute als um eine subjektive, relative Intensität geht. Ärger und Missbilligung ähneln sich strukturell, unterscheiden sich aber klar in der Intensität, denn Ärger ist die intensivere der beiden.

 

Du kannst von einer Emotion in eine andere wechseln, indem Du die Intensität veränderst. Erinnere Dich an ein Ereignis, das Du kürzlich erreicht hast und das Dich zufrieden gemacht hat. Wenn Du diese Zufriedenheit noch einmal erlebst, kannst Du ihre Intensität steigern: Konzentriere Dich auf sie, mache Deine inneren Bilder farbiger und leuchtender, verstärke die körperlichen Empfindungen und führe ein inneres Selbstgespräch mit lobenden Worten wie „Das habe ich sehr gut gemacht, ich kann noch mehr erreichen." Für die meisten Menschen verwandelt sich die Zufriedenheit dadurch in Begeisterung oder sogar Ekstase. Es funktioniert auch in die andere Richtung. Du kannst die Ekstase herunterregeln, indem Du Bilder, Emotionen und innere Stimmen abdämpfst, bis nur noch eine leichte Zufriedenheit bleibt. Einige Beispiele für Intensitätsabstufungen:

 

  • enttäuscht → traurig → trauernd

  • zufrieden → glücklich → begeistert → ekstatisch

  • besorgt → aufgebracht → ängstlich → hysterisch

  • neugierig → interessiert → erregt → lustvoll → besessen

  • missbilligend → wütend → rasend

 

So wird die Veränderung der Intensität zu einem wirksamen Hebel.

 

Emotionskomponente 5: Vergleich

 

Hast Du Dich schon einmal unzulänglich gefühlt? Es gibt Menschen, die sich fast überall unzulänglich fühlen. Entsprechend weichen sie ihren Zielen aus oder geben zu früh auf, sobald sich Unzulänglichkeit oder Frustration zeigt. Ein Aspekt dieses Gefühls ist, dass man beständig Vergleiche anstellt. Vielleicht hast Du Dich einmal unzulänglich gefühlt, weil andere etwas erreicht hatten, was Du noch nicht erreicht hattest, und daraufhin hast Du Dich als weniger wertvoll bewertet.

 

Gehörst Du zu den Menschen, die sich ständig mit anderen vergleichen, kannst Du Dir die Frage stellen: Wie habe ich mich im Lauf der Zeit im Vergleich zu heute verbessert? Damit richtest Du den Blick nicht mehr nach außen, sondern auf Dein eigenes Wachstum. Das Ergebnis kann ein spürbarer Wandel von Unzulänglichkeit hin zu Kompetenz und Engagement sein.

 

Vergleiche sind ein Kernmechanismus im Menschen. Oft achten wir darauf, ob Dinge zueinander passen oder nicht:


  • Ein Matching, also Übereinstimmung, fördert Emotionen wie Zufriedenheit oder Einvernehmen.

  • Ein Mismatching, also Nicht-Übereinstimmung, führt oft zu Frustration, Enttäuschung, Missfallen oder Verachtung.

 

Scheint Dir zum Beispiel ein romantischer Abend ruiniert, weil der Partner keinen Sex möchte, übersiehst Du leicht die anderen Momente von Nähe und Wärme, die da waren. Auch der Humor entsteht oft aus Mismatching, aus dem Unerwarteten, dem Absurden, der Diskrepanz zum Vorherigen. So prägen Vergleiche, ob mit anderen oder mit den eigenen Erwartungen, viele Deiner Emotionen.

 

Emotionskomponente 6: Tempo

 

Deine Emotionen haben ein inneres Tempo, das fast immer eine prägende Komponente Deiner Erfahrung ist. Selbst wenn Du es kaum bewusst wahrnimmst, spielt es eine große Rolle. Filme und Serien nutzen deshalb Musik, um über das Tempo bestimmte Emotionen im Publikum zu erzeugen.

 

  • Ein schnelles Tempo prägt Emotionen wie Aufregung, Nervosität, Unruhe, Ungeduld, Angst und Wut.

  • Ein langsames Tempo prägt Emotionen wie Langeweile, Einsamkeit, Apathie, Geduld, Akzeptanz und Zufriedenheit.

 

Ungeduld lässt sich kaum mit einem langsamen inneren Tempo fühlen, ebenso wenig Geduld mit einem schnellen. Deshalb greifen manche Menschen intuitiv zu einer wirksamen Technik: Wer ungeduldig ist, atmet langsam und tief ein und aus. Das senkt das innere Tempo, und Geduld beginnt zu entstehen. Spannend ist auch die Richtung der Veränderung:

 

  • Beschleunigst Du das Tempo der Entmutigung, wird daraus oft Frustration, eine aktivere und nützlichere Emotion.

  • Verlangsamst Du das Tempo der Aufregung, wandelt sie sich häufig in Zufriedenheit oder Glück.

 

  • Das Tempo ist damit ein weiterer direkter Hebel für Deine Emotionsregulierung.

 

Emotionskomponente 7: Kriterien

 

Emotionen entstehen innerhalb eines bestimmten Kontexts, auch wenn er Dir nicht bewusst sein mag. Sie entstehen auch dann, wenn Du Dich ängstlich fühlst, ohne erkannt zu haben, dass die Angst etwa mit einer bevorstehenden Präsentation zusammenhängt. Situationen ändern sich, und damit ändert sich auch das, was Dir wichtig ist. Der Begriff für die Dinge, die Du für wichtig hältst, lautet Kriterien.


Kriterien sind die Maßstäbe, die Du in einer Situation anlegst und an denen Du ein Ergebnis abgleichst und bewertest. Wie Du inzwischen weißt, verändert die Veränderung einer Komponente Deine emotionale Erfahrung. Dasselbe gilt für die Kriterien: Veränderst Du sie, während alle anderen Komponenten gleich bleiben, verändert sich Deine Emotion. Wie die übrigen Komponenten wirken auch die Kriterien gleichzeitig mit allen anderen zusammen und erschaffen so Deine Emotion im Moment.


Ein Beispiel: Angenommen, ein Mann wird in Zukunft Vater, der Zeitrahmen liegt also in der Zukunft. Das Ereignis wird eintreten, die Modalität ist Gewissheit. Für den Vater ist es ein passives Ereignis, und die Intensität ist vermutlich hoch. Das Kriterium entscheidet nun darüber, ob er das Kind als Gewinn oder als Verlust für sein Leben betrachtet. Ist das Kriterium ein Gewinn, entsteht freudige Erwartung. Ist es ein Verlust, entsteht eher Furcht.


Damit kennst Du sieben Komponenten Deines emotionalen Erlebens: Zeitrahmen, Modalität, Beteiligung, Intensität, Vergleich, Tempo und Kriterien. Nun kommen wir zur achten und letzten.

 

Emotionskomponente 8: Chunkgröße

 

Chunks sind im NLP und in der Kognitionspsychologie Informationsblöcke oder Einheiten der Aufmerksamkeit. Dein Gehirn kann immer nur eine bestimmte Menge an Information gleichzeitig verarbeiten. Damit es nicht überlastet wird, fasst es einzelne Informationen zu größeren Einheiten zusammen, eben zu Chunks. Die Chunkgröße beschreibt, wie viel von Deiner Erfahrung Du in einer Situation gleichzeitig beachtest, im Verhältnis zum Ganzen. Dazu gehören drei Begriffe:

 

  • Ein Chunk down führt zu immer kleineren Details.

  • Ein Chunk sideways wechselt auf derselben Ebene zu einem anderen Bereich oder zu alternativen Möglichkeiten.

  • Und ein Chunk up führt zu einem breiteren, umfassenderen Bild.

 

Stell Dir vor, Du willst einen Garten anlegen:

 

  • Beim Chunk down überlegst Du, was Du pflanzen willst, wie Du den Boden vorbereitest und wie Du Zeit fürs Gärtnern einplanst, also lauter kleine Teilziele.

  • Beim Chunk sideways überlegst Du, welche Blumen es sein sollen, und wechselst etwa von Rosen zu Tulpen oder Lavendel.

  • Und beim Chunk up gelangst Du vom Ziel „einen Garten haben" zu einem größeren, etwa „mich produktiv fühlen", zu dem der Garten nur ein Beitrag ist.

 

Die Chunkgröße ist eine weitere Möglichkeit, Deine Emotionen zu verändern. Viele Menschen fühlen sich unfähig, wenn sie eine Aufgabe in einer großen Chunkgröße betrachten. Auf dieser Ebene festhängend, glaubt man schnell, das Ergebnis sei zu groß und die eigenen Fähigkeiten reichten nicht aus. Zerlegt man die Aufgabe aber in kleinere Chunks und umsetzbare Schritte, erlebt man meist einen Wandel hin zu Kompetenz.

 

Auch das kannst Du selbst ausprobieren. Nimm ein Ziel, von dem Du glaubst, es nicht erreichen zu können, und zerlege es in kleinere Teile, bis Du bei Verhaltensweisen, Wahrnehmungen und Fähigkeiten angelangt bist, die in Deinem direkten Einflussbereich liegen. Strukturiere einen Ansatz Schritt für Schritt. Sehr wahrscheinlich verändert sich dabei auch Deine Emotion in Bezug auf das Ziel. Das heißt aber nicht, dass Du immer alles in kleine Chunks zerlegen sollst. Es gibt kein Richtig oder Falsch bei Chunkgrößen. Auch große Chunks können zu wunderbaren Erfahrungen führen, denn es gibt Menschen wie mich, die bei Frustration erst recht ihr Ziel erreichen wollen.

 

Viele emotionale Zustände sind stark mit einer bestimmten Chunkgröße verbunden:

 

  • Eine große Chunkgröße bringt Emotionen wie Ehrfurcht, Staunen, Überwältigung oder auch Entmutigung. Richtest Du Deine Aufmerksamkeit auf das große Ganze, etwa beim Anblick der Pyramiden in Ägypten, kommst Du eher ins Staunen. Zerlegst Du das Ganze in kleine Details, wird aus dem Staunen Neugier.

  • Eine kleine Chunkgröße bringt eher Emotionen wie Gereiztheit oder Verdruss. Du könntest Dich zum Beispiel über die ständigen Unterbrechungen Deines Kindes ärgern. Richtest Du den Blick auf den größeren Zusammenhang und fragst „Was braucht mein Kind gerade?", verwandelt sich Dein Ärger wahrscheinlich in Fürsorge.

 

Nur wenige Emotionen beruhen ausschließlich auf einer bestimmten Chunkgröße. Die meisten werden zwar von ihr beeinflusst, doch entscheidend ist eher die Frage: Welche Chunkgröße ist Dir in dieser Situation nützlich? Ihre Angemessenheit hängt stark vom Menschen ab, von der Situation und von der jeweils gewünschten Emotion. Gerade bei Emotionen wie Zufriedenheit, Kompetenz, Wertschätzung und Verständnis ist es wichtig, nicht auf eine Chunkgröße festgelegt zu sein, sondern flexibel zwischen den Ebenen wechseln zu können.

 

Damit kommen wir zum Ende der acht emotionalen Komponenten, die Emotionen bilden, beeinflussen und verändern können. Im nächsten Artikel lernst Du die unterschiedlichen Komponenten verschiedener Emotionen im Einzelnen kennen. Damit bereicherst Du Deinen Werkzeugkasten der Emotionen ungemein, denn Du weißt dann, welche Emotion aus welchen Komponenten zusammengesetzt ist, ohne es allein durch Erfahrung herausfinden zu müssen. Bis dahin wünsche ich Dir eine wundervolle Zeit in Deinem Leben.

 

Bis zum nächsten Mal und Danke für Deine Zeit,


Dein Florian 🌈

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