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Die Stoa als innere Quelle von Kraft

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 16. März
  • 6 Min. Lesezeit

Wie ein inneres Fließen durch Tugend, Moral, Ethik und Werte etabliert wird.


Vor einiger Zeit habe ich mit einem Freund namens Peter Abelmann eine Unterhaltung über die Stoa geführt. In seinem Studium im Rahmen der Philosophie und Soziologie begeisterte er sich für die stoische Philosophie, auch als Stoizismus definiert. Der Stoizismus ist eine philosophische Lebensschule aus dem antiken Griechenland (ca. 300 v. Chr.), gegründet von Zenon von Kition und später geprägt von Denkern wie Epiktet, Seneca und Marcus Aurelius. Das Ziel des Stoizismus ist kann kurz und prägnant wie folgt formuliert werden: "Ein Mensch soll innerlich frei und stabil werden, unabhängig von äußeren Umständen". Im heutigen Artikel lernst Du die Begriffe von Tugend, Moral, Ethik und Werte im Kontext des Stoizismus besser kennen. Dabei gebe ich Dir eine Methode in Deine Hände, welche es Dir ermöglicht Deine Werte zu erkunden, zu reflektieren und für Dich stimmig zu verändern.


Die Grundhaltung der Stoiker übersichtlich dargestellt

 

In der Essenz wollten die Stoiker ein Leben führen, welches mit dem Wort Eudaimonia am treffendsten beschrieben werden kann. Das Wort Eudaimonia bedeutet nicht einfach nur Glück, sondern eine seelische Stabilität, ein inneres Aufblühen und ein erfülltes sowie sinnvolles Leben. Dieses Ziel soll nach den Stoiker durch die Tugend der Stoa erreicht werden können. Deswegen sagen die Stoiker auch, dass Tugend das höchste Gut ist. Alle anderen Faktoren wie Geld, Gesundheit und Status kann angenehm sein, entscheidet aber nicht über Dein inneres Glück. Grundsätzlich unterscheiden die Stoiker zwischen zwei Bereichen:


  • Dinge, die Du kontrollieren kannst wie

    • Gedanken

    • Einstellungen

    • Entscheidungen

    • Handlungen

    • Charakter


  • Dinge, die Du nicht kontrollieren kannst wie

    • Krankheit

    • Tod

    • Wetter

    • Meinung anderer

    • Zufälle des Lebens


Die zentrale Praxis der Stoa lautet dabei wie folgt: "Konzentriere Deine Energie nur auf das, was Du kontrollieren kannst". Alles andere sollst Du akzeptieren. Ein weiterer zentraler Gedanke der Stoa lautete: "Der Mensch soll im Einklang mit der Natur leben". Damit meinen sie, dass uns die Natur die Vernunft gegeben hat. Deshalb soll ein Mensch klar denken, bewusst handeln, seine Impulse steuern und gerecht gegenüber anderen Menschen sein.


Ein interessanter Fakt ist übrigens, dass die Kognitive-Verhaltenstherapie in einem Grundgedanken aus dem Stoizismus stammt. Epiktet sagte einst: „Nicht die Dinge selbst erschüttern uns, sondern unsere Bewertungen der Dinge“ Genau dieses Prinzip taucht auch in der KVT wieder auf: „Nicht nur ein Ereignis erzeugt Leid, sondern auch die Interpretation, die ein Mensch ihm gibt“. Wie so oft wird so getan, als würde das Rad neu erfunden werden. Viele bekannte Psychotherapeuten haben beispielsweise einige Ansätze aus den Upanishaden übernommen, und in einer westlich akzeptierten Formulierung umgeschrieben.


Die vier stoischen Tugenden und der stoische Idealzustand


Die Stoiker sahen vor allem vier Grundqualitäten als besonders wichtig an, die einen guten Menschen ausmachen:


  • Weisheit: Die Fähigkeit zu erkennen, was wahr und richtig ist

  • Mut: Das Richtige zu tun, auch wenn es schwierig ist (z.B. bei Angst trotzdem zu handeln)

  • Gerechtigkeit: Fair und verantwortungsvoll mit anderen Menschen umzugehen

  • Mäßigung: Selbstbeherrschung gegenüber Begierden und Emotionen


Diese vier Grundqualitäten bilden zusammen die Tugend des Stoiker und führen laut diesen in einen stoischen Idealzustand. Dieser stoische Idealzustand wurde von den Stoikern als Ataraxie bezeichnet und ist ein Zustand innerer Ruhe. Dieser ist mit Gelassenheit, Freiheit von zerstörerischen Emotionen und Stabilität im Chaos verbunden. Ein stoischer Mensch bleibt ruhig auch wenn er krank wird, Geld verliert oder kritisiert wird. Nicht weil einem stoischen Menschen alles egal ist, sondern weil sein innerer Kern stabil bleibt. Im Grunde sagt die Stoa folgendes: "Dein Leben wird nicht durch Ereignisse bestimmt, sondern durch Deine Haltung zu diesen Ereignissen". Darum ist die Stoa weniger eine Theorie als eine Trainingsschule im Leben für den eigenen Geist.


Die Definitionen von Tugend, Moral, Ethik und Werten


Das Wort Tugend bezeichnet eine Charakterfähigkeit, die Dich befähigt richtig zu handeln. Die ursprüngliche Bedeutung kommt von "taugen" und bezieht sich darauf, ob etwas tauglich, stark und fähig ist. Damit kannst Du das Wort Tugend auch als "Tüchtigkeit" oder "Brauchbarkeit" übersetzen. Im Stoizismus bedeutet Tugend die Fähigkeit, im Einklang mit Vernunft und Natur zu leben. Die vier Grundqualitäten von Weisheit, Mut, Gerechtigkeit und Mäßigung hast Du bereits im vorherigen Abschnitt kennengelernt. Für die Stoiker ist Tugend also gelebter Charakter und symbolisiert die innere Muskelkraft der Seele.


Die Moral beschreibt die konkreten Regeln des Zusammenlebens und kann auch als "Sitten" oder "Gewohnheiten" bezeichnet werden. Moral beantwortet die Frage: "Wie sollen sich Menschen verhalten?" und ist damit das praktische Regelwerk einer Gesellschaft. Hingegen ist die Ethik die philosophische Reflexion über Moral. Die Wortherkunft stamm vom griechischen ethos und bedeutet so viel wie "Charakter, Haltung und Lebensweise". Die Ethik stellt unter anderem Frage wie:


  • Was ist gutes Handeln?

  • Warum ist etwas richtig oder falsch?

  • Welche Werte sind gerechtfertigt?


Damist ist die Ethik das Nachdenken über Moral. Als letztes kommen wir zu den Werten, welche Dinge sind die für Dich wichtig und erstrebenswert sind. Das Wort Wert hat seinen Ursprung im germanischen Wort werth und kann als "Bedeutung, Würde und Wichtigkeit" verstanden werden. Beispiele für Werte sind:


  • Freiheit

  • Wahrheit

  • Loyalität

  • Liebe

  • Verantwortung

  • Mut

  • Gelassenheit


Werte beantworten die Frage: "Was ist mir wichtig?". Damit sind Werte wie ein innerer Kompass, welche Deine Entscheidungen lenken und maßgeblich beeinflussen. Genau darum geht es im nächsten Abschnitt um das Ergründen Deiner Werte.


Welche Werte sind Dir in Deinem Leben wichtig?


In jedem Menschen existieren bestimmte Bedürfnisse, welche aus unserer Natur als Lebewesen entstehen. Die Bedürfnisse sind grundlegende innere Anforderungen des Menschen, zu denen folgende typischen menschlichen Bedürfnisse gelten:


  • Sicherheit

  • Zugehörigkeit

  • Autonomie

  • Anerkennung

  • Sinn

  • Liebe

  • Kompetenz

  • Verbindung


Bedürfnisse beantworten die Frage: "Was brauche ich als Mensch, um zu gedeihen?". Die Werte hingegen entstehen daraus, wie Du Dir Deine Bedürfnisse erfüllen willst. Damit dienen die Werte als bewusste Leitlinien für Verhalten. Spannend ist dabei, dass Bedürfnisse universell für Menschen sind, während Werte dagegen individuell oder kulturell geprägt sind. Dies bedeutet auch, dass zwei Menschen mit demselben Bedürfnis unterschiedliche Werte entwickeln können, um sich mit unterschiedlichen Verhaltensweisen ein gleiches Bedürfnis erfüllen zu können. Ein Stoiker könnte nun sagen, dass Bedürfnisse im Menschen Wünsche erzeugen, während Werte diese Wünsche ordnen und die Tugend daraus weise Handlungen zur Bedürfniserfüllung macht.


Wenn Du die Stoa als innere Quelle von Kraft verstehst, dann sind die Bedürfnisse das Wasser unter der Erde, die Werte die Richtung des Flusses, die Tugend die Reinheit des Wassers, die Moral die Ufer des Flusses und die Ethik das Verständnis der Strömung. Wenn alles im Einklang ist, ensteht ein ruhiger, kraftvoller innerer Strom. Dies ist die stoische Idee eines inneren Gleichgewichts. Um dieses innere Gleichgewicht in Dir intensiv manifestieren zu können, kannst Du einmal die nachfolgende Methode für Dich ausprobieren:


  1. Schnapp Dir jetzt einen Stift und ein Papier

  2. Erstelle eine nummerierte Auflistung der Zahlen 1 bis 15 von oben nach unten

  3. Als nächstes schreibst Du 15 Werte nacheinander auf, welche in Deinem Leben eine Rolle spielen, oder welche Du im Leben mehr kultivieren willst

  4. Nun notierst Du nach Deinem inneren Gefühl den wichtigsten Wert bei der Zahl 1 und ordnest die restlichen Werte nach Deiner inneren Priorisierung der weiteren nummerierten Auflistung zu

  5. Jetzt ist der Zeitpunkt angekommen, dass Du Dir für jeden Wert mindestens 15 Minuten Zeit nimmst und für Dich schriftlich notierst, was beispielsweise Mut für Dich bedeutet und wie Du Mut in Deinem Alltag zeigen kannst. Wenn Du in den nächsten 14 Tagen jeweils einen weiteren Wert für Dich schriftlich definierst, hast Du bald ein bewussteres Verständnis dafür, was Du bisher unbewusst als ein Wertegerüst in Dir getragen hast

  6. Wenn Du alle 15 Werte definierst hast, kannst Du Dich einmal mit Bekannten oder Freunden dazu austauschen und schauen, wie deren Perspektive auf die Werte ist welche Du für Dich aufgelistet und definiert hast. Vielleicht gefällt Dir die ein oder andere Perspektive viel besser als das, was Du bisher mit Deinen Werten in Verbindung gebracht hast. Du kannst auch einmal selbst darüber reflektieren, ob Du den Inhalt Deiner Werte, also deren Definition, wirklich so leben willst


Oftmals werden uns Menschen in einer Gesellschaft gewisse Inhalte von Werten vorgegeben. Ob uns diese wirklich glücklich machen spielt in unserer kapitalisitschen Gesellschaft, in der wir als Menschen funktionieren sollen, oftmals weniger eine Rolle. Also lohnt es sich für Dich, den Inhalt Deiner Werte einmal kritischer zu überprüfen. Mein Freund Peter Abelmann hat einmal gesagt, dass er in seiner Arbeit mit vielen jungen Menschen oft feststellen musste, dass diese ihr Glück oftmals durch materiellen Besitz definieren. Wie steht es hier mit Dir? Glaubst Du, dass nur materieller Besitz Dich erfüllen kann, oder kannst Du sowohl den Wert von materiellen und immateriellen für Dich wertschätzen?


In den letzten Tagen und Wochen wurde mir immer mehr bewusst, wie wichtig ein positives und unterstützendes Umfeld für Menschen sein kann, damit diese innerlich erblühen können. Dabei kommt es weniger auf den materiellen Besitz des Umfeldes an, sondern eher auf einer innerlichen Haltung von Liebe, Achtstamkeit und Ermutigung. Das Wort Ermutigung bedeutet, jemandem Mut, Vertrauen und Zuversicht zu geben, wenn er selbst gerade wenig davon hat. Im Kern bedeutet das er-mutigen, dass man Mut in jemandem hervorruft und damit Mut und Selbstvertrauen schenkt. Dein Umfeld bestimmt maßgeblich, ob Du Dein inneres Potenzial überhaupt nach außen tragen wirst. Mittlerweile behaupte ich, dass ein positiv soziales Umfeld viel mehr Heilpotenzial in sich trägt, als jede Form der Psychotherapie. In meinem Umfeld war beispielsweise Peter in den letzten Wochen einer jener Menschen, der mich auf meine unbewussten Stärken oft bewusst hingewiesen hat. Vielen Dank lieber Peter, dass Du Deine Kraft das Beste im anderen Menschen zu sehen auch mit mir teilst.


Damit sind wir nun am Ende meines heutigen Artikels angelangt. Ich bin gespannt, welche inneren Veränderungen sind bereits jetzt schon in Dir in Bewegung gesetzt haben und wünsche Dir viel Spaß beim erforschen Deiner inneren Welt.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

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