NLP-Grundannahme Nummer 7: Es gibt einen Kontext, in dem jedes Verhalten nützlich ist
- Florian Stotz

- 3. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Deine Lebenserfahrungen bilden das Fundament für Deinen weiteren Lebensweg.
Wenn ich mehrere Jahre auf meine Vergangenheit zurückschaue, dann stelle ich oftmals fest, wie oft ich Erfahrungen gesammelt habe, die im damaligen Moment Erfahrungen waren, die ich nicht machen wollte. Heute stellen sich diese Erfahrungen als besonders wertvoll heraus, weil sie mich auf meinen "spirituellen Weg" geführt haben. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch hier auf der Erde ist um etwas bestimmtes zu lernen, was nur durch das Leben selbst gelernt werden kann. Diese Haltung stammt überwiegend aus dem Yoga und Hinduismus. Ob dies einer Wahrheit entspricht oder nicht, spielt in diesem Augenblick keine Rolle. Was eine Rolle spielt ist die Tatsache, dass Du nie weißt, wofür Deine Erfahrungen eines Tages gut sind.
Es gibt einen Kontext, in dem jedes Verhalten nützlich ist
Vielleicht kennst Du jene Tage im Leben, in denen Du innerlich mit Gefühlen beschäftigt bist, das etwas nicht so gelaufen ist wie Du es Dir vorgestellt hast. Möglicherweise hattest Du an diesen Tagen solche Gedanken wie: "Schon wieder etwas falsch gemacht!". Diese Gedanken können in Deinem Geist zu Gedankenspiralen werden, und plötzlich existiert ein großer interner Dialog. Neben der Tatsache, dass ein negativer interner Dialog auch dazu führt, dass Du Dich schlecht fühlst, passiert noch etwas anderes. Du führst Dich selbst in eine Sackgasse, denn wenn etwas für Dich "falsch" ist, fehlt Dir oft die geistige Offenheit um etwas zu verändern. Dies ist der Punkt, an dem Du eine Einschränkung für Dich erfährst.
Nehmen wir einmal ein, dass in Deinem Leben etwas nicht so läuft, wie Du es geplant hast. Oder Du stellst Dir einmal vor, dass etwas in Deiner Zukunft nicht funktionieren könnte, und Du Dich schon im Vorfeld dagegen entscheidest überhaupt zu handeln. Beide Ansätze führen zum gleichen Ergebnis, nämlich in bekannten Mustern zu bleiben. Wenn Du immer wieder dasselbe denkst und tust, erlebst Du auch immer wieder ähnliche Ergebnisse. Wenn Du also etwas anderes willst, brauchst Du unter anderem eine andere Perspektive. Eine davon ist die heutige NLP-Grundannahme: "Es gibt einen Kontext, in dem jedes Verhalten nützlich ist".
Worüber sprichst Du in Deinem Alltag?
In vielen Gesprächen mit anderen Menschen ist mir aufgefallen, dass gerne und viel darüber gesprochen wird, wie viele Fehler diese Menschen machen. Darunter verstehe ich, dass etwas im Leben nicht so funktioniert wie es funktionieren soll, wie man sich selbst im Weg steht und immer wieder "falsch" handelt. Im Modell des NLP geht es weniger darum, Verhalten sofort zu bewerten, sondern darum den Rahmen zu verändern in dem Du das Verhalten betrachtest. Dies wird im Modell des NLP auch als Reframing bezeichnet. Ein Verhalten, welches Dich aktuell nicht an Dein gewünschtes Ziel gebracht hat, kann trotzdem ein wichtiger Baustein auf dem Pflasterweg Deines Lebens sein. Stattdessen könntest Du also sagen: "Ich weiß noch nicht, wofür das gut ist", wodurch alleine dieser Gedanke schon wieder mehr Raum im Geist öffnet.
Möglicherweise kannst Du Dich an eine Situation aus Deiner Vergangenheit erinnern, in der Du von anderen Menschen bewertet wurdest. Vielleicht wurdest Du als laut, stur oder schwierig beschrieben. In einem bestimmten Kontext, beispielsweise in der Schule, mag das unpassend gewesen sein. Allerdings bedeutet dies nicht, dass Dein damaliges Verhalten an sich falsch war. Genau dieses Verhalten mit seinen Eigenschaften könnte in einem anderen Umfeld zu Deinen größten Stärken werden. Unter anderem kann Dich Ausdrucksstärke im Umfeld des Berufs weit bringen, Konsequenz kann Dich zu einem Ziel führen und Direktheit kann Dir Klarheit verschaffen. Oftmals sind es dieselben Verhaltensweisen, nur anders benannt und in einem anderen Kontext bewertet.
Mit dem Reframing aus dem NLP veränderst Du nicht das Verhalten selbst, sondern die Bedeutung, die Du dem Verhalten gibst. Aus einem "zu viel" wird ein "stark ausgeprägt" und aus einem "Problem" wird eine "Ressource". Mit dieser Veränderung folgt plötzlich auch ein verändern Deiner Wahrnhemung. Du kannst beispielsweise wenn Dich jemand kritisiert, oder Du Dich selbst kritisierst, innerlich damit beginnen das Bild davon zu drehen. Stell Dir einmal mehrere Situationen vor, in denen genau jenes damalige Verhalten sinnvoll gewesen wäre. Damit verliert die Kritik ihre Schwere und wird zu einer Information über einen bestimmten Kontext, und nicht über Deinen Wert als Mensch. Die meisten Menschen denken über ihre Vergangenheit oft in einer Einteilung von guter oder schlecht. Wie wäre es, wenn wir eine Prise Differenzierung in diese Perspektive bringen? Denn vielleicht gibt es in dieser Einteilung in den sogenannten "schlechten Erfahrungen" bestimmte Elemente, die Dich geprägt, gestärkt und etwas Wichtiges gelehrt haben. Wenn Du damit beginnst, diese Perspektive einzunhemen, dann verschiebt sich etwas in Deinem Inneren. Denn dann bleibst Du nicht mehr im Gefühl von "Das hätte mir nicht passieren dürfen", sondern bewegst Dich hin zu "Was kann ich daraus mitnehmen?".
Nutze vergangene Momente des Leids als Türöffner für Deine persönliche Entwicklung
Wenn Du einmal inne hältst, gab es bestimmt Momente in Deinem Leben, in denen Du gelitten hast. Vielleicht möchtest Du dir nun als nächstes die folgende Frage stellen: "Was wollte ich in dieser Situation nicht sehen oder nicht lernen?". Diese Frage ist nicht immer angenehm, wenn Du an der Erschaffung des damaligen Leids beteiligt warst, aber sie öffnet eine Tür in Dir. Denn sobald Du beginnst, den möglichen Lernaspekt zu erkennen, verändert sich auch Deine Beziehung zu dem Erlebnis. Damit verliert das Erlebnis an Schwere und bekommt eine neue Funktion. Diese Perspektive bedeutet nicht, dass jetzt plötzlich alles gut ist, aber macht Dich deutlich flexibler. Und genau darum geht es schließlich, denn wenn etwas nicht funktioniert, hast Du noch immer die Möglichkeit etwas anderes zu tun. Dies ist eine weitere NLP-Grundannahme, welche ich hier thematisiert habe. Anstatt also in einem Gefühl des "weg von" stecken zu bleiben, kannst Du Dich fragen: "Was wäre jetzt ein nächster sinnvoller Schritt? Welche Alternativen habe ich?".
Die meisten Menschen reagieren auf Kritik mit Rückzug oder Blockade. Sie fühlen sich angegriffen, machen dicht und entwickeln Strategien um ähnliche Situationen in ihrer Zukunft zu vermeiden. Doch Wachstum entsteht selten im Vermeiden, sondern es entsteht dort wo Du beginnst Dich flexibel zu bewegen, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt. Wenn Du damit beginnst, diese Haltung in Dein Leben zu integrieren, dann kann sich vieles in Deinem Leben verändern. Denn Du kannst damit beginnen, neue Dinge auszuprobieren ansatt sie im Kopf zu zerdenken. Du könntest ein Gespräch führen, ansatt es zu vermeiden, eine Einladung annehmen, anstatt diese aufzuschieben oder endlich neue Erfahrungen machen, ansatt in alten Mustern zu bleiben. Und mit jeder weiteren Erfahrung wächst Dein Verständnis dafür, was für Dich funktioniert und was weniger funktioniert.
Wider dem Gehorsam, ein Gedanken an Arno Gruen
Der ehemalige Psychoanalytiker Arno Gruen beschreibt in seinen Büchern "Wider dem Gehorsam" und "Der Verrat am Selbst" eine unbequeme These: "Gehorsam ist nicht harmlos, sondern die Wurzel von Entfremdung und Gewalt". Viele Menschen lernen bereits als Kinder
ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken
sich an Erwartungen anzupassen
brav zu sein, um Liebe und Anerkennung zu bekommen
Dies führt in den meisten Fällen zu einem Verrat des echten Selbst. Wenn ein Kind merkt: "So wie ich wirklich bin, bin ich nicht liebenswert", dann beginnt es sich selbst abzulehnen, sich mit Autoritäten zu identifizieren und Gehorsam über Authentizität zu stellen. Und genau hier entsteht laut Arno Gruen die Grundlage für blinden Gehorsam, Mitläufertum und sogar Grausamkeit gegenüber anderen Menschen. Denn wer sich selbst nicht mehr spürt, verliert auch sein Mitgefühl. Arno Gruen verbindet Gehorsam unter anderem mit Anpassung, Angst vor Ablehnung, Funktioniert und Kontolle. Hingegen verbindet er Lebendigkeit mit Authentizität, Mut zur Wahrheit, Fühlen und Beziehung. Ein Mensch, der "gut funktioniert", ist nicht unbedingt ein gesunder Mensch. Sein Ansatz ist nicht nur psychologisch, sondern nahezu existenziell, denn
Gesellschaften belohnen oft Gehorsam
Individuen verlieren dabei ihre innere Wahrheit
Es entstehen meist Systeme, in denen Unmenschlichkeit möglich wird
In seinen Büchern thematisiert Arno Gruen unter anderem historische Ereignisse (z.B. Totalitarismus) um zu zeigen, wohin blinder Gehorsam führen kann. Arnoe Gruen lädt seine Leser dazu ein wieder Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen, Autoritäten zu hinterfragen und den eigenen inneren Impulsen zu vertrauen. Nicht wegen einer Rebellion um der Rebellion willen, sondern für eine Rückverbindung zum eigenen Selbst. Diese Rückverbindung kannst Du heute schon beginnen, indem Du Dir beispielsweise neue Erfahrungen in Deinem Leben erlaubst und sanft zu Dir selbst bist, wenn mal wieder etwas nicht klappt wie Du es Dir vorgestellt hast.
Am Ende können wir gemeinsam die folgenden Essenz festhalten: Tu das, was Dir in einem Moment sinnvoll erscheint. Wenn es funktioniert, wunderbar. Wenn nicht, dann hast Du etwas Neues gelernt und kannst Deinen Kurs durch die Veränderung Deiner Verhaltens- und Denkweisen maßgeblich beeinflussen. Genau darin liegt Entwicklung und vielleicht auf die Freiheit, Dein Leben bewusster, selbstbestimmter und glücklicher zu gestalten.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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