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NLP-Grundannahme Nummer 3: Wenn das, was Du tust nicht funktioniert, tue etwas anderes

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 23. März
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Die unterschätzte Kraft der Flexibilität auf ein selbstbestimmtes und glückliches Leben.


Vor einigen Tagen führte ich mit einem guten Freund ein Gespräch. Er erzählte mir, dass er mit seiner Mutter immer wieder im Streit lande. In meinem Geist ertönte dabei ein Glockenläuten, während ich dachte: Bemerkenswert, es scheinen immer wieder dieselben Elemente aufzutreten. Und so fragte ich ihn: Was könntest Du an Deiner Kommunikation so verändern, dass ein harmonischeres Gespräch möglich wird? In dieser Frage steckt bereits die Grundannahme, um die es heute geht. Stell Dir vor, Du stehst vor einer Tür. Du drückst, und sie geht nicht auf. Du drückst kräftiger, und nichts geschieht. Am Ende wirfst Du Dein ganzes Gewicht dagegen, und die Tür bleibt verschlossen. Die meisten Menschen würden in diesem Moment einfach weiterdrücken. Die heutige Grundannahme ist genau das Gegenteil davon.


Woher dieser Gedanke stammt


Bevor wir tiefer in die Beweglichkeit gehen, ein kurzer Blick auf die Quelle. Der Gedanke geht auf Paul Watzlawick zurück, den österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftler und Psychotherapeuten, und er findet sich in seinem Buch "Anleitung zum Unglücklichsein". Dort erzählt er eine kleine Geschichte über einen Hammer. Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nur der Hammer fehlt. Also denkt er sich, der Nachbar habe doch einen, er gehe kurz hinüber und frage. Doch bevor er überhaupt aufsteht, geschieht etwas in ihm. Ein Gedanke taucht auf, dann noch einer, dann noch einer:


  • Was, wenn er mir den Hammer nicht leiht?

  • Gestern hat er mich schon so eigenartig angeschaut.

  • Bestimmt hat er etwas gegen mich.


Und während er noch auf seinem Stuhl sitzt, baut sich in ihm eine ganze Wirklichkeit auf, eine Geschichte, Gefühle, ein innerer Konflikt. Bis er schließlich aufspringt, hinübergeht, klingelt und, noch bevor der Nachbar ein Wort sagen kann, anfährt, dieser solle seinen Hammer gefälligst behalten. Was hat dieser Mann getan? Er hat sein Verhalten kein einziges Mal angepasst. Er hat nicht nachgefragt, nicht überprüft und nichts variiert. Stattdessen hat er mehr vom selben inneren Film produziert, Bedeutungen hinzugefügt und Gefühle aufgebaut, bis er am Ende ein Problem erschaffen hatte, das vorher überhaupt nicht bestand. Genau das ist das Gegenteil von Beweglichkeit.


Die unsichtbare Falle: mehr vom Selben


Vielleicht kennst Du diese drei Fälle:


  • Du willst jemanden überzeugen und wirst immer argumentativer.

  • Du willst Nähe und wirst immer bedürftiger.

  • Du willst Kontrolle und wirst immer angespannter.


Das gleicht dem Versuch, am Lautstärkeregler zu drehen, um die Klangqualität zu verbessern, obwohl das Problem gar nicht die Lautstärke ist. Was dabei entsteht, ist nur mehr Druck und mehr vom Gleichen. Und hier liegt der Punkt, den viele übersehen. Die meisten Systeme, in denen Du Dich bewegst, also Gespräche, Beziehungen und auch Dein eigener innerer Zustand, reagieren nicht auf Menge, sondern auf Unterschied. Veränderung entsteht nicht durch Verstärkung, sondern durch Variation.


Flexibilität als stiller Erfolgsfaktor


Die Flexibilität eines Menschen ist kein Talent, sondern eine Haltung. Sie ist die innere Bereitschaft, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, und eine spielerische Offenheit gegenüber Möglichkeiten, die man noch gar nicht kennt. Als NLP-Trainer behaupte ich, dass viel Ego bei einem Menschen meist mit wenig Beweglichkeit einhergeht. Im NLP gibt es dazu einen Leitsatz, der die Wirkung treffend beschreibt: Das Element mit der größten Flexibilität steuert das System. Es führt also nicht der Stärkste, nicht der Lauteste und nicht der Rechthaber, sondern derjenige, der bereit ist, sein Verhalten so lange zu verändern, bis es die gewünschte Wirkung hat. Beweglichkeit ist damit nichts anderes als angewandte Klugheit in Bewegung.


Wenn Du diese Grundannahme wirklich verkörperst, verändert sich etwas Grundlegendes, denn Du hörst auf, Dich selbst zu blockieren. Plötzlich werden Fehler nicht mehr zu Selbstabwertung und Selbstzweifel, sondern schlicht zu Rückmeldung. Du tust etwas, und wenn es nicht wirkt, passt Du Dich an. Fließen wie das Wasser eines Flusses, das nicht gegen den Felsen kämpft, sondern seinen Weg um ihn herum findet und dahinter wieder zusammenkommt. Und auf diesem Weg wirst Du etwas Bemerkenswertes feststellen: Je mehr Möglichkeiten Du hast, desto weniger hängst Du gefühlsmäßig an einer einzelnen. Genau das nenne ich in meiner Welt Freiheit.


Die Kunst, neue Möglichkeiten zu erzeugen


Die meisten Menschen glauben, sie hätten wenige Möglichkeiten. In Wahrheit haben sie wenige geübt. Dein Gehirn arbeitet dabei ähnlich wie ein Muskel, der kräftiger wird, wenn Du ihn häufig gebrauchst, und schwächer, wenn Du ihn liegen lässt. Wenn Du also immer wieder gleich reagierst, entsteht eine mentale Einbahnstraße. In dem Augenblick aber, in dem Du bewusst Alternativen erzeugst, öffnet sich etwas.


Übung 1: Der mentale Rangierbahnhof

Nimm Dir einen ruhigen Augenblick und denk an ein Ziel, das Du gerade verfolgst oder verfolgen willst. Es kann im Beruf liegen, beim Kennenlernen von Menschen oder in Deiner persönlichen Entwicklung. Dann stell Dir eine einzige Frage: Welche anderen Wege gäbe es noch, um dieses Ziel zu erreichen? Und schreib mindestens fünfzehn Möglichkeiten auf.

Drei Dinge sind dabei entscheidend:


  • Erlaub Dir auch die abwegigen Einfälle.

  • Bewerte nichts sofort.

  • Denk nicht in richtig und falsch, sondern in anders.


Dabei geschieht etwas Feines. Du trainierst Dein Gehirn darauf, Möglichkeiten hervorzubringen, statt an einer einzigen festzuhalten. Und genau das ist Beweglichkeit.


Übung 2: Der bewusste Strategiewechsel

Wähl eine Situation aus Deinem Alltag, die sich immer wieder ähnlich anfühlt. Vielleicht ein Gespräch, das stets gleich verläuft. Vielleicht eine Reaktion, die Du immer wieder zeigst. Vielleicht ein innerer Zustand, in den Du regelmäßig rutschst. Und dann tu etwas Radikales: Verändere bewusst Dein Verhalten, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt. Wenn Du viel redest, hör diesmal zu. Wenn Du gern die Kontrolle behältst, lass sie bewusst los. Wenn Du sonst zurückweichst, geh einen Schritt nach vorn und handle. Es geht dabei nicht darum, was richtig ist. Es geht darum, etwas anderes zu tun als sonst. Und beobachte dabei genau, was in Dir und was im Außen geschieht, wenn Du auf neue Weise handelst.


Veränderung beginnt nicht im Außen, sondern im Inneren


Diese Grundannahme verändert Dein ganzes Verhältnis zur Veränderung. Solange Du glaubst, es gebe nur einen richtigen Weg, wirst Du kämpfen. Sobald Du erkennst, dass es viele gibt, wirst Du spielerisch. Und dort entsteht die eigentliche Entwicklung, weil in Dir eine Bewegung mitschwingt, die lautet: Ich probiere etwas Neues.


Manchmal ist genau das der Augenblick, in dem sich eine Tür öffnet, die sich vorher mit aller Kraft nicht bewegen ließ. Ich wünsche Dir viel Freude dabei, mehr Beweglichkeit in Deinem Leben zu kultivieren.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈


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