Zeitlinien der Heilung: Change History und Reimprinting im NLP
- Florian Stotz

- vor 7 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Verändere mit Hilfe der Time Line Deine Lebensgeschichte zu einer starken Ressourcenquelle.
Innerhalb des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) begegnet jeder Anwender des Modells einmal Blockaden, welche tief in der Biografie eines Menschen verwurzelt sein können. Wenn das heutige Verhalten einer Person in keinem angemessenen Verhältnis zur aktuellen Lebenszeit steht, weisen die Spuren oftmals in die Vergangenheit. Um diese emotionalen Knoten zu lösen, haben sich zwei wesentliche NLP-Formate etabliert. Unter anderem das Change History und das Re-Imprinting. Obwohl beide Techniken die Time Line nutzen, unterscheiden sie sich in ihrer Tiefe und ihrem Anwendungsbereich. Während das Change History punktuelle Ereignisse korrigiert, greift das Reimprinting tief in das Gefüge der Identität und der systemischen Rollenbilder ein. Du musst dabei kein NLP-Trainer sein, um die nachfolgenden NLP-Formate zu beherrschen. Mit etwas Recherche in meinem Blog, kannst Du Dir alle nachfolgenden Begriffe aus dem Modell des NLP wie von selbst aneignen.
Das Change History Format (nach Klaus Grochowiak)
Innerhalb des Change History Formats geht es vor allem um eine Ressourcen-Nachversorgung bei punktuellen Traumatisierungen. Das Change History Format geht davon aus, dass eine Situation nur deshalb traumatisierend wirkte, weil die Person zum damaligen Zeitpunkt nicht über die notwendigen Ressourcen verfügte. Es geht also nicht um das Nachreichen von Kompetenzen an das "jüngere Ich". Die Schritte der Strategie des Change History sind folgende:
Elizitierung des Problemzustands: Die Person verbindet sich mit dem gegenwärtigen unangenehmen Gefühl
Ankern des Problemzustands: Ein kinästhetischer Anker (auch: Such-Anker) wird gesetzt, um das Gefühl zu fixieren
Regression (Time Line Arbeit): Die Person geht mit dem ausgelösten Such-Anker auf seiner Zeitlinie rückwärts bis zum ersten Erlebnis, in dem dieses Gefühl auftrat. Dabei werden Zwischenstationen auf diesem Weg markiert
Dissoziation & Reflexion: Die Person tritt aus der Situation heraus (auch: Meta-Position). Nun formuliert die Person die Glaubenssätze, welche damals durch die belastende Situation entstanden sind. Falls die Emotion zu stark ist hilft ein Pattern Interrupt zur weiteren Distanzierung
Reframing & Vorbereitung: Nun wird ein Bedeutungs-Reframing oder Humor genutzt, um den Zustand der Person zu lockern und ein Gefühl von Sicherheit und innerer Stabilität zu erzeugen
Ressourcen-Suche: Welche Ressourcen (z.B. Mut, Gelassenheit und Schutz) hat die Person heute, welche ihr damals fehlten? Diese werden als nächstes elizitiert und stark geankert
Re-Assoziation mit Ressourcen: Die Person geht mit dem kraftvollen Ressourcen-Anker zurück in die alte Situation und erlebt sie neu. Dieses Mal in einer kompetenten und handlungsfähigen Art und Weise
Update der Generalisierungen: Die Person formuliert nun neue und hilfreiche Glaubenssätze auf Basis des neuen Erlebens
Integration (Future Pace): Die Person geht die Zeitlinie vorwärts bis in die Gegenwart, lässt die Ressource in alle Zwischenstationen einfließen und prüft dabei die Wirkung auf die Zukunft
Das Reimprinting (nach Robert Dilts)
Das Reimprinting Format hat seinen Fokus auf der Wandlung von Identitäts-Glaubenssätzen und systemischen Rollenmodellen. Ein "Imprint" (auch: Prägung) ist mehr als ein bloßes Ereignis. Es handelt sich dabei um eine Period, in der ein Mensch durch unbewusstes Rollen-Modellieren von Bezugspersonen seine Identität geformt hat. Das Ziel des Re-Imprinting ist es, das gesamte System, inklusive der beteiligten "signifikanten Anderen" mit Ressourcen zu versorgen. Im nachfolgenden findest Du die Strategie des Reimprinting im Detail:
Symptom-Identifikation: Setze Deinen Fokus auf die physische Manifestation des Symptoms und die damit assoziierten Glaubenssätze im Hier und Jetzt
Regression zum Ursprung: Beginne mit einem Rückwärtslaufen auf der Time Line, bis hin zum frühesten prägenden Erlebnis
1. Position (Assoziiert): Im Ich-Zustand des Kindes sprichst Du die einschränkenden Überzeugungen im Präsens aus
Ein Schritt zurück: Setze einen Schritt vor den Ursprung des Imprints, damit Du einen Zustand vor der Prägung spüren kannst
Meta-Position: Das Verlassen der Zeitlinie
Nun beginnst Du mit einer Betrachtung der Auswirkungen des Imprints auf Dein Leben in der 3. Person und sprichst in der Vergangenheitsform
Finde als nächstes eine positive Absicht oder den sekundären Gewinns des jeweiligen Symptoms
Systemische Arbeit (Die signifikanten Anderen):
Beginne mit der Identifikation aller beteiligten Personen (Eltern, Lehrer etc.) von damals
2. Position (Empathie): Versetze Dich in jede Person hinein und erlebe die Situation aus der Sicht der anderen Anwesenden
3. Position: Erkenne die positive Absicht hinter dem Handeln der jeweiligen Person bzw. der Personen
Ressourcen-Transfer:
Beginne als nächstes mit der Identifikation von fehlenden Ressourcen aller anwesenden Personen
Verankere nun diese Ressourcen im gegenwärtigen Moment Deines Lebens
Nutze nun eine metaphorische Übertragung, wie beispielsweise ein Lichtstrahl der sich durch die gesamte Time Line erstreckt, bis Du mit den Ressourcen zurück in der Zeit ankommst, in der alle anwesenden Personen präsent waren
Re-Integration & Update:
Beginne mit einem erneuten Durchleben des Imprints aus der eigenen Perspektive und mit allen neuen Ressourcen die in Dir verankert worden sind
Als nächstes führst Du ein Update der Identitäts-Glaubenssätze durch. Dabei formulierst Du die alten, negativen Identitäts-Glaubenssätze in neue, positive Identitäts-Glaubenssätze um
Zukunfts-Integration: Im letzten Schritt läufts Du mit der wichtigsten Ressource vor der zeit des Imprints bis in die Gegenwart, damit die Veränderung in Deiner gesamten Biografie (auch: Time Line) spürbar wird
Wie Du bemerken kannst, liegt der entscheidende Unterschied in der Tiefe der beiden Formate. Während das Change History eine kraftvolle Methode ist, um spezifische Blockaden durch Ressourcen-Nachversorgung zu lösen, heilt das Reimprinting eher die Wurzeln unserer Identität. Mit Hilfe des Milton-Modells können zudem vage Formulierungen und verdeckte Installation dabei helfen, dass eine Person teifgreifende Prozesse durchläuft, während die Privatsphäre gewahr bleibt. Durch die obigen NLP-Formate veränderst Du weniger die Geschichte, sondern die Bedeutung der Geschichte auf die eigene Gegenwart. Damit hört man auf sich als Opfer der eigenen Vergangenheit zu sehen, und beginnt damit in der Gegenwart eine ressourcenreiche Zukunft zu gestalten. Ich wünsche Dir als Gestalter Deines Lebens viel Spaß mit dem heute erworbenen Wissen.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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