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Zeitlinien der Heilung: Change History und Reimprinting im NLP

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 5. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Verändere mit Hilfe der Time Line Deine Lebensgeschichte zu einer Quelle von Kraft.


Wer mit dem Modell des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) arbeitet, begegnet früher oder später Blockaden, die tief in der Lebensgeschichte eines Menschen verwurzelt sind. Und es gibt ein verlässliches Zeichen dafür: Wenn das heutige Verhalten eines Menschen in keinem angemessenen Verhältnis zur gegenwärtigen Lage steht, weisen die Spuren fast immer in die Vergangenheit. Um solche Knoten zu lösen, haben sich zwei Formate etabliert, das Change History und das Re-Imprinting. Beide arbeiten mit der Time Line, und doch unterscheiden sie sich erheblich in ihrer Tiefe. Das Change History korrigiert ein einzelnes Ereignis. Das Re-Imprinting greift in das Gefüge der Identität und in die Rollenbilder eines ganzen Systems ein. Du musst dabei kein Trainer sein, um beide zu verstehen. Mit etwas Nachlesen in meinem Blog eignest Du Dir die Begriffe wie von selbst an.


Das Change History Format nach Klaus Grochowiak


Bei diesem Format geht es um eine Nachversorgung mit Ressourcen bei einer einzelnen belastenden Erfahrung. Der Grundgedanke dahinter ist bemerkenswert entlastend: Eine Situation wirkte deshalb belastend, weil dieser Mensch damals nicht über die nötigen Mittel verfügte. Es geht also genau darum, dem jüngeren Ich diese Mittel nachzureichen. Der Ablauf hat neun Schritte:


  • Erstens, den Problemzustand hervorrufen. Der Mensch verbindet sich mit dem gegenwärtigen unangenehmen Gefühl.

  • Zweitens, den Problemzustand ankern. Ein Anker über den Körper wird gesetzt, der sogenannte Such-Anker, um das Gefühl festzuhalten.

  • Drittens, die Rückführung auf der Zeitlinie. Mit ausgelöstem Such-Anker geht der Mensch auf seiner Zeitlinie rückwärts bis zu jenem ersten Erlebnis, in dem dieses Gefühl auftrat. Die Zwischenstationen auf diesem Weg werden dabei markiert.

  • Viertens, Abstand und Betrachtung. Der Mensch tritt aus der Situation heraus in die Meta-Position und benennt von dort aus die Glaubenssätze, die damals entstanden sind. Wird das Gefühl zu stark, hilft eine Musterunterbrechung, um den Abstand zu vergrößern.

  • Fünftens, Reframing und Vorbereitung. Ein Bedeutungsreframing oder auch Humor lockert den Zustand und erzeugt Sicherheit und innere Festigkeit.

  • Sechstens, die Ressourcen suchen. Welche Ressourcen hat dieser Mensch heute, die ihm damals fehlten? Mut, Gelassenheit, Schutz. Sie werden hervorgerufen und kräftig geankert.

  • Siebtens, die Rückkehr mit Ressourcen. Mit diesem Anker geht der Mensch zurück in die alte Situation und erlebt sie neu, diesmal handlungsfähig.

  • Achtens, die Verallgemeinerungen erneuern. Aus dem neuen Erleben heraus werden neue, tragende Glaubenssätze formuliert.

  • Neuntens, die Integration über den Future Pace. Der Mensch geht die Zeitlinie vorwärts bis in die Gegenwart, lässt die Ressource in alle Zwischenstationen einfließen und prüft die Wirkung auf die Zukunft.


Das Re-Imprinting (nach Robert Dilts)


Das Reimprinting Format hat seinen Fokus auf der Wandlung von Identitäts-Glaubenssätzen und systemischen Rollenmodellen. Ein Imprint, also eine Prägung, ist dabei mehr als ein einzelnes Ereignis. Es ist eine ganze Zeitspanne, in der ein Mensch durch unbewusstes Nachbilden seiner Bezugspersonen seine Identität geformt hat. Und deshalb ist das Ziel hier ein anderes: Nicht nur Du bekommst Ressourcen, sondern das gesamte System, einschließlich der damals bedeutsamen anderen Menschen:


  • Erstens, das Symptom bestimmen. Richte Deinen Blick auf die körperliche Seite des Symptoms und auf die Glaubenssätze, die im Hier und Jetzt damit verbunden sind.

  • Zweitens, zurück zum Ursprung. Geh auf der Zeitlinie rückwärts bis zum frühesten prägenden Erlebnis. Dort gehst Du in den Ich-Zustand des Kindes hinein und sprichst die einschränkenden Überzeugungen in der Gegenwartsform aus. Und dann setzt Du einen Schritt vor den Ursprung der Prägung, um den Zustand davor zu spüren.

  • Drittens, die Meta-Position. Verlass die Zeitlinie. Betrachte von außen und in der dritten Person, welche Auswirkungen diese Prägung auf Dein Leben hatte, und sprich dabei in der Vergangenheitsform. Such danach die gute Absicht oder den verborgenen Nutzen des Symptoms.

  • Viertens, die Arbeit am System. Bestimme zuerst alle damals beteiligten Menschen, also Eltern, Lehrer und wer sonst dazugehörte. Versetz Dich dann in jeden einzelnen von ihnen hinein und erlebe die Situation aus seiner Sicht. Und erkenne von außen die gute Absicht hinter seinem Handeln.

  • Fünftens, der Ressourcentransfer. Bestimme, welche Ressourcen den beteiligten Menschen damals fehlten. Verankere diese Ressourcen im gegenwärtigen Augenblick Deines Lebens. Und übertrag sie dann in einem Bild zurück, etwa als Lichtstrahl, der sich über die ganze Zeitlinie erstreckt, bis Du mit ihnen in jener Zeit ankommst, in der alle Beteiligten anwesend waren.

  • Sechstens, neu durchleben und erneuern. Durchlebe die Prägung noch einmal aus Deiner eigenen Sicht, diesmal mit allen neuen Ressourcen. Und forme danach die alten Identitäts-Glaubenssätze in neue um.

  • Siebtens, die Zukunftsintegration. Geh zuletzt mit der wichtigsten Ressource von einem Punkt vor der Prägung bis in die Gegenwart, sodass die Veränderung über Deine ganze Lebensgeschichte hinweg spürbar wird.


Worin sich beide unterscheiden


Der entscheidende Unterschied liegt in der Tiefe. Das Change History ist eine kraftvolle Methode, um eine bestimmte Blockade über nachgereichte Ressourcen zu lösen. Das Re-Imprinting arbeitet an den Wurzeln der Identität selbst. Mit dem Milton-Modell lassen sich beide zusätzlich verfeinern. Über vage Formulierungen und verdeckte Anregungen kann ein Mensch tiefgreifende Vorgänge durchlaufen, ohne dass er die Inhalte offenlegen müsste. Seine Privatsphäre bleibt dabei gewahrt, und das halte ich für einen der elegantesten Züge dieser Arbeit.


Und schließlich verändert keines dieser Formate Deine Geschichte. Sie verändern die Bedeutung, die Deine Geschichte für Deine Gegenwart hat. Genau dort hört ein Mensch auf, sich als Opfer seiner Vergangenheit zu sehen, und beginnt, aus der Gegenwart heraus eine andere Zukunft zu gestalten.


Ich wünsche Dir als Gestalter Deines Lebens viel Freude mit diesem Wissen.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈



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