Das NLP-Format Drug of Choice
- Florian Stotz

- 3. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Apr.
Legaler Drogenkonsum durch intensivierte Zustände.
Vor Kurzem habe ich mir eine essenzielle Frage gestellt: "Wie würde unsere Welt aussehen, wenn jeder Mensch von sich aus die Bereitschaft hätte, zuerst seine positiven Gefühle mit anderen Mitmenschen zu teilen und aufrichtiges Interesse an seinen Mitmenschen zu zeigen?". Häufig schon begegnete mir in Heidelberger Cafés das Phänomen, dass sich einige Frauen zu einem Mädelstreffen verabredet haben, nur um am Ende selbst bei der banalsten Geschichte in einem emotional Hochrausch der positiven Gefühle zu landen. Ein Phänomen, welches meist in der Männerwelt ohne Alkohol selten bis gar nicht existiert. Anstelle eines Drogenkonsums von Alkohol, finde ich die Strategie der Frauen bei ihren Mädelstreffen viel stimmiger. Im Modell des NLP gibt es das fast schon mysteriöse NLP-Format Drug of Choice. Im Kern geht es bei Drug of Choice darum, bestimmte Gefühle bzw. Zustände zu verstärken und zu intensivieren.
Die Entstehungsgeschichte des NLP-Formats Drug of Choice
In meinem NLP Practitioner geht es am neunten Tag darum, dass Du ein Gefühl dafür erhältst, was Du mit den bisher erlernten NLP-Techniken, NLP-Formaten und NLP-Modellen alles machen kannst. Bei dem NLP-Format Drug of Choice hat der Begründer Richard Bandler damals herausgefunden, dass Menschen die gelegentlich Marihuana konsumierten, ohne Einnahme der Substanz selbst sich wieder in einem Hoch fühlen konnten. Dies wurde durch schrittweise Modellierung möglich, indem schrittweise erkundet wurde, welche körperlichen Reaktionen und Wahrnehmungsveränderungen beim Konsumenten aufeinanderfolgend nach dem Konsum der Substanz bis zum Hoch eingetreten sind. Damit ist es letztendlich nicht die Droge selbst, deren Wirkung diese Menschen wahrgenommen haben, sondern die Reaktionen des Körpers darauf. Diese Reaktionen bestimmen Deine Wahrnehmung und sind im Unterbewusstsein abgespeichert. Mit geeigneten Hypnosetechniken können diese Zustände zu jeder Zeit wiedererlebbar gemacht werden.
Interessanterweise stellte Richard Bandler damals auch fest, dass Menschen die noch nie Marihuana konsumiert haben, das Hoch der Substanz erfahren konnten, indem schrittweise die nacheinander eintretenden Wahrnehmungsveränderungen im Rahmen einer Sitzung per Hypnose präzise beschrieben wurden. Wichtig finde ich an dieser Stelle auch die Frage, in welchen Situationen solche Zustände nützlich sind. Denn ein geeigneter Zustand in einer bestimmten Situation bestimmt maßgeblich Deine Lebensqualität. Einige Menschen die Drogen konsumieren tun dies meistens aus Abhängigkeit und bzw. oder um eine nicht gewünschte und bewältigte Wirklichkeit durch eine konstruierte Traumwelt zu ersetzen. Das Format des Drug of Choice kann stattdessen genutzt werden, um Herausforderungen im eigenen Leben leichter bewältigen zu können.
Mögliche Anwendungsgebiete von Drug of Choice
Beispielsweise kannst Du nach einer erfolgreichen Installation eines Zustands mit dem Format des Drug of Choice diesen Zustand bewusst abrufen, um eine neue Kreativitätsstrategie zu generieren oder neue Ideen leichter zu finden. Durch das bewusste abtauchen in den Zustand hast Du hier auch die Möglichkeit, wieder bewusst aus dem Zustand aufzutauchen. Du könntest den jeweiligen Zustand allerdings auch ankern, und mit einem anderen Anker, auf dem ein negatives Gefühl von einem negativen Ereignis geankert ist, nacheinander bzw. gleichzeitig auslösen um ein unbewusstes Thema aufzulösen. In der Landschaft des NLP spricht man hier von einem Anchor Collapsing, bei dem zwei Anker miteinander kollabieren. Wichtig ist dabei, dass das positive Gefühl mindestens die gleiche oder eine höhere Intensität als das negative Gefühl besitzt, um eine Art Neutralisierung zu erzielen. Das Format des Drug of Choice damit zu verbinden, dass gleichzeitig NLP-Inhalte vermittelt werden und das Lernen auch Spaß macht, ist ein Ansatz den ich von einem meiner Bekannten nach eigener Reflektion als stimmig empfunden übernommen habe.
Eine tiefere Einsicht in das NLP-Format des Drug of Choice
In Verbindung mit den Nested Loops (auch: verschachtelten Schleifengeschichten und Metaphern) aus dem Modell des NLP besteht die Möglichkeit, mehrere metaphorische Geschichten nacheinander zu öffnen, und von Zustand zu Zustand schwingend bis hin zum gewünschten Zielzustand zu erzählen. Mit jeder Geschichte die nacheinander geöffnet, und später wieder nacheinander geschlossen wird, kommt es zu einer Vertiefung hin zum Zielstand. Eine andere Möglichkeit ist beispielsweise sich des Layerings (auch: Stapelns) zu bedienen. Das bedeutet, dass Du eine Geschichte so präzise mit den aufeinanderfolgenden Wahrnehmungsveränderungen erzählst, bis sich der Zielzustand am Höhepunkt der Geschichte einstellt. Diesen Zielzustand kannst Du ankern und die Geschichte zu Ende erzählen, um danach die nächste Geschichte mit demselben Zielzustand zu erzählen, den Zielzustand am Höhepunkt der Geschichte zu ankern und so weiter. Am Ende verstärkst Du mit jeder weiteren Schicht, wobei eine Geschichte eine Schicht darstellt, den Zielzustand und stapelst die Geschichten aufeinander zu mehreren Schichten übereinander.
Das Format des Drug of Choice ist ein fortgeschrittenes und eher selten gelehrtes Erlebnisformat, welches meist stark mit Trance, Metaphern und sensorischer Aktivierung (siehe: VAKOG) arbeitet. Ich verstehe Drug of Choice als ein Trance- bzw. Hypnoseformat, bei dem ein gewünschter Zustand so intensiv erzeugt wird, als hätte eine Person eine Droge genommen, und dies allein durch Sprache und Vorstellung. Das Ziel des NLP-Formats Drug of Choice sind starke Zustände wie Euphorie, Ekstase, Klarheit und so weiter. Die Mittel dafür sind unter anderem imaginierte Erfahrung und sensorische Verstärkung welche auch durch Submodalitätenüberlappung generiert werden kann. Eine Submodalitätenüberlappung findet statt, wenn Du zuerst visuell ein Bild beschreibst und Du dann beispielsweise in das damit entstehende Gefühl übergehst. Wenn Du das Gefühl präzise beschrieben hast, kannst Du beispielsweise in damit führenden internen Dialog übergehen, welcher auditiv ist. In meinen Workshops nutze ich die Submodalitätenüberlappung in einem erweiterten Format, welches unter anderem sensomotorische (auch: Verbindung von Wahrnehmung und Bewegung) sowie ideomotorische (Bewegung durch Vorstellung) Aspekte berücksichtigt und mein SMILEN-Modell (auch: Shape, Movement, Intensity, Location, Extension and Number) nutzt.
Bei Drug of Choice wird oft Trance als Einstieg genutzt. Dabei soll vor allem die kritische Instanz herabgesetzt und ein direktes Erleben ermöglicht werden. In einer direkten oder indirekten Art und Weise kann der Zuhörer nun durch eine sequenzielle Erlebnisführung geführt werden. Dabei geht es darum eine komplette Konsum-Sequenz Schritt für Schritt präzise zu beschreiben. Dabei wird jeder Schritt, welcher einer Phase der Konsum-Sequenz gleicht, intensiv beschrieben. Dies geschieht vor allem dann, wenn man die Person alle Sinneseindrücke durchgehen lässt. Durch eine VAKOG-Maximierung werden die einzelnen Sinneskanäle noch detaillierter beschrieben, wodurch das Gehirn den Zustand als immer realer wahrnimmt. Der Zustand wird nun wiederholt verstärkt, während kleine Veränderungen zu noch größerer Intensität führen und eine Steigerung wie in einer Aufwärtsspirale stattfindet. Anstatt einer einfachen Demonstration kannst Du diese Strategie nun mit mehreren Geschichten erzählen, sodass die Zustände indirekt installiert werden, während das Bewusstsein mit den Geschichten beschäftigt wird. Es handelt sich dabei um sequenzielle Metaphern die zu einem unendlichen Band verwebt werden. Damit wird das Format des Drug of Choice noch komplexer durch Elemente wie Hypnose, NLP-Elementen und psychedelischen Erlebnisstrukturen innerhalb von Geschichten. Das Ergebnis dieses weiterentwickelten Drug of Choice Formats basiert damit auf Imagination, Suggestionen und auch den Erwartungseffekten der Zuhörer. Damit kann das NLP-Format des Drug of Choice als intensive Tranceerfahrung bezeichnet werden.
Im Kern ist das NLP-Format des Drug of Choice eine geführte, multisensorische Trancesequenz, welche einen gewünschten Zustand so real simuliert, dass er vom Gehirn als real wahrgenommen wird und sich wie eine Substanzwirkung anfühlt. Am neunten Tag meines NLP Practitioners nutze ich zusätzlich den Was-wäre-wenn-Rahmen, um mit bestimmten metaphorischen Geschichten in meinen Zuhörer eine Referenz für den Zen-Zustand herzustellen. Für heute soll dies reichen und ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel einen Beitrag dazu leisten konnte, das fast schon mystische Format Drug of Choice zu entmystifizieren.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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