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Das NLP-Format Drug of Choice

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 3. Apr.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Aug.

Nicht die Substanz erzeugt den Zustand. Sie erinnert den Körper nur daran, wozu er ohnehin fähig ist.


Vor Kurzem habe ich mir eine Frage gestellt, die mich seither begleitet: Wie sähe unsere Welt aus, wenn jeder Mensch von sich aus bereit wäre, zuerst seine guten Gefühle zu teilen und aufrichtiges Interesse an seinem Gegenüber zu zeigen? In Heidelberger Cafés begegnet mir dazu immer wieder dasselbe Bild. Da sitzen Freundinnen beisammen, und aus der banalsten Geschichte entsteht binnen Minuten ein Rausch guter Gefühle, der den ganzen Tisch trägt. Unter Männern erlebe ich das ohne Alkohol deutlich seltener, und ich finde, das sagt weniger über die Männer aus als über die Umwege, die sie gelernt haben. Die Strategie an diesem Tisch scheint mir jedenfalls die stimmigere zu sein. Im Modell des NLP gibt es dafür ein fast schon mysteriöses Format mit dem Namen Drug of Choice. Im Kern geht es darum, bestimmte Gefühle und Zustände hervorzurufen, sie zu verstärken, sie zu intensivieren und sie schließlich so zu verallgemeinern, dass sie im Alltag verfügbar bleiben. Damit wird etwas möglich, das sich zunächst widersprüchlich anhört: eine tatsächliche Veränderung im eigenen Leben, ohne dass jemand vor diesem Leben fliehen müsste. Denn genau hier liegt die Verwechslung, die dieses Format so leicht in ein falsches Licht rückt. Zwei Menschen können denselben Zustand suchen und dabei etwas vollkommen Entgegengesetztes tun. Der eine flieht aus einer Wirklichkeit, die er nicht bewältigt hat, in eine Traumwelt, die ihn davon entlastet. Der andere holt sich einen Zustand, um in genau diese Wirklichkeit zurückzukehren und sie zu gestalten. Dieselbe Sehnsucht, eine andere Richtung.


Die Entstehungsgeschichte des NLP-Format Drug of Choice

In meinem NLP Practitioner geht es am neunten Tag darum, dass Du ein Gefühl dafür bekommst, was sich mit den bis dahin erlernten Techniken, Formaten und Modellen alles anfangen lässt. Drug of Choice ist Teil dieses Tages, und seine Entstehungsgeschichte erklärt viel über seine Wirkung. Richard Bandler beobachtete seinerzeit, dass Menschen, die gelegentlich Marihuana konsumierten, sich auch ohne die Substanz wieder in ihr Hoch versetzen konnten. Möglich wurde das durch geduldiges Modellieren, indem Schritt für Schritt erkundet wurde, welche körperlichen Reaktionen und Wahrnehmungsveränderungen nach dem Konsum in welcher Reihenfolge eingetreten waren. Damit ist es letztlich nicht die Droge, deren Wirkung diese Menschen wahrgenommen haben, sondern die Antwort ihres eigenen Körpers auf sie. Diese Antworten bestimmen die Wahrnehmung, und sie sind im Unterbewusstsein hinterlegt. Mit geeigneten Hypnosetechniken lassen sie sich jederzeit wieder zugänglich machen.


Bemerkenswerter noch ist die zweite Beobachtung. Auch Menschen, die nie Marihuana konsumiert hatten, konnten dieses Hoch erfahren, sobald die aufeinanderfolgenden Wahrnehmungsveränderungen in einer Sitzung präzise genug beschrieben wurden. Der Körper braucht also nicht die Erinnerung an die Substanz. Er braucht die Abfolge. Wichtiger als die Frage, ob so etwas möglich ist, scheint mir allerdings eine andere: In welchen Situationen ist ein solcher Zustand überhaupt nützlich? Denn der passende Zustand zur passenden Zeit bestimmt Deine Lebensqualität weit mehr als die Zustände selbst. Menschen, die Substanzen konsumieren, tun das meist aus Abhängigkeit oder um eine nicht bewältigte Wirklichkeit gegen eine gebaute Traumwelt einzutauschen. Drug of Choice lässt sich stattdessen nutzen, um die Herausforderungen des eigenen Lebens leichter zu tragen. Ein Wort zur Sorgfalt gehört an dieser Stelle dazu, gerade weil das Format so kraftvoll ist. Wer aus einer Abhängigkeit kommt oder mitten in ihr steht, für den ist die Nähe zu einer Substanzerfahrung keine Kleinigkeit, und dann gehört diese Arbeit in erfahrene Begleitung statt in den Selbstversuch.


Wofür sich das Format anwenden lässt


Nach der gelungenen Installation eines Zustands kannst Du ihn bewusst abrufen, etwa um eine neue Kreativitätsstrategie zu entwickeln oder um leichter an Ideen zu kommen. Weil Du bewusst in den Zustand eintauchst, kannst Du auch bewusst wieder auftauchen, und das unterscheidet ihn von allem, was einen einfach übernimmt. Du kannst den Zustand aber auch ankern und ihn gemeinsam mit einem zweiten Anker auslösen, auf dem ein belastendes Gefühl aus einem vergangenen Ereignis liegt. In der Landschaft des NLP heißt dieses Vorgehen Anchor Collapsing, weil dabei zwei Anker miteinander kollabieren. Entscheidend ist, dass das positive Gefühl mindestens dieselbe Intensität besitzt wie das negative, besser eine höhere, denn nur dann kommt es zu jener Neutralisierung, um die es geht. Alles darunter verstärkt eher, was aufgelöst werden sollte. Und schließlich lässt sich das Format mit der Vermittlung von Inhalten verbinden, sodass gelernt wird, während es Freude macht. Diesen Ansatz habe ich von einem Bekannten übernommen, nachdem ich ihn für mich geprüft und als stimmig empfunden habe.


Eine tiefere Einsicht in das NLP-Format des Drug of Choice


In Verbindung mit den Nested Loops (auch: verschachtelten Schleifengeschichten und Metaphern) lassen sich mehrere Geschichten nacheinander öffnen und von Zustand zu Zustand schwingend bis zum gewünschten Zielzustand führen. Mit jeder Geschichte, die geöffnet und später wieder geschlossen wird, vertieft sich dieser Zustand ein Stück weiter. Eine andere Möglichkeit ist das Layering (auch: das Stapeln). Dabei erzählst Du eine Geschichte so genau entlang der aufeinanderfolgenden Wahrnehmungsveränderungen, bis sich der Zielzustand an ihrem Höhepunkt einstellt. Diesen Zustand ankerst Du, erzählst die Geschichte zu Ende und beginnst die nächste mit demselben Ziel, um auch dort am Höhepunkt zu ankern. Jede Geschichte ist eine Schicht, und Schicht für Schicht wird der Zustand tragfähiger. Drug of Choice ist ein fortgeschrittenes und selten gelehrtes Erlebnisformat, das stark mit Trance, Metaphern und sensorischer Aktivierung arbeitet, also mit VAKOG (auch: den fünf Sinneskanälen des Sehens, Hörens, Fühlens, Riechens und Schmeckens). Ich verstehe es als ein Trance- und Hypnoseformat, bei dem ein gewünschter Zustand so intensiv erzeugt wird, als hätte jemand eine Substanz genommen, und das allein durch Sprache und Vorstellung. Das Ziel sind starke Zustände wie Euphorie, Ekstase oder Klarheit. Die Mittel dafür sind die imaginierte Erfahrung und die sensorische Verstärkung.


Ein besonders wirksames Mittel ist dabei die Überlappung der Sinneskanäle, die ich als Submodalitätenüberlappung bezeichne. Sie geschieht, wenn Du zunächst ein Bild beschreibst, dann in das Gefühl übergehst, das daraus entsteht, und von dort, sobald das Gefühl genau benannt ist, in den inneren Dialog wechselst, der es begleitet. Der Zuhörer folgt dabei nicht drei getrennten Beschreibungen, sondern einer einzigen Bewegung durch seine eigene Wahrnehmung. In meinen Workshops nutze ich diese Überlappung in einer erweiterten Form, die auch sensomotorische Aspekte (auch: die Verbindung von Wahrnehmung und Bewegung) und ideomotorische Aspekte (auch: Bewegung durch Vorstellung) einbezieht und dabei mit meinem SMILEN-Modell arbeitet, also mit Shape, Movement, Intensity, Location, Extension und Number. Als Einstieg dient bei Drug of Choice meist eine Trance, damit die kritische Instanz zurücktritt und ein unmittelbares Erleben möglich wird. Von dort aus lässt sich der Zuhörer direkt oder indirekt durch eine sequenzielle Erlebnisführung geleiten, bei der eine vollständige Konsum-Sequenz Schritt für Schritt beschrieben wird. Jede einzelne Phase wird dabei eigens ausgeführt, und ihre Wirkung entsteht vor allem dann, wenn man die Person durch alle Sinneseindrücke hindurchgehen lässt. Durch eine Maximierung über VAKOG werden die Kanäle immer feiner beschrieben, und das Gehirn nimmt den Zustand als immer wirklicher wahr. Er wird wiederholt verstärkt, kleine Veränderungen führen zu größerer Intensität, und es entsteht eine Steigerung wie in einer Aufwärtsspirale.


Statt einer einfachen Demonstration kannst Du diese Strategie auch in mehrere Geschichten legen, sodass die Zustände indirekt entstehen, während das Bewusstsein mit dem Erzählten beschäftigt bleibt. Es handelt sich dann um sequenzielle Metaphern, die zu einem endlosen Band verwoben werden. Damit wird das Format vielschichtiger, weil Hypnose, NLP-Elemente und psychedelische Erlebnisstrukturen innerhalb der Geschichten ineinandergreifen. Was dabei entsteht, ruht auf drei Säulen: auf der Imagination, auf den Suggestionen und auf der Erwartung der Zuhörer. In diesem Sinne ist Drug of Choice eine intensive Tranceerfahrung. Und eine Tranceerfahrung wird umso dichter, je besser man versteht, wie Suggestionen wirken. Sie wirken beispielsweise besonders stark, wenn vorher ein Rahmen aufgezogen wird, der für die Person selbst motivierend ist. In meinen Workshops vermittle ich Dir unter anderem genau dieses Wissen über wirksame Veränderungsstrategien mit Hypnose und Suggestion.


Im Kern ist Drug of Choice damit eine geführte, mehrsinnige Trancesequenz, die einen gewünschten Zustand so wirklich erzeugt, dass das Gehirn ihn als wirklich behandelt und er sich wie die Wirkung einer Substanz anfühlt. Am neunten Tag meines NLP Practitioners nutze ich zusätzlich den Was-wäre-wenn-Rahmen, um über bestimmte metaphorische Geschichten in meinen Zuhörern eine Referenz für den Zen-Zustand herzustellen.


Für heute soll das reichen. Ich hoffe, mit diesem Artikel einen Beitrag dazu geleistet zu haben, das fast schon mystische Format Drug of Choice zu entmystifizieren.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

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