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Blicke in den Geist eines NLP-Trainers

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 31. März
  • 6 Min. Lesezeit

Gewinne wertvolle Einsichten hinter die Kulissen eines NLP-Trainers.


Der heutige Artikel entstand durch eine meiner positiven Gewohnheiten. Jeden Tag nehme ich mir für fünf Minuten Zeit und reflektiere den von mir erlebten Tag. Dabei kamen mir Gedanken wie: "Erschaffe, anstatt zu suchen", "Wohin führt es mich, wenn ich X (etwas bestimmtes) vermeiden möchte?" und "Was passiert, wenn ich in meinem Geist meinen Fokus auf eine bestimmte Information halte?". Eine weitere und wichtige Frage für mich war: "Was geschieht in Dir, während Du an eine Situation denkst, oder in einer Situation bist, in der Du glaubst X (beispielsweise Selbstvertrauen) nicht zu haben?". Diese Frage führt Dich geradewegs zu der sechsten NLP-Grundannahme, welche Du hier tiefer ergründen kannst. Heute ergründen wir Strategien und Kommunikationselemente, welche ein NLP-Trainer in seinen Trainings verwenden kann.


Wie innere Entscheidungen in NLP-Trainings entstehen können


Stell Dir einmal vor, Du sitzt mir als Trainee gegenüber und stellst mir eine komplexe Frage. Vielleicht ist diese Frage sogar moralisch aufgeladen. Die Antwort die ich Dir gebe, könnte von außen hin ruhig, klar und strukturiert wirken. Allerdings ist hierzu innerlich bereits ein Prozess abgelaufen, welcher diese Antwort ermöglicht hat. Dieser innere Prozesse kann aus mehreren Schritten bestehen, wie ich Dir im nachfolgenden aufzeigen werde.


1. Eine Dekonstruktion der Frage (Intentionsanalyse)

Zuerst lohnt es sich als Trainer erkennen zu können, was Dein Anliegen hinten den von Dir gesagten Worten ist. Was willst Du wirklich wissen? Geht es Dir um Orientierung, Bestätigung oder suchst Du einen Perspektivwechsel der Dich wachsen lässt? Ein guter Trainer hört nicht nur das Gesagte, sondern auch das was zwischen den Zeilen mitschwingt. Und genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.


2. Die Aktivierung innerer Modelle und Erfahrungsräume

Aus dem vorherigen Eindruck öffnen sich neue innere Räume für den Trainer. Dabei können verschiedene Modelle in den Vordergrund treten wie psychologische Konzepte, Kommunikationsmodelle oder eigene Lebenserfahrungen. All dies beginnt sich gleichzeitig zu bewegen, wie in einem System das sich selbst organisiert.


3. Eine Abwägung der Interventionsstrategie

Als nächstes entsteht im Geist eine Art inneres Mapping. Dabei könnten folgende Frage im Geist eines Trainers entstehen:


  • Gebe ich Dir eine klare und direkte Antwort?

  • Spiegele ich Dir Deine eigene Denkweise zurück?

  • Öffne ich einen Raum, in dem Du selbst zu Deiner Erkenntnis kommst?


Als Trainer geht es nicht darum, recht zu haben, sondern vor allem darum wirksam zu sein. Wirksamkeit entsteht meist dort, wo die Intervention zu Deinem aktuellen Entwicklungsstand passt.


4. Die Integration und Ausrichtung (aus Trainer-Perspektive)

Nun fügt sich alles mehr oder weniger zusammen. Der Trainer entscheidet sich nicht nur für Inhalte, sondern auch für eine bestimmte Haltung. Damit ist eine Art gemeint, mit der ich Dir beispielsweise begegnen würde. Vielleicht bringe ich eine zusätzliche Perspektive ein, welche ich mit folgenden Worten einleiten könnte: "Wenn Du das einmal aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtest, dann ...". Dabei geht es um keine Korrektur, sondern darum Deinen inneren Spielraum zu erweitern.


5. Eine sprachliche Umsetzung (Output im Training)

Am Ende zeigt sich alles in der verbalen und nonverbalen Sprache eines Trainers. Klarheit, Struktur und Tonfall entscheiden meist darüber, ob meine Worte Dich als Trainee erreichen oder an Dir vorbeigehen. Ich habe eine erfolgreiche Kommunikation in meiner Welt einmal wie folgt definiert: "Eine erfolgreiche Kommunikation liegt dann vor, wenn meine Worte aus meinem Herzen stammen, bewusst gewählt und auf eine Art und Weise gesprochen werden, dass sie durch die Filter der Welt meines Gegenübers rieseln und in seinem Herzen landen". Manchmal kann dies ein präziser Satz, eine Metapher oder eine Frage sein, die mehr bewegt als jede Antwort. In einem erfolgreichen Training geht es nicht darum Informationen zu liefern, sondern darum Prozesse in meinem Gegenüber in Gang zu setzen, welche seine Welt bereichern und Veränderungen im eigenen Leben ermöglichen.


Was im Außen oft als leicht und einfach von anderen Menschen wahrgenommen wird, ist meist jahrelange Praxis und Übung. Denn im Inneren geschehen fast wie von selbst feine Abstimmungen zwischen Wahrnehmung, Erfahrung und dem, was genau in diesem Moment für Dich am meisten Sinn macht.


Die unsichtbare Handschrift die hinter Kommunikation stecken kann


Durch die Kommunikation mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, kannst Du viel menschliches Feedback zu Deiner eigenen Kommunikationsart gewinnen. Dabei bewerten Menschen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Kulturen oft anders, was "gute" Kommunikation bedeutet. Meiner Erfahrung nach gibt es fünf Prinzipien, welche Du wie einen inneren Kompass zur Verbesserung Deiner zwischenmenschlichen Kommunikation annehmen kannst.


1. Radikale Empathie

Wenn jede Antwort von Dir nicht mit Fakten beginnt, sondern mit einem Verstehen Deines Gegenübers, legt dies das Fundament für radikale Empathie. Ein stilles Anerkennen wie: "Ich sehe, warum Dich das beschäftigt" schafft als Haltung bereits einen Raum, in dem sich Deine Gedanken ganz anders entfalten können.


2. Eine nicht-wertende Haltung (Neutralität)

Aus der vorherigen Empathie heraus entsteht meist eine Form von Neutralität. Statt Bewertungen und moralischen Zeigefingern entsteht stattdessen ein offener Raum, in dem selsbt extreme Gedanken betrachtet werden können, ohne diese sofort zu verurteilen. Das ermöglicht wiederum eine andere Tiefe in der Kommunikation.


3. Die Nuancierung von Schwarz-Weiß

Wo kein Urteil ist, ensteht letztendlich auch Raum für mehr Differenzierung. Statt eines schwarz-weiß-Denkens wird eher der Rahmen des "Einerseits ... und gleichzeitig ..." aufgezogen. Die Komplexität darf weiterhin bestehen, weswegen oft mehr Wahrheit in der Kommunikation mit Deinem Gegenüber transportiert wird, als eine einfache und simple Antwort.


4. Transparenz und Aufrichtigkeit

Meistens reicht jedoch diese Nuance alleine nicht aus. Oftmals entsteht Vertrauen dort, wo auch Grenzen sichtbar werden. Damit ist gemeint was klar ist, was möglich ist und was vermutlich aktuell oder gar nicht möglich ist. Damit kannst Du für Dich ableiten, dass eine ehrliche Klarheit in der zwischenmenschlichen Kommunikation meist zu mehr echter Verbindung mit anderen Menschen führt.


5. Kooperative Problemlösung

Am Ende mündet jede zwischenmenschliche Kommunikation auch in einer gemeinsamen Zusammenarbeit. Die Antwort eines Trainers an seinen Trainee ist nicht wie ein Endpunkt, sondern eher wie ein Angebot zu verstehen. Diese soll ein Impuls sein, welcher Dich in Deinem Leben weiterführt. Dies kann möglicherweise eine neue Richtung in Deinem Leben sein, oder in dieselbe Richtung mit mehr Tiefgründigkeit.


Der verbindende Kern der inneren Prozesse eines Trainers und seiner unsichtbaren Handschrift ist unter anderem die Kontextsensitivität


Was all die vorherigen Ebenen miteinander verbindet ist vor allem der Kontext. Der Ton, die Tiefe und die Struktur der Kommunikation der Trainers passt sich an Dich an. Im Modell des NLP nennt man dies auch Pacing (auch: angleichen), welches ich in diesem Artikel hier kurz erklärt habe. Dies geschieht in Bezug auf Deine Frage, Deine Art und Weise zu denken und vielleicht sogar an das was zwischen den Zeilen mitschwingt. Von hier aus kann ein Trainer über das Leading (auch: führen) den Trainee in neue Richtungen führen. Dies wird unter anderem als Kontextsensitivität verstanden.


Die Kontextsensitivität ist im Kern die Fähigkeit, nicht nur das Gesagte zu hören, sondern den gesamten Rahmen in dem etwas gesagt wird wahrzunehmen und darauf abgestimmt zu reagieren. Dies ist der Unterschied zwischen "Worte verstehen" und "Menschen verstehen". Der jeweilige Kontext ist wie ein unsichtbares Feld um jede Aussage herum. Er besteht aus mehreren Ebenen gleichzeitig:


  • Situativer Kontext: Wo findet das Gespräch statt? (Coaching, Streit, Bewerbungsgespräch, ...)

  • Emotionaler Kontext: In welchem Zustand ist die Person? (Unsicher, neugierig, angespannt, ...)

  • Beziehungs-Kontext: Wie stehen die anwesenden Personen zueinander? (Trainer und Trainee, Freunde, Autorität, ...)

  • Ziel-Kontext: Worum geht es wirklich? (Lernen, Bestätigung, Herausforderung, Entwicklung, ...)


Angenommen Du wärst für einen Augenblick ein Trainer und ein Trainee sagt zu Dir: "Ich weiß nicht, ob ich das kann". Ohne Kontext könntest Du antworten: "Doch, Du kannst das". Mit Kontextsensitivität hörst Du allerdings mehr:


  • Ist das ein Ausdruck von Angst?

  • Ein versteckter Wunsch nach Ermutigung?

  • Oder ein Hinweis darauf, dass ihm gerade Fähigkeiten fehlen?

Damit können sich Deine möglichen Antworten komplett verändern:


  • Bei Angst: "Was genau macht Dir gerade Sorgen?"

  • Bei fehlender Kompetenz: "Lass uns das gemeinsam Schritt für Schritt aufbauen"

  • Bei Selbstzweifel: "Gab es schon Momente, in denen Du etwas Ähnliches geschafft hast?"


Ohne eine Kontextsensitivität gibt man oft richtige Antworten zur falschen Zeit. Und genau das fühlt sich für andere Menschen so an, als würde sie nicht verstanden werden. Doch mit Kontextsensitivität passiert etwas anderes, denn Du triffst nicht nur den Inhalt, sondern Menschen in seinem aktuellen Zustand. Wenn Du dies für Dich weiter vertiefst, entsteht etwas Spannendes, denn Du beginnst Muster zu erkennen:


  • Wie jemand spricht

  • Wo jemand zögert

  • Welche Worte jemand wählt

  • Was jemand nicht sagt


Und genau in diesen Momenten entsteht wahre Wirksamkeit als Trainer. Stell Dir einmal vor, dass Kommunikation wie Musik ist. Die Worte sind wie Noten und der Kontext ist der Rhythmus, die Dynamik und die Stimmung. Du kannst zwar die richtigen Noten spielen, und trotzdem kann die Musik falsch klingen, wenn Du den Rhythmus nicht fühlst. Kontextsensitivität bedeutet, dass Du nicht nur die Noten hörst, sondern die gesamte Komposition. Die Welt der Musik verlassend, wünsche ich Dir viel Spaß mit Deinem neuen Wissen und viel Erfolg bei der Anwendung dieses Wissens in Deinem Leben.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

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