NLP-Grundannahme Nummer 6: Ändere den Prozess Deiner Wahrnehmung, nicht den Inhalt davon
- Florian Stotz

- 31. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Wie Du mit dem Verändern Deiner Prozesse auch Dein Leben veränderst.
Heute bringen wir etwas frischen Wind in die Landschaft des NLP. Die Grundannahme, um die es geht, stammt aus einer Frage, die sich Richard Bandler und John Grinder in den siebziger Jahren stellten: Woran liegt es eigentlich, dass es so wenige wirklich erfolgreiche Therapeuten gibt? Aus dieser Suche entstand die Annahme, dass es beschreibbare Vorgänge für therapeutischen Erfolg geben müsse, also Vorgänge, die sich wahrnehmen, untersuchen und weitergeben lassen. Mit Hilfe des Modellings versuchten die beiden daraufhin, erfolgreiche Psychotherapeuten nachzubauen. Und eine der zentralen Erkenntnisse daraus lautete, dass die Sprache das verbindende Medium zwischen Therapeut und Klient ist. Zugleich ist sie das Werkzeug, über das Veränderung überhaupt erst möglich und gezielt steuerbar wird. Aus diesem Ansatz entstand später das NLP, also das Neuro-Linguistische Programmieren. Damit stellt sich heute die Frage, wie Du Deine Sprache so anpassen kannst, dass die daraus entstehende Kommunikation Dein Verhalten und das Deiner Mitmenschen zum Guten beeinflusst.
Wenn Du das Wie veränderst, ordnet sich das Was von selbst
Wer sich etwas eingehender mit dem Modell des NLP beschäftigt, kommt früher oder später an einen Punkt, an dem ihm etwas Entscheidendes aufgeht. Zu Beginn suchen die meisten nach neuen Inhalten, nach neuen Gedanken, neuen Strategien und neuen Lösungen für alte Probleme. Und irgendwann fällt der Groschen, denn mit etwas Achtsamkeit bemerkt man einen unsichtbaren Mechanismus, der vieles steuert. Nicht der Inhalt Deiner Erfahrung bestimmt Dein Erleben, sondern der Vorgang, durch den Du ihn erzeugst. Genau dort beginnt die eigentliche Veränderung.
Die Illusion vom richtigen Inhalt
Viele Menschen glauben, sie müssten nur den richtigen Gedanken finden, die richtige Entscheidung treffen oder die perfekten Umstände herstellen, und danach würde sich alles fügen. Deshalb wird fast immer auf der Ebene des Inhalts gearbeitet:
Ich darf keine Angst mehr haben.
Ich muss selbstbewusster sein.
Ich brauche bessere Umstände.
Abgesehen davon, dass ein Fokus auf das, was Du nicht willst, Dich meist genau dorthin führt, liegt hier eine Grenze. Denn selbst wenn sich der Inhalt ändert, bleibt das Muster dahinter oft dasselbe. Es besteht weiterhin dieselbe Art zu denken, zu fühlen und die Wirklichkeit zu deuten. Anders gesagt: Es ist derselbe Film, nur mit einer leicht veränderten Szene. Das Modell des NLP stellt an dieser Stelle eine sehr genaue Frage. Nicht die Frage nach dem Was, sondern die nach dem Wie: Wie genau erzeugst Du das, was Du gerade erlebst?
Wenn Du Dich damit ernsthaft betrachtest, entsteht ein Moment, in dem Du beginnst, Dir selbst zuzusehen. Tu das mit Neugier und nicht mit einem Urteil, denn nur die Neugier hält die Beobachtung offen. Ein Beispiel. Stell Dir einen Menschen vor, der sich in gesellschaftlichen Situationen unsicher fühlt. Sein Blick liegt fast immer auf dem Inhalt, also auf Sätzen wie: Ich bin nicht interessant genug. Oder: Die anderen könnten mich ablehnen. Der eigentliche Vorgang dahinter sieht allerdings so aus:
Innerlich entsteht ein Bild davon, wie andere ihn kritisch anschauen.
Dazu meldet sich eine innere Stimme, die zweifelt.
Daraufhin entsteht ein unangenehmes Gefühl im Körper.
Dieses Gefühl verstärkt die Gedanken.
Und die Gedanken verstärken das Bild.
Wie Du bemerkst, führt das Ende wieder an den Anfang. So entsteht ein Kreislauf, der sich nach unten dreht. Und genau darin liegt zugleich der Schlüssel, denn ein Vorgang lässt sich verändern.
Wie Du Deine Prozesse sichtbar machst
Sobald Du beginnst, Deine inneren Abläufe zu erkennen, geschieht etwas Bemerkenswertes. Du bemerkst, dass Deine Wirklichkeit nicht einfach geschieht, sondern in Dir hergestellt wird. Das läuft in Bruchteilen von Sekunden ab, über Bilder, über innere Stimmen, über Gefühle und ebenso über Gerüche und Geschmäcker. Diese Bausteine greifen ineinander wie Zahnräder, und wer eines davon verändert, verändert das ganze Getriebe. Stell Dir also vor, Du veränderst ein inneres Bild:
Mach es kleiner.
Schieb es weiter weg.
Lass es unschärfer werden.
Ebenso kannst Du innere Stimmen leiser und langsamer machen oder ins Lächerliche verzerren. Und ein Gefühl kannst Du im Körper wandern lassen, abschwächen und in etwas Neutraleres verwandeln. Nach solchen kleinen Eingriffen wirst Du feststellen, dass Du anders reagierst. Die Situation ist unverändert. Verändert hat sich Dein Vorgang.
Verändere Dein Leben, indem Du Deine inneren Prozesse veränderst
Sobald Du begriffen hast, dass Du nicht das Opfer Deiner Gedanken bist, sondern der Regisseur Deiner inneren Vorgänge, entsteht eine neue Form von Freiheit. Du musst nicht länger darauf warten, dass sich die äußeren Umstände ändern, sondern setzt genau dort an, wo Deine Wirklichkeit entsteht. Manche Menschen leben im Mangel statt in Fülle, in Angst statt in Vertrauen, in Selbstzweifeln statt im Selbstwert. Und das liegt nicht allein daran, wie die Welt beschaffen ist, sondern ebenso daran, wie ihre inneren Vorgänge diese Welt erzeugen.
Vielleicht ist Dir schon einmal aufgefallen, dass zwei Menschen dieselbe Situation erleben und völlig Verschiedenes darin sehen. Der eine erkennt eine Bedrohung, der andere eine Gelegenheit. Beide haben denselben Inhalt vor sich. Was sie unterscheidet, ist der Vorgang. Wenn Du beginnst, diese Vorgänge bewusst zu gestalten, wird ein tiefer Perspektivwechsel möglich, und Deine Herzenswünsche rücken erheblich näher.
Eine Übung zum Erkennen Deiner eigenen Wahrnehmungsprozesse
Nimm Dir einen ruhigen Moment und wähl eine Situation aus Deinem Leben, die Du verändern willst. Vielleicht etwas, das Dich belastet, das Dich ausbremst oder das immer wiederkehrt. Und dann geh diese Schritte durch:
Erstens, was passiert zuerst? Entsteht in Dir ein Bild, eine Stimme oder ein Gefühl?
Zweitens, wie ist es gestaltet? Ist es groß oder klein, dicht oder schwach, laut oder leise, nah oder fern?
Drittens, was folgt darauf? Welcher Schritt kommt als Nächstes? Folgt auf das Bild ein Gefühl?
Viertens, wie entsteht daraus Dein Gefühl? Am Ende eines solchen Vorgangs steht fast immer ein Gefühl, und dieses Gefühl bestimmt maßgeblich, ob Du etwas tust oder unterlässt.
Fünftens, verändere Kleinigkeiten. Schieb das Bild weiter weg. Mach die Stimme leiser. Verwandle das Gefühl, indem Du es von einem Ganzkörpergefühl zu einem Gefühl an einer bestimmten Stelle machst.
Sechstens, prüf nach. Was hat sich für Dich verändert?
Am Anfang wird sich das ungewohnt anfühlen. Und genau dort beginnt bewusstes Lernen, denn mit jeder Wiederholung wirst Du beweglicher. Mit dieser Beweglichkeit wächst Deine Wahlfreiheit. Das ist einer der tiefsten Gedanken des NLP: Du hast immer mehr Möglichkeiten, als Du denkst, sobald Du Deine Vorgänge erkennst und veränderst.
Was daraus folgt
Wenn Du Dein Wie veränderst, ordnet sich Dein Was mit der Zeit von selbst neu. Und vielleicht bemerkst Du dann, dass das Leben in vielen Lagen gar nicht gegen Dich gearbeitet hat, sondern dass Deine Wahrnehmung davon genau so entstanden ist, wie Du sie innerlich hergestellt hast. Nicht alles im Leben liegt in Deiner Hand, das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Wie Du es innerlich erzeugst, allerdings schon.
Von hier aus kannst Du beginnen, Dein Leben bewusst zu gestalten. Ich wünsche Dir viel Freude dabei.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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