NLP-Grundannahme Nummer 5: Alle Ergebnisse Deiner Veränderung sind etwas, das Du erreicht hast
- Florian Stotz

- 25. März
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Apr.
Was passiert, wenn Du Fehler ab sofort als Feedback wahrnimmst?
Mit frischen zwanzig Jahren war ich in Berlin und bin mit einem Bekannten um den Schlachtensee laufen. Während der tiefblaue See wie ein Sternenhimmel mit funkelnden Diamanten durch die warme Sonne geschmückt war, liefen wir beide an einem Waldpfad entlang. Ich erklärte meinem Bekannten was aktuell die Themen in meinem Leben sind und mit welchen Problemen ich zu kämpfen habe. In kurzen Worten erklärte er mir, was mit mir aktuell los ist und wie ich diese Probleme auflösen könnte. Damals glaubte ich, dass ich zuerst bestimmte Probleme loshaben müsste, um das zu erreichen was ich haben will. Heute weiß ich, dass es eher entscheidend ist innerlich Ressourcen zu bündeln und den Weg der Veränderung zu gehen. Auf dem Weg der Veränderung selbst treten dann jene Herzenswünsche in das Leben ein. Viele Menschen sehnen sich nach Veränderung, während sie gleichzeitig Angst vor den damit verbundenen Veränderungsprozessen haben. Ein Leitsatz der hier große Veränderungen ins Leben bringen kann, sofern man ihn bewusst im Leben kultiviert, lautet: "Dorthin wo Dein Fokus geht, fließt auch Deine Energie". Heute möchte ich Deinen Fokus darauf ausrichten, dass Du alles was Du bisher erreicht hast, das Ergebnis Deiner Veränderungen gewesen ist.
Die Momente in denen "Fehler" entstehen
Vielleicht kennst Du jene Momente, in denen Du etwas Neues ausprobierst. Noch bevor Du wirklich Deine neue Erfahrung nachspürst, erscheinen Bewertungen zu der neuen Erfahrung:
"Das war nicht gut genug"
"Das hätte besser laufen müssen"
"Ich habe damit einen Fehler gemacht"
"Immer mache ich alles falsch"
In diesen Momenten der Bewertung entsteht in Deiner Welt eine Bedeutung. Diese Bedeutung wird meist zu einer Bewertung Deines Verhaltens und oft über Dich selbst. Das was ursprünglich das Ergebnis einer neuen Erfahrung war, ist nun zu einem Urteil über Dich als Menschen geworden. Dieses Denkmuster lässt sich hier wie folgt darstellen: Deine Handlung führt zu einer mentalen Bewertung über Dich selbst (Handlung → Interpretation → Bewertung → Selbstbild). Wenn das Ergebnis der neuen Erfahrung "gut" ist, betrachtest Du Dich selbst als erfolgreich, und wenn das Ergebnis "schlecht" ist, betrachtest Du Dich selbst als jemand der versagt hat. Dieses Modell führt oftmals zu folgenden Auswirkungen:
Zögern, weil jede Handlung ein Risiko für das Selbstbild ist
Perfektionismus als Versuch, dieses Risiko zu kontrollieren
Angst, etwas Neues auszuprobieren wird zur Vermeidung und dient als Schutzstrategie
inneres Festgefahren sein welches das Lernen blockiert
Ein Perspektivwechsel: Feedback statt Fehler
Wenn Du ein solches Modell in Deinem Geist kultiviert hast, wird dieses Modell selbst zu einer Form von Selbstschutz und damit oft zur Vermeidung von neuen Erfahrungen. Schließlich hast Du irgendwann einmal gelernt, dass diese neuen Erfahrungen eine Gefahr für Dein Selbstbild darstellen. Ein Beispiel: Ein Mann der in sich selbst die Haltung kultiviert hat, immer perfekt sein zu müssen, wird wahrscheinlich Lebenssituationen vermeiden in denen seine Perfektion auf einmal in Gefahr gerät. Lieber wird dieser Mann sich in den Bereichen des Lebens aufhalten, die er kennt und in denen er in seiner Welt glaubt volle Kontrolle haben zu können.
Die Bewertung über eine neue Erfahrung selbst ist nicht objektiv sondern konstruiert. Zwei Menschen können dieselbe Erfahrung machen und trotzdem völlig unterschiedliche Bedeutungen daraus bauen. Und wenn Bedeutung konstruiert ist, kann sie auch eigenständig sowie bewusst verändert werden. Wenn jedes Ergebnis nur Feedback ist, dann fällt die Identitätsbewertung weg. Damit wäre ein nützlicheres Modell für die eigene Entwicklung folgendes: (Handlung → Feedback → Anpassung). Im letzten Schritt dieses nützlicheren Modells scheint wieder einmal eine weitere NLP-Grundannahme versteckt zu sein, nämlich: "Wenn das, was Du tust nicht funktioniert, tue etwas anderes". Ohne die Bereitschaft zur Veränderung (auch: Flexibilität) wird die Anpassung meist ins Leere laufen.
Sobald Du damit anfängst, die Ergebnisse in Deinem Leben als Informationen wahrzunehmen, fällt damit auch die Bewertung selbst weg. Anstelle von Selbstabwertung oder einer Selbstanalyse mit Rationalisierungen kommt es nun häufiger zu einer Anpassung in Deinem Leben. Und durch neue Anpassungen können mehr Veränderungen in Deinem Leben ihren Platz finden. Meist sind dies genau jene Veränderungen die benötigt werden, um Deine Herzenswünsche zu Deiner Wirklichkeit zu machen. Ich finde es immer wieder spannend, wie sehr die moderne Psychotherapie den Fokus auf krankhaft geistigen Zustände legt, und der Weg von Yogis oder Zen-Meistern mehr auf dem Fokus von gesunden geistigen Zuständen liegen. Ich behaupte, dass es mehr darum geht in Menschen mit tiefen Verletzungen starke Ressourcen zu aktivieren und durch einen Veränderungsprozess zu begleiten, nachdem diese Menschen eigenständig ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen können. Stell Dir einmal vor, was passieren würde, wenn Du Deinen Fokus auf ein selbstbestimmtes und glückliches Leben ausrichten würdest. Was würdest Du dann anders tun als bisher? Alleine mit dieser geistigen Ausrichtung beginnt sich die innere Energie mehr auf etwas Neues auszurichten. Im NLP würde man sagen, dass man den Fokus vom "Worst-Case" hin zum "Best-Case" ausrichtet.
Die Ergebnisse Deiner Veränderung sind etwas, das Du erreicht hast
Vor einiger Zeit machte ich ein Gedankenexperiment und fragte mich selbst, ob es eine Angst vor Neuem gibt. Ich tauchte mit diesem Gedanken in eine tiefe Meditation ein und gelangte zurück in Zeiten in denen ich ein kleines Kind war. In dieser Zeit konnte ich es kaum erwarten, neue Erfahrungen draußen in der weiten Welt zu sammeln. Diese weite Welt waren für mich als kleines Kind die Maisfelder nebst unserem Haus am Feld, die Tümpel in denen die Frösche quakten und Laubhaufen unter denen sich farbige Eidechsen tummelten. Es waren weite Welten im Kindergarten, in denen ich mit anderen kleinen Kindern fangen spielte, Sandburgen baute und wir miteinander eng umschlungen mit unseren Körpern zur Mittagszeit schliefen. Von dieser Zeit aus wanderte ich in die Zukunft, in Momente in denen ich zum ersten Mal mit Herzklopfen in der Brust ein attraktives Mädchen ansprach, welche später meine erste feste Freundin wurde. Weiter in der Zukunft kam es in meinem Leben zu Herausforderungen die ich so nicht eingeplant hatte, und die entweder bewältigt werden wollten oder mein Leben massiv einschränken würden.
Ich wandte mich von meiner tiefen Meditation ab und erkannte, dass Veränderung ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. Und wenn der innere Zustand in Balance ist, lassen sich Veränderungen viel einfacher einleiten, als in einem Zustand von Dysbalance. Diese zuerst banal wirkenden Erkenntnisse haben mich dahin geführt, dass ich meinen Fokus als Trainer noch mehr auf die Ressourcenaktivierung lege und den Geist der Menschen mehr auf das gesunde geistige Zustände lenke. Aus diesen stimmigen Zuständen heraus wird meiner Perspektive nach die Veränderung im Leben viel einfacher möglich. Überlege Dir einmal, wie viele Veränderungen Du im Leben schon gemacht hast, und was Du für Dich als nächstes erreichen wirst. Auch wenn manches Mal andere Menschen dabei involviert waren, dass Du zu bestimmten Veränderungen kommen konntest, warst noch immer Du derjenige der innerlich dazu die Bereitschaft hatte, diese Veränderungen vorzunehmen. Damit sind die Ergebnisse Deiner Veränderung etwas, das Du erreicht hast.
Mit Zen zur Auflösung von "richtig" und "falsch"
Der Zen-Meister Kodo Sawaki (geb. 1880, verst. 1965) aus Japan sagte einmal: "Es reicht nicht, nur einmal ins Schwarze zu treffen. Die vollen Punkte vom letzten Jahr sind heute nichts mehr wert. Genau jetzt musst du ins Schwarze treffen. Verschwende keine Gedanken an früher oder später, sei frei in der Mitte dieses Augenblicks". Damit sagt Kodo Sawaki unter anderem, dass es keinen angesammelten Erfolg und auch kein festgeschriebens Versagen gibt. Es gibt nur diesen Moment im Hier und Jetzt und das, was Du jetzt tust. Alles andere ist eine vergangene Geschichte oder eine Vorstellung in Deinem Geist. Im NLP würde man sagen, dass wenn Du in einem "Fehlerrahmen" denkst, etwas subtiles in Dir passiert. Du beginnst meist Dich selbst zu beobachten, anstatt zu handeln. Oder Du kontrollierst lieber, ansatt zu erleben. Dadurch wird die Handlung selbst fast schon zu einer Prüfung. Jedoch entsteht Entwicklung nicht durch Vermeidung oder Kontrolle, sondern durch Variation und Bewegung.
Eine weitere Aussage von Kodo Sawaki ist: "Die Praxis des Buddhaweges besteht darin, deine Haltung im Leben auszubilden". Es geht also nicht darum alles "richtig" zu machen, sondern darum wie Du Dich im Leben bewegst und mit welcher Haltung Du neuen Erfahrungen begegnest. Es liegt an Dir ob Du Dich verschließt oder öffnest. Ob Du bewertest oder erforschst. Diese Haltung kannst Du vor allem dann einfacher leben, wenn Du Deine Selbstwirksamkeit erkennst und zur Selbstermächtigung für Deine Selbstmeisterung machst. Denn alles, was sich in Deinem Leben verändert hat, hast Du selbst verändert. Vielleicht gab es Impulse, Menschen, Situationen oder Krisen. Dich diese waren nur Auslöser, und die eigentliche Veränderung ist in Dir passiert.
Die heutige NLP-Grundannahme führt Dich dazu, dass Du damit beginnen kannst mehr Neues auszuprobieren und neue Erfahrungen zu sammeln. Damit verbunden ist auch, dass Du damit beginnst Dich lebendiger zu fühlen und eine neue Freiheit in Dir wahrnehmen kannst. Wie wäre es, wenn Du jetzt damit beginnst für Dich zu erkennen, dass es keine Fehler sondern nur Lernerfahrungen gibt? Jedes Ergebnis ist eine Information. Wie wäre es, wenn Du damit beginnst Dich für Handlungen zu belohnen, weil die Handlung selbst zählt? Jede Handlung ist ein Schritt in die Richtung Deiner Herzenswünsche. Ich wünsche Dir viel Freude dabei, das heutige Wissen in Deinem Leben zu kultivieren und damit viele Veränderungen in Deinem Leben zu erleben.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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