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Der Geist ist ein wundervoller Diener, und ein brutaler Herrscher

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 13. März
  • 5 Min. Lesezeit

Deine Gedanken bestimmen maßgeblich Deine subjektive Realität.

 

Vor einiger Zeit widmete ich mich einer tieferen Mediation über das Wesen des menschlichen Geistes. Die für mich wichtigste Erkenntnis war, dass die Gedanken mit denen sich ein Mensch identifiziert, zur subjektiven Realität des Menschen werden. Die subjektive Realität ist das, was in seiner Gesamtheit auch als die Identität eines Menschen beschrieben wird. Die Identität des Menschen lässt sich also durch bewusstes Denken und dem desidentifizieren von unstimmigen Gedanken verändern. Als unstimmige Gedanken kannst Du jene Gedanken verstehen, welche Dich in alten und Dir weniger zuträglichen Zuständen festhalten.

 

Das was Du täglich sagst, gibt Auskunft über die Welt Deiner Gedanken

 

Stell Dir einmal vor, dass in Deiner Vorstellung schon alle Deine Wünsche erfüllt sind, und Du ein glückliches Leben führst. Was würdest Du in diesem glücklichen Leben denken? Wie wäre Deine Perspektive auf Dich selbst und auf die Welt um Dich herum? Jetzt kannst Du im nächsten Schritt Dir vergegenwärtigen, was und wie Du momentan in Deinem Leben denkst.


Wenn Du möchtest, kannst Du im nachfolgenden eine einfache Übung machen, um Deinen Gedanken im Alltag mehr auf die Schliche zu kommen. Immer dann wenn Du sprichst, beginnst Du Deine Aufmerksamkeit darauf zu richten, was und wie Du etwas sagst. Schließlich sind diese Worte nur ausgesprochene Gedanken, welche Auskunft über die Welt Deiner Gedanken geben. Als nächsten Schritt überprüfst Du Deine ausgesprochene Worte, und stellst Dir im Geist die nachfolgenden kritischen Fragen:


  • Welche Geschichte möchte mir dieser Gedanke erzählen, und wo führt mich das hin?

  • Ist das, was ich gerade gesagt habe, für meine persönliche Entwicklung förderlich?

  • Was wäre, wenn ich aus diesem limitierenden Gedanken einen gegensätzlichen und beflügelnden Gedanken bilde, und dieser der Wahrheit entsprechen würde?


Lass mich Dir an dieser Stelle noch ein Beispiel geben, was ich mit dem bilden eines gegensätzlichen Gedankens meine. Manche Menschen glauben, dass Sie als Mensch so wie sie sind nicht genug wären. Ein Gedanke könnte hier lauten: "Ich bin zu unfähig und schwach". Ein möglicher gegensätzlicher Gedanke könnte sein: "Ich bin fähig und stark". Für einige Menschen führt bereits dieser Gedankenwechsel zu einem bröckeln ihrer limitierenden Glaubenswelt. Was passiert dann erst, wenn Du mit tiefster Überzeugung den gegensätzlichen und beflügelnden Gedanken laut aussprichst?


Nutze die Macht der Desuggestion nach Titjens


Otto Tietjens, ein deutscher Hypnose-Forscher und Autor aus dem frühen 20. Jahrhundert, beschäftigte sich intensiv mit Suggestion, Hypnose und Autosuggestion. Er versuchte zu verstehen, wie Glaubenssätze im Unterbewusstsein entstehen und wieder aufgelöst werden können. Einer der zentralen Begriffe die Otto Tietjens erschurf war der Begriff des Desuggestion. Die Gedanken in Deinem Geist kannst Du für Dich ebenfalls als Suggestionen verstehen, denn jeder Gedanke wirkt auch ähnlich wie eine Suggestion.


Das Wort Suggestion bedeutet im Kern "Eingebung" und ist im Rahmen einer Hypnosesitzung als eine Aussage, ein Bild oder eine Erwartung zu verstehen, welche so vermittelt wird, dass der Geist sie innerlich annimmt und real erlebt. Dies kann im geeigneten Trancezustand (auch: Bewusstseinszustand) Auswirkungen auf die Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen und Verhalten haben. Otto Tietjens ging davon aus, dass viele psychische Probleme durch negative Suggestionen entstehen, die sich im Unterbewusstsein festgesetzt haben.


Beispiele an negativen Suggestionen sind:


  • Ich bin nicht gut genug

  • Ich werde immer krank

  • Ich kann das nicht


Solche Suggestionen entstehen oftmals durch Eltern, Autoritäten, gesellschaftliche Prägung, traumatische Erfahrungen und wiederholte Selbstgespräche (siehe: interner Dialog). Diese negativen Suggestionen nannte Tietjens auch "fixierte Suggestionen". Seine Kernidee war, dass bevor man neue positive Suggestionen einpflanzen kann, zuerst die alten negativen Suggestionen neutralisiert werden müssen. Diesen Prozess nannte er Desuggestion. Suggestionen sind wie Samen, die wie Überzeugungen in Deinem Unterbewusstsein eingepflanzt werden. Die Desuggestion stattdessen entfernt das Unkraut der negativen Überzeugungen aus Deinem Unterbewusstsein. Tietjens beobachtete, dass viele Menschen versuchen, negative Glaubenssätze direkt mit positiven Glaubenssätzen zu überdecken. Doch wenn im Unterbewusstsein ein negativer Glaubenssatz (auch: Überzeugung) existiert, entsteht im Inneren meist ein innerer Konflikt. Otto Tietjens war davon überzeugt, dass neue Suggestionen erst richtig wirken, wenn die alten Suggestionen aufgelöst oder entkräftet worden sind. Ob dies stimmt, kannst Du für Dich selbst überprüfen. Berichte mir gerne von Deiner persönlichen Erfahrung per E-Mail.


Wie der Prozess der Desuggestion nach Tietjens funktioniert


Otto Tietjens beschreibt mehrere Wege, um den wirkungsvollen Prozess der Desuggestion erfolgreich anwenden zu können:


  1. Das Bewusstmachen der alten Suggestion: Der Mensch erkennt für sich, dass ein bestimmter Glaubenssatz gar nicht von ihm selbst stammt

  2. Die emotionale Entkopplung: Die emotionale Entkopplung wird gelöst, zum Beispiel durch Hypnose, Entspannung und neue Erfahrungen (siehe: Fast Phobia Cure)

  3. Eine neue Deutung: Die alte Suggestion verliert ihre Macht, wenn ein Mensch für sich erkennt, dass beispielsweise die Überzeugung "Ich kann das nicht" nur etwas ist, was dieser Mensch gelernt hat zu glauben


Das Modell von Otto Tietjens lässt sich damit wie folgt festhalten: Erkenne zuerst die alte Suggestion, nutze den Prozess der Desuggestion und setze eine neue Suggestion ein. In der modernen Psychologie findet man Tietjens Ideen in Bereichen der kognitiven Verhaltenstherapie, Schema-Therapie, dem Reframing im NLP und in der Traumatherapie. Dort geht es ebenfalls darum alte Glaubenssätze zu erkennen, ihre emotionale Wirkung zu verändern und neue Perspektiven aufzubauen. Du kannst also für Dich festhalten, dass eine alte Suggestion oftmals ihre Wirkung verliert, wenn ihre Autorität, emotionale Ladung oder Glaubwürdigkeit aufgelöst wird.


Wie kannst Du den Prozess der Desuggestion konkret für Dich anwenden?


Viele Suggestionen wirken nur deshalb, weil sie von einer Autorität wie Eltern, Lehrern, Ärzten usw. stammen. Wenn jemand als Kind hört: "Du bist schüchtern", dann wird dies oft vom Kind unkritisch übernommen. Die Desuggestion könnte darin bestehen, bewusst mit folgenden Fragen dies zu erkennen:


  • Wer hat diese Idee ursprünglich gesagt?

  • Woher kommt dieser Gedanken?

  • War diese Person wirklich unfehlbar?

  • War die Aussage vielleicht nur eine momentane Einschätzung?


Sobald die Autorität relativiert wird, verliert auch die Suggestion häufg ihre Macht. Suggestionen können auch rational geprüft und hinterfragt werden. Der Glaubenssatz: "Ich kann nicht vor Menschen sprechen" könnte durch solche Fragen herausgefordert werden:


  • Gab es Situationen, in denen Du doch gesprochen hast?

  • Ist es wirklich unmöglich oder nur ungewohnt?

  • Welche Beweise sprechen dagegen?


Durch diese Fragen entstehen Risse im alten Glaubenssystem. Damit wird die Suggestion instabil. Die emotionale Verknüpfung einer Suggestion kann unter anderem durch Hypnose, neue Erfahrungen, Imaginationsarbeit und körperliche Entspannung verschwinden, wodurch auch die Suggestion ihre Kraft verliert. Damit können wir festhalten, dass die stärksten Veränderungen nicht durch "stärkere Suggestionen" passieren, sondern dadurch, dass alte Suggestionen ihre Plausbilität verlieren. Viele der heutigen Hypnoseansätze, welche maßgeblich durch Milton H. Erickson beeinflusst worden sind, arbeiten anders. Milton H. Erickson hat selten direkt suggeriert, stattdessen erzeugte er neue Erfahrungen meist über indirekte Suggestionen, die automatisch alte Suggestionen überflüssig machten.


Zum Abschluss des heutigen Artikels zeige ich Dir noch auf, was der Unterschied zwischen einer direkten und einer indirekten Suggestion ist. Eine direkte Suggestion könnte lauten: "Du bist nun tief entspannt". Hingegen wäre eine indirekte Suggestion wie folgt formuliert: "Viele Menschen wissen, wie einfach es sein kann tief entspannt zu sein". Im Bewusstsein des Menschen gibt es eine kritische Instanz, welches meistens direkte Suggestionen abfängt, sofern diese nicht per Hypnose aufgehoben worden ist. Direkte Suggestionen können stattdessen in einem passenden Trancezustand ihre Wirkung leichter entfalten. Indirekte Suggestionen hingegen umgehen die kritische Instanz und entfalten ihre Wirkung direkt im Unterbewusstsein. Für heute soll dies erst einmal das Thema der Desuggestion und der Macht Deiner Gedanken und Worte gewesen sein. Bestenfalls hast Du erkannt, dass Du aus dem Käfig Deines Geistes ausbrichst, und diesen weise in Deinem Leben benutzt.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

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