Die Fast Phobia Cure: Hin zu einem angstfreien Leben
- Florian Stotz

- 5. Sept. 2025
- 14 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Aug.
Entdecke die Fast Phobia Cure (FPC) zum Befreien von Ängsten und Phobien.
In einem meiner Artikel habe ich über die fünf Bewegungen im Geist aus den Yoga-Sutras des Patanjali geschrieben. Im Yoga heißen diese fünf Bewegungen die Citta-Vrttis. Eine davon ist Vikalpa und steht für Imagination, Fantasie und Einbildung. Es gibt Ängste, die genau dieser Bewegung zuzuordnen sind, und es gibt Ängste, die aus vergangenen Traumatisierungen stammen. Im heutigen Artikel geht es um die Fast Phobia Cure, ein Format aus dem Modell des NLP, das vor allem zur Auflösung von Phobien verwendet wird. In meinem Kopf trägt sie durch meine eigene Modellerweiterung inzwischen die Bezeichnung Fast Anxiety Cure. Angst ist schließlich die Kehrseite Deiner Vorstellungskraft. Wer sie auflösen will, muss lernen sie anders zu benutzen.
Was ist die Fast Phobie Cure?
Um Dir näherzubringen, was die Fast Phobia Cure ist, machen wir einen Ausflug zu ihren Ursprüngen. Sie entstand in den Anfängen des NLP in den 1970er Jahren, genauer gesagt an der University of California in Santa Cruz, im Umfeld des Kresge College. Dort arbeiteten Richard Bandler, John Grinder und eine kleine Gruppe von Studenten und Forschern daran, erfolgreiche Therapeuten wie Milton H. Erickson, Fritz Perls und Virginia Satir zu modellieren. Eine der zentralen Beobachtungen war dabei, dass Menschen, die eine Phobie überwunden hatten, oft ähnliche innere Vorgänge beschrieben. Dazu gehörten unter anderem:
dass sie sich die gefürchtete Situation anders als zuvor vorstellten
dass sie ihre Perspektive veränderten
dass eine Distanz zu den inneren Bildern entstand, die mit der Phobie zusammenhingen
dass sie die inneren Filme der Phobie rückwärts laufen ließen
Aus dem Modelling von Phobikern entstand in der Kresge-College-Gruppe das erste Format der Fast Phobia Cure. Die Technik beruht auf drei wesentlichen Entdeckungen:
Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen realen und vorgestellten Bildern. Deshalb wird in der Fast Phobia Cure in der Regel ein Kino im Kopf verwendet, um mit Ängsten und Phobien zu arbeiten.
Submodalitäten steuern die Intensität von Gefühlen. Dazu gehören etwa die Farbe, die Distanz oder die Bewegungsrichtung eines inneren Films. Durch ihre Veränderung, insbesondere dadurch, dass der Film rückwärts läuft, kommt es zur Trennung von Reiz und Reaktion, also von Ursache und Wirkung, und damit zur Auflösung des Ankers.
Dissoziation schwächt die emotionale Belastung erheblich. Sich selbst von außen zu sehen nimmt einer Erfahrung an Wucht, und jede weitere Dissoziation innerhalb einer Dissoziation, also jeder weitere Dissoziierungsschritt, schwächt die negativen Gefühle zusätzlich ab. Bei schwer traumatisch verlaufenden Ereignissen soll eine dreifache Dissoziation zusammen mit einem stark positiven Ressourcenanker zur Auflösung ausreichen.
Durch die Verbindung dieser Elemente entstand ein systematisches Vorgehen: den Film der Angst im Geist dissoziiert zu betrachten, ihn mehrfach vom Ende zum Anfang rückwärts ablaufen zu lassen und damit die alte emotionale Verknüpfung zu löschen. Damit ist die Fast Phobia Cure ein Werkzeug aus dem NLP zur Auflösung von Ängsten und Phobien, und sie gilt bis heute als eines der wirksamsten Formate dieses Modells.
Eine kurze Reise in die Yoga-Sutras des Patanjali bringt frischen Wind in die Gehirnwindungen
In den Yoga-Sutras des Patanjali gibt es fünf mögliche Bewegungen im Geist, und eine davon ist, wie eingangs beschrieben, die Imagination. Im Kern ist Angst damit nichts Böses, sondern eine psychologische Projektion, die aus Deinem eigenen Geist stammt. Drei Elemente lohnt es sich dabei zu verstehen:
Angst ist zukunftsgerichtet. Sie entsteht, wenn wir uns etwas vorstellen, das noch nicht geschehen ist. Angst kann also dadurch entstehen, dass Du im Geist Dinge erfindest, die es noch nicht gibt.
Angst ist ein Produkt der Fantasie. Dieselbe Fähigkeit, die uns Vision, Kreativität und Vorstellungskraft schenkt, erzeugt auch die Angst. Damit ist die Angst die Kehrseite Deiner Vorstellungskraft.
Angst ist oft selbstgeschaffen. Mit Ausnahme vergangener Ereignisse, die ihre Spuren im Geist hinterlassen haben, gilt: Niemand auf der Welt gibt uns Angst. Du produzierst sie in Deinem eigenen Geist, indem Du Dir negative Möglichkeiten ausmalst. Im NLP spricht man bei diesen ausgemalten Szenarien von Worst-Case-Scenarios.
Wenn Du vollständig im jetzigen Moment bist, gibt es keine Angst. Sie entsteht oft erst, wenn wir unser Bewusstsein in eine mögliche Zukunft projizieren, in der etwas Schreckliches geschehen könnte. Projektion bedeutet hier, etwas auf eine zukünftige Situation zu übertragen, in diesem Fall die Angst. In der Psychologie wird der Begriff dafür verwendet, dass etwas Inneres, also Gefühle, Bilder oder Gedanken, unbewusst nach außen verlagert wird, sodass es wirkt, als käme es von dort.
Einige Yogis empfehlen deshalb, das Bewusstsein in die Gegenwart zu bringen, und das kann über bewusstes Atmen, über Meditation und über Körperbewusstsein geschehen. Wenn Du hier in der Gegenwart bist, verschwindet die Angst, weil es in diesem Augenblick, während Du diese Zeilen liest, vermutlich keine echte Bedrohung gibt. Wenn Du unter etwas leidest, das noch gar nicht existiert und das Du im Geist trotzdem lebhaft erlebst, dann nennt man das gewöhnlich Angst. Und dann bist Du mit Deiner Imagination wahrlich ein schlechter Regisseur im eigenen Kino, wenn Du dort ausschließlich Horrorfilme drehst.
Getrocknete Rosenblüten als Tee zur Klärung des Geistes
Wenn Du offen für ein Experiment bist, dann kauf Dir in einem asiatischen Laden oder im Internet getrocknete Rosenblüten, bereite Dir daraus einen Tee zu und beobachte, was geschieht. Duft und Geschmack der Rose sprechen das limbische System an, besonders jene Bereiche, die mit Emotionen und Erinnerungen verbunden sind. Seit Jahrhunderten gilt die Rose, vor allem in der persischen Mystik, als geistesklärend und konzentrationsfördernd. Sie weitet das Herz, die Sinneswahrnehmung und den inneren Raum. Als sanfte Pflanze des Herzens könnte sie eine interessante Erfahrung für Dich sein, um einmal einen anderen Impuls in Deine Imagination zu bringen.
Wer weiß, vielleicht entscheidest Du Dich danach bewusst dazu, den außer Kontrolle geratenen Horrorfilmen in Deinem Geist einen Strich durch die Rechnung zu machen und stattdessen aktiv Liebesfilme zu drehen. Bestimmt gab es Situationen in Deinem Leben, in denen Dein Herz vor Freude so hoch geflogen ist, dass die ganze Welt einfach nur ein wunderbarer Ort war. Vor allem im Zustand der Verliebtheit scheint plötzlich alles wunderschön zu sein. Stell Dir einmal vor, dieser Zustand würde sich immer dann in Dir entfalten, wenn Du wieder einmal viel zu hart mit Dir selbst umgehst. Was wären das für fatale Folgen für Dein Leben?
Wie eine Phobie entsteht
Ich war für einige Zeit meines Lebens im Schwabenland unterwegs. In der Familie einer ehemaligen Partnerin hatte die Mutter eine Phobie vor Hunden. In einer vergangenen Situation ihres Lebens war sie vom Hund eines Familienmitglieds gebissen worden. Einige Menschen um sie herum konnten wenig nachempfinden, warum sie so heftig auf freilaufende Hunde reagierte. Wie Du siehst, hat sie eine einzelne vergangene Situation auf alle Situationen verallgemeinert, in denen sie einem Hund begegnet. Das ist eine klassische Verknüpfung von Reiz und Reaktion, im NLP auch Anker genannt. Immer wenn sie einem Hund begegnet, zeigt sie in unterschiedlicher Intensität eine phobische Reaktion.
Laut Klaus Grochowiak entsteht eine Phobie dadurch, dass bei der Konfrontation mit dem Reiz ein innerer Film abläuft, den der Betroffene unwillkürlich ansehen muss, sobald ein kritischer Punkt erreicht ist. Ein solcher Punkt wäre im obigen Fall vielleicht erst dann erreicht, wenn der Hund zu nah käme, wie auch immer diese Nähe für den einzelnen Menschen definiert ist. Der Phobiker ist damit gezwungen, einen inneren Horrorfilm anzusehen, sobald er diesen Punkt erreicht, und zwar selbst dann, wenn er den Film für völlig unrealistisch hält. Der Film ist nichts anderes als das, wovon er befürchtet, dass es geschehen könnte, und er ist ihm nicht immer bewusst. Die phobische Reaktion wiederum ist das körperliche Empfinden, während dieser Befürchtungsfilm im Inneren läuft. Mir war dieser kurze Ausflug wichtig, denn hier greifen zwei Dinge ineinander. Auf der einen Seite läuft ein Film in der Imagination des Geistes. Auf der anderen Seite existiert ein Anker aufgrund einer vergangenen Situation, die mit Leid verbunden war. Damit spielen auch die im Geist vorhandenen Erinnerungen eine Rolle für die Angst.
Wie kannst Du die Fast Phobia Cure einfach anwenden?
Im Folgenden findest Du eine Anleitung, die aus mehreren Schritten besteht, die Du nach und nach einstudieren und einüben kannst.
Wichtig Vorbereitungen für die Fast Phobia Cure
Wenn Du in der Rolle bist, die Fast Phobia Cure bei jemand anderem anzuwenden, ist es sinnvoll, den vollständigen Ablauf zuvor einmal zu erzählen. Damit schilderst Du Deinem Gegenüber den Prozess vorab, und im Geist durchläuft es bereits die erste wirksame Anwendung.
Wenn Du Dich an die Erkenntnisse der Kresge-College-Gruppe zum Modelling von Phobikern erinnerst, kannst Du beispielsweise erwähnen, dass das Gehirn keinen Unterschied zwischen wirklich erlebten und vorgestellten Bildern und Filmen macht. Und Du kannst erwähnen, dass Dein Gegenüber jederzeit, wenn der Prozess zu intensiv werden sollte, seinen Ressourcenanker als Notfallknopf großzügig auslösen darf.
In diesem Vorbereitungsteil kannst Du mit Deinem Gegenüber ein Gespräch über den Prozess führen, im sogenannten Konversationsmodus. Mit Hilfe des Outframings kannst Du dabei von einer Person erzählen, mit der Du bereits erfolgreich eine Fast Phobia Cure durchgeführt hast. Outframing bedeutet im NLP, dass ein Prozess oder eine Intervention nicht direkt, sondern erzählerisch und indirekt vermittelt wird, etwa indem man von einer anderen Person oder einer früheren Situation berichtet. In dieser Erzählung liegt der Prozess bereits verpackt. Während Du also erzählst, muss Dein Gegenüber, um Deine Worte überhaupt zu verarbeiten, sich den gesamten Ablauf im Geist vorstellen und macht ihn damit schon mit. Bestenfalls hast Du während der Erzählung und im Konversationsmodus bereits auditive Anker gesetzt, die Dir den weiteren Verlauf erheblich erleichtern.
Schritt 1: Mit der NLP-Zielökologie das Ergebnis festlegen
Wie Du bereits weißt, ist eine Phobie eine unerwünschte Verknüpfung mit einer Ursache, also mit einem Auslöser, der in allen Repräsentationskanälen (auch: Sinneskanälen) ausgelöst werden kann, entweder intern in der Vorstellung oder extern durch ein tatsächliches Ereignis. Nach kurzer Zeit geht dieser Reiz in eine Reaktion über, die im kinästhetischen Kanal stark negativ besetzt ist. Diese starke negative Emotion ist für viele Menschen kaum steuerbar, sobald sie auftaucht. Weitere Beispiele für Phobien sind Höhenangst, Flugangst und die Spinnenphobie.
Durch den Prozess der Fast Phobia Cure wird die bewusste oder unbewusste Ursache samt der daraus folgenden Wirkung gelöscht und eine neue Wirkungsbeziehung verankert. Wenn Du Dein Gegenüber vorab fragst, woran es merken würde, dass die Fast Phobia Cure ein sichtbarer Erfolg war, kannst Du diese Antwort am Ende des Prozesses gemeinsam als Beweis heranziehen. Genau deshalb ist es sinnvoll, die NLP-Zielökologie zu beachten, also zu prüfen, ob das gewünschte Ergebnis in das ganze Leben dieses Menschen hineinpasst.
Schritt 2: Den Ausgangszustand testen
Damit Du den Erfolg überprüfen kannst, musst Du wissen, wie sich die Phobie bei Deinem Gegenüber überhaupt äußert. Indem Du Dir diesen Eindruck verschaffst, nutzt Du den Vorgang des Kalibrierens. Vielen Menschen genügt bereits die Vorstellung des jeweiligen Reizes, um die stark negative Emotion hervorzurufen. Du kannst die Phobie also entweder mit geeigneten Suggestionen oder durch den tatsächlichen Reiz auslösen. Im weiteren Verlauf kalibrierst Du die Veränderungen von Gesichtsfarbe, Blutfluss, Atmung, Körpersprache, den analogen Merkmalen der Stimme und so weiter.
Kalibrieren bedeutet, dass Du die feinen Veränderungen in Körpersprache, Atmung, Stimme, Hautfarbe oder Haltung genau beobachtest und daraus Rückschlüsse auf den inneren Zustand ziehst. Es heißt also, äußere Signale bewusst wahrzunehmen, um innere Vorgänge besser zu verstehen. Eine hohe Sensory Acuity (auch: Sinnesschärfe, Wahrnehmungsschärfe) hilft Dir dabei. Du solltest Deine Aufmerksamkeit also nach außen auf Dein Gegenüber richten, statt mit Dir selbst beschäftigt zu sein. Durch die Fast Phobia Cure führst Du Dein Gegenüber bewusst durch seine Phobie hindurch und bringst sie bei sauberer Anwendung zur Auflösung, verbunden mit einem erleichternden Loslassen.
Im Modell des NLP gibt es dafür das sogenannte TOTE-Modell. TOTE steht für Test, Operate, Test und Exit. Das Modell stammt aus der Kybernetik und wurde in den 1960er Jahren von Miller, Galanter und Pribram entwickelt. Es beschreibt, wie Menschen Ziele erreichen, indem sie ihren aktuellen Zustand mit dem gewünschten Ziel vergleichen, also testen, dann eine Handlung ausführen, danach erneut prüfen, ob die Handlung zum Ziel geführt hat, und den Prozess bei Erfolg beenden.
Schritt 3: Die Anwendung des FPC-Formats
Im Kern besteht die Fast Phobia Cure aus drei voneinander unterscheidbaren Teilen:
einem starken, selbstkalibrierenden Ressourcenanker,
einer geführten Fast Phobia Cure, die mindestens dreimal durchgeführt wird,
und einem Future Pace sowie einem generativen Prozess
Teilschritt 1: Der stark selbstkalibrierende Ressourcenanker
Ein selbstkalibrierender Ressourcenanker ist ein Anker, den Dein Gegenüber selbst auslösen kann. Diesen Begriff hat seinerzeit Chris Mulzer geprägt, und er hat seither seinen Platz im Sprachgebrauch des NLP gefunden. So läuft er ab:
Zuerst fragst Du Dein Gegenüber, welche Emotionen es anstelle der bisherigen negativen Emotion gern hätte. Bitte es dabei, mindestens drei Emotionen dieser entstehenden Meta-Emotion (auch: einer Emotion aus mehreren Emotionen) zu benennen. Das können Leichtigkeit, Geborgenheit und Gelassenheit sein. Wichtig ist, dass Dein Gegenüber zu diesen Nominalisierungen (auch: zu Prozessen oder Handlungen, die in ein Hauptwort verwandelt wurden) tatsächliche Erlebnisse als Referenz hat, sogenannte Referenzerlebnisse.
Nun bittest Du es, sich an ein Ereignis aus seiner Vergangenheit zu erinnern, in dem die erste Emotion, beispielsweise Leichtigkeit, enthalten war. Durch gezielte Submodalitätenarbeit lässt sich die Emotion verstärken und am Ende ankern.
Um daraus einen selbstkalibrierenden Anker zu machen, kannst Du nach Erlaubnis Deines Gegenübers seine Hand halten. Sobald es spürt, dass die Emotion stärker wird, soll es Deine Hand drücken. Mit Submodalitätenarbeit kannst Du beispielsweise sein inneres Bild des Ereignisses von dissoziiert nach assoziiert verändern, und in dem Moment, in dem sich die Emotion verstärkt, seine Hand drücken, falls es das selbst vergessen sollte. Drückt Dein Gegenüber jedoch selbstbestimmt Deine Hand, ankert es die Emotion eigenständig, und genau dadurch entsteht ein selbstkalibrierender Ressourcenanker.
Jetzt testest Du den soeben gesetzten Anker, indem Du ihn auslöst, und achtest auf deutliche körperliche Reaktionen.
Als Nächstes bittest Du Dein Gegenüber, sich an ein weiteres Erlebnis mit derselben Emotion zu erinnern, und ankerst auch dieses. Danach wiederholst Du es ein drittes Mal, denn im NLP gilt oft die goldene Regel, einen Prozess dreimal zu durchlaufen.
Nun ankerst Du auch alle weiteren genannten Emotionen, in diesem Fall Geborgenheit und Gelassenheit, mit derselben Technik als Bestandteile desselben Ankers. Achte darauf, den Anker auch zwischendurch immer wieder zu testen.
Nach Abschluss dieses Prozesses hast Du einen starken, über die einzelnen Emotionsebenen hinweg verallgemeinerten Ressourcenanker. Bei sauberer Installation würde er allein bereits ausreichen, um die Phobie aufzulösen. Dieser Anker braucht die meiste Zeit im ganzen Format.
Teilschritt 2: Die geführte Fast Phobie Cure in Aktion
Im Folgenden teile ich Dir die eigentliche Durchführung in kleinere Häppchen auf, damit Du sie Schritt für Schritt einüben kannst.
1. Das Kino im Kopf (Eine dreifache Dissoziation)
Zu Beginn kannst Du mit Deinen Worten erneut in Form eines Outframings Bilder zeichnen. Zum Beispiel: „Stell Dir einmal vor, Du könntest Dich im Geist in einen Kinosaal begeben. Bestimmt warst Du schon einmal in einem Kinosaal und erinnerst Dich an die angenehm roten Sessel, während die roten Vorhänge noch die Leinwand bedecken. Kannst Du Dich daran erinnern, wie bequem solche warmen roten Sessel sind?" Je mehr Details Du gibst, desto lebhafter und genauer werden die Bilder im Geist Deines Gegenübers.
Als Nächstes bittest Du es, im Sessel der siebten Reihe bequem Platz zu nehmen und auf den roten Vorhang zu sehen. Dann bittest Du es, sich vorzustellen, wie es aus seinem Körper schwebt und auf einem weiteren roten Sessel am Seitenbalkon des Kinos Platz nimmt. Von dort kann es zu sich selbst hinunter in die siebte Reihe sehen. Nun wiederholst Du diesen Vorgang und bittest es erneut, aus seinem Körper zu schweben und diesmal in der Vorführkabine in einem roten Sessel Platz zu nehmen. Neben diesem Sessel steht ein Projektor mit einem Startknopf. Von hier aus kann Dein Gegenüber sich selbst sowohl auf dem Seitenbalkon als auch unten in der siebten Reihe sitzen sehen. An dieser Stelle ist es sinnvoll, ihm zu suggerieren, dass dieser Sessel einen Gurt hat, den es von links oben nach rechts unten ziehen und dort einklicken kann.
2. Die visuelle Vorstellung eines rückwärtslaufenden Films
In diesem Schritt bittest Du Dein Gegenüber, den Startknopf des Projektors zu drücken. Damit beginnt die eigentliche Vorstellung, und Du erzählst, wie sich die roten Vorhänge nach links und rechts öffnen. Das Licht im Saal geht aus, und zu einem dramatischen Orchesterton beginnt der Film auf der Leinwand. Dieser Orchesterton dient als auditiv konstruierte Wahrnehmung dazu, einen möglichen internen Dialog zu überlagern und damit auszuschalten. Ein interner Dialog ist an dieser Stelle oft für Misserfolge verantwortlich, weil er suggerieren könnte: „So etwas funktioniert doch niemals!" Solche Autosuggestionen wirken wie selbsterfüllende Prophezeiungen und können den Prozess erheblich erschweren.
Nun bittest Du Dein Gegenüber, den Film vorwärts laufen zu lassen. Es sieht sich selbst als Hauptperson darin, während sich die phobische Reaktion im Szenario langsam aufbaut. Der Film läuft von seinem Beginn an langsam vorwärts bis zum Höhepunkt, also bis dorthin, wo Dein Gegenüber sich wortwörtlich toben sieht. Dabei kannst Du Deine Suggestionen übertreiben und Details ausschmücken oder Deine Anweisungen neutral und rein auf den Prozess bezogen geben. Und falls keine Erinnerung an das damalige Ereignis abrufbar ist, kann Dein Gegenüber sich den Film auch einfach vorstellen.
Am Höhepunkt angekommen, stoppt Dein Gegenüber den Film und begibt sich auf Deine Anweisung hin oder über einen auditiven Anker in den Film hinein. Es steigt also in die Leinwand hinein und nimmt den Film wie durch die eigenen Augen wahr. Im selben Moment gibst Du die Anweisung, dass der Film rückwärts zu laufen beginnt, immer schneller und schneller. Alles, was darin geschehen ist, Gespräche, Handlungen und alles Übrige, läuft rückwärts bis zum Anfang zurück. Dort angekommen, springt Dein Gegenüber aus dem Film heraus und findet sich wieder in seinem roten Sessel in der siebten Reihe. An diesem Punkt sollte es einen Moment durchatmen dürfen.
Wie die Submodalitäten des Films beschaffen sein sollen, kannst Du selbst bestimmen. Die Farbe hat mit Sicherheit eine Auswirkung auf das subjektive Erleben. Ich persönlich bevorzuge es, zumindest in dem Moment, in dem die Person in den Film eintaucht und alles assoziiert wahrnimmt, die Suggestion zu geben, dass der Film schwarz-weiß wird. Danach lasse ich ihn rückwärts laufen, und alles Weitere folgt. Während des Prozesses lohnt es sich außerdem, an geeigneten Stellen auditive Anker zu setzen. Damit Dein Gegenüber sich besser konzentrieren kann, empfiehlt es sich in der Regel, dass es die Augen geschlossen hält. Und wenn Du Dich eines Outframings bedient hast, achte darauf, diesen Frameloop am Ende auch wieder zu schließen.
Der Erfolg zeigt sich oft an nonverbalen Hinweisen, etwa wenn Dein Gegenüber seufzend ausatmet, zu lachen beginnt, was ein Zeichen einer Katharsis (auch: einer Reinigung) ist, oder wenn Tränen kommen. Die Fast Phobia Cure lässt sich außerdem auf verschiedenste Ängste übertragen, auf die Angst vor der Angst, auf die Angst vor Neuem und so weiter. In meinem NLP-Practitioner-Workshop kannst Du hautnah erfahren, wie stark die Erweiterung dieses Formats wirken kann, vor allem dann, wenn sie in Deinem Leben beginnt, unbewusst von selbst zu laufen. Das ist nur einer der Aspekte meiner Advanced Fast Phobia Cure.
Nachdem Dein Gegenüber einmal durch den gesamten Prozess geführt worden ist, sitzt es wieder im roten Sessel der siebten Reihe. Jetzt beginnst Du damit, es sich erneut mehrfach dissoziieren zu lassen, und führst die Fast Phobia Cure noch einmal durch. Diesen Ablauf solltest Du mindestens dreimal durchgehen, besser fünfmal und in den allerwenigsten Fällen siebenmal, bis die Phobie dem ewigen Vergessen anheimgefallen ist.
3. Es folgen das Future Pacing und generative Komponenten
Der Future Pace am Ende der Fast Phobia Cure ist ein eigenständiges NLP-Format. Nachdem Dein Gegenüber sein gewünschtes Ergebnis vermeintlich erreicht hat, prüfst Du das mit dem TOTE-Modell und gehst dann zum Future Pacing über. Dabei stellt sich Dein Gegenüber verschiedene zukünftige Situationen vor, und Du nimmst wahr, ob sich in seiner Vorstellung jeweils dasselbe Ergebnis zeigt. Um sicherzugehen, kannst Du es in weiteren Szenarien bitten, den selbstkalibrierenden Ressourcenanker auszulösen, oder Du löst ihn für Dein Gegenüber aus. Das Unterbewusstsein lernt sehr schnell, und nach einigen Wiederholungen geschieht das ganz von selbst.
Um den Erfolg dieser Generalisierung zu prüfen, kannst Du Dein Gegenüber in weitere Situationen seiner Wahl führen, ohne dabei aktiv einen Anker auszulösen. Wenn es wahrnimmt, dass das Ergebnis von allein eintritt, hast Du Dein Ziel erreicht. Mit dem generativen Future Pace kannst Du noch einen Schritt weiter gehen. Frag Dein Gegenüber, was sich außer der Phobie in seinem Leben noch zum Positiven verändern soll. Wenn es jetzt gut gestimmt und offen für Veränderung ist, solltest Du das frei nach Milton H. Erickson als Ressource nutzen (auch: utilisieren). Damit gibst Du dem großen Arbeitsaufwand noch einen kräftigen Impuls und kannst Suggestionen an den Freund auf der anderen Seite richten, wobei sich nur fragt, welcher Freund gemeint ist, der Hypnotiseur, das Unterbewusstsein oder beides. Die Suggestion lautet dann, dass dieser Freund alle Gelegenheiten nutzen möge, in denen die zuvor angewandte Technik von wertvollem Nutzen sein kann.
Beim generativen Future Pace aktivierst Du unbewusste Ressourcen, ohne genau zu wissen, um welche es sich handelt. Chris Mulzer sagte dazu einmal Black-Box-Programmierung. Damit übergibst Du die eigentliche Arbeit an das Unterbewusstsein. Du kannst damit wunderbar experimentieren und durch das Einholen von Rückmeldungen eines ehemaligen Phobikers erfahren, welche Veränderungen sich in seinem Leben nach der Fast Phobia Cure ergeben haben. Vielleicht findest Du durch mehrfaches Nachfragen sogar heraus, welcher generative Future Pace am wirksamsten war, sofern Du Dir genau gemerkt hast, welchen Du verwendet hast. Allerdings sei dazu gesagt, dass sich das erst durch mehrfache Anwendung wirklich bestätigen lässt.
Das Kriterium, das Dir zeigt, dass Du großartige Arbeit geleistet hast, ist dieses: Dein Gegenüber beginnt sich in nur einer Sitzung spürbar zum Positiven zu verändern. Dann hast Du im wahrsten Sinne des Wortes das Leben eines anderen Menschen verändert. Im Übrigen findest Du den Prozess zum Herstellen eines Ankers hier geschildert. Ich danke Dir für Deine Zeit und wünsche Dir für Dein Leben jene deutlich positiven Veränderungen, die Du Dir so sehr von Herzen wünschst.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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