Erlange die Meisterschaft über Deine Emotionen und Gefühle – Teil 13
- Florian Stotz

- 21. Sept. 2025
- 12 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Aug.
Eine Artikelserie als Reise aus dem emotionalen Gefängnis.
Im heutigen Artikel vermittle ich Dir die letzten Informationen zur ersten Schlüsselfähigkeit der emotionalen Wahlfreiheit. Darüber hinaus lernst Du die Technik des Ankerns aus dem Modell des NLP kennen und erfährst, wie Du Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge voneinander trennst. Um Deine emotionale Wahlfreiheit weiter zu vertiefen, lege ich Dir noch einige nützliche Werkzeuge in die Hand. Auf die Emotionen, fertig, los.
Ein Format, um auf Deine Emotionen zugreifen zu können
Im Folgenden stelle ich Dir ein Format vor, mit dem Du auf Deine Emotionen zugreifst. Dabei bedienst Du Dich aus einem Vorrat voller Informationen, Erfahrungen und Ressourcen in Dir:
Zuerst bestimmst Du, wie Du Dich fühlen willst.
Dann fragst Du Dich: Was könnte ich jetzt tun, um diese Emotion zu fühlen? Oder: Was hätte ich damals tun können, um sie zu fühlen?
Indem Du Deine Lebensgeschichte durchforstest, findest Du Mittel und Wege, die bei Dir oder bei anderen schon einmal funktioniert haben, um zu dieser Emotion zu gelangen.
Du wählst die Strategie, die sich am stimmigsten anfühlt, und wendest sie an.
Bist Du mit dem Ergebnis unzufrieden, kehrst Du zurück und wählst andere Mittel und Wege.
Deine persönlichen Ressourcen, um Zugang zu Deinen Emotionen zu finden, sind umfangreicher, als Du Dir vorstellen kannst. Der Zugang wird umso intensiver, je mehr Wege Du ausprobierst. Sobald Du bewusst erkennst, dass Du eine emotionale Wahlfreiheit besitzt, fehlt nur noch ein kleiner Schritt, denn oft musst Du auch etwas tun, um sie im Leben Wirklichkeit werden zu lassen. Die gute Nachricht ist: Je öfter Du emotionale Wahlfreiheit praktizierst, desto mehr werden aus bewussten Handlungen unbewusste Muster. Hier gilt der Satz: Ohne Fleiß kein Preis.
Manche Menschen finden es leicht, ihre Perspektive und ihr Verhalten so zu verändern, dass sich auch ihre Emotionen wandeln. Vielleicht gehörst Du zu denen, denen das noch kompliziert erscheint. Je komplizierter es Dir erscheint, desto wichtiger ist es, diese Fähigkeit zu entwickeln. Denn wenn es schwerfällt, Denk- und Verhaltensweisen und Emotionen zu verändern, ist das ein Hinweis auf mangelnde Flexibilität. Je mehr Energie Du ins Entdecken, Ausprobieren und Experimentieren steckst, desto mehr Flexibilität und emotionale Wahlfreiheit entwickelst Du.
Verankere emotionale Ressourcen in Dir
Das Ankern ist eine Technik, bei der ein Reiz bewusst mit einem emotionalen Zustand verbunden wird. Löst Du den Reiz aus, stellt sich auch der verbundene Zustand ein. Angenommen, Du möchtest Dich vor einer Präsentation selbstsicher fühlen, hast aber noch keinen bewussten Zugang zu dieser Emotion. Dann kannst Du Dir einen Anker schaffen, den Du vor und während der Präsentation auslöst, um Dich selbstsicher zu fühlen. So verschaffst Du Dir Zugang zu jeder beliebigen Emotion. Hier ein Format zum Herstellen eines Ankers:
Identifiziere zuerst eine Emotion, die Du fühlen willst.
Erinnere Dich an eine Zeit, in der Du sie intensiv gefühlt hast, und wähle einen Reiz, den Du mit ihr verknüpfst, zum Beispiel ein leichtes Verschränken der Hände oder ein sanftes Drücken des Ohrläppchens zwischen Daumen und Zeigefinger.
Tauche nun ganz in die Erinnerung ein: Was siehst Du? Was hörst Du? Was fühlst Du? Erlebe den Moment, als wäre er im Hier und Jetzt.
Sobald Du wieder in der Emotion bist, erhöhst Du sanft den Druck Deines Reizes, während Du die Emotion weiter intensiv fühlst, und verstärkst so die Verbindung.
Während Du den Anker hältst, richtest Du Deine Aufmerksamkeit auf Deine Umgebung und bringst die Emotion mit in den jetzigen Moment. Lässt sie dabei nach, kehrst Du zurück und verankerst erneut.
Dann löst Du den Anker und nimmst wahr, wie Du Dich fühlst. Sobald die Emotion nachlässt, führst Du den Anker bewusst aus, um sie wieder zu wecken, und wiederholst das so lange, bis die Emotion sowohl mit dem Anker entsteht als auch nach dem Loslassen bestehen bleibt.
Nach etwa einer Stunde testest Du den Anker. Ruft er die Emotion nicht hervor, wiederholst Du das Format und erlebst die Erinnerung noch intensiver, farbig, hell und durch Deine eigenen Augen, und ziehst bei Bedarf weitere Erinnerungen mit derselben Emotion hinzu.
Mit diesem Format kannst Du Emotionen so verankern, dass Du jederzeit Zugang zu ihnen hast. Ein Anker ist damit eine Handlung, die eine Emotion entstehen lässt. In meinen Trainings hatte ich einmal einen schüchternen Mann, der sich selbst für unsozial hielt und Orte mied, an denen sich Menschen in Gruppen versammelten, weil dieser Anblick in ihm Einsamkeit auslöste. Nachdem ich ihm einige Werkzeuge an die Hand gegeben hatte, erinnerte er sich an Momente voller Freude und verknüpfte diese Freude auf meine Anleitung hin mit der Geste verschränkter Arme. Immer wenn er die Arme verschränkte, feuerte der Anker. Ich nenne das einen Alltagsanker und arbeite gern damit. Seine nächste Aufgabe war, eine Feier von Freunden zu besuchen. Immer wenn er die Arme verschränkte und sich einsam fühlte, löste er den Anker aus. So ging es seiner Schüchternheit nach und nach an den Kragen, und als der Anker oft genug ausgelöst war, löste sich auch das alte Muster. Er erkannte: Nicht die Welt musste sich ändern, sondern die Emotion, mit der er ihr begegnete.
Wie gut ein Anker funktioniert, hängt davon ab, wie kraftvoll er ist, also wie stark die Emotion ist, die mit dem Reiz verbunden wird. Die Intensität einer Emotion kannst Du erhöhen, indem Du in der Erinnerung Farbe, Helligkeit und Bewegung des inneren Bildes verstärkst, ebenso Lautstärke und Tempo dessen, was Du hörst, und indem Du die Emotion im Inneren schneller werden lässt. Auch mehrfaches Verankern stärkt den Anker. Ich habe lange Milton H. Erickson studiert und bemerkt, dass er vor allem positive Kindheitserinnerungen bei seinen Klienten weckte, weil solche Erinnerungen besonders starke Zustände in sich tragen. Wenn Du solche Momente aus Deiner Vergangenheit nutzt und daraus Anker bildest, wird das sehr wahrscheinlich mehr als einmal Dein altes Weltbild sprengen. In meinen Hypnosesitzungen kannst Du Dich selbst von der Kraft Deines Unterbewusstseins und professionell angewendeter Hypnose überzeugen.
Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen auflösen
Vermutlich kennst Du Momente, in denen ein Auslöser Dich in einen negativen emotionalen Zustand gebracht hat. Wenn negative Emotionen im Inneren brodeln, scheint der Zugang zu den eigenen Fähigkeiten wie abgeschnitten. Sogar mancher Anker wird dann wirkungslos, weil eine Flut negativer Emotionen im Inneren wütet.
Viele Menschen nehmen an, dass alle ihre Emotionen das Ergebnis äußerer Reize sind, und versuchen deshalb, ihre Emotionen zu kontrollieren, indem sie ihre Umgebung kontrollieren. Diese Strategie ist oft zum Scheitern verurteilt. Ein anderer Ansatz ist, die äußeren Reize von der jeweiligen Emotion zu entkoppeln. Es geht also darum, eine Ursache-Wirkungs-Verknüpfung aufzulösen. Ist sie gelöst, kannst Du zum vorherigen Format übergehen und eine Emotion innerhalb einer Situation verändern. In einem früheren Artikel habe ich Dir die Fast Phobia Cure erwähnt, mit der Du solche Reiz-Reaktions-Verknüpfungen auflösen kannst.
Die Auflösung befreit Dich von unangenehmen Emotionen in bestimmten Situationen, und sobald sie verschwunden sind, gewinnst Du an Flexibilität in Deinem Denken, Wahrnehmen und Verhalten. Drei Möglichkeiten, einen Reiz zu neutralisieren:
Perspektivwechsel: Beim Perspektivwechsel betrachtest Du Deine jetzige Situation aus einem zukünftigen Zeitpunkt heraus und blickst gleichsam von dort zurück, was Dir Distanz verschafft.
Aufmerksamkeit umlenken: Beim Umlenken der Aufmerksamkeit richtest Du sie bewusst auf einen anderen Reiz, der stark genug ist, eine andere Emotion zu wecken, etwa auf eine interessante Person in einer langweiligen Vorlesung, oder Du stellst Dir im Kopf Fragen zur Problemlösung.
Physisch die Situation verlassen: Und schließlich kannst Du die Situation auch physisch verlassen, um wieder in die innere Balance zu finden.
Ein Beispiel: Du wirst von einer Gruppe ignoriert und fühlst Dich gedemütigt. Dann hast Du mehrere Möglichkeiten. Du kannst Dich von der Gruppe entfernen. Du kannst zum Thema eine spannende Geschichte erzählen, sofern Du einschätzen kannst, was die Gruppe fasziniert. Du kannst das Gespräch mit einem einzelnen Mitglied suchen. Du kannst Dich entspannen und beobachten, wie die anderen sich verhalten. Du kannst genau zuhören und überlegen, wie Du etwas beitragen kannst. Oder Du führst ein Mitglied zur Seite und beginnst ein Gespräch.
An dieser Stelle lohnt es sich, eigene überwältigende Situationen aus Deinem Leben zu identifizieren. Dann kannst Du folgendes Format anwenden:
Identifiziere die Ursache, die eine unangenehme Emotion auslöst.
Wähle einen Weg, ihre Wirkung zu neutralisieren, indem Du
Deine Perspektive veränderst,
Deine Aufmerksamkeit auf einen anderen Reiz richtest,
oder Dich physisch aus der Situation entfernst
Fühlst Du Dich noch immer überwältigt, wählst Du einen anderen Weg.
Ist die Wirkung des Reizes neutralisiert, gehst Du zum Format über, mit dem Du während einer Situation eine Emotion veränderst, und tauchst gezielt in einen anderen Zustand ein.
Die Veränderung von Emotionen
Bestimmt erinnerst Du Dich an eine Situation, in der die Dinge nicht so liefen, wie Du es Dir gewünscht hast. Um solche Situationen zu verringern, lohnt es sich, Deine Wahrnehmung mit den Komponenten der Emotionen zu verändern. Angenommen, Du fühlst gerade eine Emotion und willst herausfinden, aus welchen Komponenten sie besteht. Dann kannst Du Dich fragen: Woran genau erkenne ich, dass ich diese Emotion fühle?
Sobald Du die Komponenten kennst, kannst Du mit ihnen spielen, denn ihre Veränderung verändert auch die Emotion. Erinnere Dich, dass manche Komponenten bei bestimmten Emotionen eine stärkere Wirkung haben als bei anderen. Lege vor der Veränderung im Kopf fest, welchen emotionalen Endzustand Du erreichen willst, denn an diesem Maßstab erkennst Du die Qualität der Veränderung. Während Du Deine Wahrnehmung veränderst, kannst Du Dich fragen: Ist das mein erwünschter Endzustand? Und welche emotionalen Qualitäten fehlen noch, damit er eintritt? Wenn Du weißt, wie Du Dich fühlen willst, veränderst Du die Komponenten so lange, bis Du dort angekommen bist. Sobald Du den Zusammenhang der Komponenten verstanden hast, kannst Du viele Emotionen fühlen. Vielleicht möchtest Du dann herausfinden, wie es sich anfühlt, Freude, Liebe und Inspiration gleichzeitig zu empfinden, indem Du alle drei auf einen einzigen Anker legst. Das wird im NLP als Stapel-Anker bezeichnet. Je früher Du selbst zu experimentieren beginnst, desto mehr Veränderung wird sich in Deinem Leben ereignen.
Mit der Veränderung der Komponenten kannst Du viele Emotionen erfahren und eine feste Verbindung zu ihnen aufbauen. Diese Orientierung ist auch für die Kommunikation mit anderen wichtig. Durch einen größeren Erfahrungsschatz an eigenen Emotionen nimmst Du auch die Emotionen anderer leichter wahr und kannst empathischer auf sie eingehen. Eine meiner Überzeugungen ist: Je tiefer ein Mensch mit seinem Herzen verbunden ist, desto empathischer ist er im Umgang mit anderen. Wo andere jemanden als Miesepeter abstempeln, erkennst Du vielleicht einen zutiefst verletzten Menschen und passt Deine Kommunikation entsprechend an.
Emotionswandern: Hangle Dich von Emotion zu Emotion entlang
Nun folgen Beispiele, wie Du Dich von einer Emotion zur nächsten entlanghangelst. Ich nenne das Emotionswandern.
Von Unsicherheit hin zu Selbstwirksamkeit
Stell Dir vor, Du hältst gemeinsam mit anderen einen Vortrag und bemerkst im Austausch, dass sie mehr Fachwissen haben als Du. In diesem Moment kann ein Stich von Unsicherheit entstehen, oft aus dem inneren Vergleich zwischen dem, was Du nicht kannst, und dem, was andere scheinbar mühelos beherrschen. Was kannst Du tun? Du kannst Dich an Momente erinnern, in denen Du über Dich hinausgewachsen bist, denn in ihnen liegen Deine Ressourcen der Selbstwirksamkeit. Vielleicht waren es Entscheidungen, die Dich weitergebracht haben, oder Herausforderungen, die Du gemeistert hast. Aus den Yoga-Sutras stammt der Leitsatz, dass für die, die den Weg gehen, Fortschritt durch Vertrauen, Energie, Erinnerung, Sammlung und Weisheit entsteht. Indem sich diese Ressourcen in Dir ausdehnen, erinnerst Du Dich, dass Du bei diesem Vortrag dabei bist, weil Du etwas beizutragen hast. So entsteht Selbstwirksamkeit, eine Emotion, die nicht aus dem Vergleich mit anderen kommt, sondern aus der Verbindung zu Deiner eigenen Lebensgeschichte. Aus innerem Schwanken wird eine ruhige Präsenz.
Vom Überfordertsein hin zur kreativen Verantwortung
Stell Dir vor, Du hast die Geburtstagsfeier Deines Kindes vorbereitet, und plötzlich stehen doppelt so viele Kinder vor der Tür wie geplant. Du fühlst Dich überfordert, das innere Tempo steigt, die Gedanken werden unruhig. Um von der Überforderung zur kreativen Verantwortung zu gelangen, hilft dreierlei: Zerlege die Aufgabe in kleine Schritte und konzentriere Dich immer nur auf den nächsten. Verwandle Dein Kriterium von „alles erledigen müssen" in „Spaß haben". Und verschiebe die Modalität von „Ich muss" zu „Ich will und ich kann". Dann fallen Dir auch kreative Lösungen ein, etwa die Kinder gemeinsam Kekse backen zu lassen, was zugleich das Problem der zu wenigen Snacks löst.
Von innerer Angst hin zur freier Selbstsicherheit
Stell Dir einen Samstagabend am Schreibtisch vor, an dem sich Angst vor einer bevorstehenden Prüfung aufbaut. Angst entsteht oft, wenn Du in die unsichere Zukunft blickst und glaubst, einer Herausforderung nicht gewachsen zu sein. Indem Du in den Moment zurückfindest, kannst Du sie verwandeln: Richte Deine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt, auf das, was Du wahrnimmst, auf Deine Atmung. Wechsle zur Modalität „Es ist möglich". Und zerlege Dein Ziel in kleinere Teile, gehe zuerst Deine Notizen durch, finde heraus, was wahrscheinlich geprüft wird, und lerne zuerst das Wichtigste. In meinen Trainings und Workshops arbeite ich viel daran, solchen Ängsten auf einer unbewussten Ebene ihre Kraft zu nehmen.
Von Enttäuschung hin zu Frustration
Stell Dir vor, Du bist Vorgesetzter und hast einen Mitarbeiter, von dem Du Dir viel erhofft hast, der Dich aber enttäuscht. Enttäuschung entsteht, wenn Du etwas erwartest und nicht bekommst. Hier lohnt es sich, über die eigenen Erwartungen nachzudenken, wenn Du oft von anderen enttäuscht wirst. Vielleicht liegt es an zu hohen Erwartungen und einem Perfektionismus, der Dir das Leben unnötig schwer macht. In der Enttäuschung glaubst Du, nicht mehr zu bekommen, was Du willst. Legst Du Dein Ziel dagegen in einen zukünftigen Zeitrahmen, verwandelt sich die Enttäuschung in Frustration, die Dich weiter auf das Ziel hinarbeiten lässt, im Beispiel etwa darauf, den Mitarbeiter zu fördern. Aus der Frustration heraus fällt der Wechsel zu einer anderen Emotion wie Vorfreude leichter. Der Vorgesetzte könnte sich an die Lernfortschritte des Mitarbeiters erinnern und sich vorstellen, wie kompetent dieser durch Förderung wird. Ein Wechsel von „er könnte sich ändern" zu „er wird sich ändern" verändert die Erfahrung ebenfalls.
Von Enttäuschung zu Akzeptanz
Manche Situationen treffen einen unvorbereitet. Deine Tochter geht aus dem Haus, um sich die Spitzen schneiden zu lassen, und steht vier Stunden später mit einer grün gefärbten Punkfrisur vor Dir. Vielleicht fühlst Du Dich enttäuscht, weil das Erwartete nicht eintraf, und zugleich scheint es keine Möglichkeit zu geben, die Erwartung noch zu erfüllen. Dann ist es sinnvoll, von Enttäuschung zu Akzeptanz zu wechseln, nicht als Resignation, sondern als bewusstes Loslassen. Eine gute Möglichkeit ist, Dich einige Jahre in die Zukunft zu versetzen und auf den Moment zurückzublicken, was emotionale Distanz schafft. So löst sich die Enttäuschung, und innere Akzeptanz entsteht. Vielleicht beginnst Du sogar zu schmunzeln, weil die grüne Frisur ein mutiger Ausdruck der Selbstfindung in einer Teenagerphase ist.
Von Niedergeschlagenheit hin zu Ermutigung
Es gibt Zeiten, in denen man das Gefühl hat, nichts zu bewirken, in denen ein grauer Alltag den Blick auf eine graue Zukunft färbt, bis Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Grauton verschmelzen. Der Wendepunkt entsteht, wenn Du beginnst, kleine Unterschiede zu den vorigen Tagen und Wochen zu finden. Bestimmt findest Du eine Kleinigkeit, die heute besser ist als früher, einen Gedanken, ein Verhalten, einen winzigen Fortschritt. Wenn Du diese Unterschiede bewusst anerkennst und in Dein Selbstbild einwebst, entstehen neue, farbige Wege in die Zukunft, und Schritt für Schritt bewegst Du Dich aus dem Grau in mehr Leichtigkeit. Ein wichtiger Hinweis dazu: Was hier gemeint ist, ist eine vorübergehende Verstimmung. Eine echte Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die fachliche Begleitung braucht, und wenn Du über längere Zeit unter Leere, Antriebslosigkeit oder Hoffnungslosigkeit leidest, ist es ein Zeichen von Stärke, Dir ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen.
Von Hoffnung zu Verantwortung
Stell Dir vor, Dein sechsjähriger Sohn stiehlt kleine Dinge. Zuerst hoffst Du vielleicht, dass diese Phase vorübergeht, doch Hoffnung ist oft ein stilles Warten, das Veränderung erwartet, statt sie zu gestalten. Wirkliche Veränderung beginnt, wenn Du die Modalität „Ich wünsche mir, dass es aufhört" zu „Es muss etwas geschehen, und ich bin dafür verantwortlich" wandelst. Dieser Wechsel richtet Dich aus wie ein innerer Kompass, denn Verantwortung schafft Handlungsspielraum. Erinnerst Du Dich zusätzlich an frühere Momente, in denen Du Dein Kind positiv fördern konntest, entsteht die Modalität „Ich kann tun, was getan werden muss". So wird aus Hoffnung eine geerdete Form von Verantwortung und Führung, und aus Führung entsteht der Raum, in dem Kinder wachsen.
Von Langweile hin zu Vorfreude
Stell Dir eine lange Autofahrt durch eintönige Landschaft vor, die zu lähmender Langeweile führt. Langeweile entsteht, wenn in der Gegenwart keine Reize da sind, die Du interessant findest. Der Wechsel gelingt, wenn Du den Blick in die Zukunft richtest und Dir vorstellst, was Dich am Ziel erwartet, eine Begegnung, ein Erlebnis, eine schöne Emotion. Richtest Du Deine Aufmerksamkeit auf erfreuliche Dinge in der Zukunft, verändert sich Dein Zustand in der Gegenwart, und aus der langen Fahrt wird ein farbiger Übergang zu einer schönen Erfahrung.
Von Trauer zu Akzeptanz
Der Verlust eines geliebten Menschen, einer Partnerschaft, eines Zuhauses oder eines Lebenstraums kann eine tiefe Wunde reißen. Trauer entsteht, wenn wir in der Gegenwart vergleichen, was wir verloren haben und was hätte sein können, und dieser Vergleich liegt wie ein Ballast auf dem Herzen. Ein erster Weg zur Akzeptanz kann sein, im Kopf eine Zukunft zu gestalten, die aus dem besteht, was tatsächlich da sein wird. Wenn Du Dich auf eine mögliche Zukunft konzentrierst, entsteht innerer Frieden, und aus ihm heraus kannst Du das Gewesene würdigen und zugleich das Kommende empfangen.
Von der Zufriedenheit hin zur Begeisterung
Stell Dir vor, Deine Tochter löst alle Matheaufgaben richtig, und Du fühlst Dich zufrieden. Zufriedenheit ist eine sanfte, ruhige, wenig intensive Emotion. Wenn Du das Ergebnis als Teil ihrer Entwicklung verstehst und Dir ausmalst, wie ihre Zukunft voller Möglichkeiten wächst und sie mit Selbstvertrauen durch die Welt geht, wächst die Intensität, und aus der ruhigen Zufriedenheit wird echte Begeisterung.
Emotionen verändern leicht gemacht
Die folgende Übung unterstützt Dich dabei, Emotionen zu verändern:
Identifiziere eine Emotion, die Du gerade erlebst.
Erkenne ihre wesentlichen Komponenten: Zeitrahmen, Tempo, Modalität, Intensität, Beteiligung, Kriterien, Chunkgröße und so weiter.
Verändere diese Komponenten in ihrer Intensität, also qualitativ, oder in ihrer Anzahl, also quantitativ.
Und nimm wahr, wie sich die Emotion dadurch wandelt.
Wiederhole das mit vielen Emotionen, denn diese Übung ist wie eine Schulung Deiner Wahrnehmung. Durch die Erkenntnis, dass Du Deine Erfahrung verändern kannst, wird Dir Deine emotionale Wahlfreiheit immer bewusster. Mit der Frage „Woran würde ich merken, dass ich diese Emotion fühle?" stellst Du zudem eine Verbindung zu ihr her.
Eine weitere Übung:
Werde Dir der Komponenten der unerwünschten Emotion bewusst.
Verändere sie eine nach der anderen in Richtung der gewünschten Emotion.
Prüfe, ob Du Dich ihr angenähert hast.
Und fahre fort, bis Du sie fühlst.
Ich möchte Dich noch auf drei Informationen hinweisen:
Das Ausmaß einer Veränderung: Von Müdigkeit direkt zu Ehrgeiz zu springen, ist meist zu groß. Nimm kleinere Schritte, etwa wie müde → gelangweilt → unruhig → motiviert → ehrgeizig
Die Dauer der Veränderung: Manche Emotionen lassen sich in Sekunden verändern, andere, wie tiefe Trauer oder Zustände von Depression, brauchen Stunden, Tage oder Wochen und mitunter fachliche Begleitung.
Das Future Pacing: Stell Dir eine zukünftige Situation so lebendig wie möglich vor, in der Du eine bestimmte Emotion haben willst, und verbinde Dich über die vermittelten Formate mit ihr. So stellst Du sicher, dass sie Dir dann zur Verfügung steht.
Der heutige Artikel hat Dir viele Werkzeuge in die Hand gelegt. Emotionale Wahlfreiheit bedeutet dabei auch, die Werkzeuge stimmig auszuwählen und sie tatsächlich anzuwenden. Einige Werkzeuge davon sind...
Die Verbindung mit Emotionen
Die Herstellung eines Ankers
Die Auflösung von Ursache-Wirkungs-Verknüpfungen
Die Umgestaltung von Emotionen
Damit hast Du Dir die erste Schlüsselfähigkeit der emotionalen Wahlfreiheit erfolgreich zugänglich gemacht. Das eröffnet Dir eine neue Bandbreite an Wahlmöglichkeiten und mehr Flexibilität, und mit mehr Flexibilität lassen sich kurz- wie langfristige Ziele leichter erreichen. Im nächsten Artikel vermittle ich Dir die zweite Schlüsselfähigkeit. Bis dahin wünsche ich Dir eine wunderbare Zeit in Deinem Leben.
Bis zum nächsten Mal und Danke für Deine Zeit,
Dein Florian 🌈



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