Dynamische Veränderungsimpulse
- Florian Stotz

- 2. Mai
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Aug.
Von unbewussten Mustern hin zu bewusster Präsenz und gewünschter Veränderung.
An einem sommerlichen Frühlingstag lief ich durch einen Waldabschnitt meiner Heimat in Dossenheim. Während ich durch ihn gehe, bin ich in einem Zustand des Zen, und ein wunderbares Grundgefühl verankert sich in meinem Sein. Damit meine ich ein Gefühl, das zu einem dauerhaften Bestandteil meines Bewusstseins geworden ist. Während ich die Natur um mich herum wahrnehme, spüre ich, wie ich mit den Bäumen, den Vögeln, den Menschen und dem Leben überhaupt verbunden bin. Später stelle ich mir die Frage, wie es einem Menschen gelingen kann, auch in wuchtigen Situationen des Lebens bei sich zu bleiben und bewusst zu sein. Viele Menschen, die ich kennenlernen durfte, hatten kaum ein Bewusstsein für den Zustand ihrer Psyche (auch: Seele). Oft riet ich ihnen, für eine Weile auf eine Reise zu gehen, denn schon mit dem Abstand vom Alltagstrott beginnt sich das Räderwerk der Veränderung in Bewegung zu setzen. Um solche Veränderungsimpulse geht es heute in meinem Artikel.
Die Arbeit mit inneren Anteilen und achtsamer Wahrnehmung löst viele Konflikte
Das Fundament unseres Lebens wird oft im Verborgenen gegossen. Meist sind es unbewusste Gedanken, die unser Dasein in bestimmte Richtungen lenken, lange bevor wir bewusste Entscheidungen treffen. Diese Gedanken formen eine Haltung, die wie ein Filter zwischen uns und der Welt liegt. Doch gerade hier liegt auch ein Schlüssel zur Freiheit. Wenn wir unsere innere Haltung korrigieren und neue Perspektiven einnehmen, verändert sich auch die Art, wie wir die Welt wahrnehmen. Das ist immer im gegenwärtigen Moment möglich, indem wir uns unserer Gedanken bewusst werden und sie in zuträglichere umwandeln, die eine andere Haltung tragen. Und aus einer neuen Haltung heraus geht es dann darum, auch eine neue Handlung ins Leben zu rufen, die die Dynamik im Außen verändert.
Eine entscheidende Frage, die Du Dir hier stellen kannst, lautet: Welche Geschichte erzähle ich mir gerade selbst? Von dort aus kannst Du diese Geschichte skeptisch betrachten und weiterfragen: Warum glaube ich sie? Ist sie vielleicht nur Teil von etwas, das mich im alten Thema festhält? Und schließlich kannst Du die Politik der kleinen Schritte nutzen und Dich fragen: Was wäre ein erster Schritt, um mein Leben in die gewünschte Richtung zu lenken?
Die Macht der Präsenz und das Training des eigenen Geistes
Der Kern jeder Veränderung ist nach meiner Erfahrung die Fähigkeit, präsent im Hier und Jetzt zu bleiben. Wenn Stress und Angst in Dir aufsteigen oder eine Gedankenflut Dich zu überrollen droht, kannst Du das als Signal verstehen, das Dir zuruft: Sei präsent und nimm wahr. Viele Menschen glauben, Meditation bedeute, still sitzen zu müssen (auch: Zazen) und die Augen zu schließen. Doch Du kannst in jedem Moment präsent sein, ohne dass andere es überhaupt bemerken, indem Du zum Beispiel Deine Aufmerksamkeit auf den Atem richtest und Dich bewusst mit allen Sinnen verbindest.
Eine gute Übung ist, immer dann, wenn Deine Gedanken rasen, bewusst in die Stille einzukehren. So lernt Dein Gehirn, immer schneller von einem Geist voller Gedanken in einen gedankenleeren Raum zu wechseln. Auch hier greift das Bild, dass unser Gehirn wie ein Muskel ist, der sich trainieren lässt, um inmitten des Chaos den einen Punkt der Ruhe zu finden. Durch die eingeübte Verknüpfung bildet Dein Gehirn Neuronenbahnen zwischen einem vollen und einem leeren Geist. Sobald Dich dann etwas triggert, das den Geist mit Gedanken flutet, laufen diese Bahnen wie von selbst in Richtung Stille. Auch hier gilt der neurophysiologische Grundsatz „Neurons that fire together, wire together", den der Neurowissenschaftler Donald Hebb im Jahr 1949 formulierte.

Das Storytelling als Werkzeug zu innerem Wandel
Als Trainer liegt mein Schwerpunkt vor allem auf dem Storytelling. Veränderung braucht meiner Ansicht nach auch Bilder im Kopf. Eine wirkungsvolle Übung, sowohl anderen gegenüber als auch für Dich selbst, besteht darin, Deine Worte so zu wählen, dass sie beim Erzählen sowohl in Deinem Geist als auch im Geist Deiner Zuhörer einen Film entstehen lassen. Wenn Du die Geschichte Deiner gewünschten Zukunft so lebendig wie möglich erzählst und sie vor dem inneren Auge wie durch Deine eigenen Augen erlebst, stößt Du bereits die Veränderungen an, die Du in bestimmten Bereichen Deines Lebens sehen willst. Denn das Gehirn unterscheidet kaum zwischen einer intensiv erlebten Vorstellung und der Realität selbst.
Das ist einer der Gründe, warum Milton H. Erickson seine Patienten zuerst in einen Trancezustand führte, weil die inneren Erlebnisse durch seine Worte so lebendig wurden, dass das Gehirn kaum noch zwischen Vorstellung und Wirklichkeit trennte. Als Übung kannst Du eine aktuelle Situation nehmen, in der Du Dich nicht so verhalten hast, wie Du es gern möchtest. Beginne, sie lebhaft zu erzählen, und nimm dabei durch Deine geistigen Augen einen inneren Film wahr. Je detaillierter und genauer Du erzählst, desto lebendiger wird das Erleben. Wenn Du an einen Punkt kommst, an dem Du für einen kurzen Moment glaubst, was Du erzählst, dann hast Du die Kraft des Storytellings auf der Ebene der Veränderung gespürt.
Der Eltern-Konflikt: wenn alte Wunden die Wahrnehmung verzerren
Ein besonders sensibles Feld ist die Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern. Meist sind die Wunden aus der Kindheit tiefer als jene, die wir in den erwachsenen Jahren erfahren. Spannenderweise lassen sie sich auf zwei gegensätzlichen Wegen lösen, indem wir uns einer Wunde ganz hingeben oder indem wir uns vorübergehend vollständig von ihr distanzieren und uns bestenfalls Neuem zuwenden. Zur Dynamik zwischen Eltern und Kindern gehört, dass Eltern manchmal etwas ansprechen, das dem Kind eigentlich guttäte oder ein für das Kind relevantes Thema berührt.
Doch die Art, wie sie es sagen, macht es manchen Kindern nahezu unmöglich, die Information anzunehmen. Stattdessen kann genau diese Art der Kommunikation das Kind triggern. Dann geschieht oft eine Regression, das Kind fällt in einen alten, kindlichen Zustand zurück. Statt die Information sachlich zu prüfen und stimmig anzunehmen, reagiert es mit Abwehr. Es kämpft also nicht gegen die aktuelle Information, sondern gegen das alte Gefühl von Ohnmacht oder Nicht-gesehen-Werden. Wer in solchen Momenten achtsam bleibt und das erkennt, kann beginnen, die Dynamik mitten im Gespräch zu verändern. Auch hier erweist sich die Meditation als hilfreiches Werkzeug fürs eigene Leben.
Ein Drei-Schritte-Plan zur Veränderung des eigenen Lebens
Im Internet, vor allem in esoterischen Kreisen, kursiert die Vorstellung eines idealen Selbst, das irgendwo starr auf uns wartet. Mir ist einmal ein Mensch begegnet, der zu mir sagte: „Wenn ich Marihuana konsumiere, dann bin ich ganz ich selbst." Ich finde es bemerkenswert, dass dieser Mensch sich annimmt, wenn er konsumiert hat, sich aber ablehnt, wenn er nicht in diesem Zustand ist. Die moderne Psychologie versteht die Persönlichkeit dagegen eher wie einen Fluss, denn sie wandelt sich je nach Lebenskontext. Ein Weg zur Veränderung führt über drei klare Schritte:
Trainiere Deine Wahrnehmung: Schärfe den Blick für das, was gerade im Moment da ist. Welche Gedanken hast Du in einer bestimmten Situation? Welche Perspektive nimmst Du ein?
Nimm Deine inneren Reaktionen wahr: Beobachte genau, wie Du innerlich auf etwas reagierst, ohne sofort zu werten.
Agiere aus einer Haltung heraus, welche Du lieber leben willst: Verhalte Dich so, wie Du in Deinem Leben wirklich sein möchtest.
Selbstabwertung führt meist zu Schaden und inneren Blockaden. Es geht eher darum, radikal anzuerkennen, was ist. Von diesem Punkt der Annahme aus kannst Du Dich fragen: Was ist ein erster möglicher Schritt hin zu meiner gewünschten Veränderung?, gefolgt von einer bewussten Handlung. Überlege Dir auch einmal die Frage: Wie oft gestalte ich mein Umfeld unbewusst so, dass ich darunter leide? Das kann blinde Flecken sichtbar machen, vor allem, wenn Du offen für das Feedback wohlwollender Menschen bist.
Ein anschauliches Beispiel. Stell Dir vor, Du bist in einem Kurs und beginnst zu denken: „Diese Person schaut so grimmig. Warum? Oh, ist das wegen mir? Ganz sicher, sie schaut mich an und mag mich nicht." Daraufhin verhält man sich meist so, dass andere tatsächlich mit Ablehnung reagieren. Wird das nicht erkannt, kann der Kreislauf endlos weiterlaufen: „Warum schaffe ich es nicht, mit anderen in Kontakt zu kommen? Stimmt etwas nicht mit mir?" Wie Du siehst, sind auch hier bewusste Präsenz im Hier und Jetzt und ein skeptisches Hinterfragen der eigenen Perspektive Gold wert. Denn unsere Wahrnehmung bestimmt unsere Motivation, etwas zu tun, und beeinflusst, wie andere uns wahrnehmen. Menschen fühlen sich eher zu jenen hingezogen, die eine stimmige Wahrnehmung von sich selbst haben. Wie wir unsere Umwelt deuten, hat also großen Einfluss auf unser Handeln, unsere Motivation und unser Engagement.
Die Arbeit mit inneren Anteilen
Ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Psyche sind die inneren Anteile. Sobald ein solcher Anteil bewusst wird, oft erkennbar an einem deutlichen Zustandswechsel (auch: State Change) in Gedanken, Gefühlen und Haltung, kann die Integration beginnen:
Erkennen des State Change: Nimm wahr, wie plötzlich körperliche Signale wie ein schneller Puls oder ein Engegefühl auftreten, wie unvermittelt Angst oder Wut aufsteigt oder wie sich Deine Gedanken schlagartig verändern.
Identifikation: Erkenne das mit dem Gedanken an: Das bin nicht ganz ich, sondern ein Anteil von mir, der gerade die Führung übernommen hat.
Mitgefühl anstatt Ablehnung: Heiße diesen Anteil willkommen und erforsche seine Absicht. Meist will er Dich vor etwas beschützen.
Entlastung: Teile ihm innerlich mit, dass Du in Sicherheit bist und seine alte Schutzstrategie nicht mehr nötig ist.
Statt den Anteil beseitigen zu wollen, wird er ins innere Team integriert. So wandelt sich seine destruktive Rolle in eine konstruktive Kraft, und es entsteht eine tiefe innere Stimmigkeit. Mithilfe des Six-Step-Reframing kannst Du diese Übung ausführlich für Dich durchgehen.
Schlechte Tage als Nährboden für Wandlung
Auch an Tagen, an denen alles schwerfällt, liegt ein Potenzial zur Wandlung. Indem Du lernst, mit einem schlechten Tag umzugehen und ihn anzunehmen, machst Du einen wichtigen Schritt zur Entfaltung. Wenn Du Dir an einem schlechten Tag sagst, dass er ein Zeichen der Veränderung ist und dass in den nächsten Tagen etwas Gutes auf Dich zukommt, dann wird diese überzeugte Haltung oft zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Sie kann unbewusste Themen, die an diesem Tag aufgewühlt wurden, in den folgenden Tagen auflösen. So wird jeder Rückschlag zum Dünger für Dein kommendes Wachstum. Ich kann Dir nur raten, die Kraft Deiner Worte und Gedanken nicht zu unterschätzen, denn sie wirken auf mehreren Ebenen des Seins. Vor allem dann, wenn sie in intensiven Trancezuständen (auch: Bewusstseinszuständen) ausgesprochen oder gedacht werden.
Heilung ist nach meiner Erfahrung kein Ziel, sondern ein Prozess der bewussten Rückkehr in den Moment. Indem wir unsere Anteile annehmen, unsere Wahrnehmung schulen und uns erlauben, die Geschichte unseres Lebens zu hinterfragen und neu zu erzählen, wandeln sich Konflikte in Klarheit und in einen positiven Lebenswandel. Meist geschieht dieser Wandel wie von selbst, wenn Du auf Deinem Weg das tust, was sich für Dich stimmig anfühlt, und Deiner Intuition vertraust und folgst. Diesen positiven Lebenswandel wünsche ich jedem Menschen von Herzen, und Dir bis zum nächsten Artikel eine herausragende Zeit in Deinem Leben.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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