Was sie sagt und was sie lebt

Warum gelebte Entscheidungen mehr über einen Menschen verraten als jede Wunschliste und wie Du die richtigen Fragen stellst.
Im Internet kursieren unzählige Clips, in denen Frauen auf der Straße gefragt werden was sie sich von einem Mann wünschen. Die Antworten klingen oft wie ein Bestellkatalog mit genauen Angaben zur Körpergröße und zum Einkommen und zu einem durchtrainierten Körper. Viele Männer schauen sich solche Clips an und ziehen daraus bittere Schlüsse über ihre eigenen Chancen. Dabei übersehen sie etwas Entscheidendes, denn was ein Mensch sagt und was er tatsächlich wählt, sind oft zwei sehr verschiedene Dinge. Dieser Artikel handelt von Frauen und gilt trotzdem für alle Menschen. Auch Männer beschreiben ihre Traumfrau gern anders als die Frauen, mit denen sie dann tatsächlich ihre Zeit verbringen. Der Unterschied zwischen Worten und gelebten Entscheidungen ist einfach zutiefst menschlich.
Was die Forschung über Wunschlisten weiß
Die Psychologen Paul Eastwick und Eli Finkel haben dieses Phänomen in einer bekannten Studie zum Speed Dating untersucht. Sie fragten die Teilnehmer vorab, wie wichtig ihnen bestimmte Eigenschaften wie Attraktivität oder gute Verdienstaussichten bei einem Partner sind. Anschließend beobachteten sie, zu wem sich die Menschen in den echten Begegnungen tatsächlich hingezogen fühlten. Das Ergebnis war erstaunlich, denn die vorher genannten Vorlieben sagten die tatsächliche Anziehung in der Begegnung kaum voraus.
In der Ökonomie gibt es für diesen Unterschied einen schönen Begriff. Der Ökonom Paul Samuelson sprach von offenbarten Präferenzen und meinte damit, dass die wahren Vorlieben eines Menschen sich in seinen Entscheidungen zeigen und weniger in seinen Aussagen. Übertragen auf die Liebe bedeutet das, dass Du viel mehr über einen Menschen erfährst wenn Du auf seine Entscheidungen schaust.
Warum Menschen anders reden als sie wählen
Die Gründe für diesen Unterschied haben selten etwas mit Unehrlichkeit zu tun. Viele Menschen wissen schlicht nicht genau, was sie anzieht, weil Anziehung zu einem großen Teil unbewusst geschieht. Wenn man sie nach ihren Wünschen fragt, greifen sie deshalb auf Bilder zurück die ihnen die Gesellschaft oder die Medien vermittelt haben. Hinzu kommt, dass eine Wunschliste etwas völlig anderes ist als eine echte Begegnung. In der Begegnung zählen Ausstrahlung und Humor und das Gefühl, das ein Mensch in uns auslöst. Vieles davon geschieht jenseits von Worten und Zahlen und lässt sich kaum auf einer Liste festhalten.
Die Worte nicht zu ernst nehmen
Für Männer steckt darin eine wichtige Erkenntnis. Wer jede Aussage einer Frau wie ein Gesetz behandelt, versteht sie oft schlechter als jemand der auch auf den Ton und den Zusammenhang achtet. Manches wird im Spaß gesagt und manches aus einer Laune heraus, und manches dient einfach dazu einen Mann ein wenig zu necken. Wenn eine Frau beim Flirten sagt, dass Du eigentlich gar nicht ihr Typ bist, kann das alles Mögliche bedeuten. Vielleicht ist es ein spielerisches Necken, und vielleicht ist es ernst gemeint. Wer solche Worte sofort verinnerlicht und sich davon verunsichern lässt, nimmt einer Begegnung oft selbst die Leichtigkeit. Achte deshalb lieber darauf, ob sie trotzdem gern Zeit mit Dir verbringt und sich auf das Gespräch einlässt.
Die interessantere Frage
Wenn Du eine Frau besser kennenlernen möchtest, kannst Du sie natürlich fragen welche Männer sie interessant findet. Du wirst dann vermutlich eine Liste von Eigenschaften hören, die sympathisch klingt und trotzdem wenig aussagt. Viel aufschlussreicher ist die Frage nach den Männern, mit denen sie in der Vergangenheit tatsächlich etwas hatte. Welche Art von Männern hat sie bisher gewählt, und wie haben sich diese Beziehungen angefühlt? Waren es eher ruhige und verlässliche Männer oder eher aufregende und unberechenbare? Wie spricht sie heute über ihre früheren Partner, und wie sind diese Beziehungen auseinandergegangen? Solche Fragen zeigen Dir die gelebten Muster eines Menschen, die oft viel ehrlicher sind als jede Wunschliste.
Die Gegenwart sagt noch mehr
Noch aussagekräftiger als die Vergangenheit ist die Gegenwart eines Menschen. Die Vergangenheit zeigt, wer jemand einmal war und welche Entscheidungen er damals getroffen hat. Menschen entwickeln sich jedoch weiter, und eine Frau die mit zwanzig andere Männer anziehend fand, kann mit dreißig ganz andere Werte haben. Deshalb lohnt sich der Blick darauf, mit welchen Menschen sie heute ihre Zeit verbringt. Welche Freunde umgeben sie, und mit welchen Männern hat sie gegenwärtig Kontakt? Mit wem verbringt sie ihre Abende, und mit wem lässt sie sich auf Nähe ein? Die Menschen, die jemand heute in sein Leben lässt, zeigen sehr genau wo er gerade steht.
Fragen ohne zu verhören
Natürlich gehören solche Fragen nicht in die ersten fünf Minuten einer Begegnung. Niemand möchte sich bei einem ersten Treffen wie in einem Verhör fühlen, in dem die eigene Vergangenheit auf den Prüfstand gestellt wird. Solche Gespräche entstehen dort, wo bereits ein gewisses Vertrauen gewachsen ist und beide Menschen echtes Interesse aneinander haben. Entscheidend ist dabei Deine Haltung. Es geht nicht darum eine Frau für ihre Vergangenheit zu bewerten oder Punkte zu zählen. Es geht darum zu verstehen wer sie ist und was sie in einer Beziehung sucht. Wer neugierig fragt und selbst offen von seiner eigenen Geschichte erzählt, schafft einen Raum in dem solche Gespräche ganz natürlich entstehen. In meinem Artikel über Gesprächsführung findest Du viele Anregungen, wie Du solche Gespräche mit echtem Interesse führen kannst.
Was die Muster Dir zeigen
Wenn Du auf die gelebten Muster einer Frau achtest, erfährst Du viel über ihre Bedürfnisse. Vielleicht entdeckst Du dass sie sich immer wieder zu Männern hingezogen fühlte, die emotional nicht verfügbar waren. Vielleicht erkennst Du aber auch dass sie gelernt hat solche Muster zu durchschauen und heute bewusst andere Entscheidungen trifft. Beides ist wertvoll für Dich. Im ersten Fall weißt Du, dass eine ruhige und verlässliche Art bei ihr vielleicht erst einmal fremd wirkt. Im zweiten Fall weißt Du, dass Du einem Menschen begegnest der sich mit sich selbst auseinandergesetzt hat. Wer meinen Artikel über Partnerwahl kennt, weiß wie wichtig genau diese Fähigkeit zur Selbstreflexion für eine erfüllte Beziehung ist.
Derselbe Blick auf Dich selbst
Die vielleicht wertvollste Übung liegt darin diesen Blick auch auf Dich selbst zu richten. Welche Frauen beschreibst Du, wenn Dich jemand nach Deinem Ideal fragt? Und mit welchen Frauen hast Du tatsächlich Zeit verbracht und Beziehungen geführt? Vielleicht entdeckst Du dabei ein Muster das Dir bisher nicht bewusst war. Vielleicht wählst Du immer wieder Frauen, bei denen Du um Zuwendung kämpfen musst, obwohl Du Dir eigentlich eine ruhige und liebevolle Beziehung wünschst. Wer seine eigenen gelebten Muster erkennt, gewinnt die Freiheit sie bewusst zu verändern.
Zum Schluss
Worte zeigen uns, wie ein Mensch sich selbst sieht oder gern sehen würde. Entscheidungen zeigen uns, wer er tatsächlich ist und was ihn wirklich bewegt. Wer beides miteinander vergleicht, versteht einen Menschen viel tiefer als jemand der nur auf die Wunschliste hört. Vielleicht stellst Du beim nächsten tieferen Gespräch nicht die Frage nach dem Traummann.
Frag lieber nach den Geschichten, die sie wirklich erlebt hat, und erzähle auch von Deinen eigenen. Denn genau in diesen Geschichten liegt das, was ein Mensch wirklich sucht. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈
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