Sensory Acuity und Trancezustände
- Florian Stotz

- 19. März
- 5 Min. Lesezeit
Wie eine klare Wahrnehmung die Qualität Deines Lebens beeinflusst.
Im Modell des NLP kannst Du den Begriff der Sensory Acuity wiederfinden. Sensory Acuity bedeutet dabei übersetzt "sensorische Schärfe" bzw. "feine Sinneswahrnehmung". Diese feine Sinneswahrnehmung bestimmt auch zu einem großen Teil die Qualität Deines Lebens. Ein Beispiel aus dem Alltagsleben gefällig? Je intensiver man seine Gefühle beim Sex fühlen kann, desto intensiver ist auch das subjektive Erleben beim Sex. Es soll tatsächlich Männer geben, die sich beim Sex im Geist ein Fußballspiel vorstellen, um ihren Ejakulationsreflex zu verzögern. Was das mit der Qualität des eigenen Sexlebens macht, kannst Du Dir sehr wahrscheinlich selbst herleiten. Zumal es viele Möglichkeiten gibt, als Mann die Ausdauer beim Sex deutlich zu erhöhen, ohne skurrile Konzepte die in unserer Kultur unter vielen Männern als normal empfunden werden. Normal empfinde ich es eher, die Qualität der eigenen Sinneswahrnehmungen zu intensiveren. Wie dies geht und warum Trancezustände eng mit Deiner Sensory Acuity verbunden sind, erfährst Du im heutigen Artikel.
Was ist Sensory Acuity?
Wie Du bereits erfahren hast, bedeutet Sensory Acuity so viel wie sensorische Schärfe bzw. feine Sinneswahrnehmung. Im NLP beschreibt dieser Begriff die Fähigkeit, die kleinen Veränderungen in der Wahrnehmung eines anderen Menschen präzise zu bemerken, ohne sie vorschnell zu interpretieren. In meiner Welt verstehe ich die Sensory Acuity als die Fähigkeit, wie intensiv Du mit Deinen Sinnen Deine Welt wahrnimmst und erfährst. Viele Menschen glauben zunächst, dass das Modell des NLP hauptsächlich aus Techniken oder Modellen besteht. Doch ein großer Teil der Wirksamkeit von NLP liegt in der Qualität Deiner Wahrnehmung. Bevor Du eine Technik meist erfolgreich anwenden kannst, brauchst Du die Fähigkeit, wirklich wahrzunehmen was in einem Moment geschieht. Das bedeutet zum Beispiel folgende Faktoren in der zwischenmenschlichen Kommunikation bei anderen Menschen wahrzunehmen:
Veränderungen im Gesichtsausdruck
minimale Veränderungen im Muskeltonus
kleine Verschiebungen in der Körperhaltung
Unterschiede im Tonfall der Stimme
Veränderungen in der Atmung
Diese Beobachtungen sind zunächst Fakten und keine Interpretationen. Das nachfolgende Beispiel kann Dir den Unterschied zwischen Fakten und Interpretationen verdeutlichen. Stell Dir eine Person im Winter vor, die ihre Arme verschränkt. Eine Interpretation könnte sein: "Sie ist gelangweilt". Der Fakt und die Beobachtung ist: "Die Person hat ihre Arme verschränkt". Es kann auch sein, dass dieser Person einfach kalt ist. Sensory Acuity bedeutet, zwischen Beobachtung und Interpretation zu unterscheiden. Statt "Gedanken zu lesen", lernst Du also genau hinzusehen und hinzuhören. Die Fähigkeit der Sensory Acuity ermöglicht Dir, feine Signale wahrzunehmen welche Dir zeigen können, wie sich Dein Gegenüber gerade fühlt oder wie sich ein innerer Prozess im Gegenüber verändert.
Wie kannst Du Deine Sensory Acuity erweitern?
Die gute Nachricht ist, dass sich Deine Sensory Acuity trainieren lässt. Der erste Schritt besteht darin, Deine Aufmerksamkeit bewusst auf Deine Sinne zu richten. Stell Dir einfache Fragen wie im nachfolgenden aufgelistet:
Was sehe ich gerade?
Was höre ich gerade?
Was fühle ich gerade?
Was verändert sich im Gesicht meines Gegenübers?
Wo atmet mein Gegenüber gerade? Eher im Brustkorb oder im Bauch?
Alleine diese Fragen richten Deine Sinne auf die Aspekte bei Deinem Gegenüber aus, die in den Fragen enthalten sind. Dies verändert damit auch die Qualität Deiner Wahrnehmung. Du kannst Deine Sensory Acuity auch durch einfache Übungen im Alltag entwickeln. Zum Beispiel indem Du auf Veränderungen in der Stimme Deines Gegenübers achtest. Wenn Menschen emotional reagieren, verändert sich häufig die Lautstärke, das Tempo oder die Tonhöhe. Diese Veränderungen geben Hinweise darauf, welche Themen besonders wichtig oder emotional geladen sind. Anstatt Dich nur auf die Worte Deines Gegenübers zu konzentrieren, kannst Du auch das ganze Wahrnehmungsfeld wahrnehmen:
Körperhaltung
Stimme
Mimik
Atem
Rhythmus der Bewegung
Je mehr Du diese verschiedenen Ebenen gleichzeitig wahrnimmst, desto präziser wird Deine Kalibrierung. Dabei bedeutet das Wort Kalibrierung das Erkennen von inneren Zuständen Deines Gegenübers anhand äußerer Signale wie Mikroveränderungen im Gesicht, Atem, Stimme und Körperhaltung.
Verändere Deine Sensory Acuity durch die Veränderung Deines Trancezustands
Im nachfolgenden führe ich Dich durch eine kurze Übung, welche Dir dabei hilft zu erkennen, wie die Veränderung Deines Trancezustands auch Deine Sensory Acuity verändert. Nimm Dir für diese Übung fünf Minuten Zeit und mache es Dir auf einem bequemen Platz gemütlich. Danach gehst Du folgende Schritte durch:
Zuerst suchst Du mit Deinen Augen im Raum ein Objekt Deiner Wahl aus. Nun fokussierst Du mit Deinem Geist das Objekt und konzentrierst Dich für eine Minute auf das Objekt. Stell Dir dabei vor, dass Deine Wahrnehmung wie durch die Öffnung eines Trichters schaut und sich am Ende gesammelt wie ein Strahl auf das Objekt konzentriert
Als nächstes richtest Du Deine Aufmerksamkeit wieder auf den kompletten Raum in dem Du Dich gerade befindest und neutralisierst den intensiven Fokus
Von diesem neutralen Zustand aus beginnst Du nun schrittweise Deine Aufmerksamkeit auf Deine Ein- und Ausatmung und auf das Gefühl in Dir zu richten. Als nächstes weitest Du Dein Sichtfeld, indem Du Deinen Fokus auf das richtest, was Du seitlich von Deiner visuellen Wahrnehmung sehen kannst. Wenn Du das erreicht hast, fügst Du noch hinzu was Du vor Dir, über Dir und unter Dir wahrnimmst. Im letzten Schritt richtest Du Deine Aufmerksamkeit noch auf das was Du hören, riechen und schmecken kannst. Achte dabei darauf, dass Du all dies gleichzeitig wahrnehmen kannst
Zuletzt richtest Du Deine Aufmerksamkeit wieder auf den kompletten Raum in dem Du Dich gerade befindest und neutralisierst das vorherige "Weitwinkelbewusstsein"
Nachdem Du nun zwei Bewusstseinsformen wahrgenommen hast, kannst Du Deine Wahrnehmung durch die Veränderung Deines Trancezustands verändern. Beispielsweise kannst Du bewusst einmal tiefer ein- und ausatmen, während Du Deine Nackenmuskulatur zuerst an- und dann entspannst. Das aktive anspannen Deiner Muskulatur, gefolgt von einem bewussten loslassen dieser Muskulatur, nennt sich auch progressive Muskelentspannung. Jetzt schließe einmal Deine Augen und stell Dir einmal vor, wie tief entspannt Du beispielsweise bei einem Erholungsurlaub gewesen bist. Lass dabei die Erinnerung besonders lebendig werden und nimm alles wie durch Deine eigenen Augen wahr. Wiederhole jetzt noch einmal die obige Übung um für Dich erfahren zu können, wie ein unterschiedlicher Trancezustand sich auch auf verschiedene Bewusstseinsformen und auf Deine Sensory Acuity auswirkt.
Warum Sensory Acuity Dein Leben bereichert
Die Fähigkeit feine Veränderungen in der Wahrnehmung zu bemerken, verändert nicht nur Deine Kommunikationsqualität, sondern auch Dein persönliches Leben. Menschen mit hoher Sensory Acuity bemerken zum Beispiel:
Wann ein Gesprächspartner unsicher wird
Wann jemand sich wirklich öffnet
Wann eine Aussage emotional wichtig ist
Wann sich eine Stimmung im Raum verändert
Dadurch werden zum Beispiel Gespräche oft tiefer, authentischer und ehrlicher. Auch in Partnerschaften kann diese Fähigkeit sehr wertvoll sein. Wenn Du feine emotionale Signale erkennst, kannst Du sensibler reagieren und Missverständnisse vermeiden. Darüber hinaus hat Sensory Acuity noch eine weitere Wirkung: Sie bringt Dich stärker in den gegenwärtigen Moment. Statt nur in Gedanken zu sein, wird Deine Aufmerksamkeit wieder stärker mit Deinen Sinnen verbunden. Dabei hörst Du genauer, siehst mehr Details und bemerkst emotionale Veränderungen bei Deinem Gegenüber früher.
Mit der Zeit entsteht durch die Entwicklung Deiner Sensory Acuity eine besondere Form von Präsenz. Und genau diese Präsenz ist oft der Schlüssel zu echter Verbindung, sowohl mit anderen Menschen als auch mit Dir selbst. Ich wünsche Dir viel Spaß beim entwickeln Deiner Sensory Acuity.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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