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Das Meta-Modell aus dem NLP - Teil 2

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 26. März
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Die zehn Sprachmuster, mit denen Du Klarheit in jedes Gespräch bringst.


Vor einigen Stunden habe ich mich mit dem Thema der Neuroplastizität beschäftigt. Wusstest Du, dass Dein Gehirn bei sportlicher Aktivität ein Molekül namens BDNF ausschüttet, den Brain-Derived Neurotrophic Factor? Er wirkt wie ein Wachstums- und Reparatursignal, denn er fördert die Bildung neuer Synapsen, unterstützt das Überleben von Nervenzellen, verbessert Lernen und Gedächtnis und spielt eine zentrale Rolle für die Neuroplastizität. BDNF ist damit so etwas wie Dünger für Dein neuronales Netzwerk. Und genau an dieser Stelle wird das Bild interessant, denn Dünger allein reicht nie. Wer schon einmal einen Garten angelegt hat, weiß, dass auf einem festgetretenen Boden nichts wächst, so viel Du auch darüber ausstreust. Erst wenn die Erde aufgebrochen und durchmischt ist, kann etwas ankommen. Das Meta-Modell aus dem NLP ist dieses Gartengerät. Es bricht die verfestigten Stellen in Deiner Sprache und in der Sprache Deines Gegenübers auf, sodass wieder Luft und Wasser hineinkommen. Heute vertiefen wir das Modell und gehen von den drei großen Prozessen aus Teil 1 hinunter zu den einzelnen Sprachmustern, an denen Du im Gespräch wirklich arbeitest.


Die drei Hauptgruppen von Unterschieden


Das Meta-Modell lässt sich in drei Gruppen einteilen, und diese drei Gruppen helfen Dir dabei, Sprache nicht einfach hinzunehmen, sondern sie an den entscheidenden Stellen zu hinterfragen. Also genau dort, wo Bedeutung verloren geht, wo verallgemeinert wird und wo etwas verzerrt wird.


  • Informationen sammeln, im Original Gathering Information

  • Grenzen des Modells des Sprechers, im Original Limits of the Speaker's Model

  • Semantische Fehlgeformtheit, im Original Semantic Ill-formedness


Das übergeordnete Ziel bleibt dabei immer dasselbe. Du unterstützt Dein Gegenüber darin, die eigene Erfahrung klarer, vollständiger und greifbarer auszudrücken, indem Du die Form seiner Sprache nutzt, um gezielt nachzufragen.


Gruppe 1: Informationen sammeln


In der ersten Gruppe geht es darum, fehlende Informationen zurückzuholen. Du bewegst Dich hier ähnlich wie ein Forscher auf einer Ausgrabung, der Schicht für Schicht vorsichtig freilegt, was ursprünglich gemeint war. Vier typische Sprachmuster gehören in diese Gruppe, und Du erkennst sie mit ausreichend Sensory Acuity daran, dass Dir im Zuhören etwas fehlt.


Löschung, auch Auslassung (Deletion)

Bei diesem Muster spürst Du meist schon intuitiv, dass eine Information fehlt. Dein Gegenüber sagt etwa: „Ich verstehe das nicht." Statt die Aussage nun mit Inhalten aus Deiner eigenen Welt aufzufüllen, bleibst Du bewusst draußen und fragst nach:


  • „Was genau verstehst Du nicht?"

  • Bei „Ich habe Angst" entsprechend: „Wovor genau hast Du Angst?"


Das sind die offensichtlichen Fälle. Interessanter wird es bei einem Satz wie diesem: „Es ist einfach, das zu tun, wenn Du Erfahrungen im Leben gesammelt hast." Als Außenstehender rätselst Du hier gleich mehrfach:


  • Was ist es, das einfach zu tun ist?

  • Wie genau tue ich das?

  • Was genau macht es einfach?

  • Welche Erfahrungen muss ich gesammelt haben, damit es einfach wird?


Die letzte Frage legt noch etwas anderes frei, denn in der Aussage steckt eine stillschweigende Voraussetzung, im Fachbegriff eine Presupposition. Damit ist eine implizite Annahme gemeint, die in einer Aussage bereits mitgeliefert wird, ohne jemals ausgesprochen oder überprüft zu werden. Die Frage „Wann hast Du aufgehört zu rauchen?" setzt voraus, dass Du geraucht hast und damit aufgehört hast. Beides steht nirgends. Beides ist im Raum.


Fehlender Referenzindex

Hier wird verallgemeinert, ohne konkret zu werden, von wem oder wovon eigentlich die Rede ist:


  • „Niemand will mich" öffnest Du mit: „Wer genau will Dich nicht?"

  • „Die sind alle so" öffnest Du mit: „Wer genau ist gemeint?"


Damit holst Du die Aussage vom Diffusen zurück ins Konkrete.


Unbestimmte Verben

Bei den unbestimmten Verben bleibt das Geschehen selbst unscharf, denn das Wie fehlt. Hier machst Du sichtbar, was unsichtbar geblieben ist:


  • „Er hat mich verletzt" fragst Du auf mit: „Wie genau hat er das getan?"

  • „Sie haben mich ignoriert" fragst Du auf mit: „Wie genau?"


Nominalisierungen

Bei den Nominalisierungen passiert etwas Bemerkenswertes, denn ein lebendiger Prozess wird in ein starres Objekt verwandelt. Sieh Dir diese beiden Sätze an:


  • „Ich bekomme keine Anerkennung"

  • „Ich habe ein Problem"


Anerkennung und Problem wirken hier wie Dinge, die man hat oder nicht hat, obwohl beide in Wahrheit Vorgänge sind. Deine Aufgabe besteht darin, den Vorgang wieder in Bewegung zu bringen:


  • „Wofür genau möchtest Du anerkannt werden, und von wem?"

  • „Was genau passiert, wenn Du sagst, dass Du ein Problem hast?"


Ein Ding kannst Du nur haben oder verlieren. Einen Vorgang kannst Du verändern.


Gruppe 2: Die Grenzen des Weltbilds


In der zweiten Gruppe findest Du jene Sprachmuster, mit denen sich ein Mensch selbst begrenzt, meist ohne es zu bemerken.


Universale Quantoren

Dazu zählen Wörter wie immer, alle, niemand, keiner und nie. Sie lassen eine Aussage absolut klingen, und genau dieses Absolute forderst Du heraus:


  • „Ich mache nie etwas richtig" öffnest Du mit: „Nie? Wirklich nie?"

  • „Jeder Moment war schlecht" öffnest Du mit: „Gab es Momente, in denen es anders war?"


Damit öffnest Du den Raum für Ausnahmen. Und wo eine Ausnahme auftaucht, ist die Regel bereits gebrochen.


Modaloperatoren der Notwendigkeit und der Möglichkeit

Ein Modaloperator ist ein sprachlicher Ausdruck, der zeigt, wie ein Mensch seine Wirklichkeit innerlich ordnet, vor allem im Hinblick auf Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Es ist also jenes Wort, an dem Du erkennst, welche Regeln, Grenzen und Freiheiten jemand in seinem Denken erlebt.


Die Modaloperatoren der Notwendigkeit drücken aus, dass etwas sein muss, soll oder darf, und sie sind fast immer mit innerem oder äußerem Druck verbunden:


  • müssen und nicht müssen

  • sollen und sollten

  • dürfen und nicht dürfen

  • brauchen und nicht brauchen

  • gezwungen sein


Die Modaloperatoren der Möglichkeit zeigen dagegen, ob jemand etwas überhaupt für machbar hält:


  • können und nicht können

  • möglich und unmöglich

  • fähig sein und unfähig sein

  • erlaubt sein und nicht erlaubt sein

  • imstande sein und außerstande sein


Zwei typische Sätze aus dem Alltag und die Fragen, die sie ins Wackeln bringen:


  • „Ich muss das tun" hinterfragst Du mit: „Was würde passieren, wenn Du es nicht tust?"

  • „Ich kann das nicht" hinterfragst Du mit: „Was genau hindert Dich daran?"


Damit verschiebt sich der Fokus von der Einschränkung hin zu den Wahlmöglichkeiten, die vorher unter dem Muss verschwunden waren.


Gruppe 3: Semantische Fehlgeformtheit


In der dritten Gruppe geht es um die tieferen Verzerrungen, bei denen ein Mensch seine Deutung der Welt für die Welt selbst hält.


Ursache und Wirkung

Hier glaubt jemand, dass etwas im Außen unmittelbar sein inneres Erleben verursacht:


  • „Du machst mich wütend"

  • „Ich bin traurig, weil Du zu spät bist"


Beide Verknüpfungen lassen sich mit derselben Bewegung auflösen:


  • „Wie genau mache ich Dich wütend?"

  • „Wie genau bewirkt mein Zuspätkommen Dein Gefühl?"


In diesen Augenblicken kehrt ein Stück Eigenverantwortung zurück. Nicht als Vorwurf, sondern als Gestaltungsraum.


Gedankenlesen

Beim Gedankenlesen wird angenommen, man wisse, was ein anderer Mensch denkt oder fühlt:


  • „Alle denken, dass ich zu langsam bin"

  • „Ich weiß, dass Du mich nicht magst"


Beide Aussagen forderst Du mit einer einzigen Frage heraus, in ihren zwei Formen:


  • „Wie genau weißt Du das?"

  • „Woher genau weißt Du das?"


Damit führst Du Dein Gegenüber von der Annahme zurück zur überprüfbaren Erfahrung.


Verlorener Performativ

Der verlorene Performativ beschreibt Aussagen, in denen eine Bewertung oder eine Regel ausgesprochen wird, ohne dass jemand dazu steht. Sie klingen dadurch wie objektive Wahrheiten:


  • „Das ist falsch" holst Du zurück mit: „Falsch nach welchem Maßstab?"

  • „Das ist der richtige Weg" holst Du zurück mit: „Richtig für wen?"


Damit löst Du die Aussage aus dem Absoluten und stellst sie zurück in den Kontext, in dem sie entstanden ist.


Komplexe Äquivalenz

Bei der komplexen Äquivalenz handelt es sich um eine Bedeutungsgleichsetzung. Komplex heißt, dass etwas aus mehreren Elementen zusammengesetzt ist, und Äquivalenz meint die Gleichsetzung zweier Dinge. Die Struktur lautet immer: X bedeutet Y.


  • „Er ruft mich nicht zurück, das bedeutet, dass er mich nicht respektiert"

  • „Sie schaut mich nicht an, also mag sie mich nicht"

  • „Er ist ruhig, also ist er arrogant"


In allen drei Fällen geschieht innerlich dasselbe. Ein Mensch beobachtet ein Verhalten und erzeugt daraus im selben Atemzug eine Deutung, die sich für ihn nicht mehr wie eine Deutung anfühlt, sondern wie eine Tatsache. Genau hier kannst Du ansetzen:


  • „Woher weißt Du, dass er nicht einfach verhindert war?"

  • „Was wäre, wenn sie schlicht schüchtern ist?"

  • „Sind für Dich alle Menschen, die ruhig sind, arrogant?"


Die klassischen Meta-Modell-Fragen für dieses Muster lauten: „Wie genau bedeutet X, dass Y?" und „Gibt es noch andere mögliche Bedeutungen?" Damit öffnest Du den Raum zwischen der Beobachtung und der Deutung. Und in diesem Raum lebt die Freiheit.


Das Meta-Modell in der Anwendung und abschließende Gedanken


Mit dem Meta-Modell hältst Du ein kraftvolles Werkzeug in der Hand, und wie bei jedem kraftvollen Werkzeug entscheidet die Dosierung über die Wirkung. Für die meisten Menschen wird es früher oder später anstrengend, wenn Du beständig nachfragst und allem auf den Grund gehen willst. Nimm Dir deshalb zu Beginn etwas anderes vor. Fordere in einem einstündigen Gespräch jedes der Sprachmuster aus den drei Gruppen genau einmal heraus, verteilt über das ganze Gespräch. Dazwischen sprichst Du selbst, teilst mit, erzählst. So bleibt es ein Gespräch und wird kein Verhör.


Denn das Meta-Modell ist kein Fragekatalog. Es ist ein Wahrnehmungstraining. Es geht darum, bei einer unscharfen Aussage nicht die eigene Wirklichkeit einzusetzen, sondern bei Deinem Gegenüber zu bleiben und dessen Welt zu präzisieren und zu erweitern. Das Meta-Modell ist damit eine Einladung, nicht zu interpretieren, sondern erleben zu lassen. Und genau in diesem Moment entsteht etwas, das weit über Sprache hinausgeht. Echte Klarheit.


Ich wünsche Dir viel Freude mit dieser Klarheit und mit dem, was in Deinen Gesprächen wachsen darf, sobald der Boden einmal aufgebrochen ist.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

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