top of page

Das Meta-Modell aus dem NLP - Teil 2

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 26. März
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. März

Trete in die kommunikative Meisterschaft ein mit dem Meta-Modell.


Vor einigen Stunden habe ich mich mit dem Thema der Neuroplastizität auseinandergesetzt. Wusstest Du, dass durch sportliche Aktivität in Deinem Gehirn ein Molekül namens BDNF (auch: Brai-Derived Neurotrophic Factor) ausgeschüttet wird, der wie ein Wachstums- und Reparatursignal für Dein Gehirn ist? Es fördert die Bildung neuer Synapsen, unterstützt das Überleben von Nervenzellen, verbessert Lernen und Gedächtnis und spielt eine zentrale Rolle bei Neuroplastizität. Damit ist BDNF wie ein Dünger für Dein neuronales Netzwerk. Genauso kann das Meta-Modell der Sprache aus dem NLP wie ein Gartengerät verstanden werden, welches den festen Erdboden aufbricht und frisch durchmischt. Auf eine ähnliche Art und Weise nützt Dir das Metal-Modell aus dem NLP um Deine eigenen oder die Perspektive anderer Menschen zu erweitern. Heute erweitere ich Dein Verständnis vom Meta-Modell und wünsche Dir viel Spaß mit einem tiefen Tauchgang in ein starkes Kommunikationsmodell.


Das Meta-Modell: Die drei Hauptgruppen von Unterschieden


Das Meta-Modell lässt sich grundsätzlich in drei zentrale Gruppen einteilen. Diese drei Gruppen helfen Dir dabei Sprache nicht einfach hinzunehmen, sondern sie bewusst zu hinterfragen. Wenn Du es schaffst, die Sprache Deines Gegenübers genau an den Stellen zu hinterfragen, an denen Bedeutung verloren geht, generalisiert oder verzerrt wird, kannst Du das Weltbild Deines Gegenübers erweitern. Diese drei Gruppen sind folgende:


  • Informationen sammeln (Gathering Information)

  • Grenzen des Modells des Sprechers (Limits of the Speaker's Model)

  • Semantische Fehlgeformtheit (Semantic Ill-formedness)


Das übergeordnete Ziel ist beim Meta-Modell immer gleich. Du unterstützt Deinen Gegenüber dabei deren eigene Erfahrung klarer, vollständiger und greifbarer auszudrücken indem Du die Form ihrer Sprache nutzt, um gezielt nachzufragen.


Informationen sammeln: Die Sprache wieder mit der Erfahrung verbinden


In der ersten Gruppe geht es darum fehlende Informationen zurückzuholen. Dabei bewegst Du Dich ähnlich wie ein Forscher auf einer Entdeckungsreise, der vorsichtig Schicht für Schicht freilegt, was ursprünglich gemeint war. Dieser ersten Gruppe werden vier typische Sprachmuster, welche mit ausreichend Sensory Acuity entdeckt werden und Dir signalisieren, dass Dir Informationen fehlen.


Löschung bzw. Auslassung (Deletion)

Bei diesem Sprachmuster spürst Du schon meinst intuitiv, dass Dir etwas an Information fehlt. Dein Gegenüber könnte beispielsweise sagen: "Ich verstehe das nicht". Statt die Aussage Deinen Gegenübers mit Inhalten aus Deiner Welt selbst zu ergänzen, bleibst Du bewusst im Außen und fragst beispielsweise nach mit: "Was genau verstehst Du nicht?". Wenn Dein Gegenüber sagen würde: "Ich habe Angst", könntest Du mit der Frage nachfragen: "Wovor hast Du Angst?".


Dies sind nun offensichtliche Beispiele, denn Dein Gegenüber könnte auch den folgenden Satz von sich geben: "Es ist einfach das zu tun, wenn Du Erfahrungen im Leben gesammelt hast". Wenn Du nun wissen möchtest, wie jemand etwas macht, könntest Du nachfragen: "Wie genau machst Du das?", womit Du Deinen Gegenüber wieder zurück in seine eigene Wahrnehmung führst. Ein weiterer Blick auf diesen längeren Satz lässt uns als Außenstehende rätseln was gemeint ist, denn


  • Was ist es, das einfach zu tun ist?

  • Wie kann ich das einfach tun?

  • Was genau macht es einfach?

  • Welche Erfahrungen im Leben muss ich gesammelt haben, um das einfach tun zu können?


Die letzte Frage beleuchtet, dass in der Aussage Deines Gegenübers auch eine stillschweigende Voraussetzung (auch: Presupposition) enthalten ist. Eine stillschweigende Voraussetzung ist eine implizite Annahme, die in einer Aussage bereits vorausgetzt wird, ohne dass sie direkt ausgesprochen oder überprüft wird. Beispielsweise setzt die Frage: "Wann hast Du aufgehört zu rauchen?" voraus, dass mein Gegenüber bereits mit dem Rauchen aufgehört hat.


Fehlender Referenzindex

Beim fehlenden Referenzindex wird verallgemeinert, ohne konkret zu werden von was und wem genau gesprochen wird. Anbei zwei Beispiele hierzu:


  • Sagt jemand: "Niemand will mich", könntest Du nachfragen mit "Wer genau?"

  • Die Aussage: "Die sind alle so", kann mit der Frage: "Wer genau ist gemein" herausgefordert werden


Mit diesen Fragen bringst Du die Aussage zurück vom diffusen hin zum konkreten.


Unbestimmte Verben

Bei den unbestimmten Verben bleibt das Geschehen selbst unscharf und das "Wie" fehlt. Hier machst Du das Unsichtbare wieder sichtbar:


  • "Er hat mich verletzt", kann hinterfragt werden mit: "Wie genau hat er das getan?"

  • "Sie haben mich ignoriert", kann beleuchtet werden durch: "Wie genau?"


Nominalisierungen

Bei den Nominalisierungen passiert etwas interessantes, denn hier wird ein lebendiger Prozess zu einem starren Objekt umgewandelt. Nehmen wir als Beispiel die beiden Aussagen:


  • "Ich bekomme keine Anerkennung"

  • "Ich habe ein Problem"


Die Wörter "Problem" und "Anerkennung" wirken hier wie Objekte, obwohl sie eigentliche Prozesse sind. Hier ist Deine Aufgabe als Anwender des Meta-Modells den Prozess durch geeignete Sprachmuster wieder lebendig zu machen:


  • "Was möchtest Du anerkannt werden?"

  • "Was genau passiert, wenn Du sagt, dass Du ein Problem hast?"


Damit entsteht wieder eine Bewegung und auch Veränderbarkeit in der Welt Deines Gegenübers.


Grenzen des Weltbilds: Wenn Sprache die Optionen einschränkt


In der zweiten Gruppe sind Sprachmuster hinterlegt, mit denen sich jemand selbst oft unbewusst begrenzt und einschränkt.


Universale Quantoren

Zu den universalen Quantoren zählen Wörter wie: "immer", "alle", "niemand", "keiner", "nie" und so weiter. Durch die universalen Quantoren fühlen sich die Aussagen Deines Gegenübers absolut an:


  • "Ich mache nie etwas richtig!", kann herausfordert werden mit: "Nie? Wirklich nie?"

  • "Jeder Moment war schlecht", wird weiter beleuchtet durch: "Gab es einige Momente, in denen es anders war?"


Damit öffnest Du den Raum für Ausnahmen und damit einhergehend auch für Möglichkeiten.


Modaloperatoren der Notwendigkeit und Möglichkeit

Die Modaloperatoren der Notwendigkeit drücken aus, dass etwas sein muss, soll oder darf. Sie sind oft mit innerem odere äußerem Druck verbunden. Hierzu gehören unter anderem Wörter wie: "müssen, nicht müssen", "sollen, sollten", "dürfen, nicht dürfen", "brauchen, nicht brauchen" und "gezwungen sein". Die Modaloperatoren der Möglichkeit hingegen drücken aus, ob jemand glaubt, dass etwas möglich oder unmöglich ist. Zu diesen gehören die Wörter: "können, nicht können", "möglich, unmöglich", "fähig sein, unfähig sein", "erlaubt sein, nicht erlaubt sein" und "imstande sein, außerstande sein".


Übrigens bedeutet das Wort "Modaloperator" sprachliche Ausdrücke, die anzeigen wie jemand seine Realität innerlich strukturiert, besonders in Bezug auf Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Damit ist ein Modaloperator ein Wort oder eine Formulierung, die zeigt welche Regeln, Grenzen oder Freiheiten jemand in seinem Denkent erlebt. Zwei typische Aussagen welche Modaloperatoren enthalten können sein:


  • "Ich muss das tun"

  • "Ich kann das nicht"


Welche mit zwei Fragen ins wackeln gebracht werden können:


  • "Was würde passieren, wenn du es nicht tust?"

  • "Was hindert dich daran?"


Damit verschiebt man den Fokus von der Einschränkung hin zu weiteren Wahlmöglichkeiten.


Semantische Fehlgeformtheit: Wenn die Realität verzerrt wird


Bei der dritten Gruppe geht es um tiefere Verzerrungen der Wahrnehmung. Dabei erlebt die Person ihre Interpretation von der Welt als die Realität.


Ursache und Wirkung

Bei dem Sprachmuster von Ursache und Wirkung glaubt die Person, dass etwas im Außen direkt ihr inneres Erleben verursacht. Zum Beispiel:


  • "Du machst mich wütend"

  • "Ich bin traurig, weil Du zu spät bist"


Diese Verknüpfungen können mit folgenden Fragen hinterfragt werden:


  • "Wie genau mache ich Dich wütend?"

  • "Wie genau bewirkt das Dein Gefühl?"


In diesen Momenten entsteht wieder mehr Eigenverantwortung für den Gegenüber.


Gedankenlesen

Beim Gedankenlesen wird angenommen, dass man weiß was andere Menschen denken oder fühlen. Typische Aussagen können hier sein:


  • "Alle Denken, dass ich zu langsam bin"

  • "Ich weiß, dass Du mich nicht magst"


Zwei zentrale Fragen um beide Aussagen herausfordern zu können lautet: "Wie genau weißt Du das?" oder "Woher genau weißt Du das?". Damit bringst Du Deinen Gegenüber zurück von der Annahme hin zur überprüfbaren Erfahrung.


Verlorener Performativ

Der verlorene Performativ beschreibt Aussagen, in denen eine Bewertung oder Regel geäußert wird, ohne zu sagen wer sie festlegt. Die Aussagen wirken damit wie eine objektive Wahrheit. Beispiele von Bewertungen, die wie objektive Wahrheiten klingen:


  • "Das ist falsch", kann herausgefordert werden mit: "Falsch nach welchem Maßstab?"

  • "Das ist der richtige Weg", wird beleuchtet durch: "Richtig für wen?"


Damit löst Du die Aussage Deines Gegenübers aus dem Absoluten und bringst sie zurück in den ursprünglichen Kontext.


Komplexe Äquivalenz

Bei der komplexen Äquivalenz handelt es sich um eine Bedeutungsgleichsetzung. Das Wort komplex wird verwendet, weil etwas aus mehreren Elementen zusammengesetzt ist. Der Begriff der Äquivalenz bedeutet eine Gleichsetzung bzw. Gleichwertigkeit mit etwas. Die Struktur ist typischerweise X bedeutet Y (auch: X = Y). Anbei ein paar Beispiele:


  • "Er ruft mich nicht zurück, das bedeutet, dass er mich nicht respektiert"

  • "Sie schaut mich nicht an, also mag sie mich nicht"

  • "Er ist ruhig, also ist er arrogant"


In diesen Fällen passiert innerlich eine Bedeutungszuweisung auf Basis der eigenen Beobachtung. Du beobachtest also zum Beispiel ein Verhalten und generierst automatisch eine Interpretation in Deiner Welt die für Dich eine Wahrheit ist. Die obigen Aussagen können mit folgenden Fragen herausgefordert werden:


  • "Woher weißt Du, dass er nicht verhindert gewesen ist?"

  • "Was wäre, wenn sie einfach schüchtern ist?"

  • "Sind für Dich alle Menschen die ruhig sind arrogant?"


Die klassische Meta-Modell Frage für die komplexe Äquivalenz lautet: "Wie genau bedeutet X, dass Y?", oder "Gibt es noch andere mögliche Bedeutungen?". Damit öffnest Du den Raum zwischen Beobachtung und Interpretation.


Das Meta-Modell in der Anwendung und abschließende Gedanken


Mit dem Meta-Modell der Sprache aus dem NLP hast Du ein kraftvolles Kommunikationswerkzeug. Für einige Menschen wird es früher oder später nervig, wenn Du beständig Fragen stellst und allem auf dem Grund gehen möchtest. Setze daher das Meta-Modell der Sprache zu Beginn so ein, dass Du beispielsweise alle Sprachmuster aus den obigen Gruppen einmal während eines einstündigen Gesprächs verteilt herausforderst. Das Meta-Modell der Sprache ist kein Fragekatalog sondern eher ein Wahrnehmungstraining und dient der Erweiterung des Weltbilds. Es geht darum bei unscharfen Aussagen Deines Gegenübers nicht Deine eigene Realität einzusetzen, sondern bei Deinem Gegenüber zu bleiben und diese Welt zu präzisieren sowie zu erweitern. Das Meta-Modell ist eine Einladung nicht zu interpretieren, sondern erleben zu lassen. Und genau in diesen Moment entsteht etwas, das weit über Sprache hinausgeht, nämlich echte Klarheit. Viel Spaß mit der neuen Klarheit, die Du in Bezug auf das Meta-Modell der Sprache aus dem NLP gewonnen hast.


Danke für Deine Zeit und bis bald,

 

Dein Florian 🌈

Kommentare


bottom of page