Erlange die Meisterschaft über Deine Emotionen und Gefühle – Teil 6
- Florian Stotz

- 1. Sept. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Nov. 2025
Eine Artikelserie als Reise aus dem emotionalen Gefängnis.
Im letzten Artikel dieser Artikelserie haben wir die vier Fähigkeiten einer emotionalen Wahlfreiheit eingeführt. Nummer eins ist das Platzieren von Emotionen: Die Fähigkeit in bestimmten Situationen Deines Lebens mit Emotionen zu antworten, die angemessen und nützlich sind. Nummer zwei ist das Ausdrücken von Emotionen: Die Fähigkeit zu auszuwählen wie Du Deine Emotionen ausdrückst. Nummer drei ist die Nutzung von Emotionen: Die Fähigkeit unangenehme Emotionen so zu nutzen, dass daraufhin nützliches Verhalten und stimmige Emotionen entstehen. Zu guter Letzt kommt Nummer vier, die Prävention von unnötig unangenehmen Szenarien: Die Fähigkeit Dich davor zu bewahren viele überwältigende und lähmende Emotionen zu erfahren.
Fähigkeit Nummer 1: Das bewusste Platzieren von Emotionen
Was genau ist unter dem "Platzieren von Emotionen" in bestimmten Situationen gemeint? Der erste Schlüssel einer emotionalen Wahlfreiheit ist die Fähigkeit, in den Situationen Deines Lebens häufig mit Emotionen zu reagieren, die am stimmigsten für Dich sind. Eine angemessene „Platzierung Deiner Emotionen" besteht, wenn Du in vielen Kontexten Deines Lebens die stimmigste Emotion in dem jeweiligen Kontext hast. Beispielsweise wenn Du eher Entschlossenheit anstatt Entmutigung empfindest, um ein langfristiges Ziel von Dir weiterzuverfolgen. Wenn Du vor einer Aufgabe die Emotion von Selbstvertrauen spürst, anstatt der Emotion von Selbstzweifeln, dann wirst Du Deine Aufgabe viel wahrscheinlicher anpacken.
Es ist absolut menschlich in manchen Lebenskontexten mit einer Emotion zu reagieren, welche wir nicht spüren oder erleben wollen. Mit etwas mehr Achstamkeit in Deinem Alltag kannst Du leichter erkennen, wenn emotionale Reaktionen unangebracht oder lähmend sind. Dann kannst Du den nächsten Schritt setzen und identifizieren, welche Emotion stimmiger ist, um beim nächsten Mal diese stimmige Emotion zu empfinden. Um stimmige Emotionen in Bezug auf Deine Bedürfnisse in einer bestimmten Situation auswählen zu können, ist das Wissen über die Eigenschaften verschiedener Emotionen und die Verhaltensweisen zu denen diese führen, oft ein wichtiger Bestandteil. Hast Du Dir schon einmal über eine Situation in Deinem Leben Gedanken gemacht, welche Du gerne ändern würdest? Falls ja, dann lohnt es sich für Dich Dir auch eine Vorstellung davon zu machen, was Du an dieser Situation ändern willst und welchen persönlichen Nutzen Du Dir damit versprichst.
Fähigkeit Nummer 2: Das bewusste Ausdrücken von Emotionen
Kommen wir nun zum zweiten Schlüssel der emotionalen Wahlfreiheit: Der Fähigkeit zu entscheiden, wie Du eine bestimmte Emotion ausdrückst. Bestenfalls drückst Du eine Emotion so aus, dass sie mit Deinem Selbstbild übereinstimmt und mit dem Ergebnis, welches Du für Dich anstrebst. Deine Emotionen auf eine Weise auszudrücken die nicht mit Dir selbst vereinbar ist, kann zu einer unangenehmen und möglicherweise schädlichen Inkongruenz führen. Diese Inkongruenz wird oft nicht nur von Dir, sondern auch von den Menschen in Deiner Umgebung wahrgenommen wird.
Die Qualität des emotionalen Ausdrucks bestimmt unter anderem Deine zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn Du Dich innerlich wütend fühlst, dies allerdings nicht den Menschen in Deiner Umwelt deutlich ausdrückst, wird kaum jemand bemerken, dass Du wütend bist. Beispiele von Emotionen die Du ausdrücken kannst sind Ärger, Zuneigung, Wertschätzung, Verärgerung, Mitgefühl und Bewunderung. Eine Emotion auszudrücken ist oft dann sinnvoll, wenn ihre Botschaft und Wirkung auch von Deinem Gegenüber so verstanden wird, wie Du es auch beabsichtigst. Beispielsweise könnte eine übertriebene Dankbarkeit dazu führen, dass der Empfänger Deiner Wertschätzung Dich als unehrlich wahrnimmt.
Hier sei explizit erwähnt, dass es Zeiten gibt in denen es passend sein kann, inkongruent zu sein und eine Bandbreite von emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten zu haben. Beispielsweise möchten Anwälte und Geschäftsleute in Verhandlungen manchmal den Anschein von kühler Gelassenheit erwecken, obwohl ihr Inneres von Zweifel oder Angst erfüllt ist. Es gilt also die Beantwortung auf die Frage: Wie kannst Du eine Emotion die Du fühlst auf eine angemessene Art und Weise ausdrücken? Achte darauf, dass die Emotion die Du innerlich empfindest, durch Deinen Körper nonverbal und verbal bei Deinem Gegenüber so ankommt wie Du die Emotion innerlich empfindest. Falls Dein Gegenüber die Emotion anders aufgefasst hat wie Du es beabsichtig hast – sofern Du nicht entscheidest einfach innerlich zu einer anderen Emotion zu wechseln – gilt es für Dich zu wählen, wie Du diese Emotion in Zukunft präziser ausdrücken kannst. Korrekturen beim Ausdruck Deiner Emotionen können Dich vor schmerzhaften Auseinandersetzungen, wie einen wiederkehrenden Streit in Deinem Leben, für immer auflösen. Darf es schon so einfach sein? Ich behaupte: Ja, es darf so einfach sein.
Im späteren Verlauf kommen wir zu Möglichkeiten, wie Du bewusst Deine angenehmeren Emotionen intensivieren und die unangenehmen Emotionen mildern kannst. Dein Körper und die damit verbundene nonverbale Körpersprache führen durch ihre Veränderung auch zu einem emotionalen Zustandswechsel. Gleichzeitig kann sich durch die Veränderung Deines emotionalen Zustandes auch Deine nonverbale Körpersprache (beispielweise Mimik, Gestik und Körperhaltung) verändern. Ich möchte Dich allerdings darauf hinweisen, dass es ungesund sein kann, beständig eine Körperhaltung einzunehmen die Dich für eine kurze Zeit selbstbewusst fühlen lässt, obwohl in Dir Themen präsent sind, die Dich überwiegend in Deinem Grundzustand nicht selbstbewusst fühlen lassen. Echtes Selbstbewusstsein ergibt sich durch einen inneren Frühjahrsputz, nicht durch ein antrainieren von Körperhaltungen.
Fähigkeit Nummer 3: Das bewusste Nutzen von Emotionen
Der dritte Schlüssel zur emotionalen Wahlfreiheit ist die Fähigkeit, unangenehme Emotionen zu nutzen, um daraus stimmiges Verhalten zu erzeugen und auch angenehmere Emotionen entstehen zu lassen. Um Deine Emotionen voll nutzen zu können ist der erste Schritt die Fähigkeit, das funktionale Attribut Deiner Emotion zu identifizieren. Wenn Du Dich erinnerst, ist mit dem funktionalen Attribut gemeint, dass Du herausfindest, wofür eine bestimmte Emotion für Dich gut ist und was sie Dir signalisieren will. Egal wie unangenehm eine Emotion sein mag, sie erfüllt immer eine Funktion und soll ein Bedürfnis von Dir erfüllen. Emotionale Wahlfreiheit entsteht auch aus der Fähigkeit, das funktionale Attribut zu erkennen und daraufhin angemessen zu antworten Angemessenes antworten tust Du dann, wenn Du mit dem Bedürfnis in Begegnung trittst, welches in dem Signal der Emotion enthalten ist.
Manchmal kann ein Bedürfnis darin liegen eine andere Emotion auszuwählen, innerlich entstehen zu lassen und diese Emotion aufrechtzuerhalten. Du rufst also bewusst in Dir eine Emotion ab welches eher zur Erfüllung damit verbundenen Bedürfnisses führt. Sobald Du das funktionale Attribut erst einmal identifiziert hast, kannst Du es dazu nutzen um Deine Emotionen und Dein Verhalten in die gewünschten Bahnen zu lenken. Anstatt unangenehme Emotionen zu vertreiben hast Du jetzt die Wahl, diese unangenehmen Emotionen als wichtige Signale und Rückmeldungen Deines persönlichen Erlebens zu respektieren.
Bestimmt kennst auch Du das unangenehme Emotions-Karussell der Angst. Sich zu ängstigen kann sich wie in einem auswegslosen Labyrinth anfühlen. Ein auswegloses Labyrinth, welches Dich mit jedem weiteren Versuch zu entkommen nur weiter verschlingt. Die Angst ist eine Emotion die von vielen Menschen sehr gefürchtet wird. Manche Menschen verbringen viel Zeit damit eine Angst vor der nächsten Angst im Geist herzustellen, nur weil als nächstes etwas Schlimmes eintreten könnte. Gerade die unbekannte Zukunft oder erwartet unangenehme Zukunft die Angst erzeugt, ist ein Hinweis auf eine Reise aus der Angst und hin zu innerer Ruhe und Selbstvertrauen. Angst ist unter anderem ein Signal, dass in Deiner Zukunft etwas sein könnte auf das Du Dich besser vorbereiten musst. Diese Vorbereitung kann ganz einfach darin bestehen, mehr Informationen zu sammeln um ein unvollständiges Bild eines bevorstehenden Ereignisses mit den Fragen: „Wer, Was, Wo, Wann und Warum?“ zu vervollständigen.
Fähigkeit Nummer 4: Die bewusste Prävention von Emotionen
Der vierte und letzte Schlüssel zur emotionalen Wahlfreiheit ist die Fähigkeit, Dein persönliches Verhalten und Deine Lebenssituationen so zu beeinflussen, dass bestimmte lähmende und furchtbare Emotionen gar nicht erst auftreten. Überwältigende und unangenehme Emotionen wie Wutanfälle, Scham, Demütigung, Terror und völlige Hilflosigkeit, auch wenn sie funktionale Attribute beinhalten, sind im Allgemeinen für uns Menschen so lähmend, dass es sich lohnt sie so wenig wie möglich zu erleben.
Die Prävention (auch: Vorbeugung) solcher überwältigenden Emotionen besteht zunächst darin, die Umstände zu identifizieren welche sie auslösen können. Als nächstes kannst Du dann entweder Dein Verhalten im Hinblick auf diese Emotion verändern oder Deine Lebensumstände so reorganisieren, dass das Auslösen dieser Emotion verhindert wird. Ein bekanntes Problem von einigen Frauen findet sich im beruflichen Alltag wieder. Frauen die sich hilflos fühlen, wenn sie mit ihrem herrischen Chef bei der Arbeit konfrontiert werden, können als eine meist kurzfristige Lösung herausfinden, was sie brauchen um sich in dessen Gegenwart stärker zu fühlen. Als nächstes geht es dann zum Schritt über neue Perspektiven und Verhaltensweisen zu generieren und zu Beginn aktiv anzuwenden. Was am Anfang einer aktiven Anwendung bedarf, wird nach einiger Zeit wie von selbst unbewusst ausgeführt.
Eine weitere Möglichkeit für Frauen kann es sein, sich aus der Situation endgültig zurückziehen, indem ein interner oder externer Stellenwechsel als langfristige Lösung dient. Bestimmt gibt es noch viele Optionen, von denen die bestmögliche Option ausgewählt werden sollte. Auch eine Klage vor dem Arbeitsgericht kann eine Lektion für einen herrischen Chef sein, sofern ein übergriffiger Sachverhalt existiert. Es gibt viele Wege Dein emotionales Wohlbefinden zu pflegen und zu fördern. Primär kannst Du Dein emotionales Wohlbefinden pflegen indem Du Deine Denkweisen, Dein Verhalten oder Deine Lebenssituation veränderst.
Die vier Fähigkeiten der emotionalen Wahlfreiheit zusammengefasst
Diese vier Fähigkeiten der emotionalen Wahlfreiheit – Platzierung, Ausdruck, Nutzung und Prävention – werden im weiteren Artikelverlauf so vertieft, dass Du diese Fähigkeiten verinnerlichen kannst. Wenn Du eine emotionale Wahlfreiheit gewinnst, wirst Du auch gleichzeitig geschickter darin werden die Emotionen anderer Menschen präziser zu erkennen.
Sobald Du die Emotionen anderer Menschen präziser erkennen kannst, besitzt Du Information, welche Du nutzen kannst um zu entscheiden, wie Du auf Deinen Gegenüber reagieren möchtest. Deine Reaktionen auf andere Menschen werden dann immer mehr zu einer bewussten Wahlfreiheit werden. Anstatt emotional unbewusst auf andere Menschen zu reagieren, hast Du damit die Möglichkeit diesen Menschen emotional bewusst zu antworten. Das ist aus meiner Perspektive eine wahre Meisterschaft über die eigenen Emotionen. Gerade bist Du voll dabei, diese wahre Meisterschaft für Dich mit dieser Artikelserie zu manifestieren.
Bis zum nächsten Mal und Danke für Deine Zeit,
Dein Florian 🌈



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