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Erlange die Meisterschaft über Deine Emotionen und Gefühle – Teil 4

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 29. Aug. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Nov. 2025

Eine Artikelserie als Reise aus dem emotionalen Gefängnis.

 

Paul Watzlawick erzählt in einem seiner Bücher „Anleitung zum Unglücklichsein“ von einer Geschichte, die in vielen Alltagsphänomenen heimisch ist: Ein Mann möchte sich einen Hammer ausleihen. Er denkt sich: „Mein Nachbar hat sicher einen Hammer“. Doch dann schleicht sich ein Gedanke in ihm ein: „Aber was, wenn er ihn nicht verleihen will? Vielleicht braucht er ihn selbst? Oder vielleicht ist er generell geizig?“. Je länger er grübelt, desto wütender wird er: „Immer schon war der unfreundlich! Bestimmt wird er mich abweisen! So ein egoistischer Idiot!“. Schließlich macht der Mann sich auf dem Weg zur Haustür des Nachbars und klingelt bei ihm. Der Nachbar öffnet die Tür und bevor dieser überhaupt etwas sagen kann, schreit der Mann: „Behalten Sie doch Ihren beschissenen Hammer, Sie Wichser!“. Im heutigen Artikel geht es im Kern darum, dass viele Menschen nicht so sehr auf die Welt um sich herum antworten, sondern auf ihre inneren Bewertungen und dabei die eigentlichen Emotionen aus dem Blick verlieren.

 

Wie oberflächliche Kategorisierungen das emotionale Erleben einschränken

 

In den vorherigen Artikeln konntest Du bereits einen ersten Eindruck darüber gewinnen, dass Emotionen viele Unterscheidungen haben können. Es ist zwar möglich, dass wir unsere Emotionen in breite Kategorien wie „positiv“, „negativ“, „angenehm“ und „unangenehm“ einteilen, jedoch sind diese Kategorien selbst keine Emotionen. Zu wissen, dass Du Dich „schlecht“ fühlst, gibt Dir kaum eine nützliche Information darüber, was in Dir vorgeht und was Du tun kannst um Deine Situation zu verändern. Zu wissen, welche Emotion Du im Moment erlebst liefert Dir wertvolle Informationen.

 

Eine meiner Bekannten verspürte damals viel Angst davor, wenn sie vor anderen Menschen einen professionellen Vortrag halten musste. In Bezug auf die Angst gibt es zwei relevante Informationen die ich als Trainer immer im Hinterkopf habe:  

 

  • Viele Menschen richten ihre Aufmerksamkeit auf eine Zukunft voller Ungewissheiten,

  • oder fühlen sich unzureichend vorbereitet einer Aufgabe oder Situation zu begegnen, die vielleicht unangenehme Konsequenzen mit sich bringen könnte

 

In diesem Fall konnte ich sie dabei unterstützen ihre Angst deutlich zu reduzieren, als ich ihr bewusst gemacht habe, dass es für sie relevant ist sich ausreichend auf einen professionellen Vortrag vorzubereiten. Weiterhin wendete ich danach die Fast Phobia Cure aus dem Modell des NLP in einer erweiterten Form an. Als sie für sich selbst erkannte, dass sie sich für Vorträge vor anderen Menschen wappnen kann, verwandelte sich ihre Angst in Selbstsicherheit und Selbstvertrauen.

 

Welche Urteile fällst Du über Deine Emotionen?

 

Deine Emotionen sind nicht dasselbe wie die Urteile, die Du über Deine Emotionen fällst. Weiterhin sind Deine Emotionen auch nicht unbedingt identisch mit den Verhaltensweisen, welche Deine Emotionen hervorbringen. Viele Menschen speichern nur wenige Erfahrungen auf einer emotionalen Dimension ab. Diese beschränken sich meist auf Emotionen wie Angst, Liebe, Hass, Freude, Glück und Traurigkeit. Unzählige andere Emotionen stecken oft auf Ebene der bloßen Beschreibungen fest. Allerdings sind beispielsweise Verantwortlichkeit, Zielstrebigkeit, Frustration, Stolz, Sicherheit und Zuneigung viel mehr als nur Beschreibungen und Handlungen, denn sie sind auch Emotionen. Bestimmt hast Du Dich in Deinem Leben einmal verantwortlich, zielstrebig oder ehrgeizig gefühlt, oder?

 

Am Ende dieser Artikelserie wirst Du erstaunt sein, wie viele unterschiedliche Emotionen es für uns Menschen gibt. Ein kleiner Ausflug in die japanische Kultur verdeutlicht dies:


  • Mono no aware (物の哀れ) bedeutet so viel wie die bittersüße Traurigkeit über die Vergänglichkeit aller Dinge, verbunden mit einer zarten Wertschätzung für ihre Schönheit

  • Wabi-sabi (侘寂) ist die Emotion der schlichten Schönheit im Unvollkommenen, Vergänglichen und Asymmetrischen

  • Amae (甘え) ist eine Emotion des süßen Sich-Verlassen-Dürfens der Fürsorge anderer Menschen in engen Beziehungen

  • Natsukashii (懐かしい) ist eine wehmütige Nostalgie, die Freude und Melancholie über eine vergangene sowie schöne Erfahrung zugleich enthält

  • Komorebi (木漏れ日) ist die Emotion beim Anblick von Sonnenstrahlen, die durch Blätter von Bäumen hindurchfallen


Wie Du bereits sehen kannst, gibt es allein in der japanischen Kultur bestimmte Bezeichnungen für Emotionen, die in unserer Kultur unbekannt sind. Der Unterschied zwischen dem Erleben von Emotionen durch einen „Allzweckfilter“ und dem Erleben von Emotionen durch ein weites Emotionsspektrum ist wie der Unterschied zwischen einem Schwarzweiß- und einem Farbfernseher. Am Ende dieser Artikelserie wirst Du mit Sicherheit ein breiteres Spektrum an Emotionen kennengelernt haben. Dies verleiht Deinem Leben mehr Tiefgründigkeit und Du wirst Dich mehr als Protagonist Deines Lebens auf einer farbigen Kinoleinwand erleben.


Unterscheidest Du zwischen Verhalten und Emotionen?

 

Oftmals gibt es einen Unterschied zwischen dem, was ein Mensch tut und dem was er gleichzeitig fühlt. Viel zu oft beurteilen wir unsere Erfahrungen nach unserem Verhalten und vergessen, dass unser Handeln und unser Fühlen verschieden sein können. Ausschließlich auf das Verhalten zu achten bedeutet, einen wesentlichen Teil der menschlichen Erfahrung, nämlich der Emotionen, zu übersehen. Dasselbe gibt für die Begegnung mit anderen Menschen. Was wir im Verhalten eines anderen Menschen beobachten, ist nicht zwingend immer das, was dieser Mensch auch fühlt.

 

Selbstverständlich beeinflussen Emotionen unser Verhalten und Verhalten kann unsere Emotionen beeinflussen. Allerdings sind Emotionen und Verhalten nicht dasselbe. Als ich eines Tages meinen Vater besuchte lernte ich eine wichtige Sache von ihm: „Du kannst nie vollständig wissen, wie sich ein anderer Mensch im Inneren fühlt“. Ich bin bis heute meinem Vater für seine wertvollen Informationen dankbar. Bis heute ist mein Vater bei vielen Menschen positiv in Erinnerung, was unter anderem dafür sorgt, dass viele Menschen positiv über ihn reden. Es ist leicht anzunehmen, dass man weiß was im Inneren eines anderen Menschen vorgeht, nur weil man sein Verhalten sieht. Solche Urteile verraten allerdings oft mehr über selbst sowie unsere eigene Art und Weise Emotionen auszudrücken, als über die tatsächlichen Emotionen eines anderen Menschen.

 

Kannst Du Deine Emotionen benennen?

 

Eine Emotion ist eine Gesamtempfindung in einem bestimmten Moment und unterscheidet sich von rationalen Begriffen, mit denen wir unsere Emotionen bezeichnen. In der Welt der Literatur findet sich das Buch „The Language of the Heart“ aus dem Jahre 1985, verfasst von Dr. James Lynch. In diesem Buch beschreibt Dr. James Lynch den Zusammenhang zwischen Emotionen und physiologischen Reaktionen wie Blutdruck und Herzfrequenz. In einem Kapitel des Buches beschreibt er, wie Forscher am Massachusetts General Hospital herausgefunden haben, dass viele Patienten entweder keinerlei Bewusstsein für ihre Emotionen hatten oder sie nur in rationalen, distanzierten und gefühlsarmen Begriffen beschreiben konnten.

 

Aus meiner Perspektive ist es ein Artmuszeugnis unserer Kultur, dass viele Menschen zwischen verschiedenen Emotionen kaum unterscheiden können. Allein die Tatsache, dass viele Menschen kaum Zugang zu ihren Emotionen haben zeigt mir, dass wir noch in einer Art emotionalen Mittelalter leben. Es gibt unzählige Menschen welche die Worte Liebe, Hass, Eifersucht, Ekstase oder Neid kennen und benutzen. Es ist jedoch ein großer Unterschied ob man Worte nur rational verwendet, ohne die damit verbundenen Emotionen erlebt zu haben, oder ob man sie wirklich aus Erfahrung heraus gebraucht.

 

Eine Unterscheidung zwischen Emotionen und körperlichen Empfindungen

 

In einem der vorherigen Artikel dieser Artikelserie habe ich bereits eine Unterscheidung zwischen Gefühlen und Emotionen eingeleitet. Weiterhin habe ich kurz definiert, was unter Empfindungen zu verstehen ist. Für mich entstehen Gefühle immer im Hier und Jetzt, während Emotionen wie abgespeicherte Energien sind. Zur Vereinfachung des Leseflusses habe ich mich auf das Wort „Emotion“ für diese Artikelserie entschieden. Jetzt steht eine Unterscheidung zwischen Gefühlen bzw. Emotionen und Empfindungen an.

 

Auch wenn eine Emotion eine Gesamtempfindung ist, sollte man diese nicht mit körperlichen Empfindungen verwechseln, weil beides parallel im Moment präsent sein kann. „Ein Stein im Magen“ ist beispielsweise oft keine Emotion sondern eine Körperempfindung. Es gibt einen Unterschied zwischen den körperlichen Empfindungen und der gesamten subjektiven Erfahrung eines Moments, der Emotion. Körperliche Empfindungen stehen eher mit körperlichen Reaktionen in Verbindung, während Emotionen die gesamte subjektive Erfahrung in einem Moment sind. Damit sind Körperempfindungen in die physiologischen Prozesse des Körpers einzuordnen. Diese Unterscheidung ist wichtig, um angemessen auf die eigenen Emotionen eingehen zu können.

 

Eine kurze Zusammenfassung des heutigen Artikels

 

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass Emotionen vollständig subjektive Zustände in einem bestimmten Moment sind. Weiterhin gilt, dass

 

  • Emotionen sich von Körperempfindungen unterscheiden, auch wenn Emotionen und Körperempfindungen parallel auftreten können

  • Emotionen verschieden sind von den Verhaltensweisen die sie hervorrufen können

  • Emotionen sich oft von den Werturteilen unterscheiden die wir über sie fällen

 

Je klarer Du Deine Emotionen unterscheiden kannst, desto tiefgründiger kann Dein Leben emotionale erlebt werden. Wenn Du lernst das volle Spektrum an Emotionen in Dir zu erlauben, zu erfahren und zu verändern, bist Du aus dem emotionalen Gefängnis ausgebrochen und befindest Dich im Jungbrunnen des Lebens. Im nächsten Artikel geht primär darum, was Dir bestimmte Emotionen mitteilen wollen und wie Du die Botschaften Deiner Emotionen gezielt für Dein Wohlbefinden nutzen kannst. Bis dahin wünsche ich Dir wundervolle Erfahrungen in Deinem Leben.

 

Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

 

 

 

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