Trance-Architektur 2: Wenn das Unbewusste mitdenkt

Gute Trancearbeit schaltet den Verstand nicht ab. Sie bringt ihn mit etwas in Verbindung das ohnehin die ganze Zeit arbeitet.
Es gibt ein hartnäckiges Bild von Hypnose das ungefähr so geht. Jemand wird ausgeschaltet und bekommt in diesem Zustand etwas eingeredet und wacht danach verändert wieder auf. Dieses Bild stammt aus der Bühnenhypnose und aus alten Filmen und es ist nicht nur falsch. Es verdeckt vor allem genau den Teil der die Arbeit überhaupt erst interessant macht. Was in einer guten Trance tatsächlich geschieht ist beinahe das Gegenteil. Dein Verstand bleibt die ganze Zeit anwesend und er wird auch gebraucht. Er bekommt in dieser Zeit nur etwas zu sehen das er sonst zuverlässig übersieht.
Du kennst den Vorgang bereits
Denk einmal an einen Namen der dir nicht einfallen wollte. Du hast ihn gesucht und du hast ihn nicht gefunden und irgendwann hast du aufgegeben und etwas anderes gemacht. Und zwei Stunden später stand er plötzlich da ohne dass du noch einmal danach gesucht hättest. In diesen zwei Stunden hat jemand gearbeitet und du warst es nicht. Jedenfalls nicht der Teil von dir der gerade diesen Satz liest. Genau dieser andere Teil ist derjenige mit dem in einer Trance gearbeitet wird und er arbeitet ohnehin pausenlos. Die Frage ist überhaupt nicht ob es ihn gibt. Die Frage ist nur ob er dabei allein bleibt oder ob ihr euch abstimmt.
Dieselbe Erfahrung machst du beim Autofahren wenn du am Ziel ankommst und dich an die Strecke nicht erinnerst. Oder morgens beim Aufwachen wenn eine Entscheidung plötzlich klar ist über die du am Abend noch gegrübelt hast. Diese Vorgänge sind so gewöhnlich dass niemand sie bemerkenswert findet und sie sind trotzdem der ganze Beweis.
Dein Unbewusstes hält bereits dein Leben zusammen während du an andere Dinge denkst.
Veränderung läuft in beide Richtungen
Viele Menschen erwarten dass Veränderung von oben nach unten verläuft. Du verstehst etwas über dich und danach handelst du anders. Das funktioniert manchmal und sehr oft funktioniert es eben nicht. Jeder kennt Dinge über sich die er seit Jahren versteht und trotzdem unverändert weiter tut. Einsicht allein bewegt erstaunlich wenig. Deutlich interessanter ist die andere Richtung. Etwas verändert sich zuerst und dein Verstand bemerkt es erst hinterher. Du merkst dass du in einer bestimmten Situation anders reagiert hast und du könntest beim besten Willen nicht sagen wann du das entschieden hast. Dieses Bemerken ist kein netter Nebeneffekt sondern es ist der Moment in dem die Arbeit greifbar wird.
In dem Moment in dem du etwas verstehst öffnet sich etwas. Darum sind die Momente des Verstehens die wertvollsten Augenblicke in dieser ganzen Arbeit. Wer das einmal erlebt hat geht anders mit sich um. Du fängst an deine eigenen Reaktionen zu beobachten wie jemand der ein Experiment begleitet. Das nimmt vielen Situationen die Schwere weil du nicht mehr mitten drin steckst sondern auch ein Stück weit danebenstehst.
Was daraus im Alltag entsteht
Wenn beide Ebenen zusammenarbeiten dann passiert etwas das sich schwer herbeireden lässt. Du bemerkst eine Kleinigkeit an dir und sie ärgert dich nicht sondern sie interessiert dich. Und aus diesem Interesse heraus entscheidest du bewusst etwas anders zu machen. Diese bewusste Entscheidung ist dann keine Willensanstrengung gegen dich selbst. Sie ist eine Reaktion auf etwas das sich ohnehin schon bewegt hat. Das fühlt sich leicht an und genau deshalb hält es auch. Veränderungen die du dir abringen musst halten nur so lange wie die Kraft reicht. Das ist der eigentliche Ertrag dieser Arbeit. Nicht ein Zustand den dir jemand verschafft hat sondern eine Zusammenarbeit die vorher nicht da war. Und sie läuft weiter lange nachdem die letzte Sitzung vorbei ist.
Warum das kein Kontrollverlust ist
Die häufigste Sorge vor einer Trance lautet dass man dabei die Kontrolle abgibt. In Wahrheit passiert das Umgekehrte. Du bekommst Zugang zu einem Teil von dir der bisher ohne jede Abstimmung gearbeitet hat und der dabei sehr wohl Entscheidungen getroffen hat. Deshalb gehört zu dieser Arbeit auch ein Punkt der oft übersehen wird. Dein Unbewusstes darf Nein sagen. Was es ablehnt wird nicht durchgesetzt und es muss dafür auch keine Begründung liefern. Gerade deshalb bedeutet sein Ja überhaupt etwas. Eine Veränderung gegen den eigenen inneren Widerstand hält ohnehin nie und sie kostet auf dem Weg dahin unnötig viel.
Wer das verstanden hat geht mit einer anderen Haltung in so eine Arbeit hinein. Nicht als jemand der sich etwas machen lässt sondern als jemand der sich mit sich selbst an einen Tisch setzt. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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