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Augen auf bei der Partnerwahl

Autorenbild: Florian Stotz
Florian Stotz
vor 14 Stunden
10 Min. Lesezeit

Wie Du erkennst ob ein Mensch es wirklich ehrlich mit Dir meint, bei Männern ebenso wie bei Frauen.


»Augen auf bei der Partnerwahl«, sagte mir einmal ein alter Mann. Damals habe ich über den Satz geschmunzelt, weil er so altmodisch klang. Heute halte ich ihn für eine der klügsten Lebensweisheiten, die man einem Menschen mitgeben kann. Denn kaum eine Entscheidung prägt unser Leben so sehr wie die Wahl des Menschen, mit dem wir es teilen. In den letzten Jahren wird viel über Männer gesprochen die Frauen ausnutzen, manipulieren oder kontrollieren. Diese Aufklärung ist wichtig und richtig, denn solche Männer gibt es und sie richten großen Schaden an. Doch es gibt auch die andere Seite über die seltener gesprochen wird. Es gibt Frauen die auf den ersten Blick liebevoll, ehrlich und zugewandt wirken und in Wahrheit eine ganz andere Absicht verfolgen. Dieser Artikel möchte beide Seiten beleuchten, ohne eine davon zu verharmlosen.


Feminismus heißt Augenhöhe


Bevor wir über Warnsignale sprechen, ist mir eine Klarstellung wichtig. Feminismus bedeutet im Kern, dass Frauen und Männer die gleiche Würde, die gleichen Rechte und die gleichen Chancen haben. Er steht für eine Begegnung auf Augenhöhe. Und Augenhöhe funktioniert nur, wenn sie von beiden Seiten gelebt wird. Sie bedeutet gleiche Rechte, aber auch gleiche Verantwortung für das eigene Verhalten. Jede wertvolle Idee kann allerdings missbraucht werden. Manche Männer berufen sich auf Tradition oder auf ein bestimmtes Bild von Männlichkeit, um Kontrolle über ihre Partnerin zu rechtfertigen.


Und manche Frauen nutzen den Feminismus als Vorwand, um unerreichbar zu bleiben und sich jedes Verhalten zu rechtfertigen. Kritik wird dann sofort als Angriff auf Frauen umgedeutet, und die eigene Verantwortung verschwindet hinter einem großen Begriff. Das hat mit dem eigentlichen Gedanken des Feminismus wenig zu tun. Wer Augenhöhe einfordert, muss sie auch selbst anbieten.


Manipulation hat kein Geschlecht


Die Forschung zeichnet hier ein differenziertes Bild. Schwere körperliche Gewalt in Partnerschaften geht statistisch deutlich häufiger von Männern aus, und Frauen sind davon in besonderem Maße betroffen. Bei emotionaler Gewalt sieht es anders aus. Dazu gehören Abwertung, Kontrolle, Schuldzuweisung und emotionale Erpressung. Studien zeigen, dass solches Verhalten bei beiden Geschlechtern vorkommt. Männer, die davon betroffen sind, sprechen allerdings seltener darüber, weil sie sich schämen oder befürchten, nicht ernst genommen zu werden.


Die Therapeutin Susan Forward hat emotionale Erpressung genauer beschrieben. Sie erkannte, dass sie meist mit drei Hebeln arbeitet, nämlich mit Angst, Verpflichtung und Schuld. Ein Satz wie »Wenn Du mich wirklich lieben würdest, dann würdest Du…« ist ein typisches Beispiel. Er setzt Liebe als Druckmittel ein, und er funktioniert unabhängig davon, ob ihn ein Mann oder eine Frau ausspricht.


Wenn sich ein Mensch nach der Hochzeit verändert


Ein Fall zeigt besonders deutlich, wie tückisch solche Muster sein können. Ein Mann hatte mit seiner Partnerin vor der Ehe eine wunderbare Zeit. Sie war warmherzig, aufmerksam und verständnisvoll, und er hatte das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Doch kurz nach der Hochzeit veränderte sich etwas. Sie begann zu kontrollieren, mit wem er sich traf und wie er sein Geld ausgab. Wenn er eigene Wege ging, reagierte sie mit Rückzug, Vorwürfen oder Tränen. Und immer häufiger fielen Sätze, die ihm Schuldgefühle machten, bis er schließlich kaum noch eigene Entscheidungen traf.


Warum zeigen sich solche Muster manchmal erst nach einer festen Bindung? Eine mögliche Erklärung liegt im Gefühl der Sicherheit. Solange ein Mensch befürchtet, den anderen zu verlieren, hält er bestimmte Seiten zurück. Sobald die Bindung gesichert scheint, etwa durch eine Ehe, ein gemeinsames Kind oder eine gemeinsame Wohnung, fällt diese Zurückhaltung weg. Oft stecken dahinter tiefe Ängste, etwa die Angst, verlassen zu werden, oder das Bedürfnis, über Kontrolle Sicherheit zu gewinnen. Das erklärt solches Verhalten, aber es rechtfertigt es nicht.


Warnsignale, die Du früh erkennen kannst


Viele dieser Muster kündigen sich lange vorher an, wenn auch oft nur leise. Die folgenden Signale gelten für Männer ebenso wie für Frauen:


  • Zu viel, zu schnell. Ein Mensch überschüttet Dich gleich zu Beginn mit Komplimenten, Geschenken und Liebesbekundungen und drängt auf schnelle Verbindlichkeit. Fachleute sprechen von Love Bombing. Echte Zuneigung wächst mit der Zeit und braucht keine Eile.

  • Worte und Taten passen nicht zusammen. Ein Mensch sagt Dir, wie wichtig Du ihm bist, doch sein Verhalten erzählt eine andere Geschichte. Achte darauf, was jemand tut, und nicht nur darauf, was er sagt.

  • Die Art, über frühere Partner zu sprechen. Wenn alle früheren Partner angeblich verrückt, böse oder schuld waren, solltest Du aufmerksam werden. Ein reifer Mensch kann auch seinen eigenen Anteil an einer gescheiterten Beziehung sehen.

  • Kein Nein wird akzeptiert. Achte darauf, wie jemand reagiert, wenn Du eine Grenze setzt, auch bei Kleinigkeiten. Wer schon ein kleines Nein mit Schmollen, Druck oder Vorwürfen beantwortet, wird es bei großen Dingen kaum anders tun.

  • Eifersucht als Liebesbeweis. Eifersucht wird oft als Zeichen großer Liebe verkauft. Wenn sie aber dazu führt, dass Du Dich rechtfertigen musst oder Freunde seltener siehst, ist sie ein Kontrollinstrument.

  • Heiß und kalt. Ein Mensch wechselt zwischen großer Nähe und plötzlichem Rückzug, ohne dass Du verstehst warum. Diese Unberechenbarkeit bindet uns paradoxerweise oft stärker, weil wir ständig auf die nächste warme Phase hoffen.

  • Wie jemand mit anderen umgeht. Beobachte, wie ein Mensch mit der Bedienung im Restaurant spricht, mit seiner Familie oder mit Menschen, die ihm nichts nützen. Früher oder später wird er Dich genauso behandeln.

  • Nie eine echte Entschuldigung. Jeder Mensch macht Fehler. Entscheidend ist, ob jemand Verantwortung übernehmen kann oder ob die Schuld immer bei anderen liegt.

  • Die Geschichte wird umgeschrieben. Wenn ein Mensch Dir wiederholt einredet, dass Dinge nie passiert sind oder ganz anders waren, und Du beginnst, an Deiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, ist das ein ernstes Warnsignal.


Anzeichen für Untreue


Eine besonders schmerzhafte Form des Vertrauensbruchs ist die Untreue. Bevor wir über mögliche Anzeichen sprechen, ist eine Warnung wichtig. Keines dieser Zeichen ist für sich allein ein Beweis. Menschen verändern sich aus vielen Gründen, etwa durch Stress im Beruf, eine persönliche Krise oder einfach durch eine neue Lebensphase. Wer jedes kleine Signal als Beweis deutet, zerstört eine Beziehung durch Misstrauen, auch wenn gar nichts geschehen ist. Wer meinen Artikel über Selbstreflexion gelesen hat, kennt die entscheidende Frage. Woran mache ich das konkret fest? Aufmerksam werden darfst Du vor allem dann, wenn mehrere Veränderungen zusammenkommen und sich über längere Zeit zeigen:


  • Plötzliche Geheimhaltung. Das Handy liegt auf einmal immer mit dem Display nach unten, wird nie mehr aus der Hand gegeben oder bekommt ein neues Passwort. Nachrichten werden gelöscht oder heimlich gelesen.

  • Veränderte Gewohnheiten. Es gibt plötzlich häufiger Überstunden, Geschäftsreisen oder Termine, die sich schwer nachvollziehen lassen. Erzählungen über den Tagesablauf werden vage oder widersprechen sich.

  • Emotionale Distanz. Der Partner wirkt abwesend, teilt kaum noch etwas aus seinem Inneren und zeigt wenig Interesse an Deinem Leben. Die Nähe, die vorher selbstverständlich war, verschwindet langsam.

  • Abwehr bei harmlosen Fragen. Eine einfache Frage nach dem Abend wird mit Gereiztheit oder heftiger Verteidigung beantwortet. Manchmal kommt sogar ein Vorwurf zurück, dass Du selbst untreu seist. Die Psychologie nennt das Projektion.

  • Ein neuer Name, der auffällt. Eine bestimmte Person wird zunächst sehr häufig erwähnt und taucht dann plötzlich gar nicht mehr in den Gesprächen auf.

  • Veränderungen in der Intimität. Die körperliche Nähe nimmt deutlich ab, oder sie verändert sich auf eine Weise, die Du Dir nicht erklären kannst.


Untreue beginnt dabei nicht immer im Schlafzimmer. Die amerikanische Psychologin Shirley Glass hat beschrieben, wie emotionale Affären entstehen, oft aus einer harmlosen Freundschaft heraus. Sie verwendet dafür ein schönes Bild von Mauern und Fenstern. In einer gesunden Beziehung gibt es ein offenes Fenster zwischen den Partnern und eine schützende Mauer gegenüber Dritten.


Bei einer Affäre kehrt sich das um. Mit der dritten Person werden intime Gedanken geteilt, und gegenüber dem eigenen Partner entsteht eine Mauer aus Geheimnissen. Wenn Du mehrere dieser Zeichen bemerkst, hilft meist weder heimliches Nachspionieren noch eine wütende Anklage. Hilfreicher ist ein offenes und ruhiges Gespräch, in dem Du Deine Beobachtungen und Gefühle schilderst, ohne den anderen sofort zu verurteilen.


Woran Du echtes Interesse erkennst


Genauso wichtig wie die Warnsignale sind die Zeichen, an denen Du erkennst, dass es ein Mensch ehrlich mit Dir meint. Ein Mensch mit echtem Interesse ist beständig. Sein Verhalten ist verlässlich, und Du musst nicht rätseln, woran Du bei ihm bist. Er ist neugierig auf Dich, auf Deine Gedanken, Deine Geschichte und Deine Träume. Er stellt Fragen, weil er Dich verstehen will, und nicht, um etwas über Dich herauszufinden, das ihm nützt. Er respektiert Deine Grenzen und kann ein Nein annehmen, ohne beleidigt zu sein.


Ein solcher Mensch unterstützt Dein Leben, statt es zu verkleinern. Er freut sich über Deine Freundschaften, Deine Ziele und Deine Erfolge. In einer gesunden Beziehung gibt es ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen, auch wenn es nicht jeden Tag perfekt ausgeglichen ist. Und vor allem fühlst Du Dich in seiner Nähe wertgeschätzt. Du musst Dich nicht verstellen, nicht ständig beweisen und keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Wer meinen Artikel über erwachsene Liebe gelesen hat, findet dort mehr über eine Liebe, die frei lässt und trotzdem trägt.


Locker ist nicht gleich verbindlich


Viele Männer kennen Frauen, mit denen etwas Lockeres wunderbar funktioniert. Man lacht viel, die Anziehung ist groß und die gemeinsame Zeit fühlt sich leicht an. In einer festen Beziehung würden genau diese Frauen ihnen aber sehr wahrscheinlich das Leben kaputt machen. Umgekehrt gilt das genauso für Frauen. Auch sie begegnen Männern, die charmant und aufregend sind und für eine lockere Verbindung perfekt erscheinen, die als Partner auf Dauer aber viel Unglück in ihr Leben bringen würden

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Manchmal liegt das einfach an der Passung, weil Werte und Lebensziele nicht zusammenpassen. Doch nicht immer ist es so harmlos. Es gibt Menschen, bei denen es gar nicht um unterschiedliche Werte geht, sondern um grundlegend ungesunde Muster. Sie kontrollieren, manipulieren, werten ab oder spielen Spielchen mit den Gefühlen anderer. In einer lockeren Begegnung fällt das oft kaum auf, weil die Verbindung an der Oberfläche bleibt. In einer festen Beziehung dagegen zeigen sich diese Muster mit voller Wucht, und sie werden einen Menschen auf Dauer nicht glücklich machen.


Solche Menschen sollte man gehen lassen und es auch dabei belassen. Viele hoffen insgeheim, dass sie den anderen mit genug Liebe verändern können. Doch ein Mensch verändert sich nur, wenn er selbst erkennt, dass er etwas verändern will, und wenn er bereit ist, ernsthaft an sich zu arbeiten. Solange das nicht geschehen ist, führt jeder neue Versuch nur zu neuem Unglück. Bemerkenswert ist dabei, dass gerade diese Menschen oft erst im Nachhinein merken, was sie hatten. Sie melden sich Monate später, sind plötzlich voller Reue und versprechen, dass alles anders wird. Doch Worte allein ändern keine Muster. Wenn sich ein Mensch in seinem Verhalten nicht wirklich verändert hat, wird sich die alte Geschichte wiederholen.


Den anderen gehen zu lassen, ist dabei auch ein Akt von Klarheit. Wir lassen ihm den Freiraum, Menschen auf derselben Ebene zu begegnen wie er selbst. Und wir schenken uns den Raum, einem Menschen zu begegnen, der wirklich zu uns passt. Wer sich für etwas Lockeres entscheidet, sollte trotzdem ehrlich sein, damit beide wissen, worauf sie sich einlassen und niemand auf etwas hofft, das der andere nicht geben will.


Warum wir bei Menschen bleiben, die uns kleinmachen


Die vielleicht wichtigste Frage dieses Artikels richtet sich nicht an den anderen, sondern an uns selbst. Warum bleiben manche Menschen bei Partnern, die sie abwerten, kontrollieren oder erniedrigen? Und warum fühlen sie sich ausgerechnet zu solchen Menschen immer wieder hingezogen? Eine Antwort liegt oft tief in uns verborgen. Viele Menschen tragen unbewusst die Überzeugung in sich, nicht liebenswert oder nicht wertschätzenswert zu sein. Diese Überzeugung entsteht meist früh im Leben, wenn ein Kind wenig Wärme, Anerkennung oder Sicherheit erfahren hat. In meinem Artikel über Selbstreflexion habe ich die Schematherapie von Jeffrey Young beschrieben. Er spricht etwa vom Schema der Unzulänglichkeit und Scham oder vom Schema der Verlassenheit. Wer ein solches Schema in sich trägt, fühlt sich bei einem Menschen, der ihn abwertet, auf seltsame Weise zu Hause. Denn dieser Mensch bestätigt, was er tief in sich ohnehin über sich glaubt.


Sigmund Freud hat dieses Phänomen als Wiederholungszwang beschrieben. Wir neigen dazu, alte Beziehungsmuster immer wieder zu inszenieren, oft in der unbewussten Hoffnung, dass es dieses Mal anders ausgeht. Ein Satz aus dem Roman »Das also ist mein Leben« von Stephen Chbosky bringt es auf den Punkt. Wir akzeptieren die Liebe, von der wir glauben, dass wir sie verdienen. Hinzu kommt ein Mechanismus, den die Psychologen Donald Dutton und Susan Painter als traumatische Bindung beschrieben haben. Wenn sich Phasen von Zuwendung und Abwertung unberechenbar abwechseln, entsteht oft eine besonders starke Bindung. Das Gehirn reagiert auf die seltenen warmen Momente mit großer Erleichterung und hofft immer wieder auf die nächste. Deshalb fällt es Menschen in solchen Beziehungen so schwer zu gehen, selbst wenn sie längst wissen, dass ihnen die Beziehung schadet.


Der Weg heraus beginnt deshalb nicht beim anderen, sondern bei uns selbst. Es geht darum, den eigenen Wert zu erkennen und zu lernen, dass wir Respekt und Wertschätzung verdienen, und zwar ohne Bedingungen. Wir müssen Menschen nicht festhalten, die uns kleinmachen. Und je mehr wir uns selbst wertschätzen, desto klarer erkennen wir, wer uns guttut und wer nicht. Bei tief verwurzelten Mustern kann eine therapeutische Begleitung dabei eine große Hilfe sein.


Der Blick nach innen und offene Kommunikation


Bei aller Aufmerksamkeit für die Muster anderer Menschen gehört zur Ehrlichkeit auch der Blick auf uns selbst. Niemand von uns kommt ohne Prägungen in eine Beziehung. Vielleicht neigen wir selbst zu Eifersucht, ziehen uns bei Konflikten zurück oder klammern, sobald wir Angst haben, verlassen zu werden. Vielleicht haben wir gelernt, unsere Bedürfnisse zu verschweigen, und machen dem anderen später Vorwürfe, weil er sie nicht erraten hat. Es lohnt sich, die eigenen Muster ehrlich zu reflektieren. Welche Verhaltensweisen wiederholen sich in meinen Beziehungen? Welche Rolle spiele ich, wenn es schwierig wird? Und wie wirken sich meine Muster auf den Menschen an meiner Seite aus? Wer diese Fragen stellt, übernimmt Verantwortung für seinen eigenen Anteil. Und genau das unterscheidet eine erwachsene Beziehung von einem ständigen Kreislauf aus Schuldzuweisungen.


Der zweite Schritt ist die offene Kommunikation über die eigenen Bedürfnisse. Viele Menschen hoffen insgeheim, dass der Partner von selbst spürt, was sie brauchen. Doch niemand kann Gedanken lesen. Wer sich mehr Nähe, mehr Freiraum, mehr gemeinsame Zeit oder mehr Wertschätzung wünscht, sollte das klar aussprechen. In meinem Artikel über Emotionsregulation habe ich beschrieben, wie eng Gefühle und Bedürfnisse miteinander verbunden sind. Ein Satz wie »Ich fühle mich in letzter Zeit allein, und ich wünsche mir mehr gemeinsame Abende mit Dir« öffnet ein Gespräch. Ein Satz wie »Du hast ja nie Zeit für mich« verschließt es dagegen.


Zur offenen Kommunikation gehört auch, für sich selbst einzustehen. Das bedeutet, ehrlich zu sagen, wenn die eigenen Bedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt werden. Dann stehen wir vor einer Entscheidung. Manchmal reicht ein ehrliches Gespräch, und beide finden einen neuen Weg. Manchmal müssen wir Abstriche machen und die Nähe zu einem Menschen neu dosieren, etwa indem eine Liebesbeziehung zu einer Freundschaft wird oder wir bestimmte Erwartungen loslassen. Und manchmal ist es das Gesündeste, die Begegnung ganz sein zu lassen und getrennte Wege zu gehen. Eine solche Entscheidung ist nie leicht. Doch sie ist ein Ausdruck von Selbstachtung und auch von Respekt gegenüber dem anderen. Denn niemandem ist geholfen, wenn wir in einer Beziehung bleiben, in der wir innerlich verkümmern und still auf eine Veränderung hoffen, die nie kommt.


Zum Schluss


Augen auf bei der Partnerwahl bedeutet nicht, misstrauisch durchs Leben zu gehen oder jedem Menschen böse Absichten zu unterstellen. Die meisten Menschen meinen es gut, und viele ungesunde Verhaltensweisen entstehen aus eigener Verletzung und nicht aus Berechnung. Es bedeutet vielmehr, wach zu bleiben und auf das zu achten, was ein Mensch tut, und nicht nur auf das, was er sagt. Es bedeutet, Menschen mit grundlegend ungesunden Mustern gehen zu lassen, auch wenn es schwerfällt. Und es bedeutet, ebenso ehrlich auf die eigenen Muster zu schauen und offen zu sagen, was wir brauchen.


Manipulation hat kein Geschlecht und echte Liebe auch nicht. Ob Mann oder Frau, ein Mensch der es ehrlich mit Dir meint begegnet Dir auf Augenhöhe. Er respektiert Deine Grenzen, freut sich über Dein Leben und lässt Dich spüren, dass Du wertvoll bist. Und genau diesen Wert darfst Du auch Dir selbst zugestehen. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

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