top of page

Trance-Architektur 1: Warum eine einzelne Hypnose-Sitzung selten lange hält

Autorenbild: Florian Stotz
Florian Stotz
vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Es liegt nicht daran dass Hypnose nicht wirkt. Es liegt daran dass eine Veränderung einen Ort braucht an dem sie wiederkehrt.


Vielleicht kennst du das aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen von Menschen die es einmal ausprobiert haben. Jemand geht in eine Hypnose-Sitzung und kommt verändert wieder heraus und die ersten Tage danach fühlen sich tatsächlich anders an. Etwas ist leichter geworden und es gibt eine Weite die vorher nicht da war. Und dann vergehen zwei oder drei Wochen und irgendwann ist das Alte wieder da als wäre nie etwas gewesen. Die übliche Erklärung für so einen Verlauf lautet dann dass die Person eben nicht empfänglich genug war oder dass sie zu wenig mitgearbeitet hat. Manchmal heißt es auch dass Hypnose halt nicht bei jedem funktioniert. Beides stimmt in den allermeisten Fällen nicht und beides verdeckt den eigentlichen Vorgang. Was tatsächlich passiert ist viel einfacher und es hat weniger mit dir zu tun als mit der Natur von Veränderung selbst.


Eine neue Erfahrung löscht die alte nicht


Wenn du in einer Sitzung eine starke neue Erfahrung machst dann legt sich diese Erfahrung über die alte. Sie ersetzt sie aber nicht und das ist der entscheidende Punkt. Das Alte liegt weiterhin darunter und es wartet dort geduldig. Und sobald der Alltag mit Stress oder Müdigkeit oder einer unerwarteten Situation kommt greift wieder das was tiefer liegt und länger geübt ist. Das ist kein Versagen und auch kein Zeichen dafür dass du anders gebaut wärst als andere Menschen. Dein Gehirn verwirft ein über Jahre eingeschliffenes Muster nicht nach neunzig Minuten und es wäre auch ziemlich unklug wenn es das täte. Es legt stattdessen eine zweite Spur daneben und benutzt sie solange sie frisch und leicht erreichbar ist. Wenn diese Spur nicht regelmäßig benutzt wird dann verwächst sie wieder.

Eine Veränderung die nur in einem Raum stattgefunden hat bleibt an diesen Raum gebunden.

Genau das erklärt auch warum die Erfahrung selbst oft so eindrucksvoll ist und trotzdem nichts nachkommt. Die Tiefe des Erlebnisses sagt wenig darüber aus ob es tragen wird. Es gibt bewegende Sitzungen ohne jede Wirkung im Alltag und es gibt unspektakuläre Sitzungen nach denen sich über Wochen etwas verschiebt.


Was eine aufgebaute Reihe anders macht


Eine Reihe arbeitet nicht mit mehr Intensität sondern mit mehr Wiederkehr und das klingt deutlich unspektakulärer als es ist. Drei Berührungen über fünf Wochen verteilt wirken stärker als fünfzehn Berührungen an einem einzigen langen Nachmittag. Der Abstand ist dabei kein Zugeständnis an den Terminkalender sondern er ist der eigentliche Wirkstoff. Dazu kommt ein zweiter Punkt der vielleicht noch wichtiger ist. In einer Reihe wird jede Sitzung zur Referenz für die nächste. Du kommst beim dritten Termin nicht mehr mit der Frage ob das überhaupt funktioniert sondern du bringst zwei eigene Erlebnisse mit die zeigen dass es das tut. Diese Erlebnisse stammen aus deinem Leben und nicht aus einer Erklärung die dir jemand gegeben hat. Sie lassen sich darum auch nicht wegdiskutieren und sie halten auch dann wenn der innere Skeptiker sich wieder meldet.


Nach der vierten Sitzung ist die Frage ob dein Unbewusstes arbeitet nicht mehr strittig. Es gibt vier Belege und alle vier sind deine eigenen. Diese Beweise bauen sich von selbst auf und du musst dafür nichts tun. Es reicht dass du berichtest was dir zwischen den Terminen aufgefallen ist. Oft sind es Kleinigkeiten die du beim ersten Mal noch für Zufall hältst und beim dritten Mal nicht mehr.


Der Alltag ist der eigentliche Arbeitsplatz


Der entscheidende Schritt passiert nicht im Sitzungsraum sondern danach und darüber wird selten gesprochen. Eine Veränderung die hält braucht Orte an denen sie von selbst wieder anspringt. Deine Wohnungstür. Der Moment bevor du einen Besprechungsraum betrittst. Das Schnüren deiner Schuhe bevor du laufen gehst. Solche Punkte lassen sich mit einem Zustand verbinden und dann brauchst du selbst gar nichts mehr abzurufen. Du gehst durch deinen Tag wie immer und etwas stellt sich bereit ohne dass du daran denkst. Das ist der Unterschied zwischen einer schönen Erfahrung und einer tragenden Veränderung und es ist auch der Grund warum manche Menschen nach einer Reihe sagen dass sie gar nicht genau sagen können wann es gekippt ist.


Deshalb dauert ein Vorgespräch bei dieser Arbeit länger als viele erwarten. Es geht dabei nicht nur um dein Anliegen sondern um deine Welt. Wie sieht deine Wohnungstür aus und welchen Weg gehst du morgens und wer begegnet dir dabei regelmäßig. Diese Details sind kein freundliches Beiwerk sondern sie sind das Material aus dem später gearbeitet wird. Ein Anker an einer Tür die anders aussieht als beschrieben springt im Alltag einfach nicht an.


Woran du merkst dass es trägt


Das verlässlichste Zeichen ist erstaunlich unspektakulär und genau deshalb wird es oft übersehen. Du erzählst von einer Situation die leichter war als sie früher gewesen wäre und dir fällt erst beim Erzählen auf dass sie leichter war. Du hast nichts angewendet und nichts abgerufen und an keiner Stelle an die Sitzung gedacht. Es war einfach anders. Wenn dir eine Veränderung dagegen erst auf Nachfrage einfällt dann ist sie noch nicht dort angekommen wo sie hingehört. Das ist kein Grund aufzuhören und auch kein schlechtes Zeichen. Es ist ein Hinweis darauf was als Nächstes dran ist und eine gute Begleitung nimmt diesen Hinweis ernst statt einfach weiterzumachen.


Am Ende entscheidet nicht die Kraft einer einzelnen Erfahrung darüber ob sich dein Leben verändert. Es entscheidet die Frage ob diese Erfahrung einen Ort gefunden hat an dem sie wiederkehrt. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈



Kommentare


bottom of page