Submodalitäten und Submodalitätsveränderungen – Teil 2
- Florian Stotz

- 26. Aug. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Aug.
Wie Du Dein Leben mit der Veränderung Deiner Submodalitäten positiv beeinflusst.
Wenn Du Dich erinnerst, sind die Submodalitäten nach dem Modell des NLP die feinsten Untereigenschaften Deiner Sinne. Jede von ihnen kannst Du Dir wie einen Drehknopf vorstellen, mit dem Du eine Erinnerung etwa farbiger oder schwarzweißer gestalten kannst. Dein Gehirn speichert und bewertet Deine Erinnerungen anhand dieser Submodalitäten. Ob ein inneres Bild hell oder dunkel ist, ob eine Stimme laut oder leise klingt, ob ein Gefühl warm oder kühl ist, all das beeinflusst unmittelbar die Intensität Deines Erlebens. Richard Bandlers Entdeckung war, dass nicht der Inhalt einer Erinnerung bestimmt, wie wir uns fühlen, sondern ihre Struktur, und damit die Submodalitäten selbst. Wer sein Gehirn nicht nur besitzen, sondern aktiv nutzen will, sollte diese Drehknöpfe kennen und bewusst verändern lernen. Bist Du bereit, das Potenzial Deines Gehirns noch mehr auszuschöpfen?
Die kleinste Veränderung kann eine Lawine im Leben in Gang setzen
Manche unserer Submodalitäten sind miteinander verbunden. Veränderst Du eine, verändert sich oft eine andere automatisch mit. In einem meiner Trainings hatte ich einmal den Fall, dass die Erinnerung einer Person in der Farbe Blau abgespeichert war. Als wir sie in Rot umwandelten, veränderte sich nicht nur die visuelle Eigenschaft. Zuvor, in Blau, empfand die Person die Erinnerung als emotional kühl und ablehnend. In Rot wurde dieselbe Erinnerung als warm und geborgen erlebt. Die Veränderung einer visuellen Submodalität hat hier eine kinästhetische (auch: fühlende) Submodalität mitverändert. Du siehst, schon die Veränderung einer einzigen Submodalität kann einen großen Unterschied in Deinem Erleben ausmachen.
Kurzurlaub mit Paul Watzlawick und der Palo-Alto-Gruppe
Als ich vor einigen Tagen voller Begeisterung einer guten Freundin vom Bateson-Projekt und der Palo-Alto-Gruppe am Mental Research Institute erzählte, entgegnete sie mir: „Die haben dort bestimmt gekifft und zusammen großartige Ideen gefunden." Ob in der Palo-Alto-Gruppe bewusstseinsverändernde Substanzen im Spiel waren, kann ich nicht sagen. Möglich wäre es, denn Substanzkonsum begleitet manche Milieus stärker, als es nach außen scheint. Mancher professionelle Auftritt ist in Wahrheit eine Maske, hinter der ein hoher innerer Druck verborgen liegt. Aber zurück zur Palo-Alto-Gruppe, die in den 1960er und 1970er Jahren in ihrem Modell der Kurzzeittherapie (auch: Brief Therapy) und ihrer Kommunikationstheorie unter anderem Folgendes entdeckte:
Eine kleine, strategisch kluge Veränderung wirkt oft stärker als der Versuch, alles auf einmal zu ändern. Nimm Dir lieber eine kleine Sache vor, verändere sie und gehe dann zur nächsten über. So stärkst Du Dein Selbstvertrauen, Deinen Selbstglauben und Deine Willenskraft.
Schon kleinste Verschiebungen in Bedeutung oder Struktur können Rückkopplungen im ganzen System auslösen.Unsere Erfahrungen, Gefühle und Verhaltensmuster bilden Systeme, in uns selbst aus Gedanken, Emotionen und Körperreaktionen, und im Außen aus Familie, Team und Partnerschaft. In solchen Systemen hängen die Elemente oft kreisförmig zusammen, daher der Begriff Rückkopplung: Ein Gedanke beeinflusst ein Gefühl, das Gefühl das Verhalten, und das Verhalten ruft bei anderen eine Reaktion hervor, die wiederum auf unsere Gedanken zurückwirkt. Deshalb lege ich als Trainer viel Wert darauf, Deine unbewussten Strategien zu optimieren, denn eine kleine Veränderung darin kann eine große Veränderung in Deinem Leben bewirken. Wenn Dich meine Workshops interessieren, findest Du hier mehr Informationen.
Paul Watzlawick, ein zentraler Kopf der Palo-Alto-Gruppe, beschrieb in „Anleitung zum Unglücklichsein“ und „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?", dass Probleme oft durch starre, immer gleiche Lösungsversuche verstärkt werden. Ein anderes Handeln, nicht unbedingt ein mehr oder größer, stößt Veränderung an. Das Lösen eines Problems mit mehr vom Selben nannte er Lösung erster Ordnung, das Lösen mit einer neuen Herangehensweise Lösung zweiter Ordnung.
Im Lauf der Zeit werde ich noch viele weitere Artikel schreiben, in denen auch wertvolle Gedanken von Paul Watzlawick und der Palo-Alto-Gruppe stecken. Vor allem möchte ich auf Gregory Bateson, Alfred Korzybski und Noam Chomsky aufmerksam machen. Wer diese Menschen genau sind, erfährst Du künftig in meinen Artikeln.
Was bedeutet dieses Wissen nun für Dein selbstbestimmtes und glückliches Leben? Statt einem unbewussten Muster zu folgen und alles auf einmal ändern zu wollen, kannst Du mit einer kleinen Veränderung beginnen. Ein Beispiel? Statt am nächsten Tag gleich einen Marathon laufen zu wollen, fang mit fünfzehn Minuten Joggen an. Damit leitest Du den großen Veränderungsprozess, den Du Dir vielleicht schon lange wünschst, von selbst ein. Die Entdeckungen der Palo-Alto-Gruppe zeigen, wie viel eine kleine Veränderung bewirken kann, etwa die einer einzigen Submodalität. Manchmal ist eine große Veränderung nur einen minimalen Impuls von ihrer Verwirklichung entfernt.

Die bunte Welt der Submodalitäten im Detail
Um tiefer in die Welt der Submodalitäten einzusteigen, lohnt es sich, die wichtigsten Untereigenschaften aller Sinneskanäle zu kennen. Hier folgt eine Übersicht der wesentlichsten Submodalitäten, die Du wie Drehknöpfe zur Veränderung Deines Erlebens nutzen kannst:
Visuelle Submodalitäten:
Farbe: Farbig oder schwarzweiß?
Schärfe: Scharf oder unscharf?
Helligkeit: Hell oder dunkel?
Komplexität: Gibt es Details im Vorder- und/oder Hintergrund?
Größe: Wie groß ist das Bild bzw. der Film jener Erinnerung?
Rahmen: Gibt es einen Rahmen um das Bild bzw. dem Film?
Position: Welche Position nimmt das Bild bzw. der Film im Raum ein?
Film / Standbild: Siehst Du einen Film oder ein Standbild?
Ausrichtung: Ist das Bild geneigt oder gekippt?
Assoziiert / Dissoziiert: Siehst Du Dich selbst, oder siehst Du die Ereignisse so, als wenn Du vor Ort alles durch Deine eigenen Augen wahrnimmst?
Auditive Submodalitäten:
Lautstärke: Laut oder leise?
Geschwindigkeit: Schnell oder langsam?
Mono / Stereo: Hörst Du es auf einer Seite, auf beiden Seiten oder ist der Klang überall um Dich herum?
Kommentar: Kommentierst Du im Inneren was Du gerade siehst? Was sagst Du und wie sagst Du es?
Modulation: Welche Teile sind betont?
Melodie: Ist es monoton oder gibt es melodische Variationen?
Tonlage: Ist die Tonlage höher oder tiefer?
Tonalität: Ist die Tonalität nasal, volltönend, klangvoll, dünn oder heiser?
Position: Hörst Du es von innen oder von außen? Aus welcher Richtung kommt der Ton?
Assoziiert / Dissoziiert: Ist der Ton im Kopf oder außerhalb vom Kopf?
Kinästhetische Submodalitäten:
Qualität: Wie würdest Du die Empfindung beschreiben? Warm, kalt, entspannt oder verkrampft?
Intensität: Wie stark ist die Empfindung?
Position: Wo im Körper spürst Du die Empfindung?
Bewegung: Gibt es eine Bewegung in der Empfindung? Wenn ja, ist die Bewegung kontinuierlich, in Wellen, pulsierend oder drehend?
Richtung: Wo beginnt die Empfindung?
Dauer: Ist die Empfindung stetig oder unterbrochen?
Geschwindigkeit: Ist es eine langsame Empfindung, ein gleichmäßiger Verlauf, oder bewegt sie sich mit einem Sprung?
Assoziiert / Dissoziiert: Ist es eine Ganzkörperempfindung oder eine Empfindung an einer bestimmten Stelle am Körper?
Olfaktorische und Gustatorische Submodalitäten:
Geruchsart: Angenehm, unangenehm, süßlich, scharf oder neutral?
Geschmacksrichtung: süß, sauer, salzig, bitter oder umami?
Intensität des Geruchs und Geschmacks: stark oder schwach?
Temperatur: heiß, kalt oder lauwarm?
Textur des Geschmacks: cremig, fest, körnig oder schmelzend?
Dauer: Bleibt der Geruch bzw. Geschmack oder verändert er sich?
Richtung des Geruchs: nah oder fern?
Warum sind die olfaktorischen und gustatorischen Submodalitäten wichtig?
Wenn Du einen Blick in die Literatur des NLP wirfst, stellst Du fest, dass der olfaktorische und der gustatorische Sinneskanal gern zusammengefasst werden. Manche Autoren meinen sogar, ihre Submodalitäten ließen sich vernachlässigen. Deshalb frage ich Dich: Was macht für Dich ein vollumfängliches Erlebnis aus? Sehr wahrscheinlich sind daran alle Deine Sinne beteiligt.
Unser Geruchssinn ist nahezu direkt mit dem limbischen System verbunden. Zu ihm gehört unter anderem die Amygdala (auch: der Mandelkern), die für die Verarbeitung und Bewertung von Gefühlen wichtig ist, besonders von Angst und Bedrohung. Das limbische System ist maßgeblich an Gefühlen, Gedächtnis, Lernen, Motivation und körperlichen Reaktionen beteiligt. Daher meine ich, dass die Submodalitäten des olfaktorischen und gustatorischen Sinnes eine bedeutende Rolle für Deine Veränderung spielen, weil sie indirekt auch das limbische System beeinflussen können.
Mehr Selbstvertrauen in sozialen Beziehungen
Ist es Dir wichtig, mehr Selbstvertrauen im Umgang mit anderen Menschen zu gewinnen? Dann ist das folgende Format mit Submodalitätenveränderung ideal für Dich. Vielleicht gehörst Du zu den Menschen, die sich in der Gegenwart eines bestimmten oder mehrerer Menschen blockiert, gehemmt, ängstlich oder unsicher fühlen. Dieses Phänomen kennt man aus dem Sport ebenso wie aus dem Geschäfts- und Privatleben. Es gibt ein Mittel, um Deine Unsicherheit in Selbstvertrauen zu verwandeln. Ich empfehle Dir, dieses Format jeden Abend vor dem Schlafen anzuwenden, bis Du in der jeweiligen Situation Selbstvertrauen wahrnimmst.
Denke zunächst an den Menschen, dem gegenüber Du Dich unsicher fühlst. Wo siehst Du das Bild? Bist Du assoziiert in der Situation? Wenn ja, dissoziiere Dich und betrachte Dich selbst von außen in dieser Szene. In manchen Fällen erscheint der andere Mensch dabei größer als üblich.
Nimm nun Deine Körperempfindungen bewusst wahr und beschreibe sie mit den kinästhetischen Submodalitäten von oben. Benenne Deinen jetzigen Zustand.
Stell Dir als Nächstes einen kleinen schwarzweißen Fernseher vor, etwa einen mal einen Meter groß, mit einer winzigen Bildröhre, der einige Meter entfernt auf dem Boden steht.
Platziere den Menschen, dem gegenüber Du Dich unsicher fühlst, in diesen Fernseher hinein. Schau auf das kleine Schwarzweißbild und die winzige Gestalt darin. Wenn Du magst, setz ihr eine Clownsnase auf. Lass Deiner Kreativität freien Lauf und mach Dir einen Spaß daraus.
Zum Schluss nimmst Du Deine Körperempfindungen noch einmal bewusst wahr und benennst Deinen neuen Zustand.
Wiederhole das Format dreimal hintereinander.
Selbstverständlich kannst Du dieses Format auch nutzen, wenn Du Dich vor mehreren Menschen unsicher fühlst. Zur weiteren Differenzierung möchte ich erwähnen, dass bei einer real bedrohlichen Person das Verkleinern und Lächerlichmachen unpassend sein kann oder etwas übergehen, das ernst genommen gehört. Solltest Du Dich also in einer heiklen Situation befinden, solltest Du andere Menschen zur Unterstützung heranziehen.
Vor Kurzem fragte mich ein Bekannter, warum ich mir die Mühe mache, so viel Wissen kostenlos zu teilen, und ob das meinem Erfolg als Trainer nicht schade. Im Gegenteil, sagte ich, und entgegnete: „Ein Mensch mit beschränktem Wissen neigt dazu, es zu hüten. Wer aber immer weiterlernt, sammelt beständig neues Wissen. Und wer beständig Neues erhält, kann auch beständig teilen. Meist teilen Menschen ihr Wissen nicht, weil sie fürchten, andere könnten besser sein. Doch sag mir, wer ist Dein Konkurrent, wenn Du Dich mit niemandem misst?"
Und so frage ich Dich zum Abschluss: In was für einer Welt würden wir leben, wenn wir alle großzügig unser Wissen teilen und ein gutes Für- und Miteinander pflegen würden? Dann würden wir mit einer kleinen Veränderung einen weiteren positiven Wandel in unserer Gesellschaft anstoßen. Mit Deinem neuen Wissen wünsche ich Dir viel Freude und von Herzen alles Gute.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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