Das Metaprogramm Zufalls- und Sequentialsortierer
- Florian Stotz

- 23. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Manche Menschen brauchen die Reihenfolge, um zu verstehen. Andere brauchen den Sprung.
Jeder Mensch verarbeitet die auf ihn einströmenden Informationen auf seine Weise. Der eine hat sich daran gewöhnt, sie in einer bestimmten Form aufbereitet zu bekommen, der andere braucht dafür eine völlig andere Form. Das klingt zunächst nach einer Binsenweisheit, und die Folgen davon sind erheblich. Denn im günstigsten Fall fühlst Du Dich nur unwohl, wenn die Information nicht so geordnet ist, wie Du sie brauchst. Im häufigeren Fall erreicht sie Deine Verarbeitung überhaupt nicht mehr. Sie wird unterwegs verändert oder schlicht gelöscht. Genau das ist eine der Hauptquellen für die Missverständnisse des Alltags.
Zwei Arten, mit einem Buch umzugehen
Am leichtesten wird der Unterschied an einem kleinen Beispiel deutlich. Es gibt Menschen, die ein Buch, das sie begonnen haben, vollständig zu Ende lesen müssen, bis zur letzten Zeile, einschließlich der Anhänge. Erst danach können sie das nächste beginnen. Solche Menschen sind meist auch sonst geordnet unterwegs. Ihre Wohnung ist aufgeräumt, ihre Nachrichten sind von erstens bis letztens durchgegliedert, und sie gehen eine Sache nach der anderen an. Im NLP nennt man sie Sequentialsortierer. Sie brauchen ihre Informationen der Reihe nach, in einer Folge. Und es gibt die anderen. Sie lesen mehrere Bücher gleichzeitig, eines am Bett, eines neben der Couch und eines für die Minuten des Wartens. Manche beenden sie nie, weil der Zugewinn den Aufwand nicht lohnt. Sie blättern, bleiben irgendwo hängen und lesen sich fest. Das sind Zufallssortierer. Für sie ist es ein Genuss, das Thema zu wechseln und mehrere Dinge zugleich voranzubringen.
Woran Du beide erkennst
Sequentialsortierer verraten sich durch Ordnungswörter. Erstens, zweitens, drittens, danach, im nächsten Schritt. Sie fragen nach dem Ablauf und werden unruhig, wenn Du springst.
Zufallssortierer verraten sich dadurch, dass sie das Thema wechseln, ohne den Wechsel anzukündigen, weil er für sie gar keiner ist. Sie verknüpfen, wo andere sortieren, und sie kommen dabei von einem Gedanken zum nächsten über Brücken, die nur sie sehen.
Bei ihnen tritt allerdings auch ein typischer Nebeneffekt auf, der Lost Frame of Reference heißt, also der verlorene Bezugsrahmen. Sie verlieren sich in ihren eigenen Geschichten und müssen irgendwann fragen: Wo war ich noch gleich? Das ist kein Makel, sondern der Preis dieser Denkform, und man kann gut damit umgehen, wenn man ihn kennt.
Warum wir alle auf Sequenz getrimmt sind
Es lohnt sich zu bemerken, dass hier kein Gleichstand herrscht. Schule, Studium und Wissenschaft erziehen uns über Jahre zum folgerichtigen Denken. Die meisten Fachbücher sind streng nacheinander aufgebaut, und Lehrinhalte lassen sich nun einmal bequem in Schritte gliedern. Du bist also an Sequenz gewöhnt, ganz gleich, welches Muster Dir eigentlich näherliegt.
Und für viele Aufgaben ist das wunderbar. Eine Liste abzuarbeiten, ein Verfahren einzuhalten, eine Buchführung zu prüfen, all das gelingt sequenziell erheblich besser. Sobald Du allerdings in einer Gruppe frei und verknüpfend denken sollst, kommst Du mit diesem Muster nicht weit. Ein Brainstorming, das nach Reihenfolge verlangt, ist keines.
Wie sich das im Erinnern zeigt
Dieses Metaprogramm hört nicht bei der Information auf. Es zeigt sich ebenso darin, wie ein Mensch auf seine eigene Vergangenheit zugreift, und im NLP heißt das Zeitzugangs-Sort.
Der wahlfreie Zugriff. Diese Menschen steuern ihre Erinnerungen unmittelbar an, vom Jetzt direkt zu jedem beliebigen Punkt. Sie ordnen ihre Erinnerungen, indem sie verschiedene Zeiten miteinander vergleichen, und können zwei Zeiten gleichzeitig denken, fast wie eine Fläche. Ein Jahr in der Vergangenheit ist für sie keine lange Zeit. Sie vergessen wenig, und wenn sie einmal von etwas überzeugt sind, bleiben sie es auch.
Der schrittweise Zugriff. Diese Menschen erinnern sich der Reihe nach. Sie beginnen im Jetzt und gehen durch alle Erinnerungen rückwärts, bis sie bei der gesuchten Zeit angekommen sind. Für sie ist Zeit lang, und rückwärtszugehen ist mühsam, außer eben Schritt für Schritt. Sie ändern häufiger ihre Meinung und sind vergesslicher, und sie teilen ihr Leben in Abschnitte ein.
Wenn Du also jemandem eine Erinnerung entlocken willst und es dauert, liegt das nicht an mangelndem Willen. Er läuft gerade die Strecke ab.
Die eigentliche Kunst: das Umschalten
Und hier liegt der praktische Kern dieses Artikels. Wer nur ein Muster hat, ist darauf angewiesen, dass die Welt ihm entgegenkommt. Wer umschalten kann, ist frei. Nimm ein Gespräch mit einem Menschen, der streng nach Reihenfolge arbeitet, etwa in einer geschäftlichen Besprechung. Wenn Du dort springst, verlierst Du ihn, und zwar unabhängig davon, wie gut Dein Gedanke war. Arbeitest Du dagegen seine Liste in seiner Reihenfolge ab, spart ihr beide Zeit und kommt tatsächlich zu einem Ergebnis. Das mag Dir als Zufallssortierer nicht gefallen. Es ist trotzdem das Wirksamere.
Im NLP nennt man diese Fähigkeit Packaging, also das Verpacken der eigenen Information in die Form, in der sie beim anderen ankommt. Und je mehr Metaprogramme Deines Gegenübers Du dabei berücksichtigst, desto schneller entsteht Vertrauen. Der Satz, den Du dann irgendwann hörst, lautet sinngemäß: Endlich versteht mich jemand.
Eine strukturierte Form des Springens
Zum Schluss noch ein Gedanke, der beides verbindet und der zu dem gehört, womit ich am liebsten arbeite. Gehirngerechtes Lernen gelingt besonders gut über gestaffelte Metaphern, also über ineinander verschachtelte Geschichten. Für einen Zufallssortierer ist das eine Wohltat, denn er darf springen. Und das Schöne daran ist, dass dieses Springen nur scheinbar zufällig geschieht. Nested Loops haben eine sehr genaue Struktur, sie ist für den Zuhörer nur nicht sichtbar.
Das ist meiner Erfahrung nach die reifste Form dieses Metaprogramms: Ordnung, die aussieht wie Freiheit. Wer beides beherrscht, kann einen Sequentialsortierer mitnehmen, ohne den Zufallssortierer zu langweilen. Und für Dich selbst genügt zunächst eine kleine Beobachtung. Achte in den nächsten Tagen einmal darauf, wann Du innerlich unruhig wirst, während jemand spricht. Ist es, weil er springt? Oder ist es, weil er nicht endlich zum Punkt kommt? Deine Antwort verrät Dir Dein Muster.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



Kommentare