Das Metaprogramm Überblick und Detail
- Florian Stotz

- 23. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Dieselbe Erklärung ist für den einen ein Geschenk und für den anderen eine Zumutung. Es liegt nicht am Inhalt, sondern an der Reihenfolge.
Es gibt eine Art von Missverständnis, die mir in Trainings und in Unternehmen ständig begegnet, und sie hat nichts mit Sympathie und nichts mit Intelligenz zu tun. Jemand erklärt eine Sache sorgfältig vom großen Ganzen hinab bis zur Einzelheit, und sein Gegenüber wird zunehmend unruhig, weil es zuerst ein Beispiel bräuchte, an dem sich die praktische Bedeutung zeigt. Beide bemühen sich, und beide fühlen sich am Ende nicht verstanden. Dahinter liegt der Chunk-Size-Sort, also die Frage nach der Größe der Informationseinheiten, in denen ein Mensch am liebsten denkt.
Warum wir überhaupt in Häppchen denken
Unser Bewusstsein kann nur eine begrenzte Menge an Information zugleich verarbeiten, in der Regel sieben Einheiten plus minus zwei. Und dieser Wert gilt für einen ausgeruhten Menschen. Unter Stress schrumpft die Aufnahmefähigkeit auf zwei Einheiten oder sogar auf eine einzige. Diese Einheiten nennt man Chunks. Statt jede kleine Information einzeln aufzunehmen, gruppieren wir sie zu größeren Bedeutungseinheiten. Eine Einkaufsliste aus Mehl, Milch, Eiern, Nudeln, Tomaten, Käse und Butter sind sieben Einzelposten. Als Backzutaten und Nudelgericht sind es zwei. Genau dieses Zusammenfassen macht unser Denken überhaupt erst leistungsfähig. Und weil jeder Mensch dabei eine bevorzugte Größe hat, entsteht das Metaprogramm.
Die vier Ausprägungen
Spezifisch. Diese Menschen verlangen nach Einzelheiten. Wenn Du bei ihnen zu groß chunkst, wirkst Du wie ein Schwätzer, und was Du sagst, erscheint ihnen als vage Wortblase ohne Gehalt. Sie brauchen Einzelheiten in einer Reihenfolge, die ihnen sagt, womit angefangen wird und was danach kommt. Ihre Schwierigkeit liegt darin, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen.
Global. Dieser Typ will zunächst nicht mit Einzelheiten behelligt werden, sondern den großen Überblick, und fragt danach nach den Punkten, die ihm wichtig erscheinen. Kommst Du bei ihm zuerst mit Details, langweilst Du ihn. Er versteht mühelos den Zusammenhang, in dem ein Vorhaben steht, tut sich aber oft schwer damit, die einzelnen Abläufe nachzuvollziehen. Er arbeitet am besten, wenn er Einzelheiten abgeben kann.
Vom Spezifischen zum Globalen. Diese Menschen lieben den induktiven Weg. Sie bauen das Ganze Schritt für Schritt aus den Einzelheiten auf und wollen verstehen, wie eines ins andere greift.
Vom Globalen zum Spezifischen. Diese Menschen lieben den deduktiven Weg. Haben sie erst den großen Rahmen, können sie die Einzelheiten darin einordnen.
Induktion und Deduktion kurz erklärt
Weil diese beiden Begriffe hier den Unterschied tragen, lohnt ein kurzer Blick darauf.
Die Deduktion leitet das Besondere aus dem Allgemeinen ab. Alle Menschen sind sterblich, Sokrates ist ein Mensch, also ist Sokrates sterblich. Stimmt die allgemeine Regel, muss auch der Einzelfall stimmen.
Die Induktion leitet umgekehrt eine allgemeine Regel aus Einzelfällen ab. Die Sonne ging heute, gestern und vorgestern auf, also geht die Sonne jeden Morgen auf. Die Regel wirkt plausibel und lässt sich doch nicht endgültig beweisen, denn es könnte einen Tag geben, an dem es anders ist.
Die Frage, mit der Du es herausfindest
Sie ist erfreulich einfach und lässt sich fast überall stellen: Wenn wir ein Vorhaben zusammen angehen würden, was möchtest Du zuerst wissen, den großen Überblick oder die Einzelheiten? Und wenn Du zuerst die Einzelheiten willst, brauchst Du danach den Überblick überhaupt noch?
Sobald Du weißt, was jemand zuerst braucht, kannst Du ihm die Information in genau der Reihenfolge geben, in der sie für ihn am natürlichsten zu verarbeiten ist. Viele Menschen bekommen kein großes Bild, wenn sie es nicht aus Einzelheiten aufbauen dürfen. Andere können Einzelheiten nur dann sinnvoll einordnen, wenn sie vorher den Rahmen kennen. Zwei Unterfragen lohnen sich dabei zusätzlich: Wie viel Zusammenhang braucht mein Gegenüber, um überhaupt einordnen zu können? Und wie viel Uneindeutigkeit hält es aus, bevor es unruhig wird?
Wie Du Informationen anbietest
Wenn Du etwas darstellst, kannst Du das auf drei Arten tun, und es lohnt sich, den Unterschied bewusst zu machen:
Beschreibend. Du sagst, was ist.
Bewertend. Du sagst, was sein sollte.
Deutend. Du sagst, was der andere denken sollte.
Die meisten Missverständnisse entstehen, wenn jemand deutend spricht und meint, er beschreibe.
Der Schlüssel zum Lernen und zum Modellieren
Für alles Lernen gilt derselbe Grundsatz. Zerlege die Information in kleine, überschaubare Einheiten und baue aus diesen Bröckchen das Ganze so wieder auf, dass ein Scheitern praktisch ausgeschlossen ist. Das ist im Kern auch das, was im NLP Modelling heißt.
Und als Übung für Dich: Achte in den nächsten Gesprächen einmal darauf, wonach Dein Gegenüber zuerst fragt. Nach dem Warum und dem großen Zusammenhang oder nach dem Wie und dem ersten Schritt. Wenn Du dann Deine Antwort in seiner Chunkgröße beginnst, wird Dir etwas auffallen: Menschen hören plötzlich zu, ohne dass Du etwas anderes gesagt hättest.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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