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Das Metaprogramm proaktiv, reaktiv und inaktiv

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 23. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Nicht die Frage, ob jemand handelt, sagt am meisten über ihn. Sondern wann.


Stell Dir vor, zwei Menschen betreten dieselbe unbekannte Lage. Der eine hat nach wenigen Augenblicken begriffen, worum es geht, und legt los. Der andere hält inne, sieht sich um und will die Sache erst verstehen, bevor er etwas tut. Von außen sieht das nach Mut und Zögern aus. In Wahrheit sind es zwei verschiedene Programme, und beide haben ihren Preis und ihren Wert. Im NLP heißt dieses Muster Aktivitäts-Sort. Es sagt zweierlei voraus: wie viel Kraft ein Mensch in das Erreichen seiner Lebensziele steckt und wie schnell er in einer bestimmten Lage zu handeln beginnt.


Die Frage, die es sichtbar macht


Sie lautet: Wenn Du in eine Situation kommst, handelst Du in der Regel rasch, sobald Du sie überblickst, oder ist es Dir lieber, sie zuerst sorgfältig zu studieren? Was danach kommt, verrät mehr als die Antwort selbst, denn achte auf die Sprache. Proaktive Menschen sprechen in kurzen, aktiven Sätzen mit sich selbst als Handelndem. Reaktive Menschen sprechen in längeren Sätzen, oft im Passiv, oft mit Bedingungen davor und mit sich selbst als jemandem, dem etwas geschieht.


Die vier Ausprägungen


Proaktiv. Diese Menschen wollen etwas auf die Beine stellen und in Gang bringen. Sie gehen in die Welt hinaus und erkunden sie, sie packen zu, und sie ergreifen gewöhnlich als Erste die Initiative. Natürlich machen sie damit auch als Erste Fehler. Und sie sind es, die etwas tun, wenn die anderen sich nicht trauen.


Reaktiv. Diese Menschen lassen den Dingen eher ihren Lauf, statt sie in Gang zu setzen. Sie springen ungern in eine Lage hinein, bevor sie sie gründlich durchdacht haben, und handeln oft erst, wenn sie dazu gezwungen sind. Ihr Leitsatz lautet, nichts zu überstürzen. In seiner ungünstigen Ausprägung entsteht daraus der Eindruck, dass die Dinge im Leben einfach geschehen und man ihnen ausgeliefert ist.


Beides. Manche Menschen zeigen Züge von beidem. Sie haben die Kraft, für ihre Ziele etwas zu tun, und können zugleich die Folgen ihres Handelns überblicken.


Inaktiv. Sie studieren nichts und tun nichts. Ihr Leitsatz ist, den Tag zu genießen und alles Übrige geschehen zu lassen. Sie neigen dazu, Ereignisse, die ihnen nicht passen, zu übersehen. In der Geschäftswelt findet man sie selten.


Diese vier Kategorien sind dabei kein abgeschlossenes System. Bei Bedarf lassen sich feinere einführen, etwa hyperaktiv, reflektiv im Sinne von selbstbeobachtend und analytisch, oder apathisch.


Eine feinere Unterteilung


Aus einer Untersuchung zum Aktivitätssortierer hat sich eine Aufteilung ergeben, die ich in der Praxis oft brauchbarer finde als die klassische Dreiteilung, weil sie näher an dem liegt, was Menschen tatsächlich über sich sagen.


Überblick. Chaos schreckt mich nicht sonderlich. In neuen Situationen habe ich sehr schnell einen Überblick und kann auch die Folgen gut abschätzen.


Zurückhaltung. Bevor ich die Initiative ergreife, muss ich die Situation erst durchdacht haben.


Spontaneität. Meine Entscheidungen treffe ich oft aus dem Bauch heraus.


Übervorsicht. Spontane Entscheidungen führen meist zu schlimmen Folgen.


Ordnungsliebe. Ordnung ist das halbe Leben.


Wenn Du diese fünf Sätze einmal auf Dich wirken lässt, wirst Du sehr wahrscheinlich sofort wissen, welcher davon Dir am nächsten liegt. Und ebenso, welcher Dich am meisten reizt.


Wofür es sich anwenden lässt


Der eigentliche Nutzen liegt nicht darin, Menschen einzuordnen, sondern darin, sie richtig einzusetzen und richtig anzusprechen.


Wer proaktiv ist, braucht Handlungsspielraum und verliert seine Kraft, wenn er auf Freigaben warten muss. Wer reaktiv ist, braucht Zeit zur Vorbereitung und Informationen im Voraus, und er leistet Erstaunliches, sobald er sie bekommen hat. Ein Vorhaben, das rasch anlaufen muss, gehört in proaktive Hände. Eine Aufgabe, in der ein Fehler teuer wird, gehört in reaktive.


Und die häufigste Reibung in Teams entsteht genau hier. Der Proaktive hält den Reaktiven für zögerlich, der Reaktive hält den Proaktiven für unbedacht. Beide haben aus ihrer Sicht recht, und keiner von beiden hat ein Problem mit dem anderen. Sie haben ein Problem mit einem unterschiedlichen Metaprogramm.


Eine Übung


Nimm Dir eine Sache vor, die seit Wochen liegt, und beobachte Dich beim Herangehen.


Erstens. Wartest Du auf mehr Information, oder wartest Du auf mehr Sicherheit? Das ist nicht dasselbe. Information lässt sich beschaffen, Sicherheit entsteht meist erst durch das Handeln.


Zweitens. Wenn Du eher proaktiv bist, gib Dir einmal bewusst zehn Minuten mehr, bevor Du beginnst, und schau, was Dir in dieser Zeit noch auffällt.


Drittens. Wenn Du eher reaktiv bist, setz Dir eine Grenze, ab der Du beginnst, unabhängig davon, ob Du Dich bereit fühlst. Nicht weil Zögern falsch wäre, sondern weil Du dann selbst entscheidest, wann es endet.


Kein Punkt auf diesem Kontinuum ist besser als ein anderer. Beweglichkeit zwischen ihnen allerdings ist besser als jede feste Position.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈


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