Das Metaprogramm Notwendigkeit und Annehmlichkeit
- Florian Stotz

- 23. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Bequemlichkeit ist nie umsonst. Sie ist nur so eingerichtet, dass Du den Preis nicht bemerkst.
Was Du im Leben wirklich brauchst und was Dein Leben bloß bequem macht, bringt viele Menschen ganz schön durcheinander. In der Schule hast Du gelernt, dass Nahrung, Kleidung und Wohnung die Grundbedürfnisse des Menschen sind. Im Englischen liest sich das noch einprägsamer: full, warm, dry. Doch was geschieht, wenn diese Bedürfnisse längst gedeckt sind? Dann beginnt der weite Bereich der Wahl, der Annehmlichkeit und des Überflusses, und dort entscheidest Du. Nur eben selten durch Nachdenken.
Die Gerade zwischen Notwendigkeit und Bequemlichkeit
Jeder Mensch bewegt sich bei diesem Metaprogramm auf einer Linie zwischen der bloßen Notwendigkeit und der bequemen Annehmlichkeit. Und je nach Lebensbereich steht er dabei an einer anderen Stelle, was den Blick darauf so lohnend macht. In unseren Breiten musst Du nicht mehr um Dein Überleben kämpfen. Genau deshalb ist der Bereich der Bequemlichkeit, im Englischen Convenience genannt, wirtschaftlich so bedeutend geworden. Bequemlichkeit mag jeder von uns, und meistens bezahlst Du gern dafür, oft ohne es zu bemerken.
Ein einfaches Beispiel genügt. Du kannst vor einer längeren Fahrt daran denken, eine Flasche Wasser mitzunehmen, oder Du kaufst sie unterwegs zum Mehrfachen des Preises. Du kannst Dir eine Mahlzeit aus wenigen frischen Zutaten selbst kochen oder das fertige Glas nehmen, das ein Vielfaches kostet und weniger gut schmeckt. Achte einmal einen ganzen Tag lang darauf, wie oft Du dabei ohne Nachdenken die bequeme Variante wählst.
Die Industrie sieht es als ihre Aufgabe an, Dir Dein Leben so leicht wie möglich zu machen, und sie verdient an dieser Leichtigkeit kräftig mit. Ich sage das nicht als Moralpredigt. Viele von uns sind schlicht dazu erzogen worden, das eigene Tun, das Selberkochen und das Vorausdenken als altmodisch abzutun. Und damit sind wir wieder bei den Glaubenssätzen, denn genau dort sitzt diese Erziehung.
Der klassische Sort dahinter: Notwendigkeit oder Möglichkeit
Im NLP gibt es zu diesem Muster eine zweite, feinere Unterscheidung, die man den Gründe-Sort nennt. Mit ihm findest Du heraus, warum jemand etwas tut. Die Fragen dazu sind schlicht:
Warum hast Du genau dieses Auto gekauft?
Warum hast Du genau diesen Beruf gewählt?
Warum machst Du gerade das, was Du im Moment machst?
Achte darauf, ob eine Antwort mit Gründen kommt oder nicht.
Die Möglichkeit. Diese Menschen sagen Sätze wie: Ich habe eigentlich nie das Gefühl, etwas tun zu müssen. Oder: Je mehr Möglichkeiten ich habe, desto mehr Freude macht es mir, die beste Entscheidung zu finden. Sie tun, worauf sie Lust haben, sie sehen Alternativen und verschiedene Wege, und sie sind motiviert, nach neuen Möglichkeiten Ausschau zu halten. Manche von ihnen sind über Pflicht und Verantwortung überhaupt nicht zu bewegen.
Die Notwendigkeit. Diese Menschen sagen Sätze wie: Mein Hobby übe ich aus, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte. Oder: Am Ende zeigt sich fast immer, dass das Altbewährte das Beste ist. Das Leben ist eine Abfolge von Routinen, und es gibt keine Wahl. Sie geraten leicht in eine Sackgasse, weil es in ihrem Weltmodell keine anderen Möglichkeiten gibt, und sie suchen selten nach Gründen für ihr Verhalten, weil alles vorgeschrieben erscheint. In Lagen, für die sie keinen Plan haben, wirken sie unbeholfen.
Beides. Diese Menschen sind durch Verantwortungsgefühl und zugleich durch einen Sinn für Gelegenheiten bewegt. Sie kennen die Regeln, können mit ihnen umgehen und suchen daneben nach besseren Wegen.
Eine wichtige Feinheit gibt es noch. Die Notwendigkeit kann zwei ganz verschiedene Wurzeln haben. Bei den einen liegt es daran, dass es eben schon immer so war und sie gar nicht auf eine andere Idee kommen. Bei den anderen liegt es daran, dass sie sich von außen gedrängt fühlen. Von außen sieht beides gleich aus, und die Arbeit daran ist völlig verschieden.
Wo Bequemlichkeit teuer wird
Und jetzt der Punkt, um den es mir eigentlich geht. Es lohnt sich, mit diesem Metaprogramm einmal alle Bereiche Deines Lebens durchzugehen, denn Du wirst mehrfach überrascht sein. Beim Essen wirst Du feststellen, dass frische, unverarbeitete Zutaten günstiger sind als Fertiggerichte, besser schmecken und Dir nebenbei das Vergnügen des eigenen Tuns schenken. Es gehört zu den ältesten Formen menschlicher Gemeinschaft, gemeinsam zu kochen und gemeinsam zu essen, und dieses Vergnügen ist beim Fertigprodukt einfach nicht enthalten. Dasselbe kannst Du für Deine Kleidung und Deine Wohnung durchspielen. Und dann kommt der Sprung, den ich am schönsten finde. Du kannst dieselbe Frage nämlich seitwärts stellen, was im NLP Side Chunking heißt. Nahrung, Kleidung und Wohnung betreffen das Außen. Wie also ernährst Du Dein Inneres?
Damit meine ich nicht Weltanschauung, sondern die Art, wie Du mit Dir und mit den Menschen um Dich herum umgehst. Es hat wenig Sinn, sich sorgfältig zu ernähren und im Kopf zugleich täglich Katastrophen zu veranstalten. Vielleicht magst Du für einen Moment annehmen, Dein Gemütsleben hätte sogar die größere Bedeutung als die Sorge um den Körper. Dann stellt sich die Frage, wie die ideale Nahrung für Deinen Geist aussieht. Meiner Erfahrung nach beginnt sie mit etwas sehr Einfachem: Sei freundlich zu Dir selbst und zu anderen. Und das Auflösen alter Verletzungen ist dabei eine wirksamere Reinigung als jede Diät.
Die Frage, die alles öffnet
Wer beginnt, über seine inneren und äußeren Abläufe nachzudenken, kommt früher oder später zu einer Frage, und sie ist der eigentliche Grund, warum sich die Beschäftigung mit einem scheinbar harmlosen Metaprogramm lohnt: Geht es auch anders?
Und die Frage dahinter, die alles öffnet, ist der Was-wäre-wenn-Rahmen. Was wäre, wenn Du diese eine bequeme Gewohnheit für einen Monat durch das eigene Tun ersetzt? Nicht aus Strenge, sondern um zu sehen, was dabei entsteht. Meist ist es dreierlei: etwas mehr Geld, etwas mehr Können und ein Gefühl, das man nicht kaufen kann.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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