Das Metaprogramm Hin-zu und Weg-von
- Florian Stotz

- 23. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Zwei Menschen tun dasselbe, und der eine läuft auf etwas zu, während der andere vor etwas davonläuft.
Es gibt eine Beobachtung, die mir in Trainings immer wieder begegnet. Zwei Menschen arbeiten mit demselben Einsatz an derselben Sache, und trotzdem stimmt etwas nicht, sobald man versucht, sie auf dieselbe Weise zu motivieren. Beim einen wirkt ein Ziel wie ein Magnet. Beim anderen bewirkt genau dieses Ziel gar nichts, während ein einziger Hinweis auf eine unangenehme Folge ihn sofort in Bewegung bringt. Dahinter liegt eines der wirksamsten Metaprogramme überhaupt, im NLP Richtungs-Sort genannt. Es beantwortet eine einzige Frage: Bewegst Du Dich auf etwas zu oder von etwas weg?
Was dieses Metaprogramm beschreibt
Metaprogramme sind mentale Filter. Sie bestimmen, worauf Du Deine Aufmerksamkeit lenkst, was Du von der Fülle der Wirklichkeit überhaupt bemerkst und was Du dabei tilgst. Der Richtungs-Sort ist dabei besonders eng mit Deinen Werten verknüpft, denn die eigentliche Frage lautet nicht nur, ob Du Dich bewegst, sondern ob Du Dich auf einen Wert zu- oder von ihm wegbewegst. Grob verteilt sich das etwa so: rund vierzig Prozent der Menschen bewegen sich vorwiegend auf etwas zu, rund vierzig Prozent von etwas weg, und etwa zwanzig Prozent nutzen beides. Dabei gilt wie bei allen Metaprogrammen: Es geht um ein Kontinuum und nicht um ein Entweder-oder. Jeder hat ein wenig von beidem, und selbst der ausgeprägteste Sucher vermeidet in bestimmten Situationen. Gesucht wird also die Ausprägung, die am häufigsten auftritt.
Die fünf Abstufungen
Suchen. Diese Menschen bewegen sich in Richtung dessen, was sie mögen. Sie werden durch Bedürfnisse und Begehren angetrieben, und um sie zu motivieren, braucht es ein Ziel, eine Belohnung oder eine Anerkennung, die zu ihren Werten passt. Sie brauchen die Karotte vor der Nase, nicht die Peitsche. Wer einem Sucher droht, erntet Ärger oder Trotz.
Suchen mit etwas Vermeiden. Diese Menschen sind vor allem über das zu erreichen, was sie erreichen wollen, brauchen daneben aber auch etwas, das sie vermeiden können, während sie in die gewünschte Richtung gehen. Wunsch und Sorge vor unangenehmen Folgen arbeiten hier zusammen.
Beides zugleich. Dieser Typ ist gleichermaßen von dem angetrieben, was er erreichen will, und von dem, was er zu vermeiden sucht.
Vermeiden mit etwas Suchen. Hier steht das Vermeiden unangenehmer Folgen im Vordergrund, während sich nebenbei hier und da ein eigenes Bedürfnis erfüllen lässt.
Vermeiden. Dieser Typ wird am stärksten von seinen Ängsten bewegt. Stellst Du ihm eine Belohnung in Aussicht, wird sie ihn kaum kümmern. Menschen mit dieser Ausprägung wählen einen Beruf häufig deshalb, weil er nicht ganz so unangenehm ist wie die übrigen zur Wahl stehenden.
Woran Du es erkennst
Am zuverlässigsten hörst Du es in der Sprache. Wer sich auf etwas zubewegt, spricht davon, was er gewinnen, erreichen oder bekommen will, und redet über das, was er will. Wer sich von etwas wegbewegt, redet darüber, was er vermeiden oder loswerden will, schließt unerwünschte Umstände aus und spricht viel über Probleme. Auch der Körper zeigt es. Hin-zu geht mit zeigenden Gesten einher und mit einem Nicken in eine Richtung. Weg-von zeigt sich in ausschließenden Bewegungen, in Kopfschütteln und in wegschiebenden Gesten.
Um die Ausprägung gezielt zu ermitteln, stellst Du offene Fragen, die nach dem Prozess und nicht nach dem Inhalt fragen:
Was ist Dir bei Deinem Beruf wichtig?
Was ist Dir bei Deinem Auto wichtig?
Was ist Dir in Deiner Liebesbeziehung wichtig?
Was möchtest Du mit Deinem Leben anfangen?
Die verborgene Umkehrung
Und jetzt kommt die Stelle, an der es interessant wird. Es gibt Menschen, die auf den ersten Blick sehr stark auf etwas zuzulaufen scheinen, während dahinter in Wahrheit eine unausgesprochene und sehr kräftige Vermeidung wirkt. Jemand arbeitet unermüdlich daran, viel Geld zu verdienen, und was aussieht wie das Streben nach Reichtum, ist im Kern die Angst vor der Armut, die er als Kind erlebt hat und die eine tiefe Existenzangst hinterlassen hat. Zwei Menschen tun dasselbe und bauen dasselbe auf. Der eine läuft auf etwas zu, der andere flieht. Dieselbe Handlung, eine völlig andere Wurzel.
Erkennen kannst Du dieses umgekehrte Muster vor allem an einem: an der unangemessen heftigen Reaktion, wenn das Ziel einmal nicht erreichbar scheint. Dann nähert sich dieser Mensch innerlich genau dem, was er eigentlich vermeiden wollte.
Was Du damit anfangen kannst
Im Alltag hilft Dir dieses Wissen sofort. Wenn Du jemanden erreichen willst, sprich in seiner Richtung. Einem Sucher malst Du das Ziel aus, einem Vermeider zeigst Du, was sich damit umgehen lässt. Und wenn Du selbst seit Monaten an etwas hängst, das nicht vorangeht, frag Dich einmal ehrlich, ob Du es überhaupt willst oder nur etwas anderes nicht willst.
Ein Wort noch zur Bewertung, denn hier gibt es kein Richtig und kein Falsch. Beide Richtungen sind Werkzeuge, und beide haben ihre Stärke. Das Yoga kennt als eines seiner Ziele die Überwindung von Vorlieben und Abneigungen, und den meisten Menschen fällt es leichter, eine Vorliebe loszulassen, als eine Abneigung. Im Zen heißt es dazu, der große Weg sei für jene nicht schwierig, die keine Vorlieben haben.
Beobachte in den nächsten Tagen einmal, wovon Du sprichst, wenn Du über Deine Ziele redest. Von dem, was Du willst, oder von dem, was Du nicht mehr willst?
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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