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Mannsein heute: Was einen Mann wirklich stark macht

Autorenbild: Florian Stotz
Florian Stotz
vor 3 Tagen
8 Min. Lesezeit

Über Mut trotz Angst und ein gegebenes Wort sowie über das Feuer, das in jedem Mann brennt.


Wenn du einmal durch die sozialen Medien scrollst, weißt du schnell, wie ein Mann angeblich zu sein hat. Er ist durchtrainiert und finanziell frei, emotional unerschütterlich und ohne jeden Zweifel. Mit dreißig hat er längst ein Unternehmen aufgebaut und steht jeden Morgen um fünf Uhr auf. Dieses Bild ist so glatt poliert, dass sich jeder echte Mann daneben unvollständig fühlen muss. Genau darin liegt sein Fehler, denn kein Mensch ist perfekt und kein Mann muss es sein. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, wie ein Mann zu sein hat. Sie lautet vielmehr, was du selbst als Mann erreichen willst, wo du gerade stehst und was dir wirklich wichtig ist. Vielleicht weißt du das im Moment gar nicht so genau und auch das ist völlig in Ordnung. Vielleicht steckst du gerade in einer Krise, die beruflich sein kann oder in einer Beziehung liegt oder ganz still in dir selbst stattfindet. Auch das ist in Ordnung, denn jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Krisen. Viele Männer, die heute gefestigt wirken, haben ihre stärksten Jahre aus genau solchen Zeiten heraus gebaut.


Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst


Ein Mann ohne Angst ist nicht mutig, denn er hat nur noch nicht erkannt, was auf dem Spiel steht. Mut bedeutet vielmehr, trotz der Angst zu handeln und den Schritt zu gehen, vor dem du zurückweichen möchtest. Du sprichst das schwierige Thema an, obwohl dein Herz bis zum Hals klopft. Du triffst die Entscheidung, obwohl du nicht sicher weißt, ob sie richtig ist. Und dann stehst du auf und gehst los, auch wenn deine Beine noch zögern.


Darin steckt etwas, das die Psychologie Selbstwirksamkeit nennt und womit die innere Gewissheit gemeint ist, etwas aus eigener Kraft bewirken zu können. Diese Gewissheit fällt nicht vom Himmel, sondern wächst mit jedem Schritt, den du trotz deiner Angst gehst. Jeder dieser Schritte zeigt dir, dass du mehr kannst, als du dachtest. Wer als Mann darauf wartet, dass die Angst verschwindet, wartet meist ein Leben lang. Wer dagegen klein anfängt und handelt, wird mit jedem Schritt ein Stück freier.


Ein Mann, ein Wort


Ein altes Sprichwort sagt „Ein Mann, ein Wort“ und meint damit etwas, das heute vielleicht wichtiger ist als je zuvor. Wer sein Wort gibt, steht dazu und handelt konsequent danach, auch wenn es unbequem wird. Genau daraus entsteht Verlässlichkeit, und Verlässlichkeit ist das Fundament, auf dem Menschen einander vertrauen. Deine Freunde und Kollegen wissen dann, dass deine Zusage wirklich etwas bedeutet und dass sie sich auf dich verlassen können. Ein Mann, dessen Worte und Taten auseinanderfallen, verliert dagegen Stück für Stück das Vertrauen der Menschen um ihn herum.


Das gilt für die großen Versprechen genauso wie für die kleinen Zusagen im Alltag wie den versprochenen Rückruf am Abend oder die pünktliche Verabredung. Gerade an den kleinen Dingen zeigt sich, ob jemand wirklich zu seinem Wort steht. Deshalb gehört zu einem gegebenen Wort auch die Ehrlichkeit vorher, nur das zuzusagen, was du auch halten kannst. Und wenn du einmal ein Wort nicht halten kannst, dann sag es offen und früh, statt einfach zu schweigen.


Die Größe, zu Fehlern zu stehen


Du wirst Fehler machen und du hast auch schon Fehler gemacht, so wie jeder Mensch und jeder Mann. Die entscheidende Frage ist nicht, ob du Fehler machst, sondern ob du zu ihnen stehen kannst. Wer als Mann sagt „Das war mein Fehler“, zeigt mehr Stärke als jemand, der sich hinter Ausreden versteckt. Denn wer seinen Fehler nicht eingesteht, kann ihn auch nicht verändern und wiederholt ihn nur in einem anderen Gewand. Darin liegt ein einfacher Kreislauf, der einen Mann über die Jahre wachsen lässt: Er handelt und reflektiert, erkennt seinen eigenen Anteil und verändert sich.


Dazu gehört auch, nicht nur auf die eigene innere Stimme zu hören. Menschen mit guten Absichten sehen manchmal Dinge an dir, die dir selbst verborgen bleiben. Ihr Blick ist kein Angriff auf deine Männlichkeit, sondern ein Geschenk, das du ohne Scham annehmen darfst. Freundlich bleiben, ohne sich alles gefallen zu lassen Ein starker Mann bleibt freundlich und zugewandt, auch wenn andere es nicht sind. Das heißt aber nicht, dass er sich alles gefallen lässt, und hier hilft eine wichtige Unterscheidung.


Manche Menschen verletzen dich bewusst und wissen dabei genau, was sie tun. Hier ist es klug, eine klare Grenze zu ziehen und in bestimmten Bereichen Abstand zu halten. Andere Menschen verletzen dich, ohne es selbst zu merken. Sie handeln aus ihrer eigenen Not heraus, aus Angst oder aus alter Gewohnheit. Hier lohnt es sich, das Gespräch zu suchen und den Menschen wirklich verstehen zu wollen. Frag dich dann, was er gerade braucht und welches Bedürfnis hinter seinem Verhalten steckt. Diese Frage nach dem Bedürfnis eines anderen Menschen lernen viele Frauen in unserer Kultur von klein auf, während viele Männer sie viel zu wenig lernen. Dabei ist sie keine weibliche Fähigkeit, sondern eine menschliche, die beide Geschlechter gleich gut beherrschen sollten. Ein Mann, der die Bedürfnisse anderer wahrnehmen kann, verliert nichts von seiner Stärke und gewinnt an Tiefe.


Das Feuer, das in dir brennt


Vieles von dem, was einen guten Mann ausmacht, ist in Wahrheit gar nicht männlich. Mut und Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Freundlichkeit sind Werte, die jedem Menschen gut stehen. Doch was bleibt eigentlich übrig, wenn man all das abzieht? Es bleibt eine Kraft, über die viele Männer nur ungern offen sprechen, nämlich die sexuelle Energie als tiefer Antrieb im Körper eines Mannes. Zu seinem Geschlecht und zu dieser Kraft zu stehen ist für viele Männer der eigentliche Ursprung von Männlichkeit. Es geht dabei weder darum, sich von dieser Energie beherrschen zu lassen, noch darum, sie zu unterdrücken oder sich für sie zu schämen. Es geht darum, sie anzunehmen und sie bewusst in deine Arbeit und deine Kreativität zu lenken oder in deinen Sport und alles, was dir wichtig ist.


Mit dieser Kraft verwandt ist eine andere, die viele Männer nur aus einem einzigen Raum kennen, und das ist die Aggression. Manche Männer lernen, sie im Kampfsport rauszulassen, und dort ist sie auch gut aufgehoben. Doch was passiert, wenn sie plötzlich im Büro aufsteigt oder zu Hause oder mitten in einem Streit? Wer seine Wut nur im Ring kennt, steht ihr außerhalb davon oft hilflos gegenüber. Die Kunst liegt darin, das eigene Feuer in jedem Raum zu kennen und es selbst zu führen, statt sich von ihm führen zu lassen.


Die Geschichte vom Schmied und dem Jungen


In einem Dorf am Rand der Berge, wo die Wege im Winter früh dunkel wurden und der Rauch tief über die Dächer zog, stand eine alte Schmiede. Darin arbeitete ein Schmied mit so kräftigen Armen, dass die Kinder des Dorfes ehrfürchtig vor der offenen Tür stehen blieben, wenn er den Hammer hob. Eines Abends kam ein Junge von kaum sechzehn Jahren zu ihm, mit geballten Fäusten und einem Zorn in den Augen, den er selbst nicht verstand. Er hatte sich wieder geprügelt und wusste nicht, wohin mit dieser Kraft, die in ihm tobte wie ein Feuer ohne Ofen. Der Schmied sagte nichts und zeigte nur auf die Esse, in der die Glut rot und golden atmete. Dann reichte er dem Jungen den Blasebalg und sagte ruhig: „Gib ihr Luft.“ Der Junge drückte und die Glut loderte so heiß auf, dass er einen Schritt zurückwich. „Das ist deine Kraft und sie ist nicht dein Feind“, sagte der Schmied. „Aber ein Feuer ohne Esse brennt das ganze Haus nieder.“


Dann legte er ein Stück Eisen in die Glut und wartete, bis es hell aufleuchtete, bevor er es auf den Amboss legte. Der Junge durfte schlagen, doch sein erster Schlag ging daneben und das Eisen verbog sich krumm und hässlich. Er wollte den Hammer schon wegwerfen, doch der Schmied hielt seinen Arm fest, nicht hart und doch unerschütterlich. „Jeder Schmied hat schon Eisen verdorben“, sagte er. „Der Unterschied liegt darin, ob er es noch einmal ins Feuer legt.“ Und so legte der Junge das Eisen wieder und wieder zurück in die Glut, und mit jedem Schlag wurde seine Hand ruhiger und sein Blick genauer. Als das Eisen endlich die Form einer Klinge hatte, tauchte der Schmied es ins Wasser. Ein lautes Zischen erfüllte die Werkstatt und weißer Dampf stieg langsam zur Decke. „Hitze allein macht noch kein gutes Eisen“, sagte er. „Erst das Wasser macht es hart und zugleich biegsam.“ Später am Abend kam die kleine Tochter des Schmieds in die Werkstatt, und der Junge sah, wie dieselben Hände ihr ganz behutsam einen Splitter aus dem Finger zogen. Da verstand er, dass Kraft und Zärtlichkeit in denselben Händen wohnen können.


Sieh es vor dir


Vielleicht magst du dir für einen Moment die Schmiede mit all ihrer Wärme vorstellen. Spür die Wärme der Glut auf deinem Gesicht und sieh das tiefe Rot und Gold, das in der Esse atmet. Spür auch, wie dieselbe Wärme ruhig und kraftvoll in deiner eigenen Mitte liegt wie eine Glut, die nicht lodern muss, um da zu sein. Wenn du künftig merkst, dass Wut in dir aufsteigt, dann stell dir den Amboss vor. Deine Kraft darf da sein, aber sie gehört auf den Amboss und nicht auf die Menschen um dich herum. Hör das Zischen des Wassers beim Eintauchen des heißen Eisens und spür, wie dein Atem dabei langsamer und tiefer wird. Und wenn dir ein Schlag misslingt, dann denk an den Satz des Schmieds und leg das Eisen noch einmal ins Feuer.


Schritt für Schritt zu deiner Stärke


1. Handle, auch wenn du Angst hast. Such dir jede Woche eine kleine Sache, vor der du zurückweichst, und tu sie trotzdem. Das kann ein ehrliches Gespräch sein oder ein Anruf, den du aufgeschoben hast, oder eine Entscheidung. Jeder dieser Schritte baut dein Vertrauen in dich selbst ein Stück weiter auf.


2. Halte dein Wort. Sag nur das zu, was du auch wirklich halten kannst, und halte es dann konsequent ein. Wenn sich etwas ändert, dann sprich es frühzeitig und offen an, statt dein Gegenüber im Unklaren zu lassen. So wirst du für andere Menschen zu jemandem, auf den sie bauen können.


3. Steh zu deinen Fehlern. Gewöhn dir einen einfachen Satz an: „Das war mein Fehler und das mache ich jetzt anders.“ Mehr braucht es nicht, denn wer diesen Satz ohne Rechtfertigung sagen kann, gewinnt Respekt bei anderen und gerade auch bei sich selbst.


4. Hör auf die, die es gut mit dir meinen. Frag dich bei jeder Rückmeldung zuerst, ob dieser Mensch dir Gutes will. Wenn ja, dann nimm seine Worte ernst, auch wenn sie unbequem sind. Wenn nicht, dann darfst du sie ruhig beiseitelegen und deinen Weg weitergehen.


5. Wachse Schritt für Schritt. Niemand wird über Nacht der Mann, der er sein will, und Rückschläge gehören zu diesem Weg dazu. Mit jedem Rückschlag wächst deine Frustrationstoleranz, wenn du dranbleibst, auch wenn es zäh wird.


6. Finde heraus, was dich wirklich interessiert. Such nicht das, was du laut sozialen Medien wollen solltest, sondern das, wobei du die Zeit vergisst. Geh diesen Interessen nach, denn aus ihnen wächst mit der Zeit oft das, was du wirklich willst.


7. Unterscheide, bevor du reagierst. Wenn dich jemand verletzt, dann frag dich, ob er es bewusst tut oder ohne es zu merken. Wer dich bewusst verletzt, bekommt eine klare Grenze von dir. Wer dich unbewusst verletzt, bekommt ein Gespräch und deine ehrliche Frage, was er gerade braucht.


8. Lerne dein Feuer kennen. Wenn Wut oder Anspannung in dir aufsteigt, dann halte kurz inne und spür, wo im Körper du sie wahrnimmst. Gib dem Gefühl einen Namen und atme langsam aus, bevor du sagst, was du fühlst. Sprich dein Gefühl dann ruhig aus, statt es an anderen Menschen auszulassen. Lenk die Energie danach bewusst in ein Training oder in ein Projekt, das deine Kraft braucht.


9. Steh zu deiner Kraft. Nimm deinen Antrieb an und auch den sexuellen, ohne dich für ihn zu schämen und ohne ihm blind zu folgen. Er ist die Glut in deiner Esse und wird richtig geführt zu Fokus, Lebendigkeit und Schaffenskraft in allem, was du tust.


Was bleibt


Vielleicht merkst du, dass dir die Bilder schon jetzt vertraut sind. Da ist die Glut, die in dir atmet und nicht dein Feind ist, und der Amboss, auf den deine Kraft gehört. Da ist das gegebene Wort, auf das sich andere verlassen können, weil du danach handelst. Da ist der Satz des Schmieds, der dich daran erinnert, das Eisen noch einmal ins Feuer zu legen. Da ist das Zischen des Wassers, das aus Hitze Härte und Biegsamkeit macht. Und da sind die Hände des Schmieds, in denen Kraft und Zärtlichkeit zugleich wohnen.


Mannsein heißt nicht, perfekt zu sein, sondern mit Mut zu handeln und sein Wort zu halten. Es heißt auch, zu seinen Fehlern zu stehen und an seinen Aufgaben zu wachsen. Und es heißt, die eigene Kraft so zu führen, dass sie dem eigenen Leben dient und den Menschen ringsum guttut. Wenn du diesen Weg nicht allein gehen willst, findest du im Workshop „Stark, Mann!“ einen geschützten Raum, in dem Männer sich begegnen und einander zuhören und bestärken. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

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