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Trance-Architektur 4: Warum du den Text siebenmal liest

Autorenbild: Florian Stotz
Florian Stotz
vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Lernblockaden sind selten ein Problem der Aufnahmefähigkeit. Meistens fehlt dem Stoff eine zweite Ebene an der er hängen bleiben kann.


Du kennst vermutlich beide Erfahrungen. Einmal liest du eine Seite dreimal und beim dritten Mal weißt du immer noch nicht was darauf stand. Und einmal erzählt dir jemand etwas in zwei Minuten und du kannst es Jahre später noch wiedergeben. Der Unterschied liegt fast nie an deiner Konzentration und auch nicht an deiner Intelligenz. Er liegt daran wie die Information gebaut war.


Was wirklich blockiert


Die meisten Menschen suchen die Ursache für Lernschwierigkeiten bei sich selbst und finden dort auch etwas. Zu wenig Disziplin oder zu wenig Zeit oder eben doch nicht schlau genug. Diese Erklärungen fühlen sich plausibel an und sie führen alle in dieselbe Sackgasse. Du strengst dich mehr an und das Ergebnis bleibt gleich. Tatsächlich gibt es für Lernblockaden eine überschaubare Zahl von echten Ursachen. Manchmal ist es ein alter Satz über dich selbst der jedes Lernen begleitet und dabei einen Teil deiner Aufmerksamkeit verbraucht. Manchmal ist es die Anspannung selbst die den Zugriff blockiert. Und sehr oft ist es schlicht die Form in der dir der Stoff begegnet.

Ein Text der nur erklärt gibt deinem Gedächtnis nur eine einzige Stelle an der es ihn festhalten kann.

Wenn diese eine Stelle nicht hält dann ist der Inhalt weg. Deshalb liest du wieder von vorn und deshalb hilft auch das zweite und dritte Lesen so wenig. Du befestigst dieselbe Information immer wieder an derselben Stelle.


Watzlawick und die zwei Sprachen


Paul Watzlawick hat dafür vor über fünfzig Jahren eine Beschreibung geliefert die bis heute trägt. In Menschliche Kommunikation unterscheidet er zwei Modalitäten in denen wir uns verständigen. Die digitale ist präzise und logisch und besitzt ein Wenn-dann und ein Entweder-oder und eine klare Verneinung. Die analoge arbeitet mit Bild und Körper und Beziehung und hat von alldem nichts. Dafür ist sie unmittelbar. Watzlawick weist allerdings darauf hin dass sie auch mehrdeutig bleibt. Es gibt Tränen des Schmerzes und Tränen der Freude und die geballte Faust kann Drohung oder Selbstbeherrschung bedeuten. Die analoge Sprache liefert keinen Hinweis darauf welche von zwei widersprüchlichen Bedeutungen gemeint ist.


Entscheidend ist was er über das Übersetzen zwischen beiden schreibt. Jede Übersetzung vom Digitalen ins Analoge bringt einen wesentlichen Verlust an Information mit sich und der umgekehrte Weg ist ebenfalls verlustreich. Wir übersetzen trotzdem ständig in beide Richtungen und merken dabei nicht was dabei verloren geht. In seinem späteren Buch über therapeutische Kommunikation geht er einen Schritt weiter. Die Sprache der Träume und der Märchen und der Hypnose nennt er dort besonders verdichtet und bedeutungsgeladen und sie sei der Königsweg zu Veränderung. Wer sie in die digitale Sprache der Erklärung und der Analyse übersetzt der wiederholt genau den Fehler der den Menschen überhaupt erst in Schwierigkeiten gebracht hat.


Genau an dieser Stelle wird es für das Lernen interessant. Die allermeiste Vermittlung arbeitet ausschließlich mit der erklärenden Seite. Fachbücher und Schulungen und Seminare erklären und erklären und wundern sich dann dass so wenig hängen bleibt. Watzlawick beschreibt das Übersetzen zwischen beiden Sprachen als Verlustgeschäft. Die Antwort darauf ist Material das beide Ebenen von Anfang an gleichzeitig trägt. Das ist der Punkt an dem ich über ihn hinausgehe. Er empfiehlt die bildhafte Sprache zu wählen und vor dem Übersetzen zu warnen. Mir geht es darum gar nicht erst übersetzen zu müssen. Wenn derselbe Inhalt von Anfang an in beiden Sprachen vorliegt dann entfällt der Verlust auf den er hinweist.


Derselbe Begriff an drei Orten


In meinen Workshops arbeite ich deshalb anders. Ein Begriff den du dir merken sollst begegnet dir nicht einmal sondern dreimal und jedes Mal in einer anderen Form. Zuerst bekommst du den Zusammenhang erklärt. Sauber und nachvollziehbar und so dass dein Verstand zufrieden ist. Danach begegnet dir derselbe Begriff in einer Geschichte wieder und dort ist er kein Fachwort mehr sondern ein Bild mit Farbe und Geräusch und Temperatur. Und ein drittes Mal begegnet er dir in einer Trance also in einem Zustand in dem du nicht mehr prüfst und nicht mehr mitschreibst.


Diese dritte Ebene ist der Teil den die meisten Lernangebote gar nicht erst anbieten. Dabei ist sie die wirksamste von allen weil dort nichts mehr gegen die Information arbeitet. Kein Zweifel und kein Vergleich mit dem was du schon zu wissen glaubst und auch keine Müdigkeit. Dieselbe Information hängt damit an drei völlig verschiedenen Haken. Wenn einer nicht hält dann halten die anderen beiden. Und weil die zweite Form bildhaft ist hat sie noch einen weiteren Vorteil. Bilder bleiben ohne Wiederholung während Erklärungen Wiederholung brauchen.


Warum die Geschichten so geschrieben sind wie sie geschrieben sind


Die Geschichten die ich dafür verwende sind bewusst nicht modern erzählt. Sie liegen eher im Ton von Adalbert Stifter oder Hermann Hesse und sie nehmen sich Zeit für Landschaft und für Licht und für den Weg selbst. Das hat einen nüchternen Grund. Eine Sprache die langsam ist und die viele Sinne gleichzeitig bedient erzeugt von selbst einen anderen Zustand beim Zuhören. Dein Atem wird ruhiger und deine Aufmerksamkeit geht nach innen und genau in diesem Zustand nimmst du leichter auf. Du musst dafür nichts tun und du musst es auch nicht bemerken. Hinzu kommt dass solche Sprache kaum Anlass zum Widerspruch gibt. Eine Erklärung kann falsch sein und eine Landschaft nicht. Dein kritischer Verstand hat in einer Geschichte wenig zu prüfen und wird dadurch ruhiger.


Was daraus im Alltag wird


Wer einmal gelernt hat sich selbst in einen Zustand zu bringen der dem Lernen dienlich ist der liest einen Text zweimal statt siebenmal. Das ist keine Behauptung über Wunderleistungen sondern schlicht eine Frage des Zugangs. Am Anfang braucht es dafür ein wenig bewusste Übung und das sollte man ehrlich dazusagen. Im Long Run zahlt es sich aus und zwar nicht nur beim Lernen. Derselbe Zustand hilft dir vor einem Vortrag und vor einem schwierigen Gespräch und überall dort wo Anspannung dir im Weg steht.


Und wenn tatsächlich ein alter Satz über dich im Weg steht dann ist auch das bearbeitbar. Dafür braucht es allerdings etwas anderes als eine Lerntechnik. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈


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