Was gute Kollegen wirklich ausmacht

Mehr als ein freundliches Hallo in der Kaffeeküche.
Erfolg im Unternehmen hängt selten nur an Fachwissen und Fleiß. Mindestens genauso entscheidend ist die Art unseres Umgangs mit den Menschen um uns herum. Mit diesem Artikel beginnt eine kleine Serie über Erfolg im Unternehmen und sie startet mit einem Begriff aus fast jeder Stellenanzeige: Kollegialität. Gemeint ist damit allerdings weit mehr als ein freundliches Hallo in der Kaffeeküche.
Was ich von einem Parkhauswächter gelernt habe
Einer meiner besten Freunde arbeitet in einem großen Unternehmen als Parkhauswächter. Auf dem Papier ist das keine besonders glanzvolle Stelle und trotzdem ist er bei seinen Kollegen außergewöhnlich beliebt. Sie mögen seine humorvolle und lockere Art und genauso schätzen sie die Gewissenhaftigkeit bei seiner Arbeit. Er macht seinen Job gut und das tut er vor allem für sich selbst, denn am Ende des Tages will er mit seinem eigenen Ergebnis zufrieden sein.
Im Umgang mit anderen ist er freundlich und zuvorkommend und zieht trotzdem klare Grenzen bei allem, was er wirklich nicht tun will. Manchmal denkt er im ersten Moment „Muss ich das jetzt wirklich machen?“ und lässt sich dann doch darauf ein. Der Grund dafür ist ihm wichtig: Er tut es für das Wohl der Gemeinschaft und für die Harmonie im Team. Vor allem aber hat er ein offenes Ohr für die Menschen um ihn herum. Er geht auf sie ein und spricht mit ihnen und will sie wirklich verstehen. Diese Haltung bringt er in jede Begegnung mit, sogar in Gespräche mit Menschen mit völlig gegensätzlichen politischen Meinungen. Genau das macht ihn für sein Umfeld so wertvoll.
Eines Tages wollte er wegen des Betriebsklimas um ihn herum kündigen. Die Nachricht ging bis ins oberste Management und dort bat man ihn ausdrücklich um sein Bleiben. Am Ende ist er tatsächlich geblieben und hat diese Entscheidung allein für sich selbst getroffen und nicht für das Unternehmen. Für ihn ist das eine Übung im Umgang mit der Stimmung in einem solchen Umfeld und die Dauer dieser Übung bestimmt er selbst. Gleichzeitig achtet er darauf sich trotzdem wohlzufühlen und behält sein eigenes Ziel dabei immer klar vor Augen. Für mich zeigt seine Geschichte sehr schön den Kern von Kollegialität: Wertschätzung entsteht nicht durch einen Titel, sondern durch die Art eines Menschen im Umgang mit seiner Arbeit und mit den Menschen um ihn herum.
Zuerst die Sorge und dann die Lösung
Kollegialität zeigt sich oft in einem ganz unscheinbaren Moment. Ein Kollege kommt mit einer Sorge zu mir und mein erster Impuls ist vielleicht eine schnelle Lösung. Viel wertvoller ist aber zunächst ein echtes Eingehen auf die Sorge selbst. Ich höre zu und frage nach und lasse den anderen in Ruhe von seinem eigentlichen Anliegen erzählen. Danach suchen wir gemeinsam nach Wegen und im besten Fall findet er seine Lösung selbst. Eine einfache Frage hilft dabei oft mehr als jeder Vorschlag: Was wäre für dich ein erster kleiner Schritt?
Mit dieser Frage bleibt die Verantwortung beim anderen und trotzdem steht er mit seiner Sorge nicht mehr allein da. Diese Art von Unterstützung stärkt die Verbindung zwischen zwei Menschen weit mehr als jeder gut gemeinte Ratschlag. Der andere fühlt sich ernst genommen und geht mit einem Stück mehr Selbstvertrauen aus dem Gespräch. Beim nächsten Problem kommt er wieder und irgendwann vielleicht auch mit einer Idee für mich.
Konflikte direkt klären
Zu einem guten Miteinander gehört auch ein ehrlicher Umgang mit Konflikten. Kollegiale Menschen klären Unstimmigkeiten persönlich mit der betroffenen Person und nicht über Umwege. Das gilt im Büro genauso wie im privaten Umfeld. Eine Angewohnheit vergiftet das Klima in vielen Teams besonders schnell und das ist das Reden über andere hinter ihrem Rücken. Kurzfristig mag das sogar verbinden und auf lange Sicht zerstört es jedes Vertrauen im Team. Außerdem fragt sich jeder Zuhörer insgeheim nach dem Gesprächsthema in seiner eigenen Abwesenheit. Ein offenes Gespräch unter vier Augen kostet zwar mehr Überwindung und bringt dafür eine echte Klärung.
Humor als Entschärfung
Humor ist eines der unterschätztesten Werkzeuge im Arbeitsalltag. Ein gut gesetzter Witz kann eine angespannte Situation im Team oder mit anderen Menschen in Sekunden entschärfen. Dabei geht es nicht um Witze auf Kosten anderer, sondern um eine Leichtigkeit mit Raum für einen neuen Blick auf das Problem. Gemeinsames Lachen über eine schwierige Lage ist oft schon die halbe Lösung. Besonders gut wirkt Humor mit einem Augenzwinkern über die eigene Person. Ein Lachen über die eigenen kleinen Schwächen nimmt anderen die Angst vor ihren eigenen.
Interesse an der Arbeit und ein eigener Maßstab
Kollegialität beginnt beim eigenen Verhältnis zur Arbeit. Menschen mit echtem Interesse an ihren Aufgaben tragen dieses Interesse ganz automatisch ins Team. Hilfreich ist dabei ein eigener Maßstab für die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit jenseits von Lob und Kritik anderer. Eine gute Frage an sich selbst lautet: Was kann ich durch meine Aufgaben im Unternehmen auch für mein privates Leben lernen? Mit dieser Haltung wird selbst eine lästige Aufgabe zu einer Gelegenheit für Wachstum. Die Arbeit bekommt dadurch einen Wert über das Gehalt hinaus und dieser Wert ist im ganzen Team spürbar.
Offenheit und Lernen
Zur Offenheit gehört die ehrliche Frage nach dem eigenen Wissensstand. Wo kann ich mir Wissen selbst aneignen und direkt umsetzen? Und wo bemerke ich eine Lücke in meinem Verständnis? Diese Lücken darf man nachholen und dafür bei Kolleginnen und Kollegen nachfragen und in einen offenen Austausch gehen. Diese Haltung macht den Einzelnen besser und hebt ganz nebenbei das Niveau des ganzen Teams. Mehr zur Bedeutung des Fragens steht in meinem Artikel über Fragekultur im Team.
Interesse am Menschen
Kollegen sind mehr als ihre Funktion im Unternehmen. Manchmal erwähnt jemand im Gespräch ganz beiläufig seine Leidenschaft fürs Radfahren. Genau dort lohnt sich ein ehrliches Nachfragen und ein bisschen Vertiefung. Bei spürbarer Harmonie mit einem Kollegen darf man ihm auch privat eine gemeinsame Radtour oder etwas Ähnliches vorschlagen. Aus solchen kleinen Gesten entsteht ein Teamklima mit echter Verbundenheit.
Stimmung ist ansteckend
Eine positive Grundstimmung wirkt ansteckend auf die Menschen in unserer Umgebung. Mit ihr gehen wir an die Arbeit und ins Leben und viele Menschen lassen sich davon mitnehmen. Genauso inspiriert echte Begeisterung für ein Thema andere Menschen. Diese Begeisterung darf ruhig aus dem Körper heraus und hörbar werden. Sie klingt dann lauter und lebendiger und reißt andere mit. Daneben gibt es noch eine zweite Stimme. Mit einer ruhigeren Stimme bin ich ausgeglichener und erkläre verständlicher und kann mein Gegenüber besser abholen. Beide Stimmen haben ihren Platz und die eigentliche Kunst liegt in der Wahl der passenden Stimme für den jeweiligen Moment. Diesen Unterschied übe ich selbst gerade sehr bewusst.
Wie lange trägt eine Stelle?
Zur Kollegialität gehört auch eine faire Haltung sich selbst gegenüber. Deshalb lohnt sich von Zeit zu Zeit eine ehrliche Bilanz über die eigene Stelle. Manche Unzufriedenheit lässt sich durch eigenes Handeln verändern. Andere Umstände liegen dagegen außerhalb des eigenen Einflusses. Bei einem unveränderlichen Umfeld trotz aller Bemühungen oder bei wiederholt gebrochenen Versprechen ist eine ehrliche Reflexion angebracht: Trägt dieses Unternehmen mich noch? Spätestens beim täglichen Gefühl einer ungeliebten Arbeit ist eine Veränderung fällig. Ein Blick nach neuen Möglichkeiten ist dann kein Verrat am Team und eher ein Zeichen von Selbstrespekt.
Kollegialität als Haltung
Kollegialität ist am Ende keine Technik und kein Regelwerk. Sie ist eine Haltung aus echtem Interesse an der Arbeit und an den Menschen und aus Ehrlichkeit im Umgang mit Konflikten. Dazu gehören ein offenes Ohr für Sorgen und ein gut gesetzter Humor und der Mut zu einer ehrlichen Bilanz über die eigene Situation. Jede dieser Komponenten macht das Klima im Team ein Stück schöner und zusammen machen sie aus einer Gruppe von Kollegen ein echtes Team.
Veränderung braucht Schritte
Viele Menschen wünschen sich eine Veränderung und trauen sich trotzdem nicht den Weg dorthin zu gehen. Meistens fehlt dabei weniger der Mut und viel häufiger ein klarer Plan mit einzelnen Schritten. Genau hier setzt mein Einzeltraining an. Gemeinsam sortieren wir die eigene Situation und machen aus einem vagen Wunsch einen gangbaren Weg mit konkreten Schritten. Wer mehr aus der eigenen Arbeit herausholen möchte oder über eine Veränderung nachdenkt, kann sich gerne bei mir melden. Ich wünsche Dir viel Freude auf Deiner weiteren Reise.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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