Hypnotische Geschichten und Trance
- Florian Stotz

- 15. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Aug.
Eine Geschichte, die im richtigen Zustand erzählt wird, wird nicht gehört. Sie wird gelebt.
Als ich einen entspannten Frühlingsspaziergang über die Maisfelder bei Heidelberg machte, wanderte mir eine Idee ins Bewusstsein. Nach einigen Momenten des tiefergehenden Nachdenkens teilte ich sie mit einem meiner besten Freunde. Ich weiß nicht, wie es Dir geht, mir jedenfalls prägen sich Ideen besonders dann ein, wenn ich die Gedanken dazu in Worte fasse. Im heutigen Artikel halte ich diese Gedanken fest und gebe Dir einen Einblick darin, wie hypnotische Geschichten funktionieren und wirken können.
Die Technik der hypnotischen Geschichten
Was wäre, wenn hypnotische Geschichten anderen Menschen dabei helfen könnten, sich tiefer mit sich selbst verbunden zu fühlen? Diese Frage stellte ich mir auf jenem Spaziergang, als mir die Idee zu dieser Technik kam. Vor allem beschäftigte mich, was vor dem Erzählen einer solchen Geschichte als Setting (auch: als Rahmenbedingung) bereits gegeben sein sollte. Bevor eine hypnotische Geschichte beginnt, lässt sich im Stil von Milton H. Erickson eine Conversational Hypnosis, auch Cover Hypnosis genannt. Das bedeutet, dass schon während eines scheinbar gewöhnlichen Gesprächs hypnotische Elemente eingeflochten werden. Damit wird eine Form von Priming (auch: unbewusste Bahnung) wirksam, und es entsteht ein entspannter Trancezustand, in dem sich das Nervensystem beruhigt. Ein ruhiges Nervensystem wiederum führt dazu, dass der Geist offener für die Geschichte ist und die darin enthaltenen Suggestionen im Unterbewusstsein tiefer wirken können.
Erst jetzt wird die eigentliche Geschichte erzählt, und sie enthält sensorische Erinnerungen, die für diesen einen Menschen persönliche Bedeutung haben. Besonders wirksam wird es, wenn diese Erinnerungen mit genau dem Gefühl verbunden sind, das dieser Mensch in seinem Leben gern häufiger spüren würde. Indem in der Geschichte die belastenden Gefühle mit positiven Assoziationen zu diesen sensorischen Erinnerungen verknüpft werden, entsteht etwas, das ich das Schloss aus Gedanken und Assoziationen nenne. Dieses Gedankenschloss besteht aus miteinander verbundenen Gedanken, die sich in weiteren Begegnungen immer dichter verweben und um neue Gedanken erweitern lassen. Irgendwann ist dieses Geflecht so umfassend, dass es gleichgültig wird, wo im Leben dieser Mensch sich gerade befindet, weil das gewünschte Gefühl bewusst oder unbewusst ohnehin anwesend ist.
Möglich wird das dadurch, dass dieses Gefühl sowohl mit äußeren als auch mit inneren Auslösern verbunden wurde, von denen im gegenwärtigen Moment fast immer einer vorhanden ist. Sobald ein solcher Auslöser wahrgenommen wird, bewusst oder unbewusst, beginnen die Assoziationsketten zu laufen und führen zu dem gewünschten Gefühl hin. Und jedes Mal, wenn dieser Mensch mit einem Thema und einem belastenden Gefühl wiederkommt, lässt sich die frühere Geschichte kurz aufgreifen und eine weitere anschließen. So entsteht ein endlos geflochtenes Band aus Gedanken, das mit jeder Begegnung weiter wächst. Eine Sache gehört dabei von Anfang an mitgedacht, weil sie über alles Weitere entscheidet. Zwei Menschen können dieselbe Technik verwenden und dabei etwas vollkommen Entgegengesetztes tun. Der eine webt an einem Band, das dem anderen gehört, und richtet es auf das aus, was dieser sich selbst wünscht. Der andere webt an einem Band, das ihm selbst nützt. Von außen sieht beides gleich aus, und im Kern ist es das Gegenteil. Deshalb ist die einzige Frage, die vor jeder hypnotischen Geschichte steht, diese: Wem dient sie?
Eine kleine Reise in das Konzept
Stell Dir einmal vor, Du verbringst Zeit mit einem Menschen, der gerade Schwierigkeiten in seinem Leben hat. Eine davon könnte sein, dass er sich nicht mehr mit dem Leben verbunden fühlt. Mit genau diesem Thema kam einmal eine Person zu mir und erzählte mir, dass sie sich nicht mehr verbunden fühlte. Ich interessierte mich sehr für sie und konnte im Gespräch herausfinden, was ihr wichtig und bedeutsam ist. In ihrer Kindheit liebte sie es vor allem, dem Zwitschern der Vögel zu lauschen. Schon die Erinnerung an vergangene Momente in der Natur führte sie in einen entspannten Trancezustand, in dem sie ruhiger wurde und innerlich still.
Und in diesem Zustand wirkten meine Worte wie hypnotische Worte, während sie sich daran erinnerte, wie es war, damals draußen in der Natur zu sein und dem Zwitschern der Vögel zu lauschen. Und ich erzählte ihr davon, dass sie vielleicht schon Momente im Leben erlebt hat, in denen das Zwitschern der Vögel im Hintergrund zu hören war, als sie Zeit mit Freunden und lieben Menschen verbrachte. Zeit mit Freunden und lieben Menschen, in der sie sich verbunden mit allem fühlte. Eine Zeit voller Momente, in denen sie gelacht hat, eine innere Freude spürte oder auch unangenehme Momente erlebte. Denn sie wusste, dass Freundschaft deshalb so stark ist, weil sie auch dann hält, wenn das Leben einmal dunkel und düster wirkt. Und aus diesem dunklen und düsteren Ort heraus wirkt die Freundschaft wie ein leuchtend helles Zeichen, fast wie das Zwitschern eines Vogels. Und wahrscheinlich weißt auch Du schon, was Du tun musst, um Dein Leben in die Richtung zu lenken, in die es endlich gehen soll, weil Veränderung so natürlich ist wie das Zwitschern eines Vogels als hörbarer Gesang des Lebens selbst. Beim Erzählen erinnerte ich mich daraufhin an Zeiten mit meinen eigenen Freunden, die besonders dicht und abenteuerlich waren. Auf einmal fühlte ich mich so dankbar dafür, mit anderen Menschen verbunden zu sein, großartige Gespräche zu führen, am Abend zusammen zu essen oder neue Orte mit kindlicher Neugier zu erkunden. Und beim Erinnern an diese Momente war stets das Zwitschern von Vögeln im Hintergrund des eigenen Geistes gegenwärtig.
In meinem Geist begannen sich plötzlich verschiedene Gedanken miteinander zu verbinden, als würde ich über all diese Dinge tiefer nachdenken. Als würde ich auf einmal Freundschaft und zwitschernde Vögel miteinander verknüpfen, und immer dann, wenn ich das Zwitschern der Vögel höre, würde ich auch daran erinnert, bewusst oder unbewusst, dass dieses Zwitschern eine Erinnerung an Momente der Freundschaft ist. Und überall dort, wo auf einmal zwitschernde Vögel sind, kannst Du plötzlich in Dir eine tiefe Verbundenheit spüren. Ich wusste nicht, warum, aber es war einfach da. Ich bin einfach nur spazieren gegangen, habe mich tiefer entspannt, und als ich dabei die zwitschernden Vögel hörte, habe ich mich mit allem großartig verbunden gefühlt. Es gab in meinem Leben noch eine weitere Erfahrung, als ich jünger war. Bei dieser Erfahrung habe ich früher oder später erkannt, dass ich, wenn ich das Zwitschern der Vögel hörte, in der Natur auch all die Schmetterlinge und Bäume schärfer wahrnehmen konnte. Durch diese genauere Wahrnehmung konnte ich dann nicht nur die Bäume klarer sehen, sondern auch die Gebäude, die Straßen und andere Menschen, ob Kinder oder Erwachsene. Und jedes Mal war in diesen Momenten im Hintergrund das Zwitschern der Vögel gegenwärtig, während all diese Dinge inzwischen irgendwie mit freudvollen Erinnerungen an Freundschaft verbunden waren. Es war ein Moment, in dem mir aufging, dass ich, wo immer ich auch bin, dem Zwitschern der Vögel lauschen kann, während ich dabei eine tiefe Verbundenheit spüre, die ich bei jedem weiteren Schritt eines Spaziergangs auch über den Boden unter meinen Füßen spürte.
Ich entspannte mich bei diesem Spaziergang so tief, dass ich mich mit mir selbst und mit dem Leben verbunden fühlte. Jedes Mal und in jedem Moment, in dem ich ein- und ausatmete, konnte ich diese Verbundenheit in mir fühlen, weil das Zwitschern der Vögel mich auch an all die Erinnerungen an Freunde erinnerte, in denen ich mich stark verbunden gefühlt habe. Und heute weiß ich nicht mehr, wie das alles geschehen ist, aber es hat mein Leben zum Positiven verändert. Und nun stell Dir einmal vor, plötzlich beginnt sich Dein Leben zum Positiven zu verändern. Aus dem Nichts heraus geschehen Veränderungen, und Dein Unterbewusstsein weiß bereits, was sich wie von selbst verändern wird, damit Du Dich in Deinem Leben besonders verbunden fühlen kannst, im Hier und Jetzt. Nach meiner Erzählung fragte ich die Person, was sie eigentlich zu mir geführt hatte, denn bis dahin hatten wir nur über Verbundenheit gesprochen. Und ob es Momente in ihrem Leben gab, in denen sie sich besonders verbunden gefühlt hat und von denen sie mir erzählen möchte.
Doch zurück zum heutigen Artikel. Vielleicht möchtest Du an dieser Stelle selbst einmal in Erinnerungen schwelgen, in denen Du Dich tief mit dem Leben verbunden gefühlt hast. Oder vielleicht hast Du das längst mehrfach getan, weil jedes meiner Worte auch zu einem gesprochenen Gedanken in Deinem Geist geworden ist.
Ich wünsche Dir viel Freude mit den heutigen Impulsen und eine gute Reise durch ein Leben voller guter Veränderungen.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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