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Erlange die Meisterschaft über Deine Emotionen und Gefühle – Teil 16

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • 23. Sept. 2025
  • 12 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Aug.

Eine Artikelserie als Reise aus dem emotionalen Gefängnis.

 

Im letzten Artikel hast Du die dritte Schlüsselfähigkeit der emotionalen Wahlfreiheit kennengelernt und einen ersten Einblick in die generativen Emotionsketten erhalten. Heute stelle ich Dir vor allem zehn generative Ketten vor, die jeweils auf einer bestimmten Emotion beruhen. Am Ende dieses Artikels hältst Du damit die dritte Schlüsselfähigkeit der emotionalen Wahlfreiheit in Deinen Händen.

 

Zehn generative Ketten für Deine Persönlichkeitsentwicklung

 

Die folgenden generativen Ketten beruhen auf zehn Emotionen, die besonders hartnäckig sein können. Denk daran, dass Du mehr tun musst, als die Ketten nur durchzulesen. Führe jedes der zehn Formate bewusst drei Mal hintereinander durch. Jedes Mal stärkst Du damit die jeweilige Kette und richtest Dich in eine stimmige Richtung aus, sobald eine unangenehme Emotion ausgelöst wird.

 

Emotionskette 1: Bedauern

 

Der erste Schritt der generativen Kette für Bedauern besteht darin, dass Du das Bedauern fühlst. Als Nächstes empfindest Du Respekt und Wertschätzung für diese Emotion, denn sie ist ein Signal, dass Du etwas tun musst, um einen Fehler in Zukunft nicht zu wiederholen. Mit einer Emotion der Neugier betrachtest Du dann Deinen Fehler daraufhin, was Du hättest tun können, um ihn zu vermeiden. Erinnere Dich an Fehler, die Du korrigieren konntest, sobald Du wusstest, was zu tun war. Diese Erinnerungen dienen Dir als Grundlage, um Dich beruhigt zu fühlen. Stell Dir nun eine zukünftige Situation vor, in der Du genau das tust, was Du als Notwendigkeit erkannt hast. Gestalte sie so überzeugend, dass sie Dich mit Vertrauen in Deine Fähigkeiten erfüllt. Das gibt Deinem Unterbewusstsein eine Referenz, damit sich diese Zukunft auch erfüllen kann. Diese Kette führt Dich durch eine Korrektur dessen, was Du bedauert hast, und lässt Dich zuversichtlich nach vorn blicken. So wirst Du innerlich wieder frei und kannst Deine Aufmerksamkeit auf anderes richten.

 

Emotionskette 2: Frustration

 

Die generative Kette für Frustration beginnt, wenn Du erkennst, dass Du Dich frustriert fühlst. Als Nächstes empfindest Du Respekt und Wertschätzung für die Frustration als Signal, dass Du etwas anderes tun musst, sei es beim Lernen, in einer Veränderung Deiner Perspektive, in der Anpassung Deiner Erwartungen oder in einer Veränderung Deines Verhaltens. Mit einer Emotion der Neugier prüfst Du dann, ob Dein Ziel noch lohnenswert ist. Wenn nicht, lass es los und wende Dich anderen Zielen zu. Wenn doch, gehst Du weiter. Suche in Deiner Vergangenheit nach Erfahrungen, in denen Du ähnliche Herausforderungen überwunden und möglich gemacht hast, was Du zuvor für unmöglich gehalten hattest. Fühle Dich nun beruhigt und darin bestätigt, dass Du bereits Hindernisse überwunden hast. Als letzten Schritt stellst Du Dir vor, wie Du in Zukunft auf frustrierende Situationen reagierst, indem Du Deine Haltung änderst. Durch eine innere Zuversicht wirst Du auch dieses Ziel erreichen. Zum Abschluss spürst Du diesen zuversichtlichen Zustand im Vertrauen darauf, dass Du tun wirst, was nötig ist.

 

Emotionskette 3: Angst

 

Angst ist meist die Folge davon, dass Du Dir eine unangenehme Zukunft vorstellst oder Bilder von einer Zukunft ausmalst, die unklar oder unbekannt erscheint. Damit wird die Zukunft zu einer möglichen Quelle negativer Erlebnisse. Das funktionale Attribut der Angst ist das Signal, dass Du Dich darauf vorbereiten solltest, mögliche negative Folgen einer künftigen Situation zu bewältigen oder zu vermeiden. Aus meiner Erfahrung ist die Angst oft ein Verbündeter. Wie kann das sein, wo sie doch lähmend und erschütternd sein kann? Ganz einfach, denn die Angst ist häufig mit dem Durchbruch aus einer alten in eine neue Welt verbunden. Damit ist sie auch eine Möglichkeit zu innerem Wachstum. In meinen Trainings und Workshops ist es mir ein besonderes Anliegen, Dich mit bewussten und unbewussten Werkzeugen auszurüsten, damit Du Deinen Ängsten eigenständig Schritt für Schritt ihre Kraft nehmen kannst.

 

Wie bei allen generativen Ketten ist der erste Schritt zu erkennen, dass Du Angst hast. Erlaube Dir, sie zu spüren, während Du tief in das Angstgefühl ein- und ausatmest. Erinnere Dich, dass die Angst ein Signal ist, das Dich darauf hinweist, dass es in Deiner Zukunft etwas gibt, worauf Du Dich besser vorbereiten solltest. Beginne, Respekt und Wertschätzung für sie als wichtiges Signal zu empfinden. Mit einer Emotion der Neugier prüfst Du nun, was Du zur Vorbereitung tun musst. Das kann heißen, Informationen zu sammeln, um Dein Bild der Zukunft zu vervollständigen, bestimmte Fähigkeiten bewusst abzurufen oder zu erwerben oder ein positiv formuliertes Ziel aufzustellen. Suche dann Erinnerungen, in denen Du bereits getan hast, was jetzt nötig ist, um künftigen Herausforderungen oder Bedrohungen begegnen zu können. Fühle Dich beruhigt, während Du Dir diese Fähigkeiten vergegenwärtigst. Stell Dir schließlich vor, wie Du Dich in der Zukunft auf die Herausforderung vorbereitest. Diese innere Vorstellung wiederholst Du so oft, bis Du zuversichtlich bist, dass Du tun kannst, was zu tun ist. Welche Vorbereitung nötig ist, hängt davon ab, worauf Du Dich einstellen musst und was Dir gerade Angst macht.

 

Negative Zielformulierungen sagen Dir nur, was Du nicht willst und nicht tun sollst. Positive Zielformulierungen dagegen geben Dir eine klare Richtung. Zu wissen, wohin Du willst, ist weit beruhigender, als nur zu wissen, wohin Du nicht willst. Und Du hast damit eine bessere Vorstellung davon, was zu tun ist, um dorthin zu gelangen. Wie bei allen bisher beschriebenen Emotionen liegt der Wert der Angst in ihrem Feedback. Wird dieses Feedback nicht erkannt, wird die Angst zu einer lähmenden Erfahrung. Das Ergebnis dieser Kette aber ist, dass Du Dich aus der Lähmung heraus hin zu einem Gefühl von Vertrauen bewegst. Ein solcher Zustand führt zu innerer Freiheit, macht Deine Ressourcen zugänglich und bewegt Dich zum Handeln, statt Dich nur abwarten und zittern zu lassen.

 

Emotionskette 4: Hoffnungslosigkeit bzw. Enttäuschung

 

Die generative Kette für Hoffnungslosigkeit beginnt damit, dass Du wahrnimmst, wie hoffnungslos Du Dich fühlst. Danach begegnest Du dieser Emotion mit Respekt und Wertschätzung, denn sie zeigt Dir, dass es Zeit sein könnte, ein Ziel loszulassen. Mit einer Emotion der Neugier prüfst Du nun, ob Du wirklich alles getan hast, was Du konntest. Wenn es noch etwas gibt, das Du tun kannst, dann tu es und wechsle innerlich zur Frustration. Die Frustration ist hier ein Zeichen dafür, dass Du Dich herausgefordert und entschlossen fühlst, neue Wege zu Deinem Ziel zu finden. Erkennst Du dagegen, dass Du alles versucht hast, nimmst Du bewusst an, dass jetzt der Moment zum Loslassen gekommen ist. Erinnere Dich an frühere Situationen, in denen Du ein unerreichbares Ziel aufgegeben und Deine Aufmerksamkeit auf etwas Neues gerichtet hast. Spüre die Erleichterung, die dadurch entstand, denn Loslassen schafft innere Freiheit für neue Möglichkeiten. Abschließend stellst Du Dir vor, wie Du in Zukunft Deine Energie auf Ziele richtest, die für Dich lohnend und erreichbar sind. Lass dabei ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit entstehen, weil Du Dich von dem gelöst hast, was Dich festgehalten hat.

 

Viele Menschen fühlen sich hoffnungslos, obwohl sie in Wahrheit noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Genau deshalb ist der dritte Schritt dieser Kette so bedeutsam. In ihm prüfst Du, ob es noch etwas gibt, das einen Versuch wert wäre. Die Hoffnungslosigkeit flüstert oft, es sei Zeit, den Wunsch loszulassen. Doch ist dieser Zeitpunkt wirklich schon gekommen? Um das herauszufinden, fragst Du Dich, ob es eine Handlung, eine Idee oder einen neuen Weg gibt, der noch offensteht.

 

Emotionskette 5: Schuld

 

Die generative Kette für Schuld beginnt damit, dass Du ehrlich anerkennst, Dich schuldig zu fühlen. Danach begegnest Du dieser Emotion mit Respekt und Wertschätzung, denn Dein Schuldgefühl weist Dich darauf hin, dass es Zeit ist, Deine innere Integrität wiederherzustellen. Mit Neugier fragst Du Dich, wie Du künftig Deine eigenen Maßstäbe wieder einhalten kannst. Denk dabei an konkrete Handlungen oder Haltungen, die Du anpassen oder erneuern willst. Erinnere Dich an frühere Situationen, in denen Du Fehler gemacht und später korrigiert hast, sodass Du zu Deinem inneren Kompass zurückgefunden hast. Lass dieses Wissen Dich beruhigen, denn es zeigt, dass Du fähig bist, Dich zu korrigieren und zu wachsen. Zum Abschluss stellst Du Dir lebendig vor, wie Du Dich in Zukunft verhältst, wenn Du erneut in Versuchung gerätst, von Deinen Standards abzuweichen, und wie Du bewusst wählst, Deiner Absicht treu zu bleiben. Lass dabei ein Gefühl von Zuversicht entstehen, weil Du weißt, dass Du das aus eigener Kraft kannst.

 

Emotionskette 6: Wut

 

Die generative Kette für Wut beginnt damit, dass Du bemerkst, wie wütend Du bist. Danach begegnest Du der Wut mit Respekt und Wertschätzung, denn sie zeigt Dir klar, dass Dir etwas wichtig ist und dass Handeln nötig wird. Mit Neugier stellst Du Dir die Frage: Wie kann ich in dieser Situation reagieren, um meinen Wert oder meinen Standard zu schützen, ohne Schaden anzurichten? So richtest Du Deine Aufmerksamkeit auf Ausdrucksformen jenseits von Angriff und Zerstörung. Erinnere Dich an Momente, in denen Du Deine Werte vertreten hast, ohne destruktiv zu werden. Lass dieses Wissen Dich beruhigen, denn es zeigt, dass Du Deine Kraft bereits bewusst und konstruktiv nutzen kannst. Zum Abschluss stellst Du Dir lebendig vor, wie Du Deine Wut künftig als Energie nutzt, um klare Grenzen zu setzen, für Dich einzustehen und zugleich so zu handeln, dass es für Dich und andere hilfreich ist. Lass Dich dabei zuversichtlich fühlen und erkennen, dass Du das im Leben leicht umsetzen kannst.

 

Emotionskette 7: Eifersucht

 

Die generative Kette für Eifersucht beginnt damit, dass Du ehrlich anerkennst, eifersüchtig zu sein. Danach begegnest Du dieser Emotion mit Respekt und Wertschätzung, denn Eifersucht ist ein deutliches Signal, dass Du Dich um Dein emotionales Wohlbefinden kümmern solltest. Mit Neugier prüfst Du, ob Dein Wohlbefinden tatsächlich gefährdet ist. Ist das nicht der Fall, darfst Du Dich freuen, dass der Mensch, den Du liebst, schöne Momente mit anderen erlebt. Spürst Du jedoch, dass wirklich etwas auf Dein Wohlbefinden einwirkt, gehst Du zu den letzten beiden Schritten über. Erinnere Dich an Situationen, in denen Du gut für Dich gesorgt hast. Finde genügend Beispiele, damit Du spürst, dass Du Dich selbst schützen und versorgen kannst, und lass daraus eine Beruhigung entstehen. Als letzten Schritt stellst Du Dir lebendig vor, wie Du in Zukunft erfolgreich für Dich sorgst, falls es wirklich eine Bedrohung geben sollte. Lass die inneren Bilder klar und farbig werden, bis Du eine tiefe Zuversicht spürst.


Es gibt drei Muster, die häufig zu Eifersucht führen. Zwei davon lassen sich mit dieser generativen Kette leicht wandeln:

 

  1. Niedriges Selbstwertgefühl: Erstens das niedrige Selbstwertgefühl. Wenn Dein Selbstwert gering ist, glaubst Du schnell, leicht ersetzbar zu sein, und die Welt erscheint Dir voller Rivalen. Jede neue Person im Umfeld Deines Partners wirkt wie eine Gefahr. Hier hilft Dir die Kette, indem Du erkennst, wann Du Deinem Partner schon einmal tiefe Freude, Nähe oder Erfüllung geschenkt hast. Wenn Du übst, dies in Deine Zukunftsvorstellung einzuweben, wächst Schritt für Schritt ein stabiler Selbstwert und damit echtes Vertrauen.

  2. Zu besitzergreifende Kriterien: Wenn Du Deinen Partner eher als Eigentum betrachtest, wird jede interessante Person zum Eindringling. Solche Kriterien führen fast zwangsläufig zu Kämpfen und Kontrollverhalten. Hier reicht die generative Kette allein nicht aus. Es braucht eine Veränderung Deiner inneren Kriterien hin zu solchen, die eine liebevolle und gegenseitig bereichernde Partnerschaft ermöglichen.

  3. Eine tatsächliche Bedrohung: Wenn Deine Kriterien angemessen sind, Dein Selbstwert stabil ist und Du der Mensch bist, der Du sein möchtest, Dein Partner aber dennoch erwägt, Dich zu ersetzen, dann ist Deine Eifersucht verständlicher. Hier hilft Dir die Kette, weil sie sicherstellt, dass Du emotional in einem Zustand bist, in dem Du klar handeln kannst. Sie unterstützt Dich dabei, Grenzen zu setzen, Lösungen zu finden oder Dich auf ein ehrliches Gespräch vorzubereiten. Und wenn es wirklich schwierig wird, kann sogar eine Paartherapie ein sinnvoller Weg sein. Meine Haltung ist hier klar: Lass diesen Menschen gehen, wenn er Dich kontrollieren will oder Dich als Mensch nicht wertzuschätzen weiß.

 

Emotionskette 8: Überforderung

 

Die generative Kette für Überforderung beginnt damit, dass Du wahrnimmst, wie überfordert Du Dich fühlst. Danach begegnest Du dieser Emotion mit Respekt und Wertschätzung, denn sie zeigt Dir deutlich, dass etwas Deine Aufmerksamkeit braucht. Mit einer Haltung der Neugier gehst Du dann Deine Aufgaben und Ziele durch und fragst Dich: Was ist wirklich notwendig, und was kann ich loslassen oder verschieben? So bringst Du Ordnung in das, was Dich innerlich belastet. Erinnere Dich an Momente, in denen Du erfolgreich Prioritäten gesetzt und dadurch wieder handlungsfähig geworden bist. Lass diese Erinnerung Dich beruhigen, denn sie zeigt Dir, dass Du diese Fähigkeit bereits in Dir trägst. Zum Abschluss stellst Du Dir lebhaft vor, wie Du in künftigen Situationen klar sortierst, bewusst priorisierst und Dich dabei ruhig und zuversichtlich fühlst. So verwandelt sich die Überforderung Schritt für Schritt in innere Klarheit und Ruhe.

 

Emotionskette 9: Festgefahren sein

 

Die generative Kette für das Gefühl festzustecken beginnt in dem Moment, in dem Du bewusst bemerkst, dass Du Dich festgefahren fühlst. Dieses Bewusstsein zeigt Dir, dass neue Optionen nötig sind. Als Nächstes begegnest Du der Emotion mit Respekt und Wertschätzung, weil sie Dich darauf hinweist, dass Deine bisherigen Wege nicht mehr ausreichen. Mit einer Haltung der Neugier schaust Du Dir an, auf welche Ansätze Du Dich bislang verlassen hast. Erinnere Dich an Momente, in denen Du schon einmal festgesteckt und durch eine veränderte Perspektive neue Möglichkeiten gefunden hast. Lass diese Erinnerungen Dich beruhigen, denn sie zeigen Dir, dass Du aus alten Denkmustern aussteigen kannst. Nun richtest Du den Blick in die Zukunft. Stell Dir vor, wie Du Dich wieder festgefahren fühlst und in genau diesem Moment neue Optionen entwickelst, die Dich weiterbringen. Wiederhole diese Vorstellung und lass sie immer lebendiger werden, bis sich ein tiefes Gefühl von Zuversicht aufbaut. Diese Kette führt Dich bewusst über Deine bisherigen Grenzen hinaus und öffnet Dir Wege, die zuvor außerhalb Deiner Aufmerksamkeit lagen. Dazu kann auch gehören, dass Du den Rat anderer einholst oder Unterstützung annimmst.

 

Emotionskette 10: Einsamkeit

 

Die generative Kette für Einsamkeit beginnt damit, dass Du erkennst, wie einsam Du Dich fühlst. Danach begegnest Du dieser Emotion mit Respekt und Wertschätzung, denn sie zeigt Dir klar, dass Du eine bestimmte Form von Nähe oder Verbindung brauchst. Mit einer Haltung der Neugier prüfst Du, welche Art von Kontakt Du Dir wünschst und mit welchen Menschen er stimmig wäre. Anschließend suchst Du in Deinen Erinnerungen nach Momenten, in denen Du selbst den ersten Schritt auf andere zugegangen bist und Verbindung hergestellt hast. Lass diese Beispiele Dich beruhigen, denn sie zeigen, dass Du aktiv in Kontakt treten kannst. Jetzt richtest Du den Blick in die Zukunft und stellst Dir lebendig vor, wie Du genau die Art von Kontakt anstößt, die Du Dir wünschst. Lass die inneren Bilder farbig, klar und lebendig werden, bis sich in Dir ein Gefühl von Zuversicht ausbreitet. Achte bei dieser Kette darauf, Dich gezielt an Erlebnisse zu erinnern, in denen Du selbst aktiv geworden bist. Die Erinnerung daran, dass ein Freund Dich einmal angerufen hat, mag warm und schön sein, doch sie hilft Dir weniger, die Einsamkeit zu überwinden, weil sie Dich unbewusst in eine passive Erwartungshaltung bringt. Viel hilfreicher sind die Momente, in denen Du den Kontakt aufgenommen hast, denn sie stärken Deine Überzeugung, dass Verbindung kein Zufall ist, sondern etwas, das Du gestalten kannst.

 

Das grundlegende Muster, das allen generativen Ketten zugrunde liegt

 

Wie Du vermutlich bemerkt hast, folgen alle generativen Ketten demselben Grundmuster:

 

  1. Auslösende Emotion

  2. Respekt und Wertschätzung

  3. Neugier

  4. Beruhigung

  5. Zuversicht

 

Damit eine generative Kette wie von selbst in Deinem Unterbewusstsein abläuft, musst Du sie mehrmals einüben, mindestens drei Mal mit einem Szenario. Ziel ist, sie so oft zu wiederholen, bis Du bemerkst, dass sie automatisch anzulaufen beginnt. Die generative Kette wirkt am besten mit den Emotionen, die Dich auf ein bestimmtes Bedürfnis hinweisen. Allzu oft bleiben unangenehme Emotionen unbemerkt oder werden schlecht beantwortet. Das führt häufig in eine Abwärtsspirale des Leids, weil sich diese Emotionen miteinander verketten. Das Leben bietet Dir viele Gelegenheiten, Neid, Sorge, Unzufriedenheit und viele weitere Emotionen zu erfahren. Der Wert der generativen Kette liegt in ihrer Fähigkeit, diese unangenehmen Emotionen zu Deinen Gunsten arbeiten zu lassen.

 

Eine weitere generative Kette für Deine Persönlichkeitsentwicklung

 

Die Scham ist eine Emotion, die Dir zuflüstert: So wie ich bin, bin ich nicht richtig. Genau deshalb ist es wichtig, auch diese starke innere Regung in eine generative Kette einzubetten. Der erste Schritt besteht darin, dass Du bemerkst, wie Du Dich schämst. Danach begegnest Du der Scham mit Respekt und Wertschätzung, denn sie zeigt Dir, dass Dir etwas an Deinem Ansehen, Deinem Verhalten oder Deiner Zugehörigkeit zu anderen wirklich wichtig ist. Scham weist Dich darauf hin, dass es Bereiche gibt, in denen Du Deine Würde schützen oder Deine Beziehungen klarer gestalten solltest. Mit einer Emotion der Neugier betrachtest Du anschließend die Situation, in der Du Scham empfunden hast. Du prüfst, welche Deiner Werte oder sozialen Regeln Du möglicherweise verletzt hast, oder ob vielleicht jemand anders eine Grenze überschritten hat und Du die Schuld fälschlich trägst.


Frage Dich als Nächstes, ob diese Regeln wirklich hilfreich und angemessen sind oder ob es Zeit ist, sie neu zu bewerten und zu verändern. Erinnere Dich an frühere Situationen, in denen Du Dich zunächst geschämt, aber später einen Weg gefunden hast, Dich wieder mit Dir selbst oder mit anderen zu versöhnen. Das kann durch ein klärendes Gespräch geschehen sein, durch eine Entschuldigung, durch Lernen oder durch die Erkenntnis, dass die Scham überzogen war. Diese Erinnerungen dienen Dir als Grundlage für Beruhigung und innere Stabilität. Stell Dir dann eine künftige Situation vor, in der erneut Scham entstehen könnte, und sieh Dich klar, respektvoll und selbstfürsorglich reagieren. Stell Dir vor, wie Du die Scham als Hinweis nutzt, um Dein Verhalten zu korrigieren, oder um Dir selbst und anderen Mitgefühl zu schenken, wenn die Scham unbegründet ist. Lass diese Vorstellung so lebendig, farbig und überzeugend werden, dass Du spürst, wie ein Vertrauen darin entsteht, konstruktiv mit Scham umzugehen.


Diese generative Kette führt Dich durch eine Neubewertung und Integration dessen, was Dich beschämt hat, und lässt Dich mit Zuversicht nach vorn blicken. Scham sollte Dich nicht lähmen, sondern zu einem Kompass werden, der Dich auf Wachstum, Würde und Verbindung hin ausrichtet. Ein Letztes noch zur Scham: Wenn andere Dir einreden wollen, dass etwas an Dir nicht in Ordnung sei, obwohl an dem Vorwurf nichts dran ist, dann darfst Du jetzt anerkennen, dass Du vollkommen in Ordnung bist, wie Du bist. Es gibt Menschen, die andere kleinmachen müssen, um sich selbst größer zu fühlen. Lass ihre Worte und Handlungen an Dir abprallen wie Pfeile an einer eisernen Rüstung.

 

Deine dritte Schlüsselfähigkeit ist erworben

 

Die dritte Schlüsselfähigkeit der emotionalen Wahlfreiheit ist die Anwendung. Sie beschreibt Deine Fähigkeit, unangenehme Emotionen so zu nutzen, dass sie Deine Entwicklung unterstützen. Die Werkzeuge dieses Artikels geben Dir die nötige Struktur dafür. Vielleicht hast Du inzwischen eine neue Perspektive auf unangenehme Emotionen gewonnen. Du weißt nun, dass sie nicht gegen Dich arbeiten, sondern wertvolle Hinweise enthalten, wenn Du stimmig auf sie antwortest. Entscheidend ist das funktionale Attribut jeder Emotion, also die Frage, was sie Dir signalisiert. Sobald Du es erkennst, kannst Du sinnvoll darauf antworten.

 

Die generativen Ketten führen Dich Schritt für Schritt durch eine innere Haltung und eine Abfolge von Emotionen, bis Du Dich von einem unangenehmen Zustand zu echter Zuversicht bewegt hast, vor allem im Vertrauen auf Deine Fähigkeit, Deine inneren Ressourcen zu nutzen und in Zukunft bewusster zu handeln. Eine erweiterte Technik ist folgende: Beginne, eine bestimmte Emotion in Dir zu fühlen, und stell Dir im Geist eine Kugel in einer bestimmten Farbe vor. Lass dann die nächste Emotion entstehen und verbinde die erste Kugel mit einer Kugel in einer neuen Farbe. Das führst Du fort, bis Du eine ganze generative Kette hergestellt hast.

 

Damit hast Du den vorletzten Artikel der Reise aus dem emotionalen Gefängnis abgeschlossen. Idealerweise hast Du das Wissen bereits praktisch angewendet. Nach diesem geistigen Marathon stehst Du kurz vor der roten Ziellinie. Im nächsten und letzten Artikel erhältst Du die vierte Schlüsselfähigkeit der emotionalen Wahlfreiheit. Damit setzt Du einen Schritt zur Meisterschaft über Deine Gefühle. Bis dahin wünsche ich Dir eine bereichernde Zeit in Deinem Leben.

 

Bis zum nächsten Mal und Danke für Deine Zeit,


Dein Florian 🌈

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