top of page

Hypnose ohne Mystik

  • Autorenbild: Florian Stotz
    Florian Stotz
  • vor 5 Tagen
  • 10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Nicht der Hypnotiseur macht die Trance. Er hält den Raum, in dem sie entstehen darf.


Als jemand, der sich seit Jahren mit Trancearbeit beschäftigt, begegnet mir in Gesprächen und Trainings immer wieder dieselbe erste Frage. Sie lautet fast nie, wie man einen Menschen erreicht. Sie lautet, wie tief er sein muss, damit es wirkt. Und in dieser Frage steckt bereits eine Annahme, die den Blick auf alles Weitere verstellt. Ich möchte in diesem Artikel zwei Männer nebeneinanderstellen, die zu dieser Annahme entgegengesetzte Antworten geben: Dave Elman, der Ärzten beibrachte, in wenigen Minuten in eine tiefe Trance zu führen, und Hans-Christian Kossak, der nüchtern feststellt, dass es einen besonderen Bewusstseinszustand gar nicht gibt. Zwischen beiden liegt kein Streit, den man schlichten müsste sondern das, was Hypnose wirklich ist.


Die Verwechslung: Tiefe und Wirkung


Wer zum ersten Mal mit Trancearbeit in Berührung kommt, hält Tiefe und Wirkung für dasselbe. Je tiefer der Zustand, desto stärker die Veränderung. Und weil das so plausibel klingt, wird es fast nie überprüft. Diese Verwechslung entsteht nicht aus Naivität, sondern weil die gesamte Bildsprache der Hypnose sie nahelegt. Es heißt hinabsinken, tiefer und tiefer, Stufe für Stufe, versinken, absteigen. Die Sprache selbst baut einen Keller unter den Menschen und legt eine Treppe hinein. Wer diesen Bildern folgt, denkt zwangsläufig an einen Ort, den man erreichen oder verfehlen kann.


Ich nenne das den Keller. Er ist ein hilfreiches Bild, solange man weiß, dass er nicht existiert. Denn was man dort unten zu finden hofft, liegt in Wahrheit die ganze Zeit im Raum zwischen zwei Menschen. Der Keller ist eine Erfindung der Sprache. Und genau deshalb lohnt es sich, beide Positionen anzuschauen. Die eine hat den Keller vermessen. Die andere bestreitet, dass es ihn gibt.


Dave Elman: der Mann, der Ärzte unterrichtete


Dave Elman kam von der Bühne und aus dem Radio, wandte sich erst spät der medizinischen Hypnose zu und brachte Ärzten und Zahnärzten bei, eine Induktion (auch: die Einleitung der Trance) in wenigen Minuten durchzuführen statt in einer halben Stunde. Sein Buch aus dem Jahr 1964 wurde für Generationen von Praktikern zum Standardwerk. Seine Definition ist knapp und streitbar. Hypnose ist für ihn ein Zustand, in dem die Urteilsfähigkeit eines Menschen umgangen und durch selektives Denken ersetzt wird. Mit Urteilsfähigkeit meint er jenen Teil des Denkens, der Glaubenssätze bildet und unterscheidet: heiß und kalt, gut und böse, wahr und unwahr. Selektives Denken ist demgegenüber das, was ein Mensch unbedingt und von ganzem Herzen glaubt. Wer wirklich glaubt, keinen Schmerz zu spüren, spürt keinen.


Bemerkenswert ist, dass Elman im selben Atemzug die Bedingung nennt, unter der das zusammenbricht. Der leiseste Zweifel genügt. Ebenso die Angst. Deshalb dreht sich sein gesamtes Vorgehen darum, zuerst ein Klima von Vertrautheit und Sicherheit herzustellen, bevor irgendetwas anderes geschieht. Man kann seine Theorie für überholt halten, und wir kommen gleich zu jemandem, der sie überzeugend bestreitet. Sein Handwerk ist davon unberührt.


Wie eine Elman-Induktion gebaut ist


Was ich hier beschreibe, ist die Architektur, nicht der Wortlaut. Der Wortlaut gehört denen, die ihn erarbeitet haben, und die Struktur ist ohnehin das Lehrreiche daran. Am Anfang steht ein Rahmen, der gesetzt wird, bevor der Mensch merkt, dass die Arbeit begonnen hat: eine allgemein zutreffende Beobachtung über Anspannung im Leben, verbunden mit dem Angebot, eine einfache Methode zur Entspannung zu lernen. Dann der Augenschluss, und zwar nicht als Aufforderung, sondern als konkrete Muskelarbeit an den Lidern, die der Mensch selbst ausführt und selbst spürt.


Dann kommt der Zug, auf den alles Weitere aufbaut. Der Klient wird eingeladen, selbst herauszufinden, wie entspannt seine Lidmuskeln sind, indem er versucht die Augen zu öffnen. Gelingt es ihm nicht, hat er einen Beweis den ihm niemand mehr ausreden kann. Gelingt es ihm doch, wird der Schritt einfach wiederholt bis er trägt. Ich nenne das das Geländer. Ein Geländer nimmt niemandem die Treppe ab. Es hält auch niemanden fest. Es steht einfach da und trägt in dem Moment, in dem jemand danach greift, und es trägt genau so viel Gewicht, wie derjenige gerade hineinlegt. Elmans Tests sind Geländer. Sie beweisen nichts über den Zustand, sie geben dem Menschen etwas, woran er sich selbst hochziehen kann.


Danach wird das Gefühl der entspannten Lider über den ganzen Körper geführt, vom Scheitel abwärts. Es wird nichts Neues erzeugt, sondern etwas Vorhandenes ausgeweitet. Anschließend folgt das Fraktionieren (auch: das mehrfache Verlassen und Wiederbetreten eines Zustands): Augen auf, Augen zu, zwei- oder dreimal, mit der Ankündigung, dass die Entspannung sich dabei vervielfacht. Dieses Prinzip ist alt und ausgesprochen wirksam. Ein Zustand vertieft sich zuverlässiger durch Rückkehr als durch Verweilen.


Es folgt ein Test der körperlichen Entspannung über die angehobene und fallengelassene Hand, dann das laute Rückwärtszählen von hundert, bei dem die Zahlen verschwinden sollen. Sind sie tatsächlich verschwunden, spricht Elman von einer echten somnambulen Trance, erkennbar an dieser hypnotischen Aphasie (auch: dem Verlust der Sprachfähigkeit). An dieser Stelle fällt in der Anleitung ein Satz, bei dem ich beim Lesen hängengeblieben bin, weil er auch von Milton Erickson stammen könnte: Du musst die Zahlen verschwinden lassen, ich kann es nicht für Dich tun.


Erst danach kommt das eigentliche Anliegen, und am Ende die posthypnotischen Suggestionen. Hier steckt ein Detail, das ich für professionell entscheidend halte: Jede Trance sollte mit einer positiven, auf einen guten Verlauf gerichteten Suggestion beendet werden, weil ein Mensch in diesem Zustand auch für beiläufige Botschaften außergewöhnlich empfänglich ist. Was Du am Ende sagst, wirkt weiter. Zwei handwerkliche Feinheiten werden leicht überlesen. Die Suggestionen werden auf den Atemrhythmus des Klienten gelegt, mit kleinen Pausen an den Wendepunkten von Ein- und Ausatmung. Und es gilt eine strenge Sprachhygiene: Angst erzeugende Wörter wie scharf, Stich oder Nadel haben in einer solchen Sitzung nichts verloren, und auch das Wort Hypnose selbst wird vermieden.


Esdaile und der zugewachsene Weg


James Esdaile war ein schottischer Chirurg, der in den 1840er Jahren in Indien arbeitete und dort über dreihundertfünfundvierzig Operationen unter Hypnose durchführte, überwiegend an großen Tumoren, in einer Zeit ohne chemische Narkose. Die damals übliche Sterblichkeit bei solchen Eingriffen lag bei etwa fünfzig Prozent. Esdaile drückte sie auf rund fünf. Man sollte annehmen, dass ein solches Ergebnis gefeiert wurde. Für die Ärztegesellschaften der Zeit war dieser Erfolg schlicht nicht akzeptabel, und als kurz darauf Äther und Chloroform entdeckt wurden, verschwand die als Humbug abgetane Hypnose aus der Medizin.


Hier war ein Weg begehbar, und er ist zugewachsen. Nicht weil er nicht trug, sondern weil daneben eine Straße gebaut wurde, die bequemer war und keine Beziehung erforderte. Menschen nehmen die Straße. Das ist keine Schuld, das ist Ökonomie. Nur bleibt der alte Weg dann so lange unbenutzt, bis niemand mehr weiß, dass er dorthin führt. Nach Esdaile ist ein Zustand benannt, den Elman später beschrieb und der jenseits des Somnambulismus (auch: der tiefen Trance mit schlafwandlerischen Merkmalen) liegt. Beschrieben wird er als eine Art hypnotisches Koma: ausgeprägte Katalepsie, weitreichende Analgesie (auch: die Aufhebung der Schmerzempfindung) und eine bemerkenswerte Gleichgültigkeit gegenüber allem, was geschieht. Menschen in diesem Zustand haben keine Neigung, sich zu bewegen oder zurückzukehren, und man muss wissen, wie man sie sauber wieder herausführt.


Genau deshalb gehört dieser Zustand nicht in einen Artikel als Anleitung, sondern in die Hände von Menschen mit medizinischer Ausbildung. Elman hat aus gutem Grund Ärzte unterrichtet und nicht das Publikum. Über etwas zu wissen und dazu aufzufordern sind zwei verschiedene Dinge.


Kossaks Einwand: es gibt keinen Zustand


Hans-Christian Kossak ist klinischer Psychologe, hat eines der gründlichsten deutschsprachigen Standardwerke zur Hypnose geschrieben und vertritt darin eine Position, die dem gesamten Tiefen-Vokabular den Boden entzieht. Er ordnet sich den Non-State-Theorien zu (auch: den Theorien, die Hypnose nicht als eigenen Bewusstseinszustand verstehen), und deren Kernaussage lautet, dass Hypnose keinen Bewusstseinssprung beinhaltet. Seine Begründung ist empirisch. In Hypnose sind im EEG nur solche Veränderungen feststellbar, die auch ohne Hypnose im normalen Alltagsleben vorkommen. Der übliche Begriff Wachzustand suggeriere indirekt etwas Falsches, nämlich dass sich Hypnose bedeutsam vom Alltagsbewusstsein unterscheide.


Was in Hypnose zu beobachten ist, sind demnach Verhaltensweisen, die aus dem Alltag bekannt und mit bestehenden Wahrnehmungstheorien erklärbar sind. Erwartungen und Einstellungen werden angesprochen, und daraus entsteht die Reaktion. Kossak berichtet, dass er in seinen Ausbildungsseminaren regelmäßig sichtbare Ent-Täuschungen auslöst, im Wortsinn, und dass darauf Erleichterung folgt. Noch weiter geht der ökosystemische Ansatz, den er referiert. Dort heißt es, hypnotische Tiefe sei nicht mehr als eine subjektive Erfahrung, also ein Konstrukt. Und im selben Zusammenhang steht ein Satz, den ich meiner Perspektive nach für den wichtigsten dieses ganzen Artikels halte: Der Hypnotiseur bewirkt nicht die Hypnose, sondern die Komplementarität der Beziehung ermöglicht sie. Der Keller ist leer. Er war es immer.


Vom Keller zur Beziehung


Wer beide Positionen ernst nimmt, steht zunächst vor einem Widerspruch. Elman zählt Zustände und Tiefen, Kossak sagt, es gebe keine. Und man muss sich entscheiden, wenn man beides für eine Theorie hält. Man muss es nicht, wenn man das eine für eine Theorie hält und das andere für ein Handwerk. Tiefe ist kein Ort, zu dem man hinabsteigt. Tiefe ist eine Beschreibung dafür, wie weit ein Mensch in diesem Moment bereit und in der Lage ist, auf ein Angebot zu reagieren. Wenn die Zahlen verschwinden, hat sich kein Schalter umgelegt. Es hat sich gezeigt, dass dieser Mensch gerade bereit ist, weit zu gehen.


Und deshalb ist Elmans Testen klug, ganz unabhängig davon, ob seine Erklärung stimmt. Ein Test misst keine Tiefe, er stellt Reaktionsbereitschaft fest und erzeugt sie im selben Moment, weil der Mensch sich dabei selbst überzeugt. Das Geländer trägt auch dann, wenn der Statiker sich in der Berechnung geirrt hat. Dieselbe Methode, eine andere Begründung. Und die Methode überlebt ihre Begründung.


Was in jeder Trance wirklich wirkt


Wenn man Elman und Kossak nebeneinanderlegt und alle Schulenstreitigkeiten abzieht, bleiben fünf Dinge übrig, die in jeder Form von Trancearbeit tragen:


  • Erwartung bestimmt einen großen Teil des Erlebens: Was ein Mensch erwartet, prägt maßgeblich, was er wahrnimmt. Das ist keine hypnotische Besonderheit, sondern gilt allgemein. In der Trancearbeit wird es nur systematisch genutzt statt zufällig.

  • Die Beziehung erzeugt die Trance, nicht die Technik: Wer das verstanden hat, hört auf, an seinen Formulierungen zu feilen, und beginnt, an seinem Kontakt zu arbeiten. Wärme ist hier kein Beiwerk, sondern der eigentliche Wirkfaktor. Sie lässt sich nicht spielen, und ein Mensch in einem offenen Zustand merkt den Unterschied schneller als in jedem Alltagsgespräch.

  • Die Aufmerksamkeit muss gebündelt sein: Ob es Zahlen sind, Augenlider, der eigene Atem oder eine Geschichte, die scheinbar von etwas ganz anderem handelt, spielt eine geringere Rolle als der Umstand, dass die Aufmerksamkeit an einem Punkt zusammenläuft. Alles Weitere folgt daraus.

  • Sprache wird wörtlich genommen: Kossak belegt das mit dokumentierten Fällen. Ein Patient hatte während einer Operation die Bemerkung eines Chirurgen, man solle nach Hause kommen, wörtlich verstanden und entwickelte unterschwellig Panik, in diesem hilflosen Zustand allein gelassen zu werden. In einem anderen Fall lautete die Suggestion, eine Patientin sei immer tief entspannt, wenn sie zur Zahnbehandlung komme, woraufhin sie bereits beim Verlassen ihres Hauses in Trance fiel. Erst die präzisierte Fassung, die den Behandlungsstuhl benannte, führte zum gewünschten Ergebnis.

  • Der Mensch muss selbst beteiligt sein: Kossak hält ausdrücklich fest, dass Hypnose bei Menschen sogar kontraindiziert sein kann, die ohne Eigenleistung eine Manipulation verlangen, um symptomfrei zu werden. Sie müssen lernen, ihre Probleme durch aktive Auseinandersetzung zu lösen. Das ist derselbe Satz, den Elman einem Klienten in Trance sagt, nur aus der anderen Richtung.


Dazu passt eine Beobachtung aus der Elman-Anleitung, die mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht. Die freundlich gemeinte Frage eines Arztes, was denn die Rückenschmerzen machen, setzt voraus, dass es sie gibt, und veranlasst den Patienten unmittelbar, danach zu suchen. Das ist eine Präsupposition (auch: eine stille Voraussetzung, die ein Satz mittransportiert), und sie wird täglich tausendfach ausgesprochen, ohne dass jemand sie bemerkt. Kossak zieht dieselbe Konsequenz für Verneinungen. Der Satz, jemand habe keine Angst, richtet die Aufmerksamkeit genau auf die Angst.


Wo Hypnose an ihre Grenze kommt


Ein Text über Trancearbeit, der diesen Teil auslässt, ist kein professioneller Text. Zunächst die Entwarnung weil sie belegt ist. Auch wenn in Hypnose unerwartete Reaktionen auftreten können, ist sie nicht gefährlicher als andere Verfahren der Psychotherapie oder der Entspannung. Es ist kein Fall bekannt, in dem ein Mensch ohne vorherige Symptomatik durch Hypnose schizophren geworden wäre. Und bei einer Untersuchung von hundertneunzehn Fällen, in denen nach Hypnose psychotische Episoden auftraten, ließen diese sich auf die Interventionen unqualifizierter Anwender zurückführen. Das Problem war nicht die Methode:


  • Traumatisierungen können zu schnell aufgedeckt werden: Hypnose eignet sich sehr gut dazu, Blockaden aufzuheben, und genau darin liegt die Gefahr. Wird ein Trauma freigelegt, ohne dass gleichzeitig eine Verarbeitung stattfindet, sind nach Kossak Schockerlebnisse bis hin zur Suizidgefahr möglich. Die Arbeit muss deshalb bereits im Vorfeld behutsam geführt werden.

  • Eine Depression kann sich hinter Symptomen verbergen: Zahlreiche psychosomatische Beschwerden können eine zugrunde liegende Depression verdecken. Hier ist Trancearbeit erst nach einer sorgfältigen Differentialdiagnose (auch: der Unterscheidung ähnlich aussehender Krankheitsbilder) angezeigt, und die gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Hände.

  • Bei Sucht und bei Kontrollverlustängsten ist Vorsicht geboten: Menschen mit Abhängigkeitsproblemen neigen zur Realitätsflucht, und es besteht die zusätzliche Gefahr einer neuen Abhängigkeit, diesmal gegenüber dem Begleiter. Und bei Menschen mit einer Vorgeschichte aus Gewalt und Machtlosigkeit sollte Hypnose besonders behutsam eingeführt werden, weil sie ausgerechnet damit Ausgeliefertsein verbinden könnten.

  • Schmerz kann eine Funktion haben: Kossak beschreibt einen Mann, der nach einer Beinamputation unter erheblichen Phantomschmerzen litt, die bis zu Suizidversuchen führten. Er wollte ausschließlich Schmerztherapie und zeigte dabei erhebliche Widerstände. Erst der Blick auf seine Lebenssituation zeigte, warum: Seine Frau hatte sich kurz vor dem Unfall von ihm trennen wollen. Die anschließende Paartherapie war wesentlich sinnvoller als jede symptombezogene Behandlung.


Schmerzen sind zunächst normale Körpersignale mit Warnfunktion. Wer sie wegsuggeriert, ohne zu fragen, wofür sie da sind, arbeitet unter Umständen gegen den Menschen. Und damit zu der Grenze, die mich selbst betrifft. Hypnotische Analgesie ist gut dokumentiert, Kossak widmet der Anwendung in Chirurgie und Zahnmedizin eigene Kapitel, und Esdailes Zahlen sprechen für sich. Trotzdem ist die Entscheidung, bei einem Eingriff die Menge eines Anästhetikums zu verändern, eine medizinische Entscheidung. Sie gehört Ärztinnen, Ärzten und Zahnärzten innerhalb ihrer eigenen Ausbildung und ihrer eigenen Verantwortung. Sie gehört nicht in meine, und sie gehört nicht in die von Menschen, die einen Artikel gelesen haben. Was Du als Nichtmediziner aus diesem Wissen ziehen kannst, ist etwas anderes und keineswegs weniger.


Vom Wissen zum Verkörpern


Über Trancearbeit zu lesen ist leicht. Sie in der eigenen Sprache spürbar zu machen ist etwas anderes. Vier Dinge kannst Du ab heute üben, und keines davon verlangt eine Ausbildung:


  • Prüfe Deine Fragen auf das, was sie voraussetzen: Frag nicht, was die Rückenschmerzen machen. Frag wie es jemandem heute geht. Der Unterschied wirkt lächerlich klein und ist es nicht, weil die stille Voraussetzung schneller ankommt als der freundliche Ton, in dem sie verpackt ist.

  • Teste, statt zu behaupten: Sag einem Menschen nicht, wie entspannt er ist. Lade ihn ein, es selbst festzustellen. Was jemand an sich selbst überprüft hat, muss ihm niemand mehr beweisen, und es hält auch dann noch, wenn Du längst nicht mehr im Raum bist.

  • Arbeite mit Rückkehr statt mit Verweilen: Ein Zustand vertieft sich zuverlässiger, wenn man ihn mehrfach verlässt und wieder betritt. Das gilt für Trance, und es gilt genauso für Konzentration, für Meditation und für jede Form von Übung.

  • Sprich im Atemrhythmus Deines Gegenübers: Leg Deine Sätze auf seine Atmung und mach kleine Pausen an den Wendepunkten. Das ist Angleichen in seiner körperlichsten Form, es kostet Dich nichts außer Aufmerksamkeit, und es wirkt in jedem Gespräch, auch weit außerhalb jeder Trance.


Und über allem steht der eine Satz, der Dir die meiste Arbeit abnimmt und der zugleich am schwersten auszuhalten ist: Ich kann es nicht für Dich tun.


Der Schluss


Zwischen Elman und Kossak liegen ein halbes Jahrhundert und zwei fast unvereinbare Theorien. Und trotzdem stehen beide am selben Punkt. Bei Elman heißt es: Du musst es tun, ich kann es nicht für Dich tun. Bei Kossak heißt es: Der Hypnotiseur bewirkt nicht die Hypnose, die Beziehung ermöglicht sie. Das ist derselbe Satz in zwei Sprachen. Und es ist der Grund, warum das Bild vom mächtigen Hypnotiseur und dem willenlosen Objekt nie gestimmt hat. Was in einer Trance geschieht, geschieht durch den Menschen selbst.


Alles was Du tun kannst ist so genau anzubieten, dass er findet, was er ohnehin schon in sich trägt. Mit diesen Worten schließen wir den heutigen Artikel bewusst mit einem für Dich erweiterten Wissen ab.


Danke für Deine Zeit und bis bald,


Dein Florian 🌈

Kommentare


bottom of page