Das Metaprogramm Gleichbeispiel- und Gegenbeispielsortierer
- Florian Stotz

- 23. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Manche Menschen verstehen die Welt, indem sie Ähnlichkeiten finden. Andere verstehen sie, indem sie Unterschiede finden.
Es gibt eine Frage, mit der sich dieses Metaprogramm in wenigen Sekunden zeigt. Man legt jemandem drei Kästchen vor, gleich groß, gleich geformt, zwei davon diagonal ausgerichtet und eines senkrecht, und fragt schlicht: Was ist die Beziehung zwischen diesen drei Kästchen Der eine sagt, sie seien alle gleich. Der andere sagt, eines sei anders. Beide haben recht. Und beide haben in diesem Moment ihr wichtigstes Denkmuster offengelegt.
Verstehen durch Ähnlichkeit oder durch Unterschied
Im NLP heißt dieses Metaprogramm Beziehungs-Sort oder auch Matching und Mismatching. Im Kern ist es ein Tilgungsmuster, denn beide Seiten löschen etwas, um überhaupt verstehen zu können. Es gehört zu den prägendsten Aspekten der Persönlichkeit überhaupt. Für die einen bedeutet Verstehen, Gemeinsamkeiten zu erkennen. Sie vergleichen das, was Du sagst, mit dem, was sie schon kennen. Für die anderen bedeutet Verstehen, Unterschiede zu erkennen. Sie suchen in den Daten nach dem, was nicht passt. Und viele Menschen bewegen sich zwischen beidem hin und her. Es lohnt sich zu bemerken, dass beides mit der Chunkgröße zusammenhängt. Wer nach Gleichheit sortiert, muss gleichzeitig hochchunken, also einen übergeordneten Gesichtspunkt suchen. Wer nach Unterschieden sortiert, chunkt klein, denn je kleiner Du chunkst, desto verschiedener werden die Dinge.
Die vier Ausprägungen
Rodger Bailey hat für die Verteilung Zahlen vorgelegt, die sich in der Praxis als brauchbar erwiesen haben.
Nur Gleichheit, etwa zehn Prozent. Diese Menschen sehen vor allem Übereinstimmung. Ihr Lieblingssatz könnte lauten, dass es letztlich nichts wirklich Neues unter der Sonne gebe. Sie löschen dabei erhebliche Mengen an Information. Sie bleiben oft jahrzehntelang im selben Beruf, weil es im Grunde ja überall dasselbe ist, und sehen selten einen Grund, etwas zu ändern, das sie seit Jahren tun. Sie brauchen einen Arbeitsplatz, an dem sich über Jahre möglichst wenig verändert, und werden nervös, wenn Geplantes umgeworfen wird.
Gleichheit mit Ausnahmen, etwa fünfundfünfzig Prozent. Sie wollen zuerst wissen, worin die Übereinstimmung besteht, und danach, worin der Unterschied liegt. Sie wechseln den Beruf etwa alle fünf bis sieben Jahre und benutzen auffällig oft das Wort mehr, denn das Mehr bezieht sich auf den Vergleich mit früher. Sie brauchen stetige, wenn auch kleine Veränderungen, damit ihr Bedürfnis nach Abwechslung erfüllt ist.
Unterschiede mit Ausnahmen, etwa fünfundzwanzig Prozent. Sie sehen zuerst den Unterschied und dann die Gemeinsamkeit. Sie bleiben selten länger als anderthalb bis drei Jahre in derselben Aufgabe und brauchen viel Abwechslung, damit ihnen ihre Arbeit Freude macht.
Nur Unterschiede, etwa zehn Prozent. Sie erkennen sofort, was nicht stimmt, was nicht zusammenpasst oder was am falschen Platz liegt, und tun sich dafür schwer damit, Muster und Strukturen zu sehen. Sie bleiben selten länger als anderthalb Jahre in einer Aufgabe und wollen den Wandel oft um des Wandels willen. Erfolgreiche Korrektoren, Rechtsanwälte und Buchhalter finden sich häufig hier.
Wichtig ist auch hier: In Wirklichkeit gibt es keine vier Schubladen, sondern ein Kontinuum.
Wie Du mit einem Mismatcher umgehst
Der Lieblingssatz eines ausgeprägten Gegenbeispielsortierers lautet sinngemäß: So nicht, so auch nicht, ganz anders. Wer das als Widerstand liest, kämpft. Wer es als Denkform liest, kann damit arbeiten. Sagst Du zu einem Mismatcher, Du wusstest nicht, ob er das tun wolle oder nicht, dann antwortet ein Teil von ihm sofort mit einem inneren Ich aber schon. Genau in diesem Moment steht sein Widerspruchsmuster still, weil es an beiden Enden zugleich angesprochen wurde. Dort lassen sich Anregungen platzieren, ohne auf großen Widerstand zu treffen.
Bei einer besonders starken Neigung zur Gegenreaktion genügt sogar der Hinweis, jemand solle das Gegenteil dessen tun, was Du eigentlich willst. Ich sage bewusst dazu: Das ist ein wirksames Werkzeug und zugleich eines, bei dem die Frage nach der eigenen Absicht wichtiger ist als die Technik.
Warum beide gebraucht werden
Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch, sondern nur unterschiedliche Nützlichkeit in unterschiedlichen Zusammenhängen. Verkäufer sind meist Matcher oder Matcher mit Ausnahmen. Rechtsanwälte und Buchhalter sind eher Mismatcher. Am schönsten zeigt sich das Zusammenspiel an der Wissenschaft selbst, denn ihr Fortschritt beruht auf beidem im Wechsel. Zuerst erfahren wir Rauschen, also ungeordnete Information. Dann suchen wir darin nach Mustern, was Matching ist. Wir bilden Zusammenhänge und formulieren daraus Gesetze. Dann finden wir Ausnahmen von diesen Gesetzen, was Mismatching ist. Und schließlich entdecken wir wieder Muster darin, wie diese Ausnahmen auftreten. Kein Erkenntnisfortschritt ohne beides. Wer nur Gleichheit sieht, findet nie etwas Neues. Wer nur Unterschiede sieht, findet nie einen Zusammenhang.
Woran Du es im Alltag hörst
Achte auf Sätze wie diese, denn sie verraten die Ausprägung sofort:
Wenn ich in ein fremdes Land reise, habe ich meist den Eindruck, dass es überall gleich ist.
Wenn ich essen gehe, besuche ich überwiegend mein Stammlokal.
Es ist mir sehr wichtig, ständig neue Leute kennenzulernen.
Und ein praktischer Hinweis für Deine Gespräche: Viele Kommunikationsstörungen sind nichts anderes als ein Aufeinandertreffen zweier verschiedener Metaprogramme. Wenn Du erklärst, was etwas mit dem Vertrauten gemeinsam hat, und Dein Gegenüber nur hören will, worin es sich unterscheidet, redet ihr aneinander vorbei, obwohl ihr beide recht habt.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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