Selbstwert zeigt sich nicht, er strahlt von selbst
- Florian Stotz

- 6. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Wer im Außen jagt, was nur im Innen wächst, bleibt leer und unerfüllt.
Es gibt ein Muster, welches ich bei vielen Männern in Trainings beobachten konnte. Sie treffen eine Frau die sie interessiert, und im Kopf beginnt sofort ein Rechnen. Dabei konnte ich zwischen den Zeilen folgende Gedanken wahrnehmen: "Wie wirke ich? Was sage ich, damit sie beeindruckt ist? Wie werde ich interessant genug, damit sie bleibt?". Der ganze Mann verwandelt sich in einen Bewerber, der eine Stelle will und merkt dabei nicht, dass genau diese Haltung ihn unattraktiv macht. Die meisten Männer glauben, sie müssten eine Frau überzeugen. Sie sammeln Agrumente für sich selbst, polieren ihre Außenwirkung, überlegen sich Sätze und häufen Status an um Frauen zu beeindrucken. Und je mehr Mühe sie sich geben, desto weniger funktioniert es, ohne dass sie verstehen warum. Denn das Bemühen selbst ist das Problem. Ein Mann, der überzeugen muss, sendet damit eine Botschaft, die lauter ist als alle seine Worte: "Ich glaube selbst nicht, dass ich genug bin". Auf der anderen Seite stehen viele Frauen und sie machen oft einen verwandten Fehler, nur von der anderen Seite. Sie fühlen sich zu Männern hingezogen, die unerreichbar wirken und halten diese Distanz für Stärke. Sie verwechseln einen Mann, der sich entzieht weil er leer ist, mit einem Mann der ruht, weil er voll ist. Nicht aus Dummheit, sondern weil diese beiden von außen in den ersten Wochen und Monaten fast gleich aussehen. Der heutige Artikel geht an die Substanz, und wenn Du schon jetzt getriggert sein solltest, ist der Zeitpunkt vielleicht etwas zu früh für Dich.
Die Verwechslung, die fast alle Menschen einmal machen
Nehmen wir mal einen Mann an, der unerreichbar wirkt. Er meldet sich selten, hält Abstand und gibt wenig von sich preis und lässt eine Frau sich seiner nie ganz sicher sein. Es ist ein Muster, welches man auch als wie ein heiß und kalt bezeichnen könnte. Manchmal gibt er Wärme, und manchmal gibt er Kälte. Dann nehmen wir noch einen weiteren Mann hinzu, der in sich ruht und eine allgegenwärtige innere Wärme in sich trägt. Auch er drängt nicht, auch er klammert nicht und auch er braucht eine Frau nicht um sich zu spüren. Von außen nehmen viele Frauen diese beiden Männer gleich wahr. Beide sind nicht bedürftig, beide jagen nicht und beide lassen Raum. Und deshalb verwechseln viele Frauen den leeren Mann mit dem herzlichen Mann. Die Distanz des leeren Mannes wird von vielen Frauen als Stärke gewertet. Bis nach Monaten auf einmal das Märchen einer glücklichen Begegnung immer mehr in die Brüche geht. Und anstatt zu reflektieren, gibt es sogar Frauen die bereits die nächsten Männer greifbar haben. Der Teufelskreis beginnt von vorne, weil die bewusste Erkenntnis noch fehlt.
Damit ist die Distanz des leeren Mannes genau das Gegenteil, denn ein unerreichbarer Mann entzieht sich weil er im Inneren leer ist. Seine Distanz ist gleichzeitig auch sein Schutz. Er hält eine Frau auf Abstand, weil Nähe ihn entlarven würden. Er nutzt vielleicht, gibt um etwas zu bekommen, ist dominant und befriedigt die Frau beim Sex, allerdings gibt er nicht etwas von Herzen aus, weil da wenig ist das er geben könnte oder wollte. Seine Kühle ist kein Reichtum, sondern eine Mauer. Ein Mann mit echtem Selbstwert ruht weil er im Inneren voll mit Wärme ist. Seine Gelassenheit ist kein Rückzug, sondern Fülle. Er drängt nicht, weil er nichts braucht, aber wenn er sich öffnet dann öffnet er sich ganz. Er ist warm, präsent, verbindlich, offen und empathisch. Er kann Nähe und Intimität zulassen, weil Nähe und Intimität ihn nicht bedroht. Der Unterschied ist also nicht das Verhalten in den ersten Wochen und Monaten dieser beiden Männer. Der Unterschied zeigt sich, sobald es ernst wird. Der eine zieht sich immer mehr zurück, wenn die Frau ihm näher kommt. Der andere bleibt weil er es wirklich echt meint. Und wer das ein paar Mal am eigenen Leib gespürt hat, der lernt auch die beiden Arten von Mann zu unterscheiden. Nicht mit dem Kopf, sondern mit einem Bauchgefühl.
Wie sich Selbstwert wirklich zeigt
Selbstwert ist kein Auftreten, denn man kann ihn nicht spielen oder trainieren wie eine Pose, oder aufsetzen wie ein Outfit. Er zeigt sich weil er da ist, oder er fehlt, egal wie laut man auch schreien mag. Und dies zeigt sich an feinen Elementen:
Ein Mann mit Selbstwert überzeugt nicht, er lebt: Er erzählt nicht wie besonders sein Leben ist, er hat ein Leben. Er listet keine Qualitäten auf, um zu beeindrucken. Er ist einfach da, in dem was er tut, und wer mag kommt mit. Das Beeindrucken-Wollen ist immer ein Zeichen von Mangel, denn wer beweisen muss, dass er genug ist, glaubt insgeheim nicht es wirklich zu sein
Er braucht die Bestätigung einer Frau nicht: Er kann sich öffnen, ohne zu rechnen ob etwas zurückkommt. Er kann eine Frau bewundern, ohne sich kleiner zu machen. Er kann ein Nein hören ohne zu zerbrechen, weil sein Wert nicht zur Abstimmung steht. Das ist vielleicht der härteste Test: Wie geht ein Mann mit Ablehnung um? Der mit Selbstwert trägt sie mit Anstand und geht weiter. Der ohne wird bitter, kühl oder kriecherisch
Er führt, ohne zu drängen: er hat eine Richtung, einen Plan und eine Welt in die er einlädt. Es wirkt gibt einen Unterschied zwischen: "Dann machen wir das" und "Was möchtest Du denn?". Das ist nicht künstliche Dominanz, sondern die ruhige Klarheit eines Menschen, der weiß wohin er geht, und keine Erlaubnis braucht, dorthin zu gehen.
Er bleibt warm: Das ist entscheidend, denn hier trennt sich Selbstwert von Kälte. Ein Mann der eine Wärme in sich trägt, muss sich nicht panzern. Er kann verletzlich sein, weil Verletzlichkeit nicht bedroht. Sichtbarkeit, Offenheit und das Zeigen wer man ist. Das ist Stärke, und keine Schwäche. Nur die Quelle entscheidet: Zeige ich mich, damit mich jemand bestätigt? Oder zeige ich mich, weil in mir etwas Lebendiges ist, das raus will? Dieselbe Offenheit, aber eine völlig andere Wurzel
Wie sich Selbstwert nicht zeigt
Genauso wichtig ist das Gegenteil von Selbstwert, denn die meisten Männer tun unbewusst genau das, was den Selbstwert untergräbt. Sie erklären, wie besonders sie sind. Sie werten andere ab, um selbst zu glänzen. Sie senden Signale aus in Form von Status und warten, dass jemand auf sie eingeht, damit sie wissen, dass sie zählen. Ich nenne das den Leuchtturm: Er sendet sein Licht hinaus und fragt in jedem Strahl: "Seht ihr mich, bin ich genug?" und wartet auf ein Schiff, das antwortet. Das Feuer hingegen ist anders, denn es fragt nicht, ob jemand zusieht. Es brennt einfach, weil brennen das ist, was es tut. Wer sich daran wärmen will, ist willkommen. Wer weitergeht, nimmt nichts mit, denn der Brennstoff liegt im Feuer selbst, nicht in der Aufmerksamkeit von anderen Menschen. Ein Feur wird nicht kleiner wenn jemand weitergeht, und nicht größer wenn jemand bleibt. Einige Frauen spüren diesen Unterschied sofort, lange bevor sie ihn benennen können. Der Leuchtturm wirkt anstregend, auch wenn man nicht weiß warum. Das Feuer wirkt anziehend, auch wenn es gar nichts tut. Weil Anziehung nicht aus dem Bemühen entsteht, sondern aus dem Gegenteil, einem Menschen der nichts braucht und gerade deshalb alles geben kann.
Wie ein Mann begehrenswert wird
Hier ist die unbequeme Wahrheit, die kein Verführungsratgeber gerne sagt: Du wirst nicht begehrenswert, indem Du etwas tust. Du wirst es in dem Du etwas bist, und das lässt sich nicht vortäuschen, sondern entwickeln. Trotzdem gibt es konkrete Wege, weil das innere Wachsen sich nach außen zeigt:
Bau ein volles Leben: Nicht als Strategie um Frauen zu beeindrucken, sondern weil ein erfülltes Leben Dich erfüllt. Projekte, Freunde, Training, Natur und Sinn. Eine Fraue, die in dieses Leben kommt, wird zu einem Schatz und nicht zur Quelle Deines Wertes. Das ändert alles an Deiner Ausstrahlung, und es ist nicht spielbar, es muss echt sein
Lass den Rang los: Hör auf zu rechnen, wer gewählt wird und wer übergangen. In dem Moment, wo Du um Rang kämpfst, hast Du schon verloren, weil Du verrätst, dass Dein Wert von der Wahl eines anderen abhängt. Der Mann, dem der Rang egal ist, weil er bei sich selbst genug Feuer hat, wird gewählt ohne darum zu kämpfen
Werde beweglich wie ein Fluss: Ein Fluss trifft auf einen Stein und kämpft nicht dagegen an, er teilt sich, fließt vorbei und findet dahinter wieder zusammen. Er füllt geduldig die Senke, macht sich schmal in der Enge und wird weit im Tal. Er bleibt immer er selbst und nimmt doch jede Form an, die der Weg verlangt. Kontrolle ist ein Damm der staut, das Fließen ist das Vertrauen, dass das Wasser seinen Weg findet. Und das Wasser findet seinen Weg immer. Dies kannst Du auf die Begegnung mit Frauen übertragen: Wenn ein Plan nicht aufgeht, drück nicht dagegen, sondern fließ einfach darum herum. Wenn etwas Zeit braucht, dann gib ihm Zeit. Geduld ist kein Aufgeben, sondern Souveränität
Halte Deine Wärme: Sei nicht kühl um stark zu wirken, denn das ist der unerreichbare Mann, eine leere Variante. Sei warm und unabhängig zugleich. Das ist die seltene und anziehende Kombination: Ein Mann, der eine Frau wirklich wahrnimmt und trotzdem nicht braucht
Vom Philosophieren zum Verkörpern
Über Selbstwert zu reden ist leicht, ihn allerdings zu spüren ist etwas anderes. Und ihn zu verkörpern, so dass er in jedem Satz, in jedem Blick und in jeder Begegnung mitschwingt, ohne dass man darüber nachdenkt, das ist die eigentliche Arbeit. Der Weg dahin führt nicht über mehr Wissen, sondern über das Aushalten jener Momente, in denen alte Reflexe und Muster greifen, wenn Du eine Bestätigung holen willst. Beispielsweise wenn der Stich der Eifersucht kommt, und Du Dich beweisen willst. Genau in diesen Momenten entscheidet sich, ob der Selbstwert ein Konzept bleibt oder verkörpert wird. Jedes Mal, wenn Du den Reflex und das Muster bemerkst und ihn nicht fütterst, sondern bei Dir bleibst, öffnet sich etwas größeres in Dir. Nicht durch Theorie, sondern durch gelebte Wiederholung. Und irgendwann merkst Du, dass Du nicht mehr überzeugen musst, denn Du brennst einfach. Und dieses brennen ohne ein Wort, manchmal auch als Charisma und Charme bezeichnet, ist wohl das Anziehendeste was ein Mensch sein kann. Ich wünsche Dir viel Erfolg auf Deiner weiteren Reise.
Danke für Deine Zeit und bis bald,
Dein Florian 🌈



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